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Dracula (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2011 | 1. Auflage
552 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-0128-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dracula - Bram Stoker
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Ein Graf mit einer blutigen Leidenschaft. Ein Klassiker der Horror-Literatur und auch heute noch ein echter Gänsehaut-Garant. Als zeitlose Parabel auf das Böse im Menschen und die moralischen Abgründe unserer modernen Welt, begeistert Dracula nach wie vor Leser aller Altersklassen.



Bram Stoker (eigentlich Abraham Stoker) wurde am 8. November 1847 in der Nähe von Dublin geboren. Er war bis zu seinem achten Lebensjahr krank und konnte allein weder stehen noch gehen. Von 1864 bis 1870 studierte er Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik. Anschließend wurde er Beamter bei der Dienstaufsichtsbehörde der Justizverwaltung in Dublin Castle. Gleichzeitig arbeitete er als Journalist und Theaterkritiker. 1878 heiratete Stoker und zog nach London, wo er im Lyceum Theatre als Manager von Henry Irving, dem größten Shakespeare-Darsteller seiner Zeit, tätig war. Im Gefolge Irvings bereiste Stoker die Welt. Daneben besserte er als Buchautor sein Einkommen auf. Bram Stoker erlebte den großen Erfolg seines Romans 'Dracula' nicht mehr. Er starb in finanziell bescheidenen Verhältnissen am 20. April 1912 in London.

ERSTES KAPITEL 8
ZWEITES KAPITEL 26
DRITTES KAPITEL 44
VIERTES KAPITEL 63
FÜNFTES KAPITEL 83
SECHSTES KAPITEL 96
SIEBENTES KAPITEL 115
ACHTES KAPITEL 134
NEUNTES KAPITEL 155
ZEHNTES KAPITEL 176
ELFTES KAPITEL 197
ZWÖLFTES KAPITEL 215
DREIZEHNTES KAPITEL 239
VIERZEHNTES KAPITEL 261
FÜNFZEHNTES KAPITEL 284
SECHZEHNTES KAPITEL 304
SIEBZEHNTES KAPITEL 319
ACHTZEHNTES KAPITEL 338
NEUNZEHNTES KAPITEL 361
ZWANZIGSTES KAPITEL 380
EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL 401
ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL 421
DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL 439
VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL 458
FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL 479
SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL 501
SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL 525
ZUR TEXTGESTALT 552

ERSTES KAPITEL


 

Jonathan Harkers Tagebuch

(in Kurzschrift verfasst)

 

Bistritz, den 3. Mai

Habe München am 1. Mai um 8:35 Uhr abends verlassen, Ankunft in Wien früh am darauffolgenden Morgen – hätte eigentlich um 6:46 Uhr ankommen sollen, aber der Zug hatte eine Stunde Verspätung. Budapest scheint eine herrliche Stadt zu sein, soweit ich es nach der Aussicht aus dem Zugfenster und nach einem kurzen Spaziergang durch die Straßen beurteilen kann. Ich wollte mich nämlich nicht allzu weit vom Bahnhof entfernen, da wir erst so spät angekommen waren, jedoch wohl zur fahrplanmäßigen Zeit wieder abfahren würden. Mein Eindruck war ganz derart, dass ich ab hier den Westen verlassen und den Osten betreten habe. Die Donau weist in Budapest eine beträchtliche Breite und Tiefe auf, und die westlichste der prächtigen Brücken versetzt einen mitten in die Zeit der Türkenherrschaft zurück.

Wir fuhren pünktlich ab und kamen nach Einbruch der Nacht in Klausenburg an. Hier wohnte ich im Hotel »Royal«. Zum Dinner oder vielmehr Supper aß ich ein Huhn, das mit rotem Pfeffer zubereitet war. Es war sehr gut, aber es machte Durst. (Anm.: Das Rezept für Mina besorgen!) Auf meine Frage hin sagte mir der Kellner, man nenne es »Paprikahendl«, und ich würde es, da es ein Nationalgericht sei, überall in den Karpaten bekommen.

Meine spärlichen Deutschkenntnisse kamen mir sehr zustatten; ich wüsste wirklich nicht, wie ich hier ohne sie weiterkommen sollte.

In London hatte ich noch etwas Zeit gehabt und das British Museum2 besucht, um die in der Bibliothek vorhandenen Bücher und Karten über Transsilvanien durchzusehen. Für den geschäftlichen Verkehr mit einem einheimischen Adligen schien es mir durchaus von Vorteil zu sein, mir vorab einige Landeskenntnisse anzueignen. Ich erfuhr, dass mein Reiseziel im äußersten Osten des Landes liegt, dort, wo Transsilvanien, das Fürstentum Moldau und die Bukowina aneinandergrenzen, inmitten der Karpaten, die eine der wildesten und unbekanntesten Gegenden Europas sind. Die Lage der Burg Dracula vermochte ich jedoch weder in den vorhandenen Karten noch in den Büchern zu entdecken, denn es gibt von diesem Landstrich natürlich noch keine exakten Pläne, die unseren Militärkarten vergleichbar wären. Immerhin fand ich heraus, dass Bistritz, die Poststation, die mir Graf Dracula genannt hatte, ein hinlänglich bekannter Ort ist. Ich will im Folgenden einige meiner Eindrücke festhalten; sie sollen mir als Gedächtnisstütze dienen, um Mina von meiner Reise zu berichten.

Die Bevölkerung Transsilvaniens setzt sich aus vier verschiedenen Nationalitäten zusammen: Im Süden leben die Sachsen und, gemischt mit ihnen, die Wallachen, welche Nachkommen der Daker sind. Im Westen leben die Magyaren und im Osten und Norden die Szekler. Ich gehe zu den Letztgenannten, welche behaupten, von Attila und den Hunnen abzustammen. Das mag stimmen, denn als die Magyaren im elften Jahrhundert das Land eroberten, fanden sie dort Siedlungen der Hunnen vor. Ich las, dass innerhalb des hufeisenförmigen Gebirgszuges der Karpaten jeder nur erdenkliche Aberglaube anzutreffen sei, ganz so, als sei hier das Zentrum eines Wirbels aller fantastischen Einbildungen der alten Welt. Wenn dies zutrifft, wird mein Aufenthalt sicher interessant werden. (Anm.: Ich muss den Grafen über all das befragen!)

Obgleich mein Bett ziemlich bequem war, schlief ich nicht gut, und ich hatte alle möglichen verworrenen Träume. Sicherlich hatte das damit zu tun, dass die ganze Nacht hindurch ein Hund unter meinem Fenster heulte. Oder vielleicht war auch der Paprika schuld: Obwohl ich alles Wasser meiner Karaffe ausgetrunken hatte, war ich immer noch durstig. Gegen Morgen schlief ich endlich ein. Ich erwachte durch ein beständiges Klopfen an meiner Tür, woraus ich schließe, dass ich sehr fest geschlafen haben muss. Zum Frühstück aß ich wiederum Paprika und ein Porridge aus Maismehl, welches sie »Mamaliga« nennen, dazu Auberginen mit Fleischfüllung – ein exzellentes Gericht, das »Impletata« heißt. (Anm.: Auch hiervon das Rezept besorgen!) Ich musste schnell frühstücken, denn mein Zug ging kurz vor acht, oder besser: Er sollte zu dieser Zeit abfahren, denn nachdem ich pünktlich um 7:30 Uhr am Bahnhof war, musste ich noch fast eine Stunde im Waggon sitzen, bis sich der Zug endlich bewegte. Es scheint, als gingen die Züge umso unpünktlicher, je weiter man nach Osten kommt. Wie mag es da erst in China sein?

Den ganzen Tag bummelte der Zug durch eine äußerst reizvolle Gegend. Manchmal sahen wir kleine Städtchen oder Burgen auf steilen Hügeln – ein Anblick, wie man ihn nur aus illuminierten alten Messbüchern kennt. Zuweilen passierten wir Flüsse oder Bäche, die, nach den breiten Geröllstreifen auf beiden Seiten zu schließen, wohl häufig über ihre Ufer treten. An den Stationen warteten regelmäßig kleinere oder größere Gruppen von Leuten in den unterschiedlichsten Trachten. Einige von ihnen glichen mit ihren kurzen Jacken, ihren runden Hüten und ihren selbst geschneiderten Hosen ganz unseren Bauern daheim oder jenen, die ich auf meiner Reise durch Frankreich und Deutschland gesehen hatte. Andere wiederum sahen sehr malerisch aus. Die Frauen waren durchweg hübsch, bis man sie aus der Nähe sah und ihre stattlichen Taillen erkannte. Sie alle trugen weite weiße Ärmel, und die meisten von ihnen hatten breite Gürtel, von denen zahllose Bänder nach Art eines Ballettkleidchens herunterflatterten, worunter sich dann natürlich noch Unterröcke befanden. Die Slowaken, das wildeste Volk der Gegend, sahen am seltsamsten aus mit ihren mächtigen Cowboyhüten, schmutzig weißen Pluderhosen, weißen Leinenhemden und ungeheuer schweren, fast einen Fuß breiten Ledergürteln, die über und über mit Messingnägeln beschlagen waren. Ihre Hosen steckten in hohen Stiefeln, und sie hatten lange schwarze Haare und große schwarze Schnurrbärte. Sind sie auch malerisch anzuschauen, so machen sie jedoch keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Auf den Stationen hockten sie beieinander wie orientalische Räuberbanden, jedoch habe ich mir sagen lassen, dass sie eher harmlos und von geringer Selbstsicherheit seien.

Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, als wir in Bistritz ankamen. Eine alte, sehr interessante Stadt, die praktisch an der Grenze liegt – von hier aus führt der Borgopass in die Bukowina hinüber. Demgemäß besitzt Bistritz eine sehr bewegte Vergangenheit, deren Spuren noch heute zu erkennen sind. Vor fünfzig Jahren hatte hier eine Serie großer Brände gewütet, wodurch Bistritz fünfmal nacheinander verwüstet wurde. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt drei Wochen lang belagert und verlor dabei, da zu den Opfern der Kämpfe auch noch Tote durch Hunger und Seuchen hinzukamen, dreizehntausend Einwohner.

Graf Dracula hatte mich an das Hotel »Zur Goldenen Krone« verwiesen, welches sich als ein Haus von altem Stil erwies – zu meiner großen Freude, denn schließlich will ich die Eigenarten dieses Landes so gut wie irgend möglich kennenlernen. Ich wurde offenbar erwartet, denn als ich an die Tür des Hauses trat, kam mir sogleich eine freundlich blickende ältere Frau in gewöhnlicher Bauerntracht entgegen; über ihren weißen Kleidern trug sie vorne und hinten eine lange, doppelte Schürze aus buntem Stoff, die, bei aller sonstigen Bescheidenheit der Kleidung, fast ein wenig zu eng geschnürt war. Als ich näher trat, verbeugte sie sich und sagte »Der Herr Engländer?« – »Ja«, erwiderte ich, »Jonathan Harker.« Sie lächelte und gab einem älteren Mann mit weißen Hemdsärmeln, der ihr bis zur Tür gefolgt war, einen Wink. Dieser ging und kam gleich darauf mit einem Brief in der Hand wieder zurück.

 

»Mein Freund,

willkommen in den Karpaten! Ich erwarte Sie mit Ungeduld, für heute aber schlafen Sie erst einmal wohl. Um drei Uhr morgens geht die Postkutsche nach der Bukowina, ein Platz ist für Sie reserviert. Am Borgopass wird mein Wagen Sie erwarten und zu mir bringen. Ich hoffe, dass Sie von London bis hierher eine gute Reise hatten und dass Sie sich Ihres Aufenthalts in meiner schönen Heimat freuen mögen.

Ihr Freund Dracula«

 

4. Mai

Ich erfuhr, dass mein Wirt ebenfalls einen Brief des Grafen erhalten hatte, worin er beauftragt worden war, für mich den besten Platz in der Postkutsche zu reservieren. Als ich den Mann über Details ausfragen wollte, wurde er jedoch zurückhaltend und gab vor, mein Deutsch nicht zu verstehen. Das schien mir eine Ausrede zu sein, denn zuvor hatte er mich noch sehr gut verstanden. Oder wenigstens hatte es mir so geschienen, denn auf alle meine Fragen war mir stets eine genaue Antwort zuteil geworden. Nun aber wechselte er mit seiner Frau – der alten Dame, die mich empfangen hatte – scheue Blicke. Er murmelte, dass das Geld in einem Brief gekommen wäre und dass er nichts weiter wisse. Als ich ihn fragte, ob er den Grafen Dracula kenne und mir etwas über dessen Burg sagen könne, bekreuzigten sich beide und beendeten das Gespräch mit der Behauptung, sie wüssten überhaupt nichts. Nun war nur noch wenig Zeit bis zur Abreise, sodass ich niemanden sonst mehr fragen konnte, wie mysteriös und beunruhigend mir diese Sache auch schien.

Kurz bevor ich aufbrach, kam die alte Dame dann aber doch noch einmal zu mir aufs Zimmer und beschwor mich in einem beinahe hysterischen Ton:

»Müssen Sie denn dort hingehen, junger Herr? Müssen Sie denn wirklich gehen?« Sie war dermaßen aufgeregt, dass sie das wenige Deutsch, das sie konnte, vergessen zu haben schien, denn sie...

Erscheint lt. Verlag 17.2.2011
Mitarbeit Anpassung von: Martin Engelmann
Zusatzinfo 1 Frontispiz
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Abgründe • Angst • Blut • Blutsauger • Böse • Bram Stoker • Dracula • Fantasy • Gänsehaut • Graf Dracula • Grusel • Horror • Horror-Klassiker • Horror-Roman • Klassiker • Literaturklassiker • Moral • Opfer • Roman • Romantik • Rumänien • Schauerroman • Siebenbürgen • Tagebuch • Transsilvanien • Untoter • Vampir • Vampir-Jagd • Van Helsing
ISBN-10 3-8412-0128-8 / 3841201288
ISBN-13 978-3-8412-0128-7 / 9783841201287
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