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Die Rosen des Lebens (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2011 | 1. Auflage
395 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-0179-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Rosen des Lebens - Robert Merle
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'Jetzt bin ich König' - sagt der sechzehnjährige Ludwig nach gelungenem Staatsstreich, als der mächtige Günstling seiner Mutter Maria von Medici erschossen auf der Brücke zum Louvre liegt. Mit diesem Theatercoup beginnt der sechste Band der Romanfolge 'Fortune de France', in der Robert Merle historisch verläßlich, mit viel Witz und feiner Ironie ein dramatisches französisches Jahrhundert erzählt.



Robert Merle (1908-2004) wurde in Tébessa (Algerien) geboren. Schulbesuch und Studium in Frankreich. 1940 bis 1943 in deutscher Kriegsgefangenschaft. 1949 Prix Goncourt für seinen ersten Roman »Wochenende in Zuydcoote«. Merles umfangreiches literarisches Werk spannt sich in einem großen Bogen von seinem Welterfolg »Der Tod ist mein Beruf« über die ironische Zukunftsvision von »Die geschützten Männer« bis zur historischen Romanfolge »Fortune de France«, die im Aufbau Verlag vollständig in deutscher Übersetzung erschienen sind.

ERSTES KAPITEL 6
ZWEITES KAPITEL 31
DRITTES KAPITEL 52
VIERTES KAPITEL 82
FÜNFTES KAPITEL 112
SECHSTES KAPITEL 137
SIEBENTES KAPITEL 168
ACHTES KAPITEL 189
NEUNTES KAPITEL 215
ZEHNTES KAPITEL 240
ELFTES KAPITEL 266
ZWÖLFTES KAPITEL 292
DREIZEHNTES KAPITEL 322
VIERZEHNTES KAPITEL 350
FÜNFZEHNTES KAPITEL 372

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ERSTES KAPITEL


Fünf Kugeln feuerten die Verschworenen auf den Schurken Concini ab, als er am 24. April 1617 den Louvre über die ›schlafende Brücke‹ betrat. Die zwei ersten verfehlten ihn, die dritte traf ihn zwischen den Augen, die vierte unterm rechten Auge, die fünfte zerriß ihm die Kehle. So konnte man – leicht übertrieben – sagen, er wurde dreimal getötet, zu Frankreichs Ruhe und Erlösung hätte schon einmal genügt.

»Jetzt bin ich König«, war alles, was Ludwig danach sagte. Zehn Tage später, einen Tag vor Himmelfahrt, am 3. Mai um halb drei Uhr nachmittags ging die schluchzende Maria von Medici nach Schloß Blois in die Verbannung. Mit undurchdringlichem Gesicht sah Ludwig von einem Fenster des Louvre die Karosse seiner lieblosen Mutter davonrollen.

Meine geliebte Patin, die Herzogin von Guise, die mit ihrer Tochter, der Prinzessin Conti, zu den engsten Freundinnen der Ex-Regentin gehört hatte, was in punkto Finanzen für sie ein Glücksfall gewesen war, erholte sich von diesem Schlag nicht so schnell, zumal sie wußte, daß Ludwig kein großer Frauenfreund war, dazu hatte ihn seine Mutter in den sieben unheilvollen Jahren ihrer Herrschaft zu sehr niedergehalten und gedemütigt. Und kein Sturz ist so endgültig wie ein Sturz am Hofe, denn wer von den Höhen der Macht fällt, kann für seine graue Zukunft kaum mehr auf Freunde bauen.

Doch Madame de Guise, die unter der Regentschaft zum großen Zorn meines Vaters, des Chevaliers de La Surie und meiner selbst ziemlich hochnäsig auf meinen armen Königssohn herabgesehen hatte – einfältig hatte sie ihn genannt, »gerade nur imstande, seine Zinnsoldaten zu befehligen« –, entdeckte nun quasi von einem Tag auf den anderen seine Tugenden: Entschlossenheit, Kühnheit, Umsicht und eine wahrhaft königliche Verschwiegenheit. Kurz, sie bewunderte, daß ein Knabe von fünfzehneinhalb Jahren diesen erstaunlichen Staatsstreich ersonnen und bis zum erfolgreichen Abschluß geführt hatte.

Dieses Lob wurde Ludwig an unserem Tische gezollt, denn durch einen Laufburschen, der sich morgens in unserem Haus in der Rue du Champ Fleuri einstellte, hatte sich Madame de Guise ohne Umstände zum Mittagessen angesagt: Sie habe mir, hatte sie ausrichten lassen, höchst wichtige Dinge mitzuteilen.

Daß sie so wichtig seien, bezweifelte ich, obwohl ich meiner Patin alle Sohnesliebe entgegenbrachte, schließlich fließt ihr Bourbonenblut in meinen Adern.1 Ich erwähne dies in aller Bescheidenheit, denn ein weiblicher Fehltritt auch seitens einer Prinzessin von Geblüt berechtigt niemanden, sich als wenngleich illegitimen königlichen Abkommen zu betrachten. Was mich im übrigen wenig bekümmerte, ich fühlte mich bis ins Mark als Siorac und war fest entschlossen, mein Fortkommen in der Gesellschaft, wie schon mein Vater, allein nur meinem Dienst für den König zu verdanken.

Vom Mieder bis zum Reifrock, vom Reifrock bis zu ihren Pantöffelchen erstrahlte Madame de Guise in blaßblauem Satin, der ihre himmelblauen Augen in Geltung setzte. Ungeachtet der Perlen an ihrem Gewand wie der blitzenden Diamanten in ihrer Puderfrisur war ich, wenn sie erschien, ganz Aufmerksamkeit nur für ihren bald zärtlichen, bald zornigen Blick, ihr fröhliches, melodisches Lachen, ihren unversieglichen Appetit, ihre sprunghaften Einfälle und Aufregungen, und wie stets bewunderte ich im stillen diese fabelhafte Gesundheit, dank derer sie nicht nur fünf Geburten überlebt hatte, sondern die ihr auch die Gebrechlichkeiten des Alters ersparte und eine prächtige Lebenslust erhielt.

Kaum hatte sie zur Rechten meines Vaters Platz genommen, machte sie sich unverweilt über Wein und Schüsseln her, und erst als sie gesättigt war, sprach sie. Kurioserweise, doch ganz ihrer Art gemäß eröffnete sie die Mitteilung ihrer ›höchst wichtigen Dinge‹ damit, daß sie mich abkanzelte.

»Also, wirklich, mein Herr Patensohn!« begann sie und maß mich mit hochfahrendem Blick, »wer bin ich für Euch? Das fünfte Rad am Wagen, wie? Spielt den Geheimniskrämer! Konspiriert hinter meinem Rücken! Und gegen wen? Gegen die Königin von Frankreich!«

»Um Vergebung, Madame«, sagte mein Vater mit einem halb liebevollen, halb spöttischen Lächeln, »Maria von Medici ist die Königinmutter. Sie ist nicht Königin von Frankreich. Dieser Titel steht allein Anna von Österreich zu.«

»Ist doch egal!«

»Oh, Madame«, fiel ich lebhaft ein, »das ist nicht egal! Es ist ganz und gar nicht egal! Ich habe konspiriert, einverstanden, aber an der Seite meines Königs und gegen die Tyrannei eines schurkischen Abenteurers und einer Mutter, die sich immer noch an den Thron klammerte, obwohl ihr Sohn längst für großjährig erklärt worden war.«

»Na schön, na schön«, sagte Madame de Guise, indem sie ihre molligen Hände hob, »bitte, lassen wir doch diese Spitzfindigkeiten … Geschehen ist geschehen, jetzt haben wir die Suppe auszulöffeln.«

Bei diesen Worten wechselten mein Vater und La Surie einen Blick, denn meine Patin hatte die Angewohnheit, alles, aber auch alles, was ihrer Ansicht widersprach, als Spitzfindigkeiten abzutun.

»Außerdem, wozu sich noch mit der Vergangenheit aufhalten, gibt uns die Gegenwart nicht genug Anlaß zur Sorge?« fuhr Madame de Guise fort, wobei sie vergaß, daß sie selbst ebendies getan hatte. »Im Grunde genommen, Söhnchen, verübele ich Euch die unwürdige Geheimniskrämerei ja nicht so sehr, nur …«

»Nur, Madame«, sagte mein Vater, indem er seine breite Rechte auf die kleine Hand meiner Patin legte – eine Berührung, bei der sie noch nach so vielen Jahren erschauerte und rosig anlief –, »könnt Ihr nicht begreifen, daß es keine Verschwörung ohne Geheimhaltung gibt, nicht wahr? Sogar mir hat Pierre-Emmanuel kein Sterbenswörtchen verraten. Und er hatte recht damit.«

»Aber, Marquis!« versetzte sie aufgebracht, doch ohne ihre Hand unter der seinen wegzuziehen, »läßt es Euch etwa kalt, daß unser Pierre-Emmanuel leicht bis ans Ende seiner Tage in der Bastille hätte schmachten können? Oder, noch schlimmer, auf dem Richtblock enden, unterm Henkersschwert?«

»Madame, wozu ein Was-wäre-wenn beweinen, lacht uns denn nicht die Wirklichkeit?« sagte der Marquis de Siorac. »Ich jedenfalls bin von Herzen froh, daß Pierre-Emmanuel einer von jener Handvoll Männern war, die unter Gefahr für Freiheit und Leben den Plan des Königs ausgeführt haben.«

»Aber das ist es doch gerade!« rief Madame de Guise, »deshalb bin ich ja hier! Ich finde, Pierre-Emmanuel ist viel zu bescheiden und zurückhaltend, während die Meute derer, die mit ihm im Komplott waren, laut und vernehmlich nach Stellen, Ehren, Titeln und Pfründen schreit.«

»Ach, und die bekommen sie?« fragte ich stockend.

»Ja, selbstverständlich!« sagte sie mit einem hochfahrenden Anflug. »Ludwig ist gerecht und vergißt nicht zu belohnen, wer ihm so gut gedient hat!«

Noch zwei Tugenden, die sie ihm plötzlich zuerkennt, dachte ich: Gerechtigkeit und Dankbarkeit. Wie sich die Zeiten ändern!

»Stellt Euch vor«, fuhr sie leidenschaftlich fort, »Vitry ist vom einfachen Gardehauptmann zum Marschall von Frankreich ernannt worden! Statt seiner tritt sein Bruder du Hallier an die Spitze des Garderegiments, und sein Schwager Persan rückt zum Gouverneur der Bastille auf. Und das nur für die Schießerei. Aber Monsieur de Luynes wird Erster Kammerherr, dazu darf er sich ein Herzogtum samt Pairswürde erwarten und obendrein das riesige Vermögen von Concini.«

»Das allerdings sollte man besser dem Schatz der Bastille zurückgeben, denn von daher stammt es«, sagte mein Vater streng.

»Ihr wollt doch nicht etwa Ludwig kritisieren?« sagte Madame de Guise, die mit jeder Minute royalistischer wurde. »Damit aber nicht genug«, fuhr sie fort, »auch die beiden Brüder von Luynes sollen großartig bedacht werden: der eine, heißt es, mit einem Herzogtum, der andere mit einem Marschallsamt.«

»Gott im Himmel!« rief mein Vater aus, »ein Marschallsamt für einen, der noch nie den Degen gezogen hat!«

»Ich stimme Euch bei«, sagte Madame de Guise, »es ist ein bißchen stark. Aber sogar die beiden Bürgerlichen in dem Komplott werden ja hoch ausgezeichnet! Tronçon wird Privatsekretär des Königs, und Déagéant ist zum Finanzverwalter ernannt worden und wird außerdem Mitglied des Kronrats.«

»Das freut mich für ihn«, sagte ich. »Er ist ein Mann von großem Wissen und...

Erscheint lt. Verlag 1.2.2011
Reihe/Serie Fortune de France
Fortune de France
Übersetzer Christel Gersch
Sprache deutsch
Original-Titel Les Roses de la vie
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Klassiker / Moderne Klassiker
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 16. Jahrhundert • 17. Jahrhundert • Adel • Europa • Familienchronik • Fortune de France • Frankreich • Geschichte • Gesellschaft • Historischer Roman • Intrigen • König • Leidenschaft • Ludwig XIII. • Pierre de Siorac • Politik • Robert Merle • Roman • Staatsstreich
ISBN-10 3-8412-0179-2 / 3841201792
ISBN-13 978-3-8412-0179-9 / 9783841201799
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