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Akt der Liebe (eBook)

Thriller

(Autor)

eBook Download: EPUB
2010
Heyne (Verlag)
978-3-641-05419-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Akt der Liebe - Joe R. Lansdale
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Let there be Blood
Tod, Blut und Gewalt sind keine Unbekannten im Fifth Ward, einem berüchtigten Viertel von Houston. Doch die bestialische Hinrichtung einer Prostituierten stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Ein perverser Killer sucht sich gezielt weibliche Opfer aus, um sein Verlangen nach Leidenschaft, Wut, Hass und Rache zu befriedigen. Für die Frauen beginnt ein Leben in ständiger Angst - für den Killer, der sich selbst als 'Houston Hacker' bezeichnet, ist es ein Akt der Liebe.

Einer DER Klassiker des Serienkiller-Genres, jetzt endlich in überarbeiteter Neuausgabe.

Als Krimiautor ist der Texaner Joe R. Lansdale, geboren 1951 berühmt geworden mit der Serie um Hap Collins, einen weißen, heterosexuellen Kriegsdienstverweigerer, und Leonard Pine, einen schwarzen, schwulen Vietnam-Veteranen. Außer Krimis schreibt Lansdale Horror, Science Fiction, Western und Fantasy, sowohl Romane als auch Shortstories und Comictexte. Neben diversen Auszeichnungen für seine Fantasy- und Horrorromane erhielt er 2000 den Edgar der American Crime Writers Association für den besten Kriminalroman des Jahres.

DER ANFANG…
Pearl Harbor bezeichnet nicht nur den Ort, den die Japaner bombardierten; es gibt einen Namensvetter, so getauft angesichts des Blutes, das dort vergossen wurde – mehr Blut, als das ursprüngliche Pearl Harbor je sah. Er ist Teil des Ghettos von Houston, Texas, des Fifth Ward. Gleich hinter Lyons Avenue (Soul Street) und Jensen; und denkt man an Selbstmord oder möchte von einem Ohr zum anderen aufgeschlitzt werden, wäre das genau die Gegend, die man spätabends mit klimpernden Geldmünzen erkunden sollte. Genau genommen braucht man dazu gar kein Geld. Man sagt, es gebe dort Typen, die könnten nachts nicht einschlafen, bevor sie nicht jemanden umgebracht haben.
Tod, Blut und Gewalt sind also keine Unbekannten in Pearl Harbor und dem Ghetto des Fifth Ward. Es ist eine enge, schwarze Welt, vollgestopft mit Fleisch und Armut, eine Sickergrube der Verzweiflung. Verglichen mit Houstons zehn Prozent leben hier im Stadtviertel mehr als vierunddreißig Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Das Durchschnittseinkommen im Ward liegt knapp über fünftausend Dollar, während der Gesamtdurchschnitt Houstons fast zehntausend Dollar beträgt. Wie in jedem Ghetto stecken auch hier die Bewohner tief im dunklen Morast aus Ignoranz, Schmerz und Zerstörung. Doch all dem brodelnden Hass und der explodierenden Gewalt zum Trotz hat sich, genährt von Leere und Verzweiflung, ein eigentümlicher Stolz breitgemacht. Ein Stolz, der den Bewohnern erlaubt, nicht nur mit dem Schmerz zu leben, sondern hin und wieder auch in Freuden … und mitunter sieht sich dieser Stolz mit etwas konfrontiert, das weder das eine noch das andere darstellt. Und dieses Etwas jenseits der Mühsal des täglichen Daseins im Ward ist ganz gewiss keine Freude.
Es ist eine Art des Entsetzens über etwas, was dort zwar nicht endete, aber genau dort begann.
Es war die Geburt des eiskalten, berechnenden Verrückten, der als der »Houston Hacker« bekanntwerden sollte.

SONNTAG · 23.58 Uhr


Die Erinnerung an das Blut und ihre Gegenwehr verschaffte ihm eine Erektion.
Er trat aus der Dunkelheit in das schwache Licht der Straßenlaternen. Laternen, total verdreckt, übersät mit verspritzten Überresten von Kamikazeinsekten. Der knöchellange Regenmantel, den er getragen hatte, war jetzt um das blutige Bajonett und seinen eben erworbenen Schatz gewickelt. Er hatte den Mantel unter den Arm geklemmt. In seinen Schritten lag weder Hast noch waren seine Bewegungen langsam. Sein Gesicht war schwarz geschminkt, er trug Handschuhe und hatte eine eng anliegende Strickmütze über den Kopf gezogen.
Er ging zu dem braunen VW, der am Bordstein stand und vor zwei Stunden und fünfunddreißig Minuten gestohlen worden war. Seinen eigenen Wagen hatte er auf einem 24-Stunden-Parkplatz zurückgelassen. Mithilfe eines Schlüsselbundes – die Sorte, die Profis benutzen, um unbezahlte Autos zurückzuholen – hatte er den VW nahe der Jack-In-The-Box-Hamburgerbude gestohlen. Für den Job heute Nacht. Den ersten Job von vielen.
Er öffnete den VW, glitt hinein und ließ den Motor an. Während der Motor im Leerlauf lief, wischte er sich das Gesicht mit einem Taschentuch ab. Damit es leichter ging, hatte er eine Dose Creme mitgebracht, die auf dem Beifahrersitz lag. Von Zeit zu Zeit tupfte er einen Zipfel des Taschentuchs in die Creme und trug sie auf sein Gesicht auf.
Niemals hätte er jemandem vormachen können, er sei schwarz, aber auf große Entfernung – die einzige Entfernung, aus der er gesehen werden konnte, mal abgesehen von der kleinen Niggerschlampe in der Gasse – war es eine wirkungsvolle Tarnung. Selbst an seinem Gang hatte er gearbeitet. Einmal hatte er einen Film gesehen, Cotton comes to Harlem, und in diesem Film hatte ein schwarzer Junkie einige maskierte Männer nur an ihrem Gang wiedererkannt. Er hatte so was gesagt wie: »Ich weiß, es waren Weiße, Mann. Sie rannten weiß
Nun, er konnte schwarz gehen. Er drehte den Deckel auf die Cremedose, steckte das schwarz verschmierte Taschentuch in die Tasche seiner Jeansjacke, legte einen Gang ein und fuhr aus der Parklücke, weg aus dem Zentrum von Houstons verruchtem Ghetto, dem Fifth Ward.
Fifth Ward. Er dachte darüber nach, kostete die Worte auf seinen Lippen aus. Fifth Ward. Die Worte schmeckten süß. Die Furcht ist besiegt, dachte er, zertreten wie eine Ameise unter meinem Absatz. In der Highschool hatten die Jungen immer gesagt: »Wenn du willst, dass man dir die Innereien rausholt, mach einen Abstecher in die Niggerstadt, fahr die Jensen rauf und runter, und einer dieser Krausköppe wird’s dann garantiert für dich tun.«
Er musste unwillkürlich lächeln. Es war eine alte Angst aus seiner Kindheit, und er hatte davon geträumt, sie zu bekämpfen. Er war kein Mann mehr, der lediglich träumte – und da war mehr, als nur die Angst zu bezwingen, viel mehr. Es ging um den Genuss, einen Genuss, den er sich, außer in seinen Träumen, lange versagt hatte. Von dem einen oder anderen Hund oder der einen oder anderen Katze, die unter seinem Messer landete, mal abgesehen. Aber das war nicht genug, nicht mehr.
Während er durch die Straßen ging, während der Arbeit beobachtete er Leute – insbesondere Frauen, meistens Frauen – und überlegte, wie es wäre, ihre Arme und Beine und Köpfe zu entfernen, und wie sie wohl aussehen würden. Kleine, zerrissene Stoffpuppen, voll mit flüssiger, roter Füllung, die herausquoll und wegfloss, und er fragte sich überdies, wie es wäre, ihr Blut zu trinken, es wie ein Hund mit der Zunge vom Boden zu lecken. Dieser Geschmack und dieser Geruch hatten ihn bis in seine Träume verfolgt, aber heute Nacht, in dieser kalten Gasse, war es kein Hund, keine Katze, es war eine Frau gewesen.
Wieder dachte er an die Furcht vor dem Fifth Ward, die er als Kind empfunden hatte, und er sprach laut mit sich selbst: »Verdammt, wenn hier jemand einen aufschlitzt, dann ich.«
O Gott, vor lauter Entzücken hätte er beinahe mit den Händen auf das Steuer gehämmert. Es war wunderbar gewesen! Viel besser als seine Träume. Viel, viel, viel besser. Das Bajonett, ein schimmernder Bogen im trüben Straßenlicht. Das Blut, ein karmesinroter Schwall versiegenden Lebens, ihre qualvollen Windungen, ihre gedämpften Schreie, die verzweifelt versuchten, den Stoff ihres Slips zu durchdringen. Und auch der Teil, als er ihr das rasiermesserscharfe Bajonett an die Kehle gehalten, ihr den Slip in den Mund gestopft und ihr immer und immer wieder gesagt hatte, er wolle sie nur vergewaltigen, war mit Sicherheit gut gewesen. Als sie geknebelt war, die Arme hinter dem Rücken gefesselt, hatte er die Klinge in einem sanften Bogen über ihren Leib gezogen, sie behutsam, aber tief eindringen lassen und beobachtet, wie die schimmernden, roten Blutstropfen aus den schwarzen Tiefen des ebenholzfarbenen Fleischs perlten.
Und dann verblasste die Erinnerung ein wenig.
An diesem Teil musste er noch arbeiten, musste lernen, sich zu konzentrieren und die Qual des Opfers und sein Vergnügen zu verlängern; doch er konnte sich noch an den Gestank und an das Geräusch ihrer Gedärme erinnern, die aus ihrem Leib quollen wie verschlungene Seile, und dann hatte er sie genommen, genau dort, in dieser Gasse, auf kaltem Asphalt, inmitten des Geruchs von Blut, Gedärmen, Exkrementen, Müll, Urin und billigem Fusel.
Ein Kinderspiel. Nur den Penis zwischen den Knöpfen des Regenmantels herausschlüpfen lassen und in sie rammen. Selbst im Sterben war ihr Gesicht ein schöner Anblick gewesen. Verdreht, ungläubig verloren die Augen ihr Feuer und fielen in die Tiefe des schwindenden Bewusstseins.
Die toten Augen waren faszinierend!
Als er fertig war, hatte er einfach seinen Regenmantel ausgezogen, die Innenseite nach außen gedreht, ihn um sein Bajonett und seinen kleinen Gewinn gewickelt und den Körper der Nacht überlassen.
Köstlich. Es war köstlich gewesen, und das Beste, der Geruch des Todes haftete noch an ihm.

MONTAG ♦·00.02 Uhr


Abgefüllt und mit dem Drang, pissen zu müssen, auf der Suche nach der Abgeschiedenheit einer Seitenstraße, um sich dort zu erleichtern, fand der schwarze Säufer – allen bekannt als Smokey – den ersten zerstückelten Körper, und als er ihn dort mit seinen vom Wein getrübten Augen im Halblicht der von Insekten umschwirrten Straßenlaterne liegen sah, entledigte sich sein Magen nicht nur des Weins, sondern auch der Reste einer Ölsardinen-Cracker-Mahlzeit.
Zuerst dachte er (zumindest hätte er das gern gedacht), es sei eine Schaufensterpuppe inmitten des Abfalls. Der Anblick und Geruch von Abfall war normal in Smokeys Welt, ebenso der Anblick von Blut und des plötzlichen Todes. Er selbst war Gevatter Tod einige Male nur mit knapper Not entkommen. Aber das hier war viel schlimmer als eine Messerstecherei am Samstagabend oder eine Schlägerei mit zerbrochenen Flaschen. Dies war Verstümmelung aus reiner Freude; das hier war krank, hatte nichts von Frustration oder Zorn. Selbst der stadtbekannte Idiot und Säufer erkannte, dass die Schaufensterpuppe keine Schaufensterpuppe war, sondern Bella Louise. Sogar in ihrem jetzigen Zustand konnte Smokey sie noch erkennen. Vor kaum einer Stunde hatte sie seine fünf Dollar genommen, ihr Höschen fallen lassen und – mit den...

Erscheint lt. Verlag 9.12.2010
Übersetzer Gabriele Bärtels
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Act of Love
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte eBooks • Frauenmörder • Hass • Hinrichtung • Houston • HoustonHacker • Killer • Leidenschaft • Rache • Roman • Serienkiller • Serienmörder • Spannung • Thriller
ISBN-10 3-641-05419-2 / 3641054192
ISBN-13 978-3-641-05419-9 / 9783641054199
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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