Jede Sorte von Glück (eBook)
460 Seiten
Aufbau digital (Verlag)
978-3-8412-0053-2 (ISBN)
Brigitte Reimann, geboren 1933 in Burg bei Magdeburg, war seit ihrer ersten Buchveröffentlichung, »Die Frau am Pranger« (1956), freie Autorin. Mit »Ankunft im Alltag« (1961) gab sie der »Ankunftsliteratur« ihren Namen. Ihr Roman »Die Geschwister« (1963) über die gerade vollzogene deutsche Teilung war eines der meistdiskutierten Bücher jener Zeit. Mit nur 39 Jahren starb die Autorin in Berlin-Buch an den Folgen einer Krebserkrankung.
Veröffentlichungen: »Ankunft im Alltag« (1961), »Die Geschwister« (1963), »Das grüne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise« (1965), »Franziska Linkerhand« (1974). Außerdem die Briefwechsel mit Christa Wolf, »Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen 1964-1973« (1993), mit Hermann Henselmann, »Mit Respekt und Vergnügen« (1994), »Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf. Briefe an eine Freundin im Westen« (1995) und mit Irmgard Weinhofen, »Grüß Amsterdam. Briefwechsel 1956-1973« (2003), sowie die Tagebücher »Ich bedaure nichts. Tagebücher 1955-1963« (1997) und »Alles schmeckt nach Abschied. Tagebücher 1964-1970 (1998); »Ich bedaure nichts. Mein Weg zur Schriftstellerin 1955 bis 1970« (Neuausgabe 2023). Aus dem Nachlass: »Das Mädchen auf der Lotosblume. Zwei unvollendete Romane« (2003). Zuletzt erschienen »Jede Sorte von Glück. Briefe an die Eltern« (2008), »Post vom schwarzen Schaf. Geschwisterbriefe« (2018) und »Katja. Erzählungen über Frauen« (2024).
1960 6
1961 55
1962 89
1963 112
1964 143
1965 163
1966 189
1967 219
1968 250
1969 298
1970 337
1971 366
1972 386
1973 400
Anmerkungen 407
Personenverzeichnis 451
Lebensdaten Brigitte Reimann 459
Zu dieser Ausgabe 461
Inhalt 463
1970 (S. 336-337)
Mahlow, 10. 1. [70]
Meine lieben Eltern, seit gestern bin ich also hier (der Verlag hat mir einen Wagen geschickt), und vorläufig fühle ich mich todunglücklich und komme mir wie eine Witwe vor. Schon wenn man gefragt wird, wer im Notfall zu verständigen ist … Da fällt einem wieder ein, daß man keinen Mann mehr hat. Ich habe eure Adresse angegeben.
Na, vielleicht werde ich mich nach ein paar Tagen eingewöhnen. Aber wenn es mir zu öde ist, oder wenn ich die strenge Ordnung nicht mehr ertragen kann, dann reiße ich aus, mit oder ohne Genehmigung des Arztes. Ich bin einfach kein Kur-Mensch, viel zu ungeduldig, und überhaupt ist Arbeit die beste Medizin. Zeit zur Arbeit ist hier ja auch, aber so ohne eine einzige Zigarette – um Gotteswillen! Die passen auf wie die Schießhunde, und ich fühle mich schon richtig krank […].
Und ausgerechnet an dem Tag, als das Telegramm von Mahlow kam, habe ich einen Auftrag vom »Sonntag« angenommen, über Prof. Henselmann zu schreiben. Am 20. 1. muß ich abliefern. Aber erstmal schreiben … Seid froh, daß ihr nie Raucher wart – ohne Spaß: es ist eine richtige harte Strafe, wenn einem von einem Tag zum anderen die Zigaretten entzogen werden. Außerdem habe ich natürlich wieder die ganze Nacht von Jon geträumt. Heute nachmittag gehe ich mal ein bißchen spazieren.
Der Wald hier ringsum ist wirklich sehr schön. Vielleicht kommt Christa Wolf heute noch vorbei (sie wohnt ja ziemlich in der Nähe, in Kleinmachnow); sie sagte gestern abend am Telefon, die ersten Tage in der Klinik wären ihr auch immer sehr schwer gefallen. Na also, und das ist eine so vernünftige und ruhige Frau, die nicht so leicht heult wie eure Tochter. Die Leute hier sind sehr nett – ich meine die Schwestern und der Stationsarzt […].
Aber die Hausordnung ist sehr streng. Na ja, man erwartet ja nicht, daß es eine Nachtbar im Haus gibt, aber die Ärzte hier übertreiben es schon mit dem gesunden Leben (übrigens lebe ich im Prinzip zu Hause genau so, aber freiwillig, während ich Vorschriften nicht vertragen kann), früh schlafen gehen, früh aufstehen, Trockenbürstenmassage, Duschen etc. […] Folgende Tips, falls ihr mich ev. mal besuchen kommen könnt: […] Lebensmittel dürfen auf keinen Fall mitgebracht werden – also leider nichts mit Kuchen, Mutti, ist ernstgemeint.
Aber falls ihr kommt und ein Büchschen Presto oder sonstigen Staubkaffee einschmuggelt, da spiele ich mit, obgleich die Hausordnung sogar Kontrollen (also Lebensmittel- Kontrollen, in Schrank und Nachttisch) androht. Übrigens ist das Essen hier auch sehr ordentlich und für meine Verhältnisse durchaus zureichend.
| Erscheint lt. Verlag | 5.11.2010 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Briefe / Tagebücher |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 20. Jahrhundert • Beziehungen • Briefe • Brigitte Reimann • DDR • Deutschland • Edition • Eltern • Emanzipation • Familie • Krankheit • Kulturpolitik • Literatur • Reimann • Schriftstellerin |
| ISBN-10 | 3-8412-0053-2 / 3841200532 |
| ISBN-13 | 978-3-8412-0053-2 / 9783841200532 |
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