S.G. Browne studierte zunächst Betriebswirtschaft, schlief jedoch in den Vorlesungen regelmäßig ein. Erst durch sein Engagement für das Studententheater entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schreiben. Die nächsten Jahre arbeitete Browne als in Hollywood, bevor er schweren Herzens dem glamourösen Lebenswandel den Rücken kehrte, um sich ganz seinen Romanen zu widmen.
"KAPITEL 13 (S. 73-74)
Jeder erste Freitagabend im Monat ist für die Gruppe eine Art gesellschaftliches Ereignis. Mit seinen wechselnden Exkursionen. Jerry nennt es die Welttodestour. Wir treffen uns dann alle auf dem Friedhof, um einem Angehörigen oder Freund unsere Ehre zu erweisen und uns daran zu erinnern, dass wir, obwohl wir nicht mehr unter den Lebenden weilen, noch nicht tot sind. Damit wir die Möglichkeit zu schätzen lernen, die sich uns dank unserer neuen Existenz bietet, und damit wir begreifen, dass wir etwas Besonderes sind. Bei mir verstärkt das lediglich das Gefühl, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein.
Oder muss es gesellschaftlicher Tod heißen? Oder gesellschaftlicher Untod? Jedenfalls komme ich mir dabei so ungewöhnlich wie Mayonnaise vor. Heute Abend treffen wir uns auf dem Oakwood Memorial Cemetery, gegenüber dem Dominican Hospital, direkt auf der anderen Straßenseite. Für die Patienten muss das ein tröstlicher Gedanke sein. Ich frage mich, ob sie die unheilbar kranken und älteren Patienten im Südflügel unterbringen, mit einem Fenster auf den Friedhof hinaus, damit sie sich schon mal an den Anblick gewöhnen können. In ein paar Tagen ist Neumond, und bis auf das Umgebungslicht des Krankenhausparkplatzes ist es auf dem Friedhof fast vollkommen dunkel.
Zombies sehen nicht besonders gut, was einen nächtlichen Spaziergang über den Friedhof zu einem kleinen Abenteuer macht. Selbst wenn man mit hundertprozentiger Sehkraft gestorben ist, lässt sie kurz nach der Wiederbelebung nach. Je länger man untot ist, desto schlechter wird das Sehvermögen. Es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass Zombies, die schon eine Weile untot sind, eine Brille tragen. Weiter vorne gerät Tom ins Straucheln und stürzt grunzend gegen einen Grabstein.
Vielleicht geht es nur mir so, aber eine Horde wiederbelebter Leichen, die an einem Freitagabend nach zehn Uhr über den Friedhof wanken, ist nicht gerade die beste Weise, mit den gängigen Zombie-Klischees aufzuräumen. Obwohl einige Kulturen in Westafrika und der Karibik glauben, das Zombies durch einen Voodoo-Fluch oder die Übertragung eines Virus entstehen, halten die meisten Menschen Zombies für fleischfressende Monster - ein Klischee, das von Hollywood und Horrorautoren beständig am Leben erhalten wird und das bei unserem aussichtslosen Kampf, unser öffentliches Image aufzupolieren, nicht hilfreich ist. Allerdings ist es ziemlich schwierig, einen guten Presseagenten zu engagieren, wenn man mit dem Budget von Twentieth Century Fox oder Random House nicht konkurrieren kann.
Und wenn die meisten Presseagenten glauben, dass man ihr Gehirn verspeisen will. Meiner Meinung nach trifft die Medien an der Verbreitung einer Anti-Zombie-Stimmung genauso viel Schuld wie den Rest der Gesellschaft. Dank Nachrichtensendungen rund um die Uhr auf allen Kanälen und einem Publikum, das dem Nervenkitzel und Schreckensmeldungen den Vorzug gibt vor dem Unspektakulären und Erbaulichen, kriegen Zombies mehr schlechte Publicity als Präsident, Kongress und O. J. Simpson zusammen. Jedes Mal, wenn ein Zombie etwas Verbotenes tut, selbst wenn man ihn zu dem Übergriff provoziert hat, wird der Vorfall in den landesweiten Nachrichten zu Tode genudelt, bis der Äther von Kommentaren und Augenzeugenberichten erfüllt ist, ebenso wie von Forderungen nach unserer vollständigen Vernichtung."
| Erscheint lt. Verlag | 13.8.2010 |
|---|---|
| Übersetzer | Frank Dabrock |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Breathers |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | eBooks • Horror • Liebesromane • Zombie |
| ISBN-10 | 3-641-04808-7 / 3641048087 |
| ISBN-13 | 978-3-641-04808-2 / 9783641048082 |
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