Artur Landsberger (1876–1933) war Rechtsanwalt und zu seiner Zeit ein überaus erfolgreicher Schriftsteller. Seine zumeist satirisch gefärbten Berliner Gesellschaftsromane erfreuten sich regen Interesses. 'Berlin ohne Juden', als Reaktion auf Hugo Bettauers Roman 'Die Stadt ohne Juden' entstanden, bildete da eine der wenigen Ausnahmen. Er schrieb mehr als dreißig Bücher, die heute zum größten Teil vergessen sind, ebenso wie ihr jüdischer Autor, der wohl seiner eigenen Prophetie zu sehr vertraute: Als er sie durch die Wirklichkeit widerlegt sah, nahm er sich am 4. Oktober 1933 das Leben. 2006 erschien ein weiterer Roman von Artur Landsberger im Weidle Verlag: 'Liebe und Bananen. Eine wilde Sache.'
'Die jüdische Bevölkerung entwickelte jetzt eine fieberhafte Tätigkeit. Verständlich, daß alles in Berlinzusammenströmte. Die Zeitungen mit Verkaufsinseraten aus dem ganzen Reich erschienen im Umfang von dreißig bis fünfzig Seiten. Man konnte alles, was schwer mitzunehmen war, vor allem also Häuser, Möbel, Gardinen, Teppiche, Kronen, Porzellane, Bilder, Bücher, Wagen, Geräte, Pferde, Haustiere, Weine, Konserven und anderes mehr zu lächerlichen Preisen kaufen. Die christliche Bevölkerung kaufte sich satt. Die Leute verkauften ihre Papiere und hoben von den städtischen Kassen ihre Ersparnisse ab. Die Billigkeit reizte und die Freude, den Juden, von denen sie sich sonst übervorteilt glaubten, nun ihrerseits für das, was sie ihnen abkauften, Preise vorzuschreiben, die bis zur Hälfte, oft bis zu einem Zehntel hinter dem wirklichen Wert zurückblieben. Natürlich, sie überkauften sich, und als die Juden raus waren, fehlte ihnen das Geld für das Nötigste. Meist wußten sie gar nichts mit dem Geramschten anzufangen. Was sollte man mit einer Villa vor den Toren Berlins anfangen, wenn man Mühe hatte, seine teure Wohnung in der Stadt zu halten, was mit einem Auto, wenn man sich das Geld für Chauffeur und Benzin vom Munde absparte, was mit echten Persern in Größen von 6 x 5 und 5 x 4, wenn die Zimmer nur 4 x 3 und 3 x 2 groß waren, was mit Handfiletgardinen für 24 Fenster, wenn man nebbich - ach, man brauchte jetzt so gern die jüdischen Worte! - nur fünf Fenster Front hatte. Die Kronen paßten nicht zu den Möbeln, die Bilder nicht zu den Tapeten, und in den bei der Eile natürlich im ganzen gekauften Bibliotheken fand man statt der gesuchten Rudolfe (Herzog und Stratz) Juden, wie Wassermann, Hirschfeld und Georg Hermann, ja, manchmal stieß man sogar auf Bücher in hebräischer Sprache, vor denen man sich bekreuzigte, sofern man nicht in Krämpfe fiel.Alles das aber bemerkte man leider erst, als der große Taumel sich legte und die Juden schon draußen waren. Sonst hätte man sie gewiß des Wuchers bezichtigt und sie gezwungen, die Geschäfte rückgängig zu machen.'
| Erscheint lt. Verlag | 3.12.2024 |
|---|---|
| Nachwort | Werner Fuld |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 130 x 205 mm |
| Gewicht | 291 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Literatur ► Klassiker / Moderne Klassiker |
| Schlagworte | Berlin, Geschichte; Romane/Erzählungen • HC/Belletristik/Erzählende Literatur • Judenverfolgung; Romane/Erzählungen • Landsberger • Literatur • Roman |
| ISBN-10 | 3-931135-34-9 / 3931135349 |
| ISBN-13 | 978-3-931135-34-8 / 9783931135348 |
| Zustand | Neuware |
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