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Hitzewelle - Anne B. Ragde

Hitzewelle

Roman

(Autor)

Buch | Softcover
320 Seiten
2010
btb (Verlag)
978-3-442-74161-8 (ISBN)
CHF 13,95 inkl. MwSt
zur Neuauflage
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Der letzte Band der Kult-Trilogie nun endlich im Taschenbuch!

Familienkonstellationen haben es in sich. Die junge Torunn kann ein Lied davon singen. Ihren leiblichen Vater, Schweinezüchter aus Leidenschaft und Sturkopf sondergleichen, lernt sie erst am Sterbebett ihrer Großmutter kennen. Ebenso ihre grundverschiedenen Onkel Margido und Erlend, der eine Bestattungsunternehmer, der andere Schaufensterdekorateur und schwul. Und als ob das nicht schon genug Veränderung in ihrem Leben ist, soll sie nun auch noch den heruntergekommenen Familienhof übernehmen ...

Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.

Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. 2011 wurde Gabriele Haefs als Königlich Norwegische Ritterin des St.Olavs Ordens in der Norwegischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet u.a. für ihre Übersetzungen, für die Vermittlung von norwegischen Büchern nach Deutschland sowie für das Knüpfen von Kontakten im Kulturbereich ganz allgemein.

Sie stand mitten auf dem Hofplatz, als er angefahren kam. Mit hängenden Armen stand sie dort und sah, wie er an der üblichen Stelle hielt, zwischen Scheune und Holzschuppen. Schon während er ausstieg, rief er: "Sorry, hab mich ein bisschen verspätet. Gestern Abend war wirklich nett!" Sie lauschte seinen Worten, sah die Umrisse seines Körpers, seine Bewegungen in dem schmutzig grauen Morgenlicht. Aber vor allem sah sie, dass er auf sie zukam, und das war gut so, denn sie fiel, es ging um Sekunden. "Kai ..." "Bin unterwegs!", rief er. "Kai Roger." Plötzlich hatte er in ihrer Stimme etwas gehört, vielleicht ein Schluchzen, die Art, wie sie atmete, er wusste es nicht, aber er erstarrte für einen kurzen Moment, dann war er bei ihr, mit einem Sprung. "Was ist los?" "Mein Vater. Er .... "ich habe ihn in den Mittelgang gezogen und in einen Koben geschlossen, weg von Siri." "Aber was hat ..." "Er hat es selbst getan. Seine Tabletten lagen da. Die Tabletten, die er für sein Bein bekommen hatte. Und einige Bierflaschen, glaube ich. Ich konnte nicht richtig ... Er ist jedenfalls tot. Und Siri hat .... "Ich weiß nicht .... "Seine Nase und einige Finger ..." Er nahm sie in den Arm. "Ach herrje!, Torunn." Sie spürte das Gewicht seiner Arme, schloss die Augen und dachte daran, wie schwer die Knöchel ihres Vaters in ihren Händen gewesen waren, wie der eine Stiefel auf den Boden geglitten war, als sie ihn an den Füßen gezogen hatte - und Siris erregter Blick, das um ihre Schnauze erstarrte Blut, das Geschrei der übrigen Schweine. "Es ist meine Schuld", sagte sie. "Torunn!" "Er hat sich selbst aufgegeben. Und das ist meine Schuld." Kai Roger löste seine Umarmung, festigte aber gleichzeitig seinen Griff um ihre Schultern und schob sie von sich fort. "Sieh mich an." "Nein." "Dann hör mir wenigstens zu. Ich gehe jetzt in den Stall und bringe ihn in die Waschküche." Weinte sie? Torunn wusste es selbst nicht. Sie stand da und versuchte festzustellen, ob sie ihre eigenen Tränen spürte, aber sie spürte nichts. Eigene Tränen haben einen ganz besonderen Geruch. Doch sie konnte nur Bilder wahrnehmen - dunkles Blut vor baumelnden Riesenohren, der verschlissene Kragen seines Flanellhemdes, aus dem kleine zottige Fäden heraushingen, seine graue, von einer Wollsocke bedeckte Ferse, die auf uringetränktes Stroh fiel, als der Stiefel von seinem Fuß glitt, an dem sie gezogen hatte, seine blutunterlaufenen Augenhöhlen, sein Nasenrücken ... und dort das Loch. "Lauf in die Küche und ruf Margido an, ich kümmere mich um den Stall." "Das kann ich nicht." "Du musst. Du rufst Margido an, und ich übernehme den Stall." "Du übernimmst den Stall?", fragte sie. Den Stall übernehmen. Das klang seltsam. "Ja, jemand muss den Stall übernehmen. Egal wie. Die Schweine müssen gefüttert werden, die kapieren doch nichts. Sie müssen auf jeden Fall versorgt werden." "Ich kann das nicht", flüsterte sie. Wieder legte er seine Arme um sie, zog sie bestimmt zu sich heran und hauchte in ihre Haare. "Ich kann das nicht." "Doch", sagte er. "Und ich helfe dir dabei. Ich helfe dir, Torunn." Über seine Schulter hinweg sah sie zum Küchenfenster hinüber, dem Küchenfenster auf Neshov. Hier stand sie nun, und er war tot. "Geh jetzt ins Haus. Ruf an. Und koch Kaffee. Den werde ich danach brauchen, wir werden beide danach einen brauchen." "Siri muss geschlachtet werden. Noch heute", sagte sie. "Es ist nicht die Schuld der Sau. Schweine, die ." "Sie wird geschlachtet. UND ES IST MEINE SCHULD!" Kai Roger schob sie mit ausgestreckten Armen von sich weg und packte sie abermals kräftig an den Schultern. "So darfst du nicht denken." "ABER ES IST SO!" Torunn fühlte, wie einfach alles in ihr zusammenbrach, sie verspürte ein so gewaltiges Weinen, dass sie glaubte, sich übergeben zu müssen.

Erscheint lt. Verlag 5.10.2010
Reihe/Serie Die Lügenhaus-Serie ; 3
Übersetzer Gabriele Haefs
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Hvile i gronne enger
Maße 118 x 187 mm
Gewicht 289 g
Themenwelt Literatur
Schlagworte Familiensaga • Familiensaga, Norwegen • Familiensaga, Norwegen, spiegel bestseller, spiegel-bestseller • Familiensaga, Norwegen, spiegel bestseller, spiegel-bestseller, Frauenromane • Frauenromane • Norwegen • Norwegen; Romane/Erzähl. • Norwegen; Romane/Erzählungen • spiegel bestseller • SPIEGEL-Bestseller
ISBN-10 3-442-74161-0 / 3442741610
ISBN-13 978-3-442-74161-8 / 9783442741618
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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