Ingo Maurer
Prestel (Verlag)
978-3-7913-3829-3 (ISBN)
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Bernhard Dessecker, freiberuflicher Innenarchitekt, arbeitet seit 1984 für Ingo Maurer. 1994 entwarf er die Leuchtenkollektion Luzon für die Alteco GmbH. Er hält Vorträge zum Thema Licht und Ingo Maurer.
Stellen Sie sich vor: Sie feiern Ihren 75. Geburtstag, sitzen mir Ihrer Familie und einigen Freunden, die ich die erweiterte Familie nenne, in einem Restaurant Bernhard ist spät dran, aber kaum angekommen, überreicht er mir ein schweres, wunderschön verpacktes Geschenk. Mach' es auf, mach' es sofort auf, sagte er. Und so öffne ich das Paket: Ein Buch, ein Geburtstagsbuch, keine Biographie, wie er betont. Das Buch, sein Titel - traf mich wie eine Bombe, vergleichbar mit Pearl Harbour. Es warf mich buchstäblich auf den Boden, auf die Knie, mein Herz pochte. Ohne jede Warnung war mein Leben plötzlich vor mir ausgebreitet: Meine Eltern, meine Geschwister, meine Familie, meine Arbeit. Wie im Zeitraffer sah ich die Jahre meiner Arbeit, die Jahrzehnte voller Aufregungen und Probleme, voller Kompromisse. Bilder von Mitarbeitern tauchten auf, mit denen ich so viele Jahre gearbeitet hatte, mit einigen über dreißig Jahre lang. Gespräche mit Bankmenschen blitzten in meinen Gedanken auf. Ich erinnerte mich an meine Freude am Spiel, am Abenteuer, am Risiko, ich empfand meine Versäumnisse, meine Naivität und Unsicherheit - nicht enden wollende Eindrücke, Erinnerungen, Gefühle gingen mir durch den Kopf. Nie habe ich mich für wichtig genug behalten, Gegenstand eines Buches zu sein. Ich fühlte mich so beschämt, ja eingeschüchtert. Gleichzeitig war ich von Bernhards Vorgehen tief beeindruckt, alles geschah im Geheimen, auch das Plündern unserer Archive. Meine Familie und einige Mitarbeiter waren regelrecht schockiert, dass sie nicht eingeweiht waren. Bernhard, ich bin stolz auf dich, hab vielen Dank! Ich kenne Ingo Maurer schon seit meiner Kindheit, denn meine Eltern und er waren Standnachbarn auf der Frankfurter Messe. Doch erst mit Beginn meines Innenarchitekturstudiums habe ich mich dann ,professionell' für seine Arbeit interessiert. Dass ich einmal mit ihm arbeiten würde, kam mir damals gar nicht in den Sinn. Mein erster Job nach dem Studium führte mich in ein Architekturbüro nach New York. Eine Entscheidung, von der ich heute weiß, dass sie die Weichen für meine Zukunft stellte. Bei einem Besuch auf der Möbelmesse in Mailand im Herbst 1983 erzählte mir Ingo von seinem neu gegründeten Design-Team. Er war entschlossen, mit 50 Jahren neue Wege zu gehen, auf der Suche nach neuen Dimensionen und neuen Herausforderungen. Ein halbes Jahr später in New York fragte er mich, ob ich Lust hätte, das neu gegründete Design-Team zu ergänzen. Ich willigte ein, sicher, dass ich nur ein Jahr bleiben würde. Daraus sind inzwischen mehr als 20 Jahre geworden. Und immer noch sorgt Ingo für neue Herausforderungen und Überraschungen. Ingo Maurer ist ein unermüdlicher Arbeiter; dynamisch, außerordentlich sensibel, vital, offen und allem Neuen, vor allem allen Menschen gegenüber, aufgeschlossen. Bis heute hat er sich eine fantastische Begeisterung für das Leben bewahrt. Seine "ideale" Welt gliche sicher am ehesten einem Fest (mit viel Tanz), zu dem wirklich jeder eingeladen ist: Menschen, Tiere ("Hörst du das Quaken der Frösche?"), Dinge des Alltags, Licht und Schatten, um mit der ihnen eigenen schöpferischen Kraft und Schönheit zusammenzuwirken. Seine Kreativität ist geprägt von einer wechselvollen Beziehung zwischen Begeisterung und Selbstzweifel. Sein Hang zur unerbittlichen Selbstkritik hat schon viele seiner Mitarbeiter, mich eingeschlossen, gelegentlich verzweifeln lassen. Doch das Hinterfragen einer Idee, einer Lösung, wie weit sie auch fortgeschritten war, hat sich immer wieder gelohnt und oft noch bessere Lösungen hervorgebracht, frei nach der Erkenntnis von Montaigne, "dass die Dummheit dort beginnt, wo der Zweifel endet, dass derjenige, der an etwas glaubt, die bedingungslose Unterwerfung akzeptiert und auf die Freiheit verzichtet zu analysieren oder den Lauf der Dinge zu verändern". Wer ihn besser kennt, weiß, dass es ihm dabei immer um die Sache, um das beste Ergebnis, um das Optimum geht. Dabei schafft er es immer wieder, seine Mitmenschen, seine Kunden, seine Mitarbeiter und seine Freunde zu überraschen mit neuen Ideen, mit ungewöhnlichen Ansätzen, ungewohnten Zitaten, fremden Materialien und neuen Kombinationen. Der Gestalter, der Kreative Ingo Maurer muss aber gleichzeitig auch Geschäftsmann sein, denn inzwischen arbeiten etwa 70 Menschen für die Firma Ingo Maurer. Die damit verbundene Verantwortung ist für ihn häufig Last und Antriebsfeder zugleich. Das vorliegende Buch, das anlässlich Ingo Maurers 75. Geburtstag entstand, kann vieles sein: eine Hommage in Bildern, eine sehr subjektive Dokumentation, ein Bildband mit vielen nie zuvor veröffentlichten Fotos, ein Liebhaberstück für Designer, Architekten, Ingo Maurer-Fans und Menschen, die sich gern mit schönen Dingen umgeben. Eventuell ist es auch eine Ermunterung für junge Designerinnen und Designer, nicht aufzugeben und ihre Ziele unbeirrt weiterzuverfolgen. Und es ist nicht zuletzt ein ganz persönliches Dankeschön für eine über 20 Jahre währende, äußerst interessante Zusammenarbeit und damit verbundene unzählige schöne und inspirierende gemeinsame Stunden. Bernhard Dessecker Einführung Einige glauben, das Entwerfen von Leuchten sei eine redundante Aufgabe. Wie der niederländische Designer Gijs Bakker einmal provozierend formulierte, haben die Hersteller von Glühlampen den schwierigen Teil bereits übernommen, Designern bliebe nur noch, sich Methoden zum Kaschieren der Glühlampen auszudenken. In Bezug auf das Entwerfen von Damenschuhen könnte man in ähnlicher Weise behaupten, die Produzenten von Schuhsohlen hätten den schwierigen Teil schon erledigt, jetzt brauchten die Designer nur noch einen Weg zu finden, die Sohle dauerhaft am Fuß zu befestigen. Ganz im Gegenteil besteht die Notwendigkeit von Funktion neben der reinen sinnlichen Freude an Form und Variation, und gemeinsam erheben sie Leuchten (und Schuhe) auf die Ebene von Designfetischen. Einige Leuchten sind so erfreulich und so unpraktisch wie Lacklederschuhe mit Pfennigabsätzen, andere so bequem und geschmeidig wie ein Paar Air Jordans. Genau wie Schuhe kaufen Leute Leuchten, um eine stilistische Aussage zu machen. Es ist eine nützliche Übung, über die psychologischen und soziologischen Implikationen einer Arco-Stehlampe, einer Tizio-Schreibtischlampe oder Maurers Lucellino nachzudenken. Leuchten sind eine sehr persönliche und symptomatische Entscheidung.
| Erscheint lt. Verlag | 9.12.2008 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Maße | 240 x 300 mm |
| Gewicht | 2035 g |
| Einbandart | Leinen |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Design / Innenarchitektur / Mode |
| Schlagworte | Designer (Einz.) • Designer (Einzelne Personen) • Lichtdesign; Bildband • Maurer, Ingo |
| ISBN-10 | 3-7913-3829-3 / 3791338293 |
| ISBN-13 | 978-3-7913-3829-3 / 9783791338293 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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