Paradiesische Höllen
Dielmann, Axel (Verlag)
978-3-86638-468-2 (ISBN)
»Europa hatte keinen Che Guevara … es hatte Mikis Theodorakis.« Mehr zu Autor und Buch auf der Verlagswebsite unter:
http://www.dielmann-verlag.de/de/content/Theodorakis/~nm.18~nc.57/Gesamtliste.html Zum Buch:
Der »Sirtaki« war eigens für den Zorbas-Film kreiert worden, aber die darin verarbeitete Volksmusik stammte aus einem umfangreichen Reservoir an Musik, die Theodorakis studiert und analysiert hatte und in sich trug – ein Fundus, aus dem Theodorakis auch später schöpfte, wenn er seine großen klassisch-modernen Werke schrieb, seine Sinfonien, seine Opern, das Oratorium »Axion Esti«, seine erfolgreichen Ballett-Musiken, Musik für Theater.
Musik, die Teil des Lebens breiter Schichten der Bevölkerung ist, auch anderswo auf der Welt, das fand immer wieder Theodorakis‘ Interesse. Schließlich komponierte er „Canto General“, inspiriert von musikalischen Motiven Lateinamerikas. Die Auswahl der Texte von Neruda, die er vertonte, traf er gemeinsam mit dem Dichter und mit Salvador Allende.
Wer zu wenig Theodorakis gehört hat, mag dessen Rhapsodien entdecken, sein „Requiem“, das Adagio, den von ihm als solches bezeichneten Lied-Fluss „Im Belagerungszustand“, die Eluard-Lieder, „Raven“, das Klavierkonzert und die »Mauthausen-Kantate«, deren Lieder Vertonungen der Gedichttexte von Iakovos Kambanelis sind, der in Mauthausen der Häftling mit der Nummer 10.205 gewesen war und überlebt hatte. HIER 2018 gesungen von Konstantin Wecker und dem Chor des Uhland-Gymnasiums Tübingen. Und: „Sonne und Zeit“, den Liederzyklus, der eine der Besonderheiten in Theodorakis‘ Werkschaffen darstellt, da er hier Rock-Elemente verarbeitet hat, wie sonst in keinem anderen Werk. Alle Texte schrieb er selbst. In diesem Gedichtband sind sie zu finden. Vorwort von Konstantin Wecker:
Mikis Theodorakis – Gedichte sind Musik
Es ist eine große Freude für mich, das Geleitwort für ein Buch schreiben zu dürfen, in dem alle Gedichte von Mikis Theodorakis erstmals auf Deutsch zusammengefasst sind.
Mikis Theodorakis ist inhaftiert, gefoltert, verbannt worden und hat dennoch nie aufgegeben, nie aufgehört gegen Nazis, Faschisten und Putschisten zu rebellieren, seine Stimme zu erheben, zu mahnen, und vor allem: uns Mut zu machen.
2010 habe ich für die Hommage CD «Viva Mikis 85» das «Lied der Lieder» («Asma Asmaton») aufgenommen, das ich in den Jahren danach auch in meine Konzertprogramme eingebaut habe. «Asma Asmaton», nach Texten des Schriftstellers Jakovos Kambanellis, ist meines Erachtens der Höhepunkt der Kantate über das KZ Mauthausen.
Am 1. Mai 2012 durfte ich Mikis Theodorakis in seiner Wohnung in Athen treffen. Der großartige griechische Dichter und Musiker hat mir über zwei Stunden aus seinem Leben erzählt, einem Leben, das Stoff für mehrere Leben böte. Er hat lebendig und ungebrochen von seinen Kämpfen im Widerstand gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg und später gegen die Militärdiktatur berichtet. Was für ein Leben! Immer im Dialog mit Kunst und Politik, im Dialog mit sinfonischen Klängen und Volksmusik, mit erbitterten Feinden und begeisterten Liebhabern seiner unsterblichen Musik.
Ich habe danach auf seinem Flügel «Wenn der Sommer nicht mehr weit ist» spielen dürfen, hinausblickend auf die Akropolis, denn seine Wohnung lag am Fuße dieser Kulturstätte, von der sein Freund Manolis Glezos am 30. Mai 1941 die Hakenkreuzfahne abgerissen hat.
Im Juli 2015 durfte ich im Garten der Konzerthalle Megaron zu Ehren des 90. Geburtstages von Mikis Theodorakis zusammen mit der griechischen Sängerin Eleni Witali und der aus New York stammenden Sängerin Lina Orfanos mehrsprachig erneut das «Lied der Lieder» singen.
Hier also seine Gedichte. Seine Lyrik will gehört werden, und ich rate allen Leser:innen, die noch keinen Zugang zur Lyrik gefunden haben, sich die Worte von Mikis Theodorakis auf der Zunge zergehen zu lassen und sich seine Gedichte selbst vorzutragen. Gedichte sind Musik, und genauso sollte man sie in sich aufnehmen.
Theodorakis schreibt naturverbunden und voll Menschenliebe – und entschieden gegen Folter und Krieg.
«Jeder Gruß ein Mädchen, jedes Mädchen ein getötetes Kind.»
Oder:
«Anbrechen wird ein Tag, da die Sonne nicht mehr sinkt Schatten verwandeln sich in Licht und auf die Blätter des Baums wird tropfen das Blut entflammt wie eine Träne. Das All wird ein endliches sein.»
Lieber Mikis Theodorakis, ich danke Dir von Herzen für die vielen lebenswichtigen Begegnungen mit Dir! Deine Persönlichkeit, Deine Lebenshaltung und Engagement, Deine Inspiration, die sich in Deiner Musik abgebildet hat und mein Wirken geprägt und viele von uns bereichert hat. So wie es jetzt auch alle Deine Gedichte tun.
Yassu, Mikis!!! Inhaltsverzeichnis:
Konstantin Wecker
Mikis Theodorakis – Gedichte sind Musik
Hans-Eckardt Wenzel
Mikis Theodorakis – Gedichte eines Komponisten
Die Gedichte
Tote Epoche
Schuberts Unvollendete
Das Haus mit den Skorpionen
Das All wird ein endliches sein
Grüße oder Ich ertrinke in allen Flüssen der Nacht
Weihnachten 1944
Ostria – Südwind
Erotisches Lied
Fünf Soldaten
Weise ab was du liebst ...
Kleine Narzissen
Stimme der Stille
Dino Mais / Siao
Widmung
An die Sehnsucht
An meinen Tod
Sterbliche! Sterbliche!
Weine nicht mehr
Der Ikarusse Gesang
Eine Lüge
So duftete die Erde nach einem kurzen Frühlingsregen
Nächtliches
Ich und sie
Odysseus
Ich liebe dich – anders kann’s nicht sein
Kleine Fantasie
Verwundete Nachtigall
Kleine Anemonen
Das Grün des Frühlings
Diese wunderschönen Augen
Sag, was du willst
Die Falle
Zusammenhanglose Anmerkungen
Liedtexte
Ich hatte drei Leben
Neruda Requiem
Margarita
Junger Held
Boot auf hoher See
Aus dem Zyklus «Eros und Thanatos», 1946
Worte der Liebe
Wenn du die Sonne um Freude ersuchst
Aus dem Zyklus «Lied des toten Bruders»
Eines Abends
Der Traum
Verratene Liebe
April
In den Gärten
Die Kette
Pavlos und Nikolios
In Anatolien
Dionysos
Gefängnis
Der Kühlschrank
Vision
Der Bär
Aus dem Zyklus «Beatrice auf der Straße Null»
Straße Null
Beatrice, hör auf zu lachen
Das Lied der Erde
Aus dem Zyklus «Lieder des Kampfes», 1970
Weil er den Anweisungen nicht folgte
Und vergiss nicht Oropos
Aus dem Zyklus «Für Alexandros Panagoulis», 1976
Er war allein
Rote Rose
Aus dem Zyklus «Reise in die Nacht», 1978
Jetzt, da die Blumen sterben
Lieder des Widerstands
Die Front
Die Sonne
Das Meer
Andreas-Lieder
Du bist Grieche
Wir sind zwei
Zeit zu sehen
Das Schlachthaus
Sonne und Zeit
Sonne und Zeit
Sonne und Zeit (Entwürfe)
Anhang
Ina Kutulas: Tryptichon
Der Junge mit dem Roller
Geht Theodorakis an
Jetzt Nicht Jetzt
Editorial
Von Asteris Kutulas und Raphael Irmer
GLOSSAR
Quellen und Verweise
Die Herausgeber
Die meisten denken bei Theodorakis nicht zuerst an »Zorbas«. Sie denken an einen charismatischen Mann, der in den 70er Jahren auf der Bühne stand für die Freiheit seines Landes, für die Freiheit des Wortes, für den Traum von Freiheit, von dem sein großes Publikum beseelt war. Dieses Publikum und dieser Künstler taten das Beste, was sie tun konnten, um die Diktatur abzuschaffen, die ihnen nicht passte: Weltweit, in Hunderten Konzerten sangen sie gemeinsam, sie waren fähig zum Dialog. Authentisch und stark – Theodorakis sah man Kreta an und Makronisos, Zatouna, Athen, das unbezwingbare Griechenland, Paris, London, Tel Aviv, Sydney, die Welt. Und: »Zorbas The Greek«. Zum 1964 unter der Regie von Michael Cacoyannis entstandenen Film (nach dem Roman von Nikos Kazantzakis) mit Anthony Quinn hatte Theodorakis die Filmmusik geschrieben, die ikonisch wurde wie auch die Filmszene. Seitdem stehen sie für die befreiende Kraft des Tanzes: Zorbas neben der zerschellten Minen-Rutsche, was den finanziellen Ruin des Unternehmens bedeutete; dem Desaster trotzend, breitet Zorbas die Arme aus, fordert seinen entmutigten Partner auf: »Come on«, zelebriert einen »Sirtaki«. Theodorakis schenkte der Welt die Frische dieser Musik – und damit den Lebensmut, den ganz Griechenland wenige Jahre später, zur Zeit der Junta brauchte und den es in Theodorakis‘ sehr dynamischen, vor allem aber auch in den sehr lyrischen Liedern fand. Der Schizophrenie der Diktatur widerstanden diese von den Obristen verbotenen Lieder durch die griechische Identität, die sie enthielten. Es war zugleich die kulturelle Identität aller, die diese Lieder als Schlüssel annahmen, um die Tore der Mauern jeglicher Diktatur zu öffnen.
| Erscheinungsdatum | 28.06.2025 |
|---|---|
| Zusatzinfo | Illustrationen |
| Verlagsort | Frankfurt am Main |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 135 x 215 mm |
| Gewicht | 340 g |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik |
| Kunst / Musik / Theater ► Musik ► Musikgeschichte | |
| Schlagworte | Alexis Sorbas • Angela Hampel Zeichnungen • Anthony Quinn • Asma Asmaton • Asteris Kutulas Herausgeber • Athen • Axion Esti • Canto general • faschisten • Freiheitskampf • Griechenland • Hans-Eckardt Wenzel Vorwort • Ina und Asteris Kutulas Übersetzer • Konstantin Wecker Vorwort • Kreta • Lied der Lieder • Makronisos • Margarita Theodorakis Fotos • Mauthausen-Kantate • Michael Cacoyannis • Militärjunta • Musik • Nikos Kazantzakis • Raphael Irmer Herausgeber • Roger Willemsen • Sirtaki • Zatouna • Zorbas the Greek • Zweiten Weltkrieg |
| ISBN-10 | 3-86638-468-8 / 3866384688 |
| ISBN-13 | 978-3-86638-468-2 / 9783866384682 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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