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Wenn sich Kreativität und Poesie begegnen (eBook)

Schreibend die eigene Kreativität entdecken
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
264 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-57652-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wenn sich Kreativität und Poesie begegnen -  Christof Then
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In dem Buch WENN SICH KREATIVITÄT UND POESIE BEGEGNEN stellt sich die Schreibwerkstatt Ettlingen vor. 7 Autorinnen und Autoren der Schreibwerkstatt präsentieren auf 240 Seiten Texte und Gedichte, die sie in den letzten Jahren bei den Workshops der Schreibwerkstatt zu verschiedenen, in den Workshops vorgegebenen Themen geschrieben haben. Für die Leserin, den Leser wird erlebbar, wie im konkreten Prozess des Schreibens - in authentischer Interaktion mit sich selbst und den anderen allen Themen der Welt ein literarischer, poetischer Ausdruck gegeben wird, im Hin und Her - zwischen Denken und Spüren - zwischen Altem und Neuen Diesen Prozess nachzuverfolgen in den Texten und Gedichten der AutorInnen - dazu lädt dieses Buch ein.

KAPITEL 2

DIE AUTORINNEN DER SCHREIBWERKSTATT STELLEN SICH VOR

 

Jürgen Artman

„Schreiben ist Handwerk und die eigenen Abgründe“, sagte Bodo Kirchhoff. In diesem Sinne ist Schreiben für mich immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Schreiben hat eine reinigende Wirkung und den Vorteil, deutlich günstiger als eine Therapie zu sein.

 

Anti TikTok

Mein Sohn hat ein neues Hintergrundbild auf seinem Handy. Eine Influencerin, perfekte Wimpern, perfekte Lippen, perfektes Make-up. Er sagt, er hat sie mir schon einmal gezeigt, aber ich erkenne sie nicht wieder. Austauschbar. Ich verlasse das Café und laufe durch Frankfurt. Vor einem Wand-Graffiti bleibe ich stehen, zücke mein Handy, mache ein Bild, stecke das Handy in die Tasche. Auf dem Bild ist eine Mutter mit Kleinkind zu sehen. Darüber prangt ein Slogan.

There is something better than perfection“, hallt es in mir nach, als ich weitergehe.

Frankfurt ist nicht perfekt, die Fassaden sehr gemischt. Lila Gasrohre, die in der Höhe über die Straßen gebaut sind, sind Farbtupfer, die es nicht besser machen.

Das hilflose Kleinkind ist nicht perfekt. Aber es hat einen fordernden Blick. Es fixiert die Mutter.

Diese Augen sagen, dass sie Erwartungen haben.

Zufrieden und erschöpft sieht die Mutter aus. Sie ist nicht perfekt.

Es fehlt jedes Styling, nicht für Instagram geeignet. Der nackte Körper ist nicht perfekt trainiert, die Stirn liegt in Falten, die Haare haben keinen Pep.

Zufrieden sieht sie aus.

Mutter und Kind tragen Gesichtsmasken, nach oben geschoben wie Hüte. Sie glänzen, goldbraun und perfekt. Die beiden haben sie nicht nötig.

Der Film auf der Hauswand läuft vor meinem geistigen Auge. Die Mutter atmet entspannt und gleichmäßig. Das Kind wird auf der Bauchdecke leicht angehoben und senkt sich wieder.

Die Einheit ist perfekt. TikTok.

Jogging-Rundkurs

„Warum zögerst du? Traust du mir nicht?“, sagt gleich zu Beginn der Zebrastreifen. „Ich passe auf dich auf.“

„Danke, doch, ich traue dir, aber ich sehe instinktiv nach links und rechts, wenn ich dich überquere. Das geht nicht gegen dich.“

„Mich hast du nicht mal beachtet. Ich weiß, ich bin hässlich“, weint die alte DB-Zentrale.

„Du bist nicht hässlich, du bist brutal. Das ist halt dein Architekturstil. Dafür kannst du nichts.“

„Hey, wo willst du so schnell hin?“, fragt die Galluswarte. „Bleib hier und trink einen mit. Ich bin das größte Wasserhäuschen weit und breit.“

„Nach dem Joggen vielleicht“, antworte ich im Vorbeiziehen nicht ganz ernst gemeint.

„Du schnaufst wie ein Walross“, sagt die kleine Steigung vor der Eisenbahnbrücke und verdreht die Augen.

„Ja, ich weiß, du bist nicht lang. Aber ich mag halt keine Anstiege.“

„Wir spenden dir Schatten“, sagen die Bäume in Niederrad. Etwas zu viel Schatten für mich. Ich freue mich auf die Sonne.

„Störe mit deinem Gerenne unser Meeting nicht!“, beschweren sich die Banktürme der Frankfurter Skyline. „Wir haben Wichtiges zu besprechen. Wir sind systemrelevant.“

„Ich liebe Lucas, ich liebe Anne, ich liebe Tom, ich liebe Verena!“, rufen hunderte von Vorhängeschlössern auf dem Eisernen Steg wild durcheinander.

Wie viele haben später verzweifelt im Main nach dem Schlüssel gesucht?

„Hallo Kleiner, sieh her und schau, wie hübsch ich bin“, ruft mir die EZB stolz zu.

„Ja, du glänzt wie eine Diva auf der Cocktail-Party im PaillettenKleid. Aber ich muss weiter.“

„Ach verschwinde, du schwitzt. Ich warte auf einen echten Gentleman.“

„Morgen fahren wir los. Erst Main, dann Rhein, vielleicht darf ich aufs Meer. Ich darf bestimmt aufs Meer!“ Ein angelegtes Schiff wippt vor Vorfreude auf den Wellen.

Ich will ihm die Illusion nicht nehmen und sage nichts.

„Boa, is mir schlecht, Alter. Ich habe echt zu viel getrunken und gegessen“, klagt der mit leeren Weinflaschen und Pizza-Kartons vollgestopfte Mülleimer.

„Ja, du tust mir ein wenig leid. Hoffentlich räumt dich jemand auf.“

„Na, wieder da? Siehst fit aus“, lobt mich meine Haustüre. „Danke, Kumpel, dabei habe ich gar nichts anderes getan, als alte Freunde zu besuchen.“

Marion Döring

Auf der Suche sein

meinen stolpernden Gedanken

versuchen zu folgen

Verbunden sein mit der Gruppe

vorlesen, mich zeigen

den anderen lauschen

Mich inspirieren lassen

von deren Worten

Berührendes

in meine Texte weben

Mich wertgeschätzt fühlen

mit all meinen Facetten

dem Leichten und Bunten

dem Abgründigen und Traurigen

mal zart und leise

oder wild, trotzig und laut

nach hinten blicken

in Erinnerungen schwelgen

sie vorüberziehen lassen

Gefühltes in Worte kleiden

auch das Schweigen zeigen

nach vorne gerichtet

mal stotternd und scheu

dann polternd und forsch

immer neugierig und unterwegs

spielend, wieder ein Kind sein

mit Worten jonglieren und

versuchen, den Verstand

auszutricksen, keine Zensur

sinnfreie Fragmente bergen

auf der Suche sein,

meinen stolpernden Gedanken

versuchen zu folgen

 

Im Boot

Gestern fast ertrunken

im Tränenmeer

Heute sitze ich

im Boot,

lasse mich treiben

Die Segel setzt

der Wind

flüstert zart

deinen Namen

Bäume am Uferrand

ein einzelnes Blatt

flattert tanzend

durch die Luft

Zeitlupentempo

Es fällt sanft

in den See,

zieht Kreise

Ich schaue ihm nach

wie es davon treibt

Mein Boot

trägt mich,

schaukelt hin und her

leiser Wellengang

Eine Träne rollt

zurück ins Auge

Irgendwas bleibt immer

morgen

vielleicht

 

Trotzdem

Genug dem Verstummten gelauscht,

endlich wieder anfangen,

das Rascheln der Blätter zu spüren,

die alten Träume zu bergen – auch, wenn sie zerklüftet und in

wirre Einzelteile zersplittert sind.

Ein krabbelnder Käfer

am Wegesrand – aus Schatten geborgener Glanz

durch die äußerste Enge hindurch

gekrochen – na und?

Schrittchen für Schrittchen,

stetig, der fernen Sternenspur folgend –

links ein lächelndes Du

gewürzt mit Hoffnung,

rechts eine Prise Trost

Und niemals vergessen,

die Visionen zu dividieren:

Nur so ergibt sich der tiefere Sinn:

Wachsam bleiben und Staunen.

Tu etwas Zaun an den Mond

Lass sein Geheimnis

für sich stehen

Nicht alles muss

ans Licht gebracht werden

ein kleiner Funken

leuchtet einfach so

Es gibt jetzt und hier

 

nichts weiter zu ergründen,

doch alles wächst

und gedeiht.

Wortspiel

Spiele mit Worten

wie einst als Kind

im Wald,

voller Sehnsucht

abgetrotztes Lächeln.

In diesen Zeilen

ein Zuhause finden,

flüchtig

scheu tastend

Wegweiser ins

kleine Glück.

Antonia Maritta

Warum schreibe ich?

Mit meinem Arbeitsalltag hat Schreiben wenig zu tun, dort beschäftige ich mich mehr mit Zahlen. Um so mehr genieße ich es, in der Schreibwerkstatt meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können und mir meine Gefühle und Empfindungen von der Seele schreiben zu können.

In all der Hektik des Alltags sind das Schreiben und die Schreibwerkstatt für mich Kraftquellen, die meine Akkus wieder aufladen.

 

Dämmerung

Die Nacht ist vorbei, ein neuer Tag bricht an. Ich genieße diese Zeit der Ruhe und bereite mich auf den neuen Tag vor. Die Stadt ist noch nicht erwacht. Die Straßen sind noch leer. Ich fahre mit dem Auto Richtung Osten und erfreue mich an dem wunderschönen Sonnenaufgang. Der Himmel ist leicht wolkenverhangen. Die Sonne geht blutrot am Horizont auf. Nebelschwaden wabern über die Wiesen links und rechts der Autobahn. Ich freue mich. Das Licht ist wunderschön, und ich bin wieder versöhnt mit der Welt. Was mag der neue Tag mir wohl bringen? Sicherlich viel Arbeit, aber auch nette Gespräche mit den Kollegen. Wenn ich mit offenen Augen unterwegs bin, kann ich sehen, wie die Natur erwacht, wie jedes Jahr wieder. Im Moment geht es mir zu langsam.

Abenddämmerung, ein langer Tag liegt hinter mir. Der Tag war anstrengend, und ich bin müde. Ich habe meinen inneren Autopiloten eingeschaltet und lasse die Ereignisse des Tages nochmal Revue passieren. Was war gut, was war schlecht? Bin ich bedrückt und deprimiert? Auf der...

Erscheint lt. Verlag 2.2.2023
Reihe/Serie Schreibend die eigene Kreativität entdecken
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Kunst / Musik / Theater Allgemeines / Lexika
Geisteswissenschaften Philosophie
Schlagworte Begegnung • Blick • finden • Geschichte • Gesicht • Glück • Herz • Himmel • Kinder • Körper • Kreativität • Licht • Moment • Paar • Poesie • Tag • Tür • Welt • Zeit
ISBN-10 3-347-57652-7 / 3347576527
ISBN-13 978-3-347-57652-0 / 9783347576520
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