Da jede künstlerische Darstellung im weitesten Sinne auf Gesehenem, Erlebtem und Empfundenem beruht und ohne Vorbilder und Lehrer die künstlerische Entwicklung nicht zu denken ist, beginnt unsere Werkauswahl mit den großen Wegbereitern der Kunst des 20. Jahrhunderts, mit Rodin, van Gogh, Gauguin, Munch und anderen, die das Primat der Abbildfunktion in der Kunst brachen und so Freiräume schufen für die Autonomie des Bildes. Matisse hat diese Ablösung vom akademischen Kunstverständnis des 19. Jahrhunderts treffend-bissig in kurze Worte gefasst. Auf die »Unnatürlichkeit« seiner Tanzenden angesprochen, erwiderte er: »Ich male keine Frauen, ich male Bilder.« Die in chronologischer Folge gezeigten Werke und die Künstlerviten machen die kontinuierliche Veränderung des Kunstverständnisses im Laufe der letzten einhundert Jahre deutlich. Sie zeigen nicht nur den Weg von der Klassischen Moderne bis in unsere Tage, sondern auch die Einbringung neuer Methoden, das Arbeiten mit Licht statt mit Farbe, die Entstehung neuer Techniken und Ausdrucksformen, wie Installation, Land Art und Performance, und schließlich das Drängen der neuen Medien und Technologien in den Bereich der bildenden Kunst. »Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß das Zeitalter der Moderne zu Ende sei. Vieles weist darauf hin, daß wir durch eine Übergangszeit gehen; es scheint, daß etwas abstirbt, während etwas anderes in Schmerzen geboren wird. Es ist, als ob etwas zugrunde geht, zerfällt und sich erschöpft, während etwas anderes, noch unbestimmtes, aus Schutt sich erhebt.« Diese Gedanken des tschechischen PräsidentenVaclav Havel drücken aus, was viele empfinden angesichts einer Welt, die nach den großen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüchen am Ende unseres Jahrtausends nach einem neuen Selbstverständnis und nach Zukunftsperspektiven sucht. Diese Verunsicherung wird auch in der Differenzierung und Zersplitterung der Kunst deutlich, und die aktuellen Diskussionen um die »Postmoderne«, die »Zweite Moderne« oder das »Ende der Kunst« weisen in diese Richtung. In einer solchen Situation gewinnt die Frage an Gewicht, was von der Kunst unseres Jahrhunderts gültig bleibt, vielleicht sogar bereits den Keim neuer Entwicklungen in sich trägt, die den Weg in das 21. Jahrhundert weisen könnten. Dieses Buch wagt den Versuch, Werke von einhundert Künstlern vorzustellen, die entscheidenden Einfluß auf die Kunst unseres Jahrhunderts nahmen. Eine solche Auswahl ist natürlich subjektiv, schon alleine deshalb, weil der geplante Umfang des Buches eine Beschränkung auf die Kunstentwicklung in Europa und Amerika notwendig machte. Zu diesem Themenkreis hat der Prestel Verlag seit dem Erscheinen von Werner Haftmanns »Malerei im 20. JahrhunderterfolgreicheseinerDie Herausgeber AUGUSTE RODIN 1840 Auguste Rodin wird am 12.11. in Paris geboren 1854 Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Paris 1864 Entstehung seines ersten Werkes Der Mann mit der gebrochenen Nase bis 1871 Mitarbeit im Atelier von Carrier-Belleuse an dekorativer Bauskulptur 1875 erste Italienreise, Studium der Werke Michelangelos, Donatellos und der Antike; die Statue Ehernes Zeitalter (1876) wird wegen ihres Realismus als Naturabguß verdächtigt 1879 Johannes der Täufer erhält eine Auszeichnung im Salon 1880 erster großer Staatsauftrag für das Höllentor 1883 erstes Zusammentreffen mit der Bildhauerin Camille Claudel, die ihn zu vielen Arbeiten inspiriert, darunter Der Kuß (1886) 1884 Auftrag für die Bürger von Calais 1888 Auftrag für ein Victor-Hugo-Denkmal für das Panthéon in Paris 1891 Auftrag für das Balzac-Standbild 1895 Umzug in die Villa des Brillants in Meudon/Paris 1900 während der Weltausstellung gestaltet Rodin einen eigenen Pavillon 1916 Schenkung seines gesamten Nachlasses an den französischen Staat 1917 heiratet seine langjährige Geliebte und Haushälterin Rose Beuret am 29.1. Tod Rodins am 18.11. 1919 Eröffnung des Musée Rodin in Paris Die Figur des sitzenden Denkers schuf Rodin - vermutlich im Rückgriff auf ältere Studien - ab 1880 für sein Hauptwerk, das Höllentor, eine Darstellung menschlichen Lebens und Leidens mit über zweihundert nackten Leibern mittleren Maßstabs als Reliefs. Außer der Gruppe der bekrönenden Drei Schatten ist der Denker die einzige vollplastische Gestalt des gewaltigen Ensembles, das von Dantes Höllenvisionen und Michelangelos Jüngstem Gericht inspiriert ist, aber auch Gedanken von Victor Hugo, Baudelaire, wohl auch Goethe u. a. enthält. Der Bildhauer plante einst, Dante inmitten seiner Gestaltenwelt darzustellen, dann Minos, den Herrn und Richter der Unterwelt. Schließlich modellierte er als Steigerung dieser Vorstellungen die mächtige Figur des angestrengt Nachdenkenden, der über den Lebensrätseln grübelt. Rodin bekannte, daß ihm als zentrales Existenzproblem erscheine, warum der Mensch so stark am Leben hänge, obwohl er doch ständig leiden müsse, auch im Hoffen, Sehnen, Streben und Lieben. Dieser Schicksalsfrage scheint sein>Penseur
| Sprache | deutsch |
|---|---|
| Maße | 193 x 240 mm |
| Gewicht | 820 g |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Kunstgeschichte / Kunststile |
| Schlagworte | 20. Jahrhundert, Kunst • Kunstwerk |
| ISBN-10 | 3-7913-3367-4 / 3791333674 |
| ISBN-13 | 978-3-7913-3367-0 / 9783791333670 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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