Moje Menhardt – Bilder und Zeichnungen
Bibliothek der Provinz (Verlag)
978-3-99126-054-7 (ISBN)
Traditionen des Wiener Informels der 60er Jahre sind unverkennbar, doch diese Wurzel reicht bei weitem nicht aus, Moje Menhardts künstlerischen Pluralismus zu erklären. Sie studierte in Wien und Holland, lebte in Südamerika, Deutschland und Österreich und registrierte ihre Umwelt stets mit wachen Sinnen. Ihre Kunst ist international und doch sehr persönlich, ist koloristisch-österreichisch und diszipliniert-aufgeklärt, ist sensitiv, doch niemals sentimental.
Moje Menhardts Bilder muss man genau und lange betrachten. Es kann sein, dass der Groschen erst dann fällt, und das wird man nicht bereuen.
(Wolfgang Hilger)
Wenn Moje Menhardt zur Staffelei geht, so tritt zunächst eine Hauptgestalt aus Linien und Farben auf. Diese Hauptgestalt kann aus der Stimmung des Tages kommen und erst im Augenblick des Malens Form annehmen, sie kann aber auch aus Anregungen destilliert sein, aus verwischten Strukturelementen eines Astes, einer Stahlkonstruktion, eines Flecks auf der Straße.
Diese Hauptgestalt des Anfangs ist jedoch nicht die Darstellung und auch nicht die Nachempfindung eines Gegenstandes, nicht die Essenz eines Gebäudes, einer Landschaft, eines Menschen, eines Lächelns; sie ist Farbe, Rauigkeit, Linienführung, Verkreuzung, Steigen, Fallen, Rundung, Häufung.
Während diese Gestalten auf der inneren Szene erscheinen, mögen Anklänge an Gegenstände vorüberhuschen, aber nur wie unwichtiger Hintergrund.
So kommt der zur Stunde vorherrschende Komplex auf die Leinwand. Die Figur wächst dann ähnlich Eisblumen auf einer Fensterscheibe, jedoch anders, denn es reihen sich nicht wie beim Schneestern die Einheiten der Kristallbausteine aneinander, sondern es treten zur Grundgestalt neue Regungen, neue Konfigurationen aus neuen Maltagen, die dem Anfang in Glätte oder Rauigkeit, in Farbe und Linien verwand sein können, sodass es zur Weiterentwicklung und Entfaltung kommt. Es können sich jedoch auch konträre Elemente aufdrängen, die sich dann durch Übergriffe zum Gesamten fügen.
So entstehen harmonisch-bizarre Gebilde mit Farbvernetzungen: als Symbol, als Extrakt, als Konglomerat der optisch transportierten Gefühle: Es entstehen zarte, geknickte, gebogene Gestänge im Hauch von Braun und Blau. Es entstehen zarte, geknickte, gebogene Gestänge im Hauch von Braun und Blau; kontroverse Versammlungen leuchtend gegeneinander pulsierender Farben; strenge, ruhende Flächen mit Begrenzungen und Überschneidungen, ernst und schwer bis düster, oder morgendlich-hell; tendenziös hochstrebende Gevierte wie eigenwillige gerad-rechtwinkelige Drusen.
Die Bilder von Moje Menhardt entstehen nicht im trockenen Sinne spontan, und entspringen auch nicht dem ersten Ansatz in einer abrollenden Automatik, sondern wachsen als Synthese von Gestalten und optisch übertragenen Gefühlen aus dem Moment, aus Vergangenheiten und aus Wünschen an die Zukunft.
(WM)
Moje Menhardt: 20.6.1934 Moje Wipplinger in Hamburg, Bethanien, geboren 1934–1936 Belgrad, Hildesheim 1936–1945 Weitenegg, Niederösterreich 1945 Flucht nach Tirol, Familienbesitz als deutsches Eigentum von Russen beschlagnahmt 1945–1948 Ischgl, Nassereith, Gymnasium in Zams/Landeck, 1. Preis einer Zeitschrift, ein Fahrrad, für drei Stoff-Figuren etwa 25cm (Nassereither Schemenlaufen, einem Volkskundemuseum gegeben) 1948–1952 Wien, Realgymnasium Billrothstraße, Matura mit Zeichnung, Opern- und Konzertbesuche 1952–1953 Buenos Aires, Konzerte, Reiten auf Estancias, Rudern im Delta, Freundschaft mit dem Komponisten Carlos Enrique Veerhoff (1926–2011), Widmung „Panta rhei“ und „Moje“ 1953–1956 Rio de Janeiro, Sekretärin (Französisch, Portugiesisch, Englisch, Deutsch) an der Österr. Botschaft, Freundschaft mit dem Grafiker Arcindo Madeira (O Globo), Reise zur Ilha do Bananal, Besuch der Tapirapé- und Carajá-Indianer, Macumba, Zeichnungen 1956–1958 Außenministerium Wien: Sekretärin im Protokoll und Generalsekretariat und Jus-Studium inklusive 1. Staatsprüfung, Opernbesuche, Bälle, Feste und Zillenfahrten auf der Donau 1958 Heirat mit dem Phyiker und Schriftsteller Dr. Walther Menhardt 1959 Geburt Sohn Wido in Bad Homburg vor der Höhe, Butzbach, Zeichnungen 1961 Geburt Sohn Bert in Hamburg, Zeichnungen 1965 Geburt Tochter Idis im Rudolfinerhaus Wien, Vorbereitung für die 2. Staatsprüfung, Sprachtraining Sohn Bert mit Zeichnungen 1969 Geburt Tochter Herdis im Rudolfinerhaus Wien, Zeichnungen 1970 Übersiedlung nach Eindhoven, Niederlande 1973–1976 Koninklijke Academie voor Kunst en Vormgeving s’Hertogenbosch, Niederlande 1976–1980 Akademie der Bildenden Künste Wien, Diplom und Meisterschulpreis 1991–2000 Wien, Köln und Passau, Michael Henning komponiert MUSIK FÜR EINE AUSSTELLUNG nach Moje Menhardts Bildern, Widmung 2003 Tod der Tochter Idis ab 2000 Wien und Weitenegg
| Erscheinungsdatum | 15.09.2021 |
|---|---|
| Reihe/Serie | artedition · Verlag Bibliothek der Provinz |
| Zusatzinfo | zahlr. farb. Abb. |
| Verlagsort | Weitra |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 320 x 335 mm |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Malerei / Plastik |
| Schlagworte | Bildband • Malerei • Menhardt, Moje, 1934- • Menhardt, Moje, 1934– • Zeichnung |
| ISBN-10 | 3-99126-054-9 / 3991260549 |
| ISBN-13 | 978-3-99126-054-7 / 9783991260547 |
| Zustand | Neuware |
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