Chorleiter-Coaching (eBook)
808 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-32421-3 (ISBN)
Philip Lehmann hat Chor- und Ensembleleitung studiert und ist seit 2005 hauptberuflicher Chorleiter von Laienchören. Er ist Coach für Chorleiterinnen und Chorleiter (chorleiter-coaching.de), Mediator (chor-mediation.de) und Gründer des mit Erscheinung dieses Buches geöffneten Onlineforums "chorleiter-stammtisch.org".
Philip Lehmann hat Chor- und Ensembleleitung studiert und ist seit 2005 hauptberuflicher Chorleiter von Laienchören. Er ist Coach für Chorleiterinnen und Chorleiter (chorleiter-coaching.de), Mediator (chor-mediation.de) und Gründer des mit Erscheinung dieses Buches geöffneten Onlineforums "chorleiter-stammtisch.org".
Einleitung
Laienchorleitung
Laienchorleitung ist ein schöner Beruf – ob haupt- oder nebenberuflich.
Leider sind alle mir bekannten Lehrformate für Laienchorleitung nicht realitätsnah, da sie schlicht nicht auf die Arbeit mit Laienchören ausgerichtet sind.
Das Hauptproblem: Die Schüler und Studenten müssen sich in den praktischen Übungen nur mit Kommilitonen oder Kollegen auseinandersetzen.
Der Laienchorleiter ist im Gegensatz zum Dirigenten eines professionellen Chores oder Orchesters kein kleines Rädchen im System, sondern maßgeblich für die Qualität, die Ausrichtung und Zufriedenheit der Sänger seines Chores verantwortlich.
Er ist das Zentrum, um das sich alles dreht.
Mit deiner Qualität steht und fällt die des Chores. Du hast dadurch signifikant mehr Macht als deine ‚professionellen‘ Kollegen – aber damit auch mehr Verantwortung.
Deshalb muss bei jedem Fehler des Chores oder im Ablauf die Frage von dir an dich gehen, was du falsch gemacht hast. In deiner verantwortungsvollen Position hast du zuerst zu fragen was du besser machen kannst, bevor du fragst, was die anderen besser machen können. Das ist nicht einfach – den Weg dahin zeige ich dir.
Im Laienbereich besteht ein ganz anderes Vertrauensverhältnis zwischen Chor und Sänger als im Profibereich. Profisänger wissen, wann sie falsch gesungen haben. Sie brauchen keine Stimmbildungstipps. Sie müssen nicht auf eine gute Haltung hingewiesen werden. Mit ihnen musst du keine Töne pauken oder die Intonationsgrundsätzlichkeiten klären. Dort bist du für die musikalische Gestaltung zuständig. Mehr nicht. Du bist absolut ersetzbar.
Ein Profichor könnte auch ohne Dirigenten noch verhältnismäßig gut singen.
Im Laienchor brauchen die Sänger dich, um als Chor überhaupt zu funktionieren.
Du wirst diese Machtposition aber nur gut ausfüllen können, wenn die Sänger ihre Unterwürfigkeitsposition nicht spüren, sondern das Gefühl bekommen, Anteil an der Entstehung der Musik zu haben. Auch hierfür lernst du Techniken in diesem Buch.
Dirigieren ist keine Zauberei.
Man kann es (eine gewisse Führungspersönlichkeit vorausgesetzt) lernen.
Woran viele von uns scheitern ist der Glaube, dass Dirigieren im Laienbereich, wie im Studium gelernt, einfache Mathematik ist: Wenn ich das mache/fordere, passiert das.
Bei den Profis ist das auch (meistens) so. Ich sage: „Takt 25 leiser“ oder zeige das sogar nur an, und es passiert. Dirigieren im Laienbereich ist aber höhere Mathematik – es ist Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wenn ich das mache, passiert wahrscheinlich das.
Leider gehen alle mir bekannten Dirigierschulen von höchst willigen und fähigen Sängern aus. Wir alle wissen aber, dass dem nicht so ist.
Dieses Buch schließt die Lücke zwischen dem technischen Dirigieren und dem Leiten einer Gruppe von musikalischen Laien jeden Niveaus.
Es ist für den Anfänger bis zum studierten Profi geschrieben.
Denn wo es dem Anfänger an Sachkompetenz fehlt, fehlt es dem Profi an Sozialkompetenz. Für beides bietet das Buch Handlungsanweisungen, Tipps und Vorschläge, die die Arbeit und den Umgang mit einem Laienchor optimieren.
Es hilft dir ein Dienstleister an deinen Sängern und deinem Chor zu werden, ohne daran kaputt zu gehen. Du wirst schließlich einen funktionierenden Chor, zufriedenere Sänger und bessere Konzerte erreichen.
Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken. Deshalb musst du dich selbst ändern, bevor sich dein Chor ändern kann: zufrieden werden und bereit sein immer dazu zu lernen.
Dieses Buch wird dir leider ohne Eigenleistung nicht helfen können. Ich zeige dir zwar eine Menge Wege, wie du deine Arbeit effektiver gestalten kannst und weniger Probleme bekommst, aber kein Chor gleicht dem anderen. Einige Tipps funktionieren bei jedem Chor und gehören quasi zum Grundrepertoire, bzw. zu deinem Fundament.
Viele Wege musst du aber erst versuchsweise beschreiten, um herauszufinden, ob sie etwas für deinen Chor sind oder nicht und ob sie etwas für dich sind.
Wenn du nicht bereit bist deine Arbeit und deinen Chor zu reflektieren, brauchst du im Prinzip nicht mehr weiterlesen.
Die Rationalisierung der Emotion
Alle Menschen in allen Kulturkreisen singen.
Leider ist in der Historie zum großen Teil nur der sakrale Gesang aufgezeichnet worden. Auch aus dem griechischen Theater gibt es nur rudimentäre Überlieferungen.
Das Volkslied gab es schon immer. Es wurde aber nur mündlich überliefert.
Ein singender Mensch tut dies nicht um anderen zu gefallen – er tut dies für sich selbst. Er tut es, um seine Arbeit erträglicher zu machen. Ein Kind in den Schlaf zu wiegen. Seine Freude auszudrücken, seine Wut, aber auch seine Angst (der Pfeiffer im Walde). Singen und Emotion sind untrennbar miteinander verbunden – auch im Chor.
Singen ist damit immer intrinsisch und emotional. Deshalb hat der singende Laie das Gefühl er gebe etwas Intimes von sich preis.
Es ist die Aufgabe des Chorleiters diese Verbindung zur tiefen Emotionalität konstruktiv und sensibel aufzubrechen, um das Singen für den Sänger zu einer steuerbaren und formbaren Tätigkeit werden zu lassen.
Er muss die Emotionen rationalisieren.
Ein Chorsänger, der sich mit seinem Individualgesang einer Gruppe unterordnen soll, braucht eine Führung, die ihn in seiner emotionalen Ausdrucksweise nicht verkrüppelt, sondern ihm Werkzeuge gibt seine singende Ausdrucksweise zum Wohl der Gruppe, und zu seinem eigenen, zu steuern.
Ein schlechter Laienchorleiter wird seine Sänger wie bezahlte Profis behandeln, deren emotionale Bindung zum Chor und zu der Musik nicht an erster Stelle stehen müssen. Ein guter Laienchorleiter wird in dem Verständnis um die emotionale Heterogenität seiner Sänger Wege finden diese zu homogenisieren und die meisten seiner Sänger emotional in dieselbe Richtung zu bewegen.
Dies wird er aber nur schaffen, wenn er selbst rational bleibt, ohne kalt zu sein.
Er muss fühlender Mensch bleiben. Seine Methodik und Didaktik darf trotzdem nur von klaren Gedanken und Rechtfertigungsfähigkeit (nicht Rechtfertigungszwang) geprägt sein. Er muss sich immer erklären können, ohne es zu müssen. Nur wenn er auf eine eigene unsachliche Meinung verzichtet, ist er für jeden Sänger ansprechbar.
Sein Profil ist darüber definiert – es gibt keine Überraschungen.
Coaching
Dies ist ein Coachingbuch. Es setzt voraus, dass du schon einige Zeit einen Chor leitest. Coaching ist Interaktion. Du und ich finden deine Lösung.
Das ist mit einem Buch natürlich nicht zu leisten.
Wenn du es falsch machen willst, nimmst du dir ein paar markige Sprüche und ein paar Probenmethoden aus dem Buch, setzt sie um, erzählst von ihnen und ersetzt mit ihnen eine praktische Wirkung. – Denn du tust ja schon was. Du änderst dich ja. Problem erkannt – Gefahr gebannt – aber nur punktuell.
Der richtige Weg ist, niemandem zu erzählen, was du anders machst. Mach es einfach. Sei du selbst und finde deinen Weg. Nur du kannst auf ihm gehen.
Ich gebe dir kleine Hilfsmittel und Wegweiser, soweit es ohne einen persönlichen Kontakt möglich ist. Ich zeige dir Alternativen. Du musst dir deinen Weg selbst suchen. Wenn du dich aber entscheidest auf dem Weg zu bleiben, den du jetzt gerade gehst, dann tust du es über die Auseinandersetzung mit meinen begründeten Vorschlägen informiert und selbstbegründet.
Es kann sein, dass dir die Hälfte der Tipps nichts bringen, da sie nicht zu deiner Lebenssituation passen, dir oder deinem Chor.
Das bedeutet aber, dass du diese Tipps reflektiert, und dich informiert gegen ihre Umsetzung entschieden hast. Das ist eben so viel Wert wie ihre Umsetzung.
Wenn dir persönliche Änderung schwerfällt, wirst du versucht sein wegen einzelner Dinge, die du nicht umsetzen kannst, alles an diesem Buch für nicht umsetzbar zu halten. Dann hast du das Ziel leider missverstanden. Solange du eine informierte Entscheidung triffst, ist sie korrekt – für dich.
Ein Beispiel: Ich würde niemals vor der Probe ein gutes Essen zu mir nehmen.
Du möchtest vielleicht nicht darauf verzichten mit deiner Familie zu Abend zu essen.
Es zu tun oder zu lassen hat Vor- und Nachteile. So lange du dann in der Probe nicht rumjaulst, wie schwer doch dein Magen ist, sondern zufrieden an das schöne gemeinsame Essen denkst und mit dem vollen Magen trotzdem deine Arbeit machen kannst (oder gerade weil, da du nun keine Schuldgefühle gegenüber deiner Familie hast) ist alles ok. Dein Weg – mein Ziel: Gute Probe durch zufriedenen Chor und Chorleiter.
Eventuell wusstest du gar nicht, dass es da noch andere Wege gibt, wo du...
| Erscheint lt. Verlag | 17.5.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Musik ► Instrumentenunterrricht |
| Schlagworte | Chor • Chorleitung • Coaching • Dirigieren • Gesangstechnik • Kaizen • Laienchor • optimieren • Wege |
| ISBN-10 | 3-347-32421-8 / 3347324218 |
| ISBN-13 | 978-3-347-32421-3 / 9783347324213 |
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