Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Wir singen nicht, wir sind die Jodler

Ethnologische Perspektiven auf das Jodeln im Harz

(Autor)

Buch | Softcover
188 Seiten
2018
Waxmann (Verlag)
978-3-8309-3672-5 (ISBN)
CHF 41,85 inkl. MwSt
Jodeln ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Gesangskünsten, eine hochspezialisierte Form des Singens. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche regionale Formen mit eigenständigen Merkmalen. Der Harz sticht durch akrobatische Motive hervor, die Jahr für Jahr bei Jodlerwettstreiten in Konkurrenz zueinander treten.
In dieser Analyse findet diese Harzer Musikgeschichte Beachtung: von der Randerscheinung Jodeln zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Etablierung zum klanglichen Markenzeichen während der NS-Zeit bis hin zur mächtigen Folklorebewegung nach 1945 in beiden Teilen Deutschlands. Die Autorin betrachtet die Szene der Harzer Jodlerinnen und Jodler, der Folklore- und Heimatgruppen mit Hilfe der Theorie der sozialen Praktiken. Die Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Musikethnologie, Geschichtswissenschaften, Volkskunde und Ethnologie.
Jodeln ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Gesangskünsten, eine hochspezialisierte Form des Singens. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es viele regionale Formen und alle haben eigenständige Merkmale entwickelt. Der Harz sticht durch akrobatische Motive hervor, die Jahr für Jahr bei Jodlerwettstreiten in Konkurrenz zueinander treten. Wir singen nicht, wir sind die Jodler zeigt, wie sich selbst im Harz verschiedene Stilistiken des Jodelns herausbilden konnten. In der Analyse finden die vergangenen 100 Jahre Harzer Musikgeschichte Beachtung: von der Randerscheinung Jodeln zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über die Etablierung zum klanglichen Markenzeichen während der NS-Zeit, bis hin zur starken Folklorebewegung nach 1945 in beiden Teilen Deutschlands.

Aus dieser kraftvollen Entwicklung zehrt die Praxis bis heute. Diese musikethnologische Studie betrachtet die Szene der Harzer Jodlerinnen und Jodler, der Folklore- und Heimatgruppen mit Hilfe der Theorie der sozialen Praktiken. Die Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Musikethnologie, Geschichtswissenschaften, Volkskunde und Ethnologie.

Helen Hahmann (Dr. phil.) lebt als freie Radiomacherin, Hörfunkautorin, Wissenschaftlerin und Musikredakteurin in Halle/ Saale. Studium der Musikwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre und Ethnologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Forschung in Peru über die Saxophonorchester der Anden und die Naturtrompete Wakrapuku. Promotion im Fach Musikethnologie an der Universität Halle über die Jodlerwettstreite und Volksmusik im Harz. Seit 2014 intensive redaktionelle Arbeit über die internationale Maultrommel-Szene. Als Koordinatorin organisiert sie seit 2009 für das freie Radio Corax in Halle u.a. EU-Projekte, Festivals, Konferenzen und Publikationen im Bereich Audio-Archive, Radiokunst und Community Medien. Seit 2005 veröffentlicht sie den Musik-Blog tinya.org zur gleichnamigen Radiosendung.

"Wir singen nicht, wir sind die Jodler ist die detaillierteste und aufschlussreichste Ethnographie über das Jodeln seit 40 Jahren. Hahmann platziert die Standpunkte ihrer Informanten im Dialog mit musikalischen Analysen und historischen Kontexten. Das Buch ist nicht nur etwas für Jodel-Enthusiasten, sondern auch interessant für all diejenigen, die sich mit Musik und Politik während des Kalten Krieges und dessen Nachwirkungen beschäftigen." Sydney Hutchinson (Professorin für Musikethnologie an der Syracuse Universität in den USA, Jodlerin und Akkordeonistin)

The volume is, furthermore, not only relevant to the academic world, but also to the communities under study: yodel practitioners are immortalized through the mentioning of their names and through their representation in huge black and white photos. The latter are exemplary of the beautiful layout of the book [...].

In neun Kapiteln nähert sich Hahmann so der historischen und aktuellen Problematik an: Wer jodelt(e) und warum, welche Zeilen werden dargeboten und wer entscheidet darüber, ob das auch ein „Jodler“ ist. Hinzu treten Fragen nach dem Beginn der wissenschaftlichen Forschung und der Rolle des Jodelns in wechselnden politischen Systemen. Die Autorin geht nicht diachron vor, sondern lässt eigene Überlegungen und ihre Vorgehensweise, die kulturethnologische Methodologie und Wissenschaftstheorie, musikwissenschaftliche Aspekte sowie die historischen Abläufe ineinander übergehen.

„Wir singen nicht, wir sind die Jodler ist die detaillierteste und aufschlussreichste Ethnographie über das Jodeln seit 40 Jahren. Hahmann platziert die Standpunkte ihrer Informanten im Dialog mit musikalischen Analysen und historischen Kontexten. Das Buch ist nicht nur etwas für Jodel-Enthusiasten, sondern auch interessant für all diejenigen, die sich mit Musik und Politik während des Kalten Krieges und dessen Nachwirkungen beschäftigen.“

„Indem die Autorin die Jodlerwettstreite und das Jodeln im Harz als soziale Praktiken begreift, konnten gesellschaftliche Zusammenhänge herausgearbeitet werden. So ist dieses Buch nicht nur für die Musikkultur des Harzes, sondern grundsätzlich für die Musikethnologie eine wertvolle, anregende Arbeit.“

„Die Arbeit wirft interessante Fragen in Bezug auf wettbewerbsorientierte Brauchtumspflege auf. Und nicht nur das, sie fragt auch: warum sprechen wir eigentlich immer von „jodeln“ und nicht von zauren, ruggusserlen, Krimantschuli , Saloma oder Yelli singen und joiken, wie die Gesangstechnik in anderen Regionen heißt? Fragen, die weit über die regionale Bezogenheit des Themas hinausgehen und aktuell klar machen, wie tief verwurzelt und weit verzweigt kolonialistisches Denken bis heute ist."

[Es] entstand ein Buch, das man nur jeder Person ans Herz legen kann, die an den Fragen Brauchtumsgeschichte, Innenexotik, Identitätsentwicklung oder schlicht an den Erscheinungsformen des Jodelns interessiert ist. Durch eine Fragestellung zwischen Innenansicht und ethnologischem Draufblick, durch respektvollen, aber sachlichen Umgang mit dem Harzer Phänomen des Jodelns gelingt es Helen Hahmann, den Kreis zwischen Brauchtum und Ethnologie zu schließen und damit zu verdeutlichen, dass der Wert und der Gehalt von regionaler Heimatkultur in globalen Zusammenhang betrachtet werden muss. Trotz fachlicher, wissenschaftlicher Untersuchung klingt viel Persönliches durch, was das Buch noch glaubhafter und jenseits der Wissenschaft spannender macht.

Hahmanns Arbeit basiert auf Feldforschungen, die sie zwischen 2008 und 2015 durchführte, sowie auf Interviewmaterial mit fast 40 Personen und wurde 2015 von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Dissertation angenommen. Die Beschreibung ihres eigenen Forschungszugangs zu dem Thema ihrer Arbeit – von der klassischen musikethnologischen Forschung in Peru hin zu der regionalen Forschung inklusive eigenen Jodellernens –, die erkenntnisreichen musikalischen Analysen und Transkriptionen, die Berücksichtigung weiterer Aspekte der modernen Musikethnologie, etwa eines postkolonialen Ansatzes bei der Beschreibung dessen, was aus eurozentristischer Sicht weltweit Jodler genannt wird, all das macht die vorliegende Veröffentlichung zu einer mustergültigen musikethnologischen Arbeit, die die bereits vorhandenen Untersuchungen und die Literatur auf dem Gebiet des Harzer Jodelns sehr bereichert.

[...] the book not only is an excellent reading for anyone interested in yodelling but also is an important contribution to the more recent German history.

ein wichtiger Beitrag, wenn 'Harzer Brauchtum' als lebendige soziale Praxisvon Menschen in der Gegenwart fortgeführt werden soll.

Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Internationale Hochschulschriften ; 647
Zusatzinfo mit zahlreichen Abbildungen
Sprache deutsch
Maße 170 x 240 mm
Themenwelt Kunst / Musik / Theater Musik
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Sozialwissenschaften Ethnologie Volkskunde
Schlagworte Brauchtum • Clausthal-Zellerfeld • Harz • Jodeln • Jodler • Jodlerwettstreit • Klang • Musik • Musikalische Volkskulturen/Populäre Musikkulturen • Regionalkultur • Stimme • Volksmusik und populäre Musikkulturen
ISBN-10 3-8309-3672-9 / 3830936729
ISBN-13 978-3-8309-3672-5 / 9783830936725
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
Mehr entdecken
aus dem Bereich
Europa 1914 bis 1949

von Ian Kershaw

Buch | Softcover (2025)
Pantheon (Verlag)
CHF 32,15
ein Leben

von Adam Zamoyski

Buch | Hardcover (2023)
C.H.Beck (Verlag)
CHF 49,90