abgestempelt & aufgefangen
Verlagshaus Seidel & Schütz
978-3-03846-027-5 (ISBN)
Seit über drei Jahrzehnten führt die Stiftung Hirslanden an der Witellikerstrasse in Zürich eine Sozialpädagogische Einrichtung für junge Frauen, die stationäre Hilfe und professionelle Unterstützung beim Erwachsenwerden benötigen. Doch diese Einrichtung ist weit älter als die Stiftung selber und unterlag Wechsel und Wandel: Vor 140 Jahren gründeten Zürcher Philanthropinnen um Mathile Erscher das vormalige Magdalenenheim als „Freies unentgeltliches Asyl für gefallene und reumütige Mädchen“. Sie schufen so den Grundstein für eine Institution, die über viele Jahrzehnte im Dienste von benachteiligten jungen Frauen tätig war und heute immer noch ist. Das Magdalenenheim betrieb eine Wäscherei und ermöglichte seinen Bewohnerinnen eine hauswirtschaftliche Ausbildung. Grund genug also, einen differenzierten Blick auf die Geschichte dieser Organisation zu werfen. Aus Anlass ihres dreissigjährigen Bestehens erscheint diese Publikation und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur laufenden Aufarbeitung für fürsorgerische Zwangsmassnahmen und administrative Versorgungen in einem dunklen Kapitel der jüngeren Schweizer Sozialgeschichte, das zu lange verschwiegen wurde. Durch akribische Archivarbeit und Interviews mit Betroffenen und Involvierten entstand eine umfassende Dokumentation über mehr als 140 Jahre gelebte und erlebte Frauen – und Fürsorgegeschichte.
„Trägheit“, „Arbeitsscheu“, „Launenhaftigkeit“, „Boshaftigkeit“, „Diebereien“, „Trotz“, „Leichtsinn“, „Sinnllichkeit”… Mit solchen Be- und Verurteilungen wurden gefallene und reumütige Mädchen abgestempelt. Aufgefangen wurden sie in sozialpädagogischen Einrichtungen, um ihnen die vermeintlich nötige stationäre Hilfe und professionelle Unterstützung beim Erwachsenwerden zu bieten. Wie sind die Beurteilungen der eingewiesenen Mädchen aus heutiger Sicht zu deuten? Was haben sich die jungen Frauen zu Schulden kommen lassen und was veranlasste ihre administrative Versorgung in einem Erziehungsheim? Wie werden aus gefallenen und reumütigen Mädchen junge Frauen mit Perspektiven?
Entstanden ist ein Buch, das den lebendigen Alltag im Heim damals und heute spannend wiedergibt und die wechselvolle Geschichte ihrer Trägerschaft treffend einfängt. Die Publikation schildert lebendig den Heimalltag vom 19. Jahrhundert an bis heute und stellt die Ereignisse in den jeweiligen historischen Kontext. Wo nötig, würdigt sie diesen kritisch. Der Stiftungsrat Hirslanden möchte mit diesem Werk seinen Beitrag zur laufenden Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und administrativen Versorgungen leisten. Er will so mithelfen, dieses dunkle Kapitel schweizerischer Sozialgeschichte, das lange verborgen und verschwiegen gehaltenen wurde, zu erhellen.
«Der Grafiker ist an allem Schuld» Dieses Buch ist eine Fundgrube an gestalterischen Highlights der letzten beinahe fünf Dekaden. Es sind grafische Memoiren eines Gebrauchsgrafikers. Die ersten Arbeiten stammen aus der Vor-Computer-Ära, als der Apfel noch am Baum hing, die Swiss noch Swissair hiess und anstelle von copy/paste noch Schneiden und Setzen Usus war. Bei-spielhaft lässt sich an François Baers Oeuvre die gestalterische Entwicklung seit den frühen Siebzigern verfolgen. In seinen kreativen Kosmos einzutauchen und die Entstehung des Buches aus verlegerischer Sicht zu begleiten, war für mich als Kunsthistoriker eine besondere Freude. Diese Rückschau zeigt das Handwerk ent-lang seines Lebensweges, der von Entdeckerfreude geprägt ist. Entsprechend breit ist die Themenvielfalt, die sich in der Gestaltung von Geschichts- und Kochbüchern, Ausstellungen und weiteren Arbeiten aus Bildung, Gesundheit, Kirche, Kunst, Literatur, Politik, Reisen und Sozialem zeigt. Letzteres soll hier besonders hervorgehoben werden. François Baers Schaffen ist geprägt von seinem sozialen Engagement als Stiftungsrat des Pestalozzi-Kinderdorfes, als Schulpfleger und als Aufsichtsmitglied der Kunstgewerbeschule Zürich. Und es war ihm ein Anliegen, auch für kleine Budgets ansprechende Grafik zu liefern. Das Portfolio überblickend lässt sich tatsächlich kein einheitlicher Stil ausmachen. Vielmehr spiegeln die Auftragsarbeiten die Sprache des jeweilig vorherrschenden Geschmacks – den des Kunden, eigentlich aber des Gestalters selbst. Und doch ist jede Kreation in sich präzise und originell, ja gar perfektionistisch geprägt. Immer ist sie eine persönliche Interpretation des Kundenwunsches, inhaltlich und formal durchdacht – nicht zu vergessen ist die nötige Prise Schalk, mit der François Baer hinter der Kulisse ans Werk geht. So entstanden beispielsweise dasletzte Facelift der Swissairflotte oder das Logo des Schweizerischen Jugendschriftenwerks. Es ist gerade die stilistische Breite und die Anwendung der verschiedenen Techniken, welche die Leistung eines visuellen Gestalters ausmacht. So wurde François Baers Schaffen auch ausgezeichnet, doch er schätzt es nicht, dies an die grosse Glocke zu hängen. Die vorliegende Sammlung zeigt also, wie vielseitig die Aufgabenbereiche eines visuellen Gestalters sind. François Baer vereint die zahlreichen Berufsbezeichnungen und Tätig-keiten im weiten Feld der Gebrauchsgrafik in einer Person: Art Director, Ausstellungsgestalter, Bildredaktor, Buchgestalter, Foto-graf, Illustrator, Plakatgestalter, Typograf, Zeichner. Wenn Sie nun in dieses bibliophile Biotop an gestalterischer Vielfalt hineingeschubst werden, erschliesst sich Ihnen auch der Titel: Der Spruch fiel in einem Gespräch so ganz nebenbei mit einem Schmunzeln. Und doch ist er so zentral und es wird persönlich: François Baer ist an allem Schuld – auch an diesem Buch. Marc Philip Seidel, Mai 2017
| Erscheinungsdatum | 09.11.2017 |
|---|---|
| Vorwort | Sergio Devecchi |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Design / Innenarchitektur / Mode |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Sozialpädagogik | |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie ► Gender Studies | |
| Schlagworte | Art Directors Club • Ausstellungsgestaltung • Buchgestaltung • Corporate Design • Design • Escher • Frauengeschichte • Fürsorge • Grafik • Hirslanden • Illustration • Mädchenheim • Plakatgestaltung • Schweiz • Swissair • Typografie • Verdingkind • Wiedergutmachung • Zürich • Zwangsmassnahmen |
| ISBN-10 | 3-03846-027-3 / 3038460273 |
| ISBN-13 | 978-3-03846-027-5 / 9783038460275 |
| Zustand | Neuware |
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