Kontinental Unterwegs MeziKontinentálně na cestě 대륙으로의 여정
Schiermeier, Franz (Verlag)
978-3-943866-47-6 (ISBN)
Patrik Hábl ist ein Maler und Grafiker, der auch mit dem Raum arbeitet. Mit den Mitteln der zeitgenössischen Kunst hat er in bedeutende historische Räumlichkeiten eingegriffen. Darunter befinden sich die Fastenbilder in der Prager Universitätskirche vom Heiligen Salvator und eine Installation im Rahmen der Ausstellung „Asiatische und mittelalterliche Kunst im Mittelmeerraum“ in der Nationalgalerie in Prag. Starke Resonanz fand seine Einzelausstellung „Transformation der Landschaft“ im Zentrum für Gegenwartskunst DOX, in der er den Turm des DOX in eine Kapelle transformiert hat. Im Herbst 2015 präsentierte Patrik Hábl Arbeiten in Kyoto. In der ersten Jahreshälfte 2016 nahm er ein Stipendium des MOMA in New York wahr. Patrik Hábl lehrt an der der Hochschule für Angewandte Kunst in Prag.
Nina Kalt ist die Initiatorin des Projekts „Kontinental unterwegs“ und betreibt die Galerie Kalt in München. Sie interessiert sich in besonderem Maße für die Vermittlung von Individualität und Gemeinschaft. Wie lassen sich unterschiedliche künstlerische Individualitäten so miteinander verbinden, dass etwas ganz Neues und Anderes entsteht? Das beschäftigt sie in ihrem Denken und in der eigenen künstlerischen Praxis seit langer Zeit. Im Jahr 2006 wurden ihre surrealen Bilder in Prag mit der Franz-Kafka-Medaille ausgezeichnet. Ihre Werke stellte sie in der Tschechischen Republik, in Deutschland, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Italien, Südkorea und in Kanada aus.
Lee Jin Young ist eine Malerin aus Seoul in Korea. Sie erhielt ihre musikalische Ausbildung im Hauptfach Klavier in Korea und Boston, USA, und studierte an der Kunsthochschule der Boston University sowie an der Kunsthochschule der Hongik Universität in Seoul. Im Laufe ihres langen Studiums schuf sie abstrakte Kunstwerke und befasste sich in ihrer Dissertation mit dem Thema der Synästhetischen Malerei. Seit 2008 hat sich Lee Jin Young an mehreren Einzelausstellungen und Gemeinschaftsprojekten in der Galerie Kalt beteiligt und auch an diesem aktuellen Projekt mitgearbeitet. Lee Jin Young nahm an verschiedenen Kunstmessen in Europa, den USA und Asien teil. Ihre Werke zeigte sie in Ausstellungen in Korea, Japan, China und den USA. Neben ihrem Kunstschaffen lehrt sie an unterschiedlichen Universitäten, darunter an der Hongik Universität in Seoul.
Kontinental unterwegs Freundschaften, die nationale und kontinentale Grenzen überwanden, und das glückhafte Spiel aus Zufall und Notwendigkeit bestimmen dieses Projekt. Dass das Projekt jetzt in seine vierte Phase eintritt, war zu Beginn nicht absehbar und schon gar nicht beabsichtigt. Dennoch ergibt sich aus dem überschauenden Rückblick von fünf Jahren, dass die einzelnen Phasen keineswegs rein zufällig aufeinander gefolgt sind. Es waltete eine Notwendigkeit, die gar nicht immer allen Beteiligten im Moment des Handelns klar vor Augen stand, sich aber im Blick zurück umso offenbarer entfaltet hat. Nach fünf Jahren gemeinsamer Arbeit am Projekt entschloss sich Nina Kalt, den Verlauf des Projekts jetzt in einer Buchpublikation zu dokumentieren. Die Publikation trägt den Titel „Kontinental unterwegs“. Dieser Titel umfasst drei Bedeutungen: Zum einen verweist er darauf, dass die Beteiligten an diesem Projekt über reale Kontinente – Asien und Europa – verbunden, aber eben auch geografisch und kulturell getrennt sind. Über Ausbildungsjahre und Arbeitsaufenthalte ist auch Amerika als Kontinent mit vertreten. Des Weiteren ergibt sich eine Bedeutungsfacette aus der Herkunft des Wortes Kontinent aus dem lateinischen Tätigkeitswort „continere“, das mit „zusammenhalten“ zu übersetzen wäre. Dass sich die geografischen Entfernungen der Kontinente im Arbeitsfortgang zu keinem Hindernis entwickelt haben, ist dem besonderen Zusammenhalt aller Beteiligten zu verdanken. Ein dritter Bedeutungsaspekt des Titels leitet sich aus der nicht gegenständlichen Darstellungsweise der Malenden her. Auf ihren Leinwänden und Papierbahnen driften die einzelnen Farbflächen gleich wie die Kontinente auf der Erdoberfläche daher. Wie bei der Kontinentaldrift folgt aber auch die Drift der Farbflecken auf dem Trägermedium unterschwelligen, eben nicht sichtbaren Gesetzmäßigkeiten. Anlässlich der Dokumentation des bis jetzt erreichten Projektstands in Buchform ist es an dieser Stelle durchaus sinnvoll, etwas über die Anfänge vor dem Projektbeginn zu berichten und kurz die handelnden Persönlichkeiten vorzustellen. Nina Kalt zeigte in ihrer Galerie im Westen Münchens Werke des tschechischen Künstlers Patrik Hábl. Das Verhältnis zwischen Künstler und Galeristin vertiefte sich bald zu einer Freundschaft, nicht zuletzt erleichtert dadurch, dass auch Nina Kalt aus Tschechien stammt, mit Patrik Hábl das mährische Zlín als Geburtsort teilt und selbst malerisch tätig ist. Freilich hatte sie Jahre vor dem Mauerfall den damals kommunistisch regierten Staat verlassen und in Deutschland eine ganz andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. In der Begegnung mit dem Werk Patrik Hábls vermochte sie ihr eigenes, längere Zeit verschüttetes künstlerisches Ausdruckswollen zu fokussieren und zugleich zu intensivieren. Ein Ergebnis dieser Intensivierung war das Projekt „Westend – Holešovice“, das sich nicht zufällig mit dem Produktionsort aller Malenden schlechthin, ihrem Atelier, befasste. Zwei andere für das Projekt bedeutsame Freundschaften leiten sich aus dem Interesse der Galerie für die nicht gegenständliche, zeitgenössische Malerei auf der koreanischen Halbinsel her. Auf einer Kunstmesse in Genf lernte Nina Kalt die koreanische Malerin Lee Jin Young kennen. Die Künstlerin, ausgebildet in den USA und in Südkorea, wo sie bei dem in Korea sehr bekannten Professor Lee Doo Shik (1947–2013) studierte, faszinierte vor allem durch ihren ungemein freien und höchst instinktsicheren Gebrauch der Farben. Für die Galeristin sind hier koreanische und westliche Elemente auf außerordentlich raffinierte Weise miteinander verwoben. Die beiden verabredeten eine Einzelausstellung in München. An diese Werkpräsentation schloss sich eine Zusammenarbeit mit der Münchner Malerin Ingrid Floss an. Auch die Ergebnisse dieser koreanisch-deutschen interkulturellen Kooperation waren in der Galerie zu sehen. Mit der Intensivierung des wechselseitigen Verhältnisses erhielt Nina Kalt auch Einblick in die künstlerische Welt von Lee Min Hee, dem Vater von Jin Young. Lee Min Hee gehörte nach der Teilung der koreanischen Halbinsel zu einer Pioniergeneration von Malern in Südkorea, die, in Korea sowie in den USA ausgebildet, in ihren Personalstilen den abstrakten Expressionismus des Westens mit der traditionellen koreanischen Malerei zu vereinen wussten. Seinen konsequenten Eigenweg konnte die Galerie im Jahr 2012 in einer Einzelausstellung den Münchner Kunstinteressierten präsentieren. Auf einer langen Flugreise nach Toronto saß Helmut Kalt, der Ehemann der Galeristin, neben einem Tschechen, mit dem er ins Gespräch kam. Der Mitreisende stellte sich als der Filmkritiker Radovan Holub vor. Erst viel später sollte sich herausstellen, dass Radovan der Sohn des tschechischen Mediziners, Dichters und Essayisten Miroslav Holub (1923–1998) ist, der in der tschechischen Literatur etwa den Stellenwert einnimmt, den ein anderer Gedichte verfassender Arzt – gemeint ist Gottfried Benn – für die deutsche Lyrik besitzt. Ausgewählte Gedichte Miroslav Holubs spielten in der dritten Phase des Projekts „Westend – Holešovice – Kwachon“ eine bedeutende Rolle. Gedichte als Sprache in ihrer konzentrierten Fassung, als Essenz sahen die beteiligten Maler in Analogie dazu, wie sich ihre in eine Form gebrachten Farbwelten zu dem Bildkosmos insgesamt verhalten. In ihrer in der Ausstellung hängenden deutschen Fassung erinnerten die Gedichte daran, dass Miroslav Holub in den 1960er-Jahren in Westdeutschland ein oft übersetzter Dichter war, der neben anderen Schriftstellern mit dem gesellschaftlichen Öffnungsprozess des „Prager Frühlings“ assoziiert wurde. Radovan Holub selbst ist dem Projekt als Berater und Übersetzer verbunden. Beratend tätig ist für einzelne Projektphasen auch die Kunsthistorikerin Annemarie Zeiller. Rüdiger Heise, der Autor dieser Zeilen, ein Kunstkritiker mit norddeutschen Wurzeln, der seit mehr als 20 Jahren die Münchner Kunstszene begleitet, kam über eine Gruppenausstellung koreanischer Maler mit der Galerie in Kontakt und hat seitdem den Fortgang des Projekts beratend und schreibend begleitet.
| Erscheinungsdatum | 04.10.2016 |
|---|---|
| Co-Autor | Rüdiger Heise, Miroslav Holub |
| Übersetzer | Radovan Holub |
| Verlagsort | München |
| Sprache | Czech; deutsch; Korean |
| Maße | 300 x 240 mm |
| Gewicht | 1700 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Malerei / Plastik |
| Schlagworte | Blickwechsel • Der Wind führt die Wolke, die Wolke führt den Drachen. • Der Wind führt die Wolke, die Wolke führt den Drachen. • Dichter kennen auch Landschaften, in denen sie niemals waren. • Dichter kennen auch Landschaften, in denen sie niemals waren. • Holešovice • Kunst • Kwachon • Sprichwörter, entfesselt • Westend • Wo Licht ist, ist auch Schatten. • Wo Licht ist, ist auch Schatten. |
| ISBN-10 | 3-943866-47-5 / 3943866475 |
| ISBN-13 | 978-3-943866-47-6 / 9783943866476 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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