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Kunststoff als Design-Material: Wohnkultur im Stil der 1968er - Elke Beilfuß

Kunststoff als Design-Material: Wohnkultur im Stil der 1968er

(Autor)

Buch | Softcover
116 Seiten
2016
Diplomica Verlag
978-3-95850-668-8 (ISBN)
CHF 62,95 inkl. MwSt
In der westlichen Welt gilt das Jahr '68 als das Revolutionsjahr der Studenten: Die Flower-Power-Bewegung des Woodstock-Festivals, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und Auflehnung gegen eine vermeintliche Idylle prägen das Bild dieses Jahrzehnts. Auch im Bereich des Möbeldesigns sind die 1960er Jahre außergewöhnlich - einzelne Objekte aus dieser Zeit sind heute Klassiker und versinnbildlichen das Lebensgefühl dieser Zeit.
Dieses Buch untersucht Wohnkultur im Stil der 1968er und beleuchtet die Wiederkehr dieses Stils zur Jahrtausendwende im Hinblick auf Zeitgeist und Lebensart der 1960er Jahre. Es beleuchtet die Sehnsucht nach einer Zeitreise in das bunte Jahrzehnt anhand des beliebtesten Design-Materials dieser Zeit - dem Kunststoff.

Elke Beifluss ist Kulturwissenschaftlerin. Sie studierte in Bremen und Paris und spezialisierte sich auf die Themen Kunst und Design der Moderne. Seit 2003 lebt und arbeitet sie in Weimar. Sie ist Herausgeberin der Bauhaus-Edition in der kleinen Personenreihe der Weimarer Verlagsgesellschaft sowie Autorin weiterer Themen zum Bauhaus, den Bauhausmeistern und deren Umfeld. Sie schreibt Beiträge zu Möbel-Wohn-und Ausstellungsdesign und forscht zur Bauhausrezeption in der DDR.

Kapitel, Einleitung:
Zeitreisen:
"Die Retro-Masche. Mit Vollgas zurück" titelte die Zeitschrift Design Report im Juni 1999. Nicht nur das Automobildesign von New Beetle über Chrysler PT Cruiser bis Jaguar S-Typ erinnert an Vorbilder aus vergangenen Zeiten; dieselben Kühlschränke, wie sie bereits in den Fünfzigern den Sound einer zuklappenden Autotür der Ami-Schlitten nachahmten, sind wieder gefragt und designed. Zur Jahrtausendwende ist aus jeder Phase des 20. Jahrhunderts etwas dabei. Die Sixties und Seventies sind in, aber ebenso Design aus Bauhaus und Ulm. Entweder werden die Produkte mit der Anmutung einer vergangenen Zeit gestaltet oder getreu nach den Originalentwürfen neu aufgelegt. Auch die Achtziger rücken wieder näher und versetzen uns zurück in alte Erinnerungen. Im Jahr 2000 trat Stefan Raab beim Grand Prix d'Eurovision" mit seiner Gruppe noch als Abba-Verschnitt aus den Siebzigern auf und ein Jahr später kann man schon wieder in der Popper-Disco tanzen. Als Gründe für den Retro-Look und das Retro-Design führt Kai-Uwe Scholz (1999, 19) in der Zeitschrift Design Report den Verlust von Identitäts- und Heimatgefühlen beim Käufer an sowie dessen Wunsch nach guten alten Bekannten und Vertrauten in Zeiten fortschreitender Veränderung von Technologie und Nutzungsmöglichkeiten: "Nicht technisch, aber ästhetisch scheint der Fortschrittszwang des Projekts Moderne abgeschafft und selbst der Postmoderne [ist] längst die Puste ausgegangen. Zugleich kommen die technologischen Innovationsschübe immer schneller. Da geraten sogar Wirtschaftsmagazine über sozialpsychologische Zusammenhänge ins Grübeln. Die globale Fusionswelle tilge selbst so bekannte Namen wie Daimler- Benz, die Kunden und Arbeitnehmer über Jahrzehnte Identitäts- und Heimatgefühle gegeben hätten. "
Eine Zeitreise ist natürlich nicht möglich. All jene, deren Zeit es war, können sich zwar bruchstückhaft oder auch ganz persönlich und emotional erinnern, aber der Gedanke, eine Epoche zu rekonstruieren, ist absurd. Vielmehr scheint, wie Susanne Holschbach (1995, 163) es beschreibt, das Alte neue Aussagen bereitzuhalten, es wird neu bewertet: "[Die Mode] kann aber auch für die Neubewertung abgelegter Dinge und Stile sorgen - die Revival-Bewegungen legen hierfür Zeugnis ab (in der Wiederholung im Revival ändern die jeweiligen Phänomene dabei jedoch ihre ursprüngliche Bedeutung)." In gewisser Hinsicht bezieht sich das auch auf diese Arbeit, die ihre heutige Perspektive nicht verleugnen will. Die zeitgenössischen Tendenzen und Blickwinkel haben mich zum einen bewogen, über Möbelentwürfe und Wohngestaltung mit dem Material Kunststoff um 1968 zu schreiben.
Zudem ist es auch die Zeit, in die ich selbst 1965 hinein geboren wurde und die mich unbewußt und bewußt in meiner Kindheit geprägt hat: Mit dem Material Plastik, mit poppigen Farben und Mustern und mit den Tendenzen der sechziger und siebziger Jahre bin ich wie selbstverständlich aufgewachsen.
Die einzelnen Designobjekte, die heute Klassiker sind und als herausragend für die Zeit um 1968 angesehen werden, können zwar etwas über den Zeitgeist der Sechziger aussagen. Diese Objekte wieder zu entdecken, sie auszustellen, sie zu sammeln, sie erneut zu produzieren und die eigene Inneneinrichtung mit ihnen zu bereichern, entspringt jedoch dem Zeitgeist und der Kultur der Neunziger. Ein Blick ins Internet, auf die Seiten des Online-Auktionshauses eBay unter www.ebay.de zeigt die Trends. Mit den Suchbegriffen Design und Kunststoff lassen sich vor allem Kunststoffobjekte und Möbel finden, die vermutlich in den 1960er und 1970er Jahren entworfen wurden. Für die Suche nach Objekten aus dieser Zeit eignet sich auch der Name des Designers Panton hervorragend, wenngleich die meisten der gefundenen Artikel nicht von Verner Panton entworfen sind. In den Überschriften heißt es beispielsweise "quietschgelber Panton-Art Kinderstuhl" oder "Designer Stuhl, der PANTON-CHAIR", obwohl im T

Erscheint lt. Verlag 2.3.2016
Sprache deutsch
Maße 155 x 220 mm
Gewicht 202 g
Themenwelt Kunst / Musik / Theater Design / Innenarchitektur / Mode
Schlagworte Kunststoff • Kunststoffverarbeitung • Massenkultur • Möbeldesign
ISBN-10 3-95850-668-2 / 3958506682
ISBN-13 978-3-95850-668-8 / 9783958506688
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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