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und, bisher übersehen, an der Variationsbreite literarischer Konzeptionen ermitteln. Damit liegt sie also vor, die S c h n i t t m e n g e in des Wortes mehrfacher Bedeutung. Denn auch fiktive Menschen haben etwas auf dem Kopf, sicher nicht vom Zufall und nur bedingt von der Mode gesteuert, sondern durch den schöpferischen Impetus des Schriftstellers gezupft und gestriegelt. Seine Aufgabe ist es, Wörter wie Haare gleichermaßen kunstvoll anzuordnen. Da ist es zur Poesie von Figaro & Co. gar nicht so weit. Haarfein bis haarsträubend, so weit reicht die Palette der Namen deutscher Frisiersalons. Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt, heißt es im Evangelium (Mt 10,30). Wenn es auch menschliche, sogar wissenschaftlich fundierte Schätzwerte gibt, bleibt die präzise Kenntnis der jeweiligen Haarfülle ein göttliches Privileg. Im Umkehrschluss nehmen wir die menschliche Be- grenztheit für die Lücken der nachfolgenden Untersuchungen in Anspruch. Beabsichtigt sind sienicht, doch unausweichlich. So wie Haare wachsen und wieder ausfallen, um den Nachfolgern Platz zu machen, öffnen und schließen Friseurbetriebe, nachgerade ein natürlicher Prozess. In ähnlicher Weise versagt sich die Flut literarischer Erfindun-
gen mit und ohne Haarwuchs der vollständigen Beherrschung, auch wenn vieles eingedämmt und zur geordneten Übersicht gebracht werden konnte. Dennoch - oder gerade deshalb - wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern eine interessante Lektüre, schließlich erfreut doch nichts mehr, als das Gelesene mit eigenen Erkenntnissen anreichern zu können.
Reinildis Hartmann Barbara Maurmann
Fußnoten finden sich im Buch selbst...
Arnd Rüskamp ist am Essener Baldeneysee geboren, und Wasser war immer sein Element. Er hat Publizistik studiert, war Reporter und Moderator, Soldat und Biker, Autor und Verleger. Heute verdient er sein Geld noch immer in den Medien, ist aber vor allem Ehemann und Vater. Zum Schreiben ü ber Schleswig-Holstein qualifiziert ihn, dass er drei Monate Wahlheimat an der Schlei lebt.
Haare sind wichtig: Ein Satz, der keinen Zweifel duldet. Seitdem der Homo sapiens in jahrtausen- delanger Entwicklung seines Fellkleides verlustig ging, erwuchs ihm gleichzeitig die schöne Möglich- keit, aus den vergleichsweise dürftigen Resten das Beste zu machen. Behilflich sind ihm dabei die Haarkünstler. Die Natur gab dem Menschen die Haare, die Kul- tur schenkte ihm die Frisur – und die Friseure. „Haare kehren das Innerste des Menschen nach außen, sind Seismographen für seine Gesundheit, Erotik, Lebensenergie, gesellschaftlichen Status und Macht.“2 Da das Haar, indem es – von Aus- nahmen einmal abgesehen – ständig nachwächst, die Lebenskraft des Menschen anzeigt, gar als Sitz des Lebens verstanden wurde, kam ihm bei allen Völkern sorgfältige Pflege und seit Beginn der Kulturgeschichte kunstvolle Ordnung zu. Das menschliche Haupthaar erhielt die Bedeutung eines Symbolträgers, seine Länge oder Kürze sind von ersichtlicher Signifikanz, machen die Würde, den sozialen Status seines Trägers offenkundig. Die Frisur als die mit Bedacht gewählte Ordnung des Haars verweist auf den gesellschaftlichen Rang, das Ansehen von Amt und Beruf, auch auf religiöse Riten – und ganz allgemein auf die Wandlungs - fähigkeit nach den jeweilig modischen Strömun- gen. Die Haartracht schafft Identität, demonstriert Grup - penzugehörigkeit und politisches oder religiöses Be kenntnis. Beispiele lassen sich unschwer an den Haaren herbeiziehen. Das lange Haar zum Exem- pel war für die Germanen das weithin sichtbare Zeichen der Freien, die Frankenkönige trugen es als Ausdruck ihrer königlichen Macht, Jahrhunderte später entsannen sich die Freiheitskämpfer des 19. Jahrhunderts der ‚altdeutschen‘ Haartracht. In ihrer Nachfolge lassen auch die Herren des 20. und 21. Jahrhunderts das lange Haar im Winde wehen, der Freiheit und dem Abenteuer verschwo- ren. Andererseits bekennen sich die Repräsentan- ten absoluter Coolness zum kurz geschorenen Haar, während doch Kahlköpfigkeit über lange Zeiten als Symptom männlicher Schwäche galt und schamhaft unter Perücken verborgen blieb. Nun ja, die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Haartrachten. Mädchen, früher brav gescheitelt, zupfen keck an den Ponyfransen und werfen die Mähne zurück – und schon liegt es bei den Män- nern, ihr Glück beim Schopf zu packen. So sieht es auch Peter Bichsel, als Mann und als Schriftsteller. 3 Die dem schottischen Philosophen David Hume (1711-1776) zugeschriebene, vermutlich aber be- trächtlich ältere Weisheit, Schönheit sei keine Qua- lität an sich, sondern entstehe im Kopf des Betrach- ters, lässt sich – und zwar ohne jegliche Haarspal- terei – dahingehend erweitern, dass sich Schönheit auch auf dem Kopf entfaltet, möglicherweise damit inneres und äußeres Bild perfekt zusammenstim- men. Die hervorragende Bedeutung der Frisuren, von Kopf- und Barttracht lässt sich an der Anzahl der Friseurbetriebe, an der Vielfalt der Pflegemittel und, bisher übersehen, an der Variationsbreite li- terarischer Konzeptionen ermitteln. Damit liegt sie also vor, die S c h n i t t m e n g e in des Wortes mehrfacher Bedeutung. Denn auch fiktive Men- schen haben etwas auf dem Kopf, sicher nicht vom Zufall und nur bedingt von der Mode gesteuert, sondern durch den schöpferischen Impetus des Schriftstellers gezupft und gestriegelt. Seine Auf- gabe ist es, Wörter wie Haare gleichermaßen kunst - voll anzuordnen. Da ist es zur Poesie von Figaro & Co. gar nicht so weit. Haarfein bis haarsträubend, so weit reicht die Palette der Namen deutscher Frisiersalons. „Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“, heißt es im Evangelium (Mt 10,30). Wenn es auch menschliche, sogar wissenschaftlich fundierte Schätzwerte4 gibt, bleibt die präzise Kennt - nis der jeweiligen Haarfülle ein göttliches Privileg. Im Umkehrschluss nehmen wir die menschliche Be- grenztheit für die Lücken der nachfolgenden Un- tersuchungen in Anspruch. Beabsichtigt sind sie nicht, doch unausweichlich. So wie Haare wachsen und wieder ausfallen, um den Nachfolgern Platz zu machen, öffnen und schließen Friseurbetriebe, nachgerade ein natürlicher Prozess. In ähnlicher Weise versagt sich die Flut literarischer Erfindun- gen mit und ohne Haarwuchs der vollständigen Be- herrschung, auch wenn vieles eingedämmt und zur geordneten Übersicht gebracht werden konnte. Dennoch – oder gerade deshalb – wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern eine interessante Lektüre, schließlich erfreut doch nichts mehr, als das Gelesene mit eigenen Erkenntnissen anreichern zu können. Reinildis Hartmann Barbara Maurmann
| Erscheint lt. Verlag | 24.1.2013 |
|---|---|
| Verlagsort | Essen |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 210 x 148 mm |
| Gewicht | 490 g |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Design / Innenarchitektur / Mode |
| Schlagworte | Alltagskultur • Friseur • Friseur / Friseurin • Friseur/-in • Frisur • Haare • Kultur • Kultur / kulturell • Literatur • Literatur / literarisch • Sprache |
| ISBN-10 | 3-937787-30-5 / 3937787305 |
| ISBN-13 | 978-3-937787-30-5 / 9783937787305 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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