Galilei der Künstler
De Gruyter (Verlag)
978-3-05-004617-4 (ISBN)
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Horst Bredekamp, Jahrgang 1947, ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, seit 1993 an der Berliner Humboldt-Universität und seit 2003 Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Er war Fellow des Institute of Advanced Study in Princeton, des Wissenschaftskollegs in Berlin, des Getty Center in Los Angeles und des Collegiums Budapest. Er wurde 2000 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet.
1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Vorwort zur zweiten Auflage;10
3;I. Einleitung: Galileis Hand;14
4;II. Galilei als "Neuer Michelangelo";24
5;III. Künstlerische Evidenz als Kulturkritik;36
6;IV. Der Mond um 1600;94
7;V. Die Monde des Sidereus Nuncius ;112
8;VI. Die Florentiner Zeichnungen;142
9;VII. Die Zeichnungen des Sidereus Nuncius ML;160
10;VIII. Die Herstellung des Sidereus Nuncius;188
11;IX. Stilformen der Sonnenflecken;228
12;X. Reflexion und Förderung der Malerei;294
13;XI. Kunst als wahre Philosophie;330
14;XII. Schluss: Der Stil der Erkenntnis;348
15;Anhang;354
I Einleitung: Galileis Hand (S. 3)
1. Die Stadtskizze
Band 50 der in der Biblioteca Nazionale Centrale in Florenz bewahrten Galileiana enthält Berechnungen zu den umlaufbahnen der Jupitermonde, die galilei zwischen 1610 und 1613 angestellt hat. Die Kalkulationen sind mit einer kraftvollen, braunen Tinte eingetragen, die immer wieder durch die Seite schlägt und an Stellen besonders starker Einwirkung das Papier perforiert (Abb. 2). Knapp unterhalb der Mitte ist ein Klebestreifen angeheftet worden, um das von der rückseite her durchschlagende gebilde zu fixieren.
Nach dem umblättern überrascht eine Anlage, die mit derselben Feder und derselben tinte wie die Zahlen und Diagramme gezeichnet wurde (Abb.3). sie zeigt eine von hohen Mauern umgebene stadt, die mit einer höher gelegenen Burg durch einen laufgang verbunden ist.
Derartige Anlagen gehören zum standard mittelgroßer italienischer Bergstädte, wie sie etwa soriano in der nähe Viterbos aufweist. Bei näherer Betrachtung wird jedoch augenfällig, daß die Darstellung der stadt kaum als Vedute gemeint gewesen sein kann (Abb. 4).
In ihrem Inneren zeigen sich gebilde, die weniger an Häuser als vielmehr an flache, gegeneinander geschobene riesenscheiben erinnern. Da weder Dächer noch Fenster oder tore zu erkennen sind, bestehen sämtliche elemente dieser Anlage aus flachen, vom sonnenlicht hell beschienenen oder verschatteten Flächen.
Zeitgenössische Anregungen, wie sie etwa luca cambiasos stereometrische gebilde repräsentieren, die noch jedes Auge der Moderne verblüfft haben, werden auf galilei ebenso gewirkt haben wie entwürfe der Militärarchitektur. Wäre die Herkunft dieser Anlage nicht bekannt, könnte an frühe kubistische Architekturentwürfe gedacht werden.
Die Federzeichnung hat zunächst nichts mit den sie umgebenden Zahlen, rubriken und Diagrammen zur Berechnung der Jupitertrabanten zu tun, aber sie gehört doch in jenen Zusammenhang, in dem Galilei um 1610 im rahmen der Beobachtung der Mondoberfläche und der in der Sonne auftretenden Flecken unentwegt über die effekte von licht und schatten und deren Wirkungen auf die Plastizität von Körpern nachdachte.
So hat er auf einem weiteren Blatt der Jupiter-Kalkulationen mit derselben Feder einen gedehnten Krater des Mondes in drei Zeichnungen auf das Papier gebracht, die ebenfalls dem Problem gewidmet sind, wie sich aus licht und schatten die Höhenverhältnisse ergeben (Abb.5).
Das obere gebilde zeigt den ovalen Krater aus einer schräg ansetzenden Vogelsicht, während das mittlere allein den rechten rand in großaufnahme wiedergibt. Darunter folgt schließlich der Blick auf den gesamten Krater aus einer flacheren Perspektive, die dessen längliche Form stärker zu einem Kreis zusammenfügt.
Darin, daß er seine tiefe durch den Kontrast von Hell und Dunkel konzentriert zu erkennen gibt, kommt er dem Prinzip der stadtanlage besonders nahe. Während der Berechnungen der Jupitermonde sind galileis gedanken auf die raumbildenden effekte von licht und schatten gesprungen.
Seine stufenförmige Stadtanlage zeigt, wie durch deren Wechselspiel eine plastische Tiefe zu illusionieren war. Gegenüber den Rundungen des Kraters, für den Galilei Parallel-, Diagonal- und Kreuzlinien verwendete, hat er zur charakterisierung dieser rechtwinkeligen Anlage Vertikal- oder Horizontalparallelen genutzt, die lediglich an der rechten Mauer der oberen Burg abknicken, um strebepfeiler anzudeuten.
In der Sicherheit, in der diese aus licht und schatten gebildete stadtanlage stereometrisch konstruiert ist, begegnet dem Betrachter derselbe Galilei, der in diesem Moment die Kosmologie revolutionierte. Derartige effekte bildeten den Auslöser für den folgenden Versuch.
| Zusatzinfo | 20 schw.-w. u. 704 farb. Abb. |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 170 x 240 mm |
| Gewicht | 1440 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Kunstgeschichte / Kunststile |
| Schlagworte | Galilei, Galileo • Himmelskörper • Kunstgeschichte • Künstler • Zeichnung |
| ISBN-10 | 3-05-004617-1 / 3050046171 |
| ISBN-13 | 978-3-05-004617-4 / 9783050046174 |
| Zustand | Neuware |
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