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DeepNet -  Tony Tonagel

DeepNet (eBook)

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(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2194-6 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
(CHF 6,80)
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Nach dem Umzug nach Berlin fühlt sich der 16-jährige Thomas verloren. Eine rätselhafte Nachricht führt ihn zur geheimnisvollen Gruppe Deepnet - und mitten in einen digitalen Widerstand gegen den mächtigen Konzern Vantage. Zusammen mit Syntax, Megabyte und anderen Verbündeten entdeckt Thomas, wie weitreichend die Kontrolle des neuen Überwachungssystems PANTHEON reicht. Doch je tiefer er in die digitale Unterwelt eintaucht, desto klarer wird: Es geht nicht nur um Daten. Es geht um Vertrauen, Freundschaft - und die Freiheit aller. Ein Jugendroman über digitale Selbstbestimmung, Mut und den Preis der Wahrheit.

Tony Tonagel ist Mediengestalter, Autor, Filmemacher, Schulbegleiter - und gelernter Industriekaufmann. Seit seiner Kindheit begeistert er sich für das Spiel mit Stimmen, Bildern und Geschichten - von Hörspielaufnahmen über Improtheater bis hin zu Drehbuchseminaren. In Hamburg machte er sich als Mediengestalter selbstständig, arbeitet heute kreativ und pädagogisch. DeepNet ist sein literarisches Debüt - ein Jugendthriller über digitale Kontrolle, Technikbegeisterung und die Frage nach echter Freiheit.

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Thomas Berg stand regungslos auf dem Balkon, während der letzte Umzugswagen in einer Staubwolke verschwand. Siebenhundertvierundachtzig Kilometer. So weit war München jetzt entfernt. Seine Freunde. Seine Schule. Sein Leben. Alles zurückgelassen für... das hier.

Berlin-Prenzlauer Berg. Ein Labyrinth aus Altbauten mit bröckelndem Putz und hipster-verzierten Hauseingängen. Dazwischen überteuerte Cafés, wo Leute auf Vintage-Möbeln saßen und sündhaft teure Latte Macciatos tranken, während sie auf MacBooks tippten. Berlin war laut. Unordentlich. Chaotisch. Das komplette Gegenteil von Münchens sauberer, strukturierter Ordnung.

Und ausgerechnet Prenzlauer Berg. Als hätte sein Vater einen besonders schlechten Witz machen wollen. Thomas Berg im Prenzlauer Berg. Er konnte schon die Kommentare seiner neuen Mitschüler hören. "Hey, Berg aus'm Berg!" oder "Bergi vom Bergi" jedes Mal, wenn er den Klassenraum betrat. Wahrscheinlich würde er mindestens das erste Halbjahr damit verbringen, diese dummen Sprüche zu ertragen.

Thomas' Finger trommelten auf dem Geländer, unbewusst dem Rhythmus eines selbst geschriebenen Algorithmus folgend, an dem er letzte Nacht gearbeitet hatte. Eine verschlüsselte Messaging-App, die er entwickelte – nicht weil die Welt eine weitere Messenger-App brauchte, sondern weil er die vorhandenen analysiert und ihre Sicherheitslücken gefunden hatte.

Debug the world– so lautete sein persönliches Motto. Die Welt reparieren, einen Code-Fehler nach dem anderen.

Das Trommeln seiner Finger beschleunigte sich, als er an seinen letzten Tag in München dachte. Den Moment, als Direktor Wegener nach seinem Büro rief. "Was genau sollte deine... wie nennst du es... NeuroCrawler-App bewirken, Thomas?" Die falsche Betonung von "App", als wäre es ein Kinderspiel gewesen und nicht ein selbstlernender Algorithmus, der den Schulserver optimieren sollte. "Wie konntest du denken, dass es angemessen wäre, auf Lehrerkonten zuzugreifen?"– als ob das je seine Absicht gewesen wäre. Der Algorithmus hatte selbständig nach Effizienzsteigerungen gesucht. Dass er dabei auf geschützte Bereiche zugriff, war ein unerwarteter Nebeneffekt gewesen. Ein faszinierender Nebeneffekt, wenn er ehrlich war.

"Thomas! Kommst du endlich? Dein Zimmer einrichten macht sich nicht von selbst!"

Die Stimme seines Vaters riss ihn aus seinen Gedanken. Thomas drehte sich um und sah Dr. Matthias Berg im Türrahmen stehen, die Ärmel seines ehemals perfekt gebügelten Hemdes bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt – ein seltener Anblick. Sein Vater, der Tech-Visionär, wie ihn die Wirtschaftsmagazine nannten, mit Schweiß auf der Stirn und Staub auf der Designerbrille.

"Komme schon", antwortete Thomas und warf einen letzten Blick auf das fremde Berlin, bevor er seinem Vater ins Innere der neuen Wohnung folgte.

Sein Zimmer war ein leerer Raum voller Möglichkeiten – zumindest würde sein Vater es so formulieren. Weiße Wände starrten ihn an wie ein leeres Dokument, das darauf wartete, mit Code gefüllt zu werden. Ein modernes Bett, ein ergonomischer Schreibtisch mit zwei hochauflösenden Monitoren, ein High-End-Gaming-PC (das einzige Zugeständnis seines Vaters an Thomas' Alter) und drei Umzugskartons mit seinen persönlichen Sachen.

"Brauchst du Hilfe?", fragte Dr. Berg und blieb in der Tür stehen, die Hände in den Hosentaschen vergraben – eine Geste der Unsicherheit, die Thomas selten bei seinem selbstsicheren Vater sah.

"Nein, ich komme schon klar." Thomas begann, einen Monitor auszupacken, mehr um seine Hände zu beschäftigen als aus tatsächlichem Interesse an der Einrichtung.

Sein Vater zögerte, als suchte er nach den richtigen Worten. "Die Marie-Curie-Gesamtschule hat einen exzellenten Ruf, weißt du. Ihr MINT-Programm ist—"

"—eines der fortschrittlichsten im Land, ich weiß", unterbrach Thomas und rollte innerlich mit den Augen. "Du hast es mindestens zwanzig Mal erwähnt."

"Nicht ganz so oft." Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht seines Vaters. "Sie haben einen sehr aktiven Robotik-Club. Könnte interessant für dich sein."

Thomas zog den zweiten Bildschirm aus dem Karton, die Erinnerung an seinen letzten "Clubbeitrag" noch frisch. "Der Robotik-Club in München war auch 'interessant', bis Direktor Wegener meine KI-Erweiterung für den Schulserver als 'potenziell gefährlich' eingestuft hat." Er schnaubte. "Als hätte eine selbstlernende Stundenplan-Optimierung das Potenzial, die Schule in die Luft zu jagen."

In Wirklichkeit hatte NeuroCrawler viel mehr getan als nur den Stundenplan zu optimieren. Der Algorithmus hatte angefangen, Muster in den Schulnoten zu erkennen, Vorhersagen über zukünftige Leistungen zu treffen, sogar soziale Netzwerke innerhalb der Schülerschaft zu kartieren... es war brillant gewesen. Und ja, vielleicht hatte er dabei ein paar Grenzen überschritten. Aber welcher Fortschritt kam ohne Grenzüberschreitungen aus?

Dr. Berg seufzte, ein Geräusch zwischen Frustration und resigniertem Verständnis. "Thomas, wir hatten das Gespräch. KI-Systeme ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen—"

"—können unvorhergesehene Konsequenzen haben, ich weiß", vollendete Thomas den Satz, den er in den letzten Wochen dutzendfach gehört hatte. "Ich verstehe die Theorie, Dad. Ich hab's nur satt, ständig ausgebremst zu werden."

Zu seiner Überraschung trat sein Vater einen Schritt näher, statt wie gewöhnlich das Gespräch zu beenden. "Weißt du, warum ich diesen Job bei Vantage angenommen habe?" fragte er unvermittelt.

Thomas zuckte mit den Schultern. "Weil sie dir eine Menge Geld geboten haben, nachdem sie deine Firma aufgekauft haben?"

"Nein." Dr. Berg schüttelte den Kopf. "Weil sie mir Ressourcen bieten, die ich alleine nie hätte. Die Chance, Systeme zu entwickeln, die wirklich etwas verändern können." Sein Blick war intensiv, fast flehend – als wollte er, dass sein Sohn etwas verstand, das er nicht aussprechen konnte. "Du bist 16. Es ist normal, an Grenzen zu stoßen. Aber stell dir vor, was du mit 25 alles erschaffen kannst, wenn du jetzt die richtigen Grundlagen legst."

Mit 25, dachte Thomas bitter. In deinem Alter hattest du bereits dein erstes Patent und zwei Firmen gegründet. Die unausgesprochene Erwartung hing zwischen ihnen wie eine unsichtbare Wand.

Dr. Berg klopfte kurz auf den Türrahmen – sein typisches Signal, dass ein Gespräch beendet war. "Ich muss noch ein paar Anrufe erledigen. Aber wenn du Hilfe brauchst..."

"Ich melde mich", antwortete Thomas automatisch, das einstudierte Ende eines vertrauten Dialogs.

Als sein Vater verschwunden war, warf Thomas sich auf das noch unbezogene Bett und starrte an die Decke. Es gab Zeiten, da hatte er zu seinem Vater aufgeschaut wie zu einem Superhelden. Der brillante Dr. Matthias Berg, der mit 22 sein erstes Patent angemeldet hatte, mit 27 seine erste Firma gründete, und jetzt, mit 48, als einer der führenden Experten für KI-Sicherheit galt. Thomas hatte jedes Magazin mit seinem Vater auf dem Cover gesammelt. Bis er alt genug wurde, um zu verstehen, dass sein Vater von ihm dasselbe erwartete. Dieselbe Brillanz. Denselben Ehrgeiz.

Thomas setzte sich auf und schaltete seinen Laptop ein – nicht den neuen Gaming-PC, sondern seinen alten, selbst modifizierten Laptop mit einem Betriebssystem, das er für seine spezielleren Projekte angepasst hatte. Während das System hochfuhr, packte er methodisch seine peripheren Geräte aus: extra Monitore, ein selbst modifiziertes Grafiktablet, VR-Brille, diverse Dongles und Adapter, und – am wichtigsten – seinen selbst zusammengebauten Mini-Server, der unter seinem Bett in München gestanden hatte und den er eigenhändig im Auto transportiert hatte, statt ihn den Umzugsleuten anzuvertrauen.

Sein digitales Reich – der einzige Ort, wo Thomas die Kontrolle hatte.

Ein Benachrichtigungston erklang, als der Chat-Client startete. Eine Nachricht von Pavel aus München:

>> PAVEL: Bist du gelandet? Wie sieht's aus?

>> THOMAS: Wie Insta in Echtzeit, alles zu perfekt!

>> PAVEL: Haha, Filter-Overkill! Schon mit ein paar Nerds connected?

>> THOMAS: Bin grad mal 2 Stunden hier. Muss erstmal mein Zimmer klarmachen.

>> PAVEL: Schick mal Pics von der Schule. Will sehen, ob die wirklich so Hightech ist, wie dein Vater glaubt.

Thomas lächelte flüchtig. Pavel war der Einzige, der ihn wirklich verstand. Sie hatten sich in der siebten Klasse kennengelernt, als beide beim Schulwettbewerb für Informatik antraten – Pavel hatte den ersten Platz belegt, Thomas den zweiten. Statt Rivalen wurden sie Freunde, vereint durch ihre gemeinsame Faszination für Codes und ihre Außenseiterrolle.

Als der NeuroCrawler-Skandal die Schule erschütterte, war Pavel der einzige, der zu Thomas stand. "Sie verstehen einfach nicht, was du erschaffen hast", hatte er gesagt, während der Rest der Schule Thomas als "den Hacker" abgestempelt hatte. Pavel hatte sogar die technischen Details verstanden, die Thomas' eigener Vater als "zu...

Erscheint lt. Verlag 12.11.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
ISBN-10 3-6951-2194-7 / 3695121947
ISBN-13 978-3-6951-2194-6 / 9783695121946
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