Ein Pony für Zarah (eBook)
200 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-7819-3 (ISBN)
Mina Teichert, im schneereichen Jahr 1978 in Bremen geboren, wollte zunächst Kunstreiterin im Zirkus werden, verwarf die Pläne allerdings im Jugendalter und widmete sich fortan dem Erdenken von Abenteuern. Heute schreibt sie für Thienemann-Verlage, Ueberreuter, Piper, dtv und viele andere Verlagen Geschichten für Jung und Alt.
Überraschungen sind das halbe Leben!
Am Nachmittag sitze ich gerade an meinem Zeichenblock und entwerfe eine neue Brillenkollektion, da klingelt es an der Tür. Ich beschließe, es zu überhören, denn ich zeichne das modische Gestell „Krokodils forever“, und da muss jeder Bleistiftstrich sitzen. Es werden die schönsten grünen Brillen der Welt, und ich kann es gar nicht erwarten, sie Guido
Maria Kretschmer vorzustellen. Der ist nämlich auch Designer und wohnt in Deutschland. Das hat mir Google verraten.
Als das Klingeln immer ungeduldiger wird, gehe ich doch nach unten und öffne die Haustür.
Opa Heinz sieht ganz schön aufgeregt aus. Sein Gesicht ist ziemlich rot und seine letzten weißen Haare am Hinterkopf stehen ihm zu Berge. Hoffentlich hat er nicht in eine Steckdose gefasst und einen Stromschlag bekommen. So was ist einmal einer Klassenkameradin in China passiert. Die wollte beweisen, dass Elektrizität nicht gefährlich ist, weil wir schließlich selbst aus Energie bestehen. Ziemlich haltlose Behauptung, wenn man mich fragt. Wenn das wahr wäre, dann würde ich nicht immer so lange schlafen. Und ich wäre nicht sooft müde.
„Mädchen, komm mit in den Stall“, sagt er zu mir, und ich schüttle energisch mit dem Kopf.
Ich denke gar nicht daran. Meine Haare sind noch nass, weil ich mir gerade erst den Landgeruch mit ganz viel Maracuja-Shampoo ausgewaschen habe.
„Ein Mädchen von Welt gehört auf die Bühne, nicht in den Stall“, gebe ich Papas Worte zu Mamas Idee des Landlebens wieder.
„Komm schon, Kröte“, brummt er einmal mehr.
Ich schätze es nicht, dass er mich so nennt. Auch wenn er behauptet, dass ich auf dem ersten Ultraschallbild von Mamas Babybauch so aussah. Wie eine kleine Kröte.
Opa eilt an mir vorbei in die Küche, füllt einen Eimer mit heißem Wasser und drückt mir Handtücher in den Arm.
„Ich brauche aber deine Hilfe, zieh dir was an“, fordert er und winkt mich hinter sich her. Einen Moment überlege ich, ihm die Nummer der Feuerwehr zu geben, beeile mich dann aber, in meine Jacke zu kommen.
„Okay. Was ist denn eigentlich los, Opa?“, frage ich, als er eilig das Haus verlassen will. Ich hüpfe, der Gummistiefel sitzt nicht richtig am Fuß und die Tür knallt hinter uns ins Schloss. Ich laufe durch den Regen, Opa immer hinterher. Meine Brillengläser bekommen Tropfen ab und beschlagen. Komischer Frühling hier, es ist irgendwie viel zu nass und kalt. Fast wie in Kanada. Ich schaue in den Himmel, graue Wolken türmen sich zu Monsterbergen auf.
„Zimtschnecke hat Probleme“, lässt Opa mich wissen und ein Donnergrollen ertönt.
Das ist nicht unbedingt eine neue Information. Dass offensichtlich etwas mit der dicken Ponystute nicht stimmt, war mir sofort klar, als ich sie kennenlernte.
Denn Zimtschnecke ist fast immer schlecht gelaunt, es sei denn, sie kriegt Kekse.
„Hat sie vielleicht Blähungen? Sie isst ja den ganzen Tag, vielleicht braucht sie nur einen Tee?“, vermute ich.
Ich hatte mir mal meinen Magen in der Türkei verdorben, weil ich den ganzen Tag Döner und Eis gegessen hatte. Und das Pony hat eigentlich auch immer was im Maul und kaut.
„Nein, das ist es nicht. Ich befürchte, wir bekommen Nachwuchs“, antwortet Opa und hetzt voran. Er drückt die Scheunentür auf.
„Nachwuchs?“ Für einen Moment ist mir die Bedeutung dieses deutschen Wortes entfallen. Wuchs wie wachsen? Hat aber wohl nichts mit Waxing zu tun.
Das macht Mama manchmal mit ihren Beinen, wenn sie sich die Haare mithilfe von Wachs ausreißt.
Ausgesprochen schmerzhafte Angelegenheit, sie heult dabei fast immer.
„Ich hatte keine Ahnung, dass Zimtschnecke eine
Affäre hatte“, brummt Opa. „Sie war letzten Sommer einmal ausgebüxt, musst du wissen. So, wie es aussieht, hatte sie eine Liebelei.“ Heinz lacht, greift sich daraufhin an seinen kaputten Rücken und jammert leise, während er voran in den Stall geht.
„Du meinst, Zimtschnecke ist schwanger?“, frage ich ungläubig und meine Gedanken tollen wild in meinem Kopf umher. Tante Bärbel hatte mal eine Affäre und dann ein Wunschbaby, oder so ähnlich.
Ich muss zugeben, ich mag Pferde nicht sonderlich. Sie sind mir zu groß, auch wenn Zimtschnecke nur ein Shetlandpony ist. Aber wenn mich nicht alles täuscht, sind sie sogar mit den afrikanischen Flusspferden verwandt, und das sind die gefährlichsten Tiere der Welt. Die haben mehr Menschen auf dem Gewissen als Löwen. Die reißen sogar ganze Schiffe auf den Flüssen in die Tiefe. Wenn man mich fragt, die kommen direkt aus der Hölle. Da sag ich lieber Cheerio, allerseits!
„Ja, und sie liegt bereits in den Wehen“, holt mich Opa Heinz aus meinen Gedanken. Er öffnet die Tür zur Box, ich folge ihm.
Zimtschnecke liegt im Stroh und schwitzt ganz stark.
Ihr weißes Fell, das von roten Sprenkeln, die an Zimt erinnern, übersäht ist, wirkt ganz nass. Armes Pony.
Heinz geht zu ihr, kniet sich neben die Stute und streichelt sie. „Gute Zimty“, tröstet er sie. „Du schaffst das!“
Fridel, eine Box weiter, meckert blöde.
Ich komme vorsichtig näher. „Hat sie Schmerzen?“, will ich wissen. Vielleicht hilft ihr eine Kopfschmerztablette?
„Frag mal deine Mutter, wie es ist, ein Kind zu gebären, Kröte“, antwortet mein gewitzter Opa mit einer Gegenfrage.
Mama hat meine Geburt verschlafen, so schlimm kann es nicht gewesen sein, überlege ich.
„Hast du vergessen, dass ich ein kaiserlicher Schnitt war?“, frage ich, während ich die frischen Handtücher auf einen Strohballen lege.
„Du meinst einen Kaiserschnitt. Ich hoffe, das wird bei Zimtschnecke nicht nötig“, brummt Opa und sieht sich die Kehrseite des Ponys an.
„Steckt das Baby etwa fest?“, vermute ich und schlage mir die Hände vors Gesicht, als mein Opa die Ponystute unsanft zum Aufstehen zwingt. „Sie liegt viel zu nahe an der Wand, so wird das nichts“, erklärt er mir und hilft dem kleinen Pferd, sich in die Mitte der Box zu stellen.
Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Zuerst gucken nur winzige Pferdefüße aus Zimtschneckes Rückansicht. Dann ein kleiner Kopf, dann macht es
Flatsch und ein winziges Fohlen fällt kopfüber ins Stroh.
„Hoppla“, sagt Heinz.
„Argh“, mache ich, weil noch ganz viel Blut und so hinterherkommt. Das Wunder der Geburt ist ziemlich eklig.
„Schau mal, Zarah. Es ist ein Junge“, freut sich Opa und ich muss aufpassen, dass ich mich nicht übergebe. Für einen Moment bin ich sogar froh, dass meine Brille immer noch beschlagen ist.
„Cheerio“, brumme ich mein Hurra und traue mich jetzt doch, in die Box zu linsen. Und neben der dicken Zimtschnecke liegt ein fuchsfarbenes kleines Wesen.
Es ist ganz schön vollgeschleimt, aber trotzdem ziemlich niedlich, wie es jetzt versucht, auf die krummen Beine zu kommen, es jedoch nicht schafft.
Opa macht es sauber und Zimtschnecke gleich mit.
Und ich reiche ihm Handtücher, damit er das Baby trocken rubbeln kann.
Mein Herz schlägt immer schneller in meiner Brust, ich kann nichts dagegen machen. „Oh, ist das süß“, schnurre ich und traue mich neben Heinz.
Das Fohlen liegt erschöpft halb unter Zimtschneckes Bauch. Die Stute beginnt wieder Heu zu zupfen, als wäre nichts passiert. Die hat ja Nerven.
„Da hast du recht, Kleines. Es ist wirklich niedlich“, brummt Opa. Aber in seiner Stimme liegt eine gewisse Unsicherheit. Wie bei Mama, wenn sie dem Navigationssystem nicht traut. Es wollte uns schon mal mit dem Auto über einen Fluss in Belgien schicken.
Ohne Brücke, ohne Schwimmflügel.
„Ja, oder?“ Ich knie mich ins Stroh, strecke die Hände nach dem Baby aus. Zimtschnecke dreht sich mürrisch zu mir um.
„Pass auf, wenn die Stute die Ohren anlegt, dann ist das eine Drohung. Vielleicht möchte sie dich erst näher kennenlernen, bevor du ihr Kind anfassen darfst“, warnt Opa und tätschelt die Mutterstute. „Zarah ist eine liebe Kröte“, legt er ein gutes Wort für mich ein.
„Du brauchst dich nicht zu sorgen“, meint er zu ihr.
„Ich werde ganz nice sein, zu deinem Fohlen“, verspreche ich hoch und heilig. Und ich werde es mit aufs Sofa nehmen, so viel steht fest.
Es dauert eine Weile, dann lässt Zimtschnecke mich das Fohlen streicheln und es macht zack-boom-bäng!
Ich bin schockverliebt. Es ist unendlich flauschig und ich bin ganz aus dem Häuschen. „Super, bei dem haben ‘se einen Teddy mit eingekreuzt“, freue ich mich, und Opa guckt mich komisch an.
„Erzähl keinen Unsinn“, meint er und ich hole tief Luft.
„Das ist kein Unsinn. Meine Freundin Helen hat einen Teddyhamster, der hat...
| Erscheint lt. Verlag | 29.9.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Ein Pony für Zarah |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Kinderbücher bis 11 Jahre |
| Schlagworte | Freundschaft • Mode • Mut • Pferde • Umzug |
| ISBN-10 | 3-6951-7819-1 / 3695178191 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-7819-3 / 9783695178193 |
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