Lasst die Natur Leben (eBook)
282 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-2194-1 (ISBN)
Simone Eckhardt wurde 1979 in Hessen geboren. Sie wuchs in einem kleinen Dorf auf. Ihre Kindheit verbachte sie am liebsten in der Natur. Dabei beobachte sie die Tiere und Pflanzen und entdeckte ihre Verbundenheit und Einzigartigkeit. Das kraftvolle Grün der Natur spendet ihr noch heute eine tiefe Zufrieden- und Gelassenheit.
Der Blitzschlag
Der kleine Dino mit Namen Theo lebt zusammen mit seiner Mama Mila, seinem Papa Lior und den Großeltern Oma Miriel und Opa Anduin in der Region Transbaikalien. Dass dieses Gebiet einmal zu dem Kontinent Asien gehören würde, davon weiß Theo nichts. Er ist ein glücklicher und lustiger kleiner Dino, dem oft Streiche einfallen und der gerne Fußball spielt. Theo hat zwei Beine, zwei menschenähnliche Arme und Hände. Seine Körperteile haben eine andersartige Haut. Seine Schuppenarten sind an den Hinterbeinen, am Schwanz, am Kopf und an seiner Brust unterschiedlich. Außerdem hat er drei verschiedene Sorten Federn an seinen Oberarmen, an seinen Oberschenkeln und an seinen Schienbeinen. Er ist nicht sehr groß, dafür ist er etwas länger, fast schon einen Meter. Theo macht mit seinen Eltern und Großeltern einen Sonntagsspaziergang.
Seine Mama betrachtet eine Mammut-Mutter, die mit ihrem Kind fangen spielt. Papa knabbert an einer Pflanze, sie schmeckt nach zuckersüßem Honig. Er leckt seine Lippen und brummt ein lautes: „Mmmhh.“
Opa und Oma riechen die frischen Blumen.
Sie lieben diesen süßlichen, fruchtigen Geruch.
Plötzlich hört Theo etwas: „Psst, seid doch mal still!“
Papa beruhigt ihn: „Das ist bloß ein Gewitter, es ist noch sehr weit weg. Siehst du den Blitz? Jetzt zähle mal: eins, zwei, drei…“ Bei zehn hört Theo den Donner. „Möchtest du wissen, wie weit das Gewitter von uns entfernt ist?“
„Ja, Papa. Unbedingt!“
„Das ist im Grunde ganz einfach. Du hast bis zehn gezählt, als der Donner zu hören war, richtig?“
„Richtig.“
„Die Zehn steht für zehn Sekunden und diese wird mit 343,2 Meter pro Sekunde multipliziert, die du dann durch tausend teilst, weil du die Kilometerzahl wissen möchtest.“
„Ach Papa, soviel Mathe an einem Sonntag, echt.“
„Es sind noch 34,32 km bis das Gewitter bei uns ist.“
„Was, soweit?“, staunt Theo.
„Ich möchte trotzdem umkehren“, beschließt Mama.
„Ach nein, ich möchte so gerne das Gewitter beobachten“, quengelt Theo. „Ich würde auch gerne noch bleiben und zuschauen“, meint Papa und schaut dabei seine Frau mit mitleidigen Augen an.
„Na gut, Oma, Opa und ich laufen schon mal vor und ihr kommt gleich nach, okay?“
Theo nickt und betrachtet mit seinem Vater das Spektakel aus einiger Entfernung. Sie staunen und geben immer wieder ein „Aah“
oder ein „Oh“ von sich, wenn der Blitz in ein hohes Holzgewächs einschlägt. Von der Elektrizität haben sie keine Ahnung. Ein alter, breiter Baumstamm wird von dem Blitzschlag erfasst und bricht in zwei Hälften, er sieht schwarz und verkohlt aus.
„Papa, lass uns doch zu dem Berg dort drüben gehen, da können wir das Gewitter noch viel besser beobachten, außerdem ist es noch weit genug weg.“
„Ich weiß nicht so recht, aber Lust hätte ich schon. Also gut.“
Sie marschieren steil bergauf, immer weiter nach oben, hinweg über kleine spitze Steine.
Es strengt sie beachtlich an und beide sind aus der Puste, als sie endlich oben ankommen.
„Papa, wir sollten öfter Fußball spielen, damit wir mehr Ausdauer bekommen!“
„Das stimmt.“
Sie grinsen sich an und sind stolz wie Oskar, den Berg beklommen zu haben, das schafft nicht jedermann. Aus der Ferne staunen sie über das tobende Donnerwetter. Immer wieder schlägt der Blitz ein, das gibt jedes Mal einen lauten Knall. Theo hält sich die Ohren zu. Das Gewitter rückt näher und das Donnern und der Regen werden heftiger.
Plötzlich erblickt Theo etwas, was er noch nie zuvor gesehen hat.
Es sieht aus wie ein Trichter, den seine Oma manchmal zum Kochen benutzt. Er kommt direkt auf sie zu. Theo und sein Papa schauen sich in die Augen und sind sich sicher, dass sie schnellstens von hier wegmüssen. Rasch laufen sie den Berg hinunter, aber der Trichter ist einfach schneller. Er packt beide und wirbelt sie durch die Luft. Schwebend kreisen sie in diesem Kessel. Das Ungetüm lässt sie gar nicht mehr los, es hat Gefallen an ihnen gefunden. Sie schreien lauthals und Theo weint, aber es nutzt rein gar nichts. Sie werden festgehalten und stecken fest.
Schlagartig fällt Papa aus dem Trichter und nur Theo ist weiter darin gefangen. Im nächsten Augenblick sieht er ein grelles Licht und es wird dunkel.
*
Paul öffnet vorsichtig die Augen, durch die Rollläden scheint zartes Sonnenlicht auf die Bettdecke. Er reibt sich den Schlafsand aus den Augen heraus, gähnt und streckt sich.
In seinen Kopf schießt der Traum von heute Nacht, der war merkwürdig. Er hat geträumt, ein Ufo sei auf dem Dach seines Elternhauses gelandet und zwei lilafarbene Lebewesen hätten seinen Fußball gestohlen.
Paul schmunzelt, doch er wird zu schnell aus seinen Gedanken gerissen, der Wecker - ein krähender Hahn, schreit zum dritten Mal.
Heute hat er Mathe in der ersten Stunde, wenn der Tag so ins Rollen kommt, ist Paul zufrieden, zudem ist Freitag. Mittags wird er in aller Ruhe das Wochenende einläuten und sich mit Tim treffen. Trotzdem, er hat keine andere Wahl, er muss sich jetzt beeilen, sonst wird es nichts mehr mit Frühstücken und er verpasst im schlimmsten Fall den Schulbus. Paul springt aus dem Bett und sucht seine Klamotten, die liegen mal wieder kreuz und quer im Zimmer verteilt.
Ruckzuck die Jeans, Socken, Schuhe an und los. Halt nö! Der Schlafanzugpulli passt nicht ins Bild - wo ist bloß sein grünes Sweatshirt?
Paul schaut unter dem Bett nach, nix. Hinter dem Schrank, nichts. Neben dem Schreibtisch, null. Mann, er hat dafür jetzt absolut keine Sekunde Zeit, seine Augen gleiten im Zimmer umher, Stopp! Auf dem Regal liegt das Gesuchte. Paul zieht hastig den Pullover über und eilt zur Treppe, er setzt sich auf das breite Holzgeländer und rutscht herunter. Es klappt mit jedem Mal besser und er wird immer schneller.
In der Küche duftet es nach frischen Eiern, Himbeermarmelade und Pfannkuchen.
„Guten Morgen, Paul.“ „Morgen Mama.“
„Setz dich Schatz, der Kakao steht auf deinem Platz – hier, nimm den Teller mit den Pfannkuchen.“
Paul strahlt. Seine Mama ist die Beste, da ist er sich sicher.
Papa ist in die Zeitung vertieft, er nimmt kaum etwas wahr. Er liest die Tageszeitung, den Sportteil, dazu trinkt er einen schwarzen Kaffee und beißt genüsslich in ein Schokoladenbrötchen, sein Schmatzen schallt durch die Küche.
„Tom! Muss das sein? Versuche doch mal ganz vernünftig zu essen!“
Jeden Morgen das Gleiche, Papa liest Zeitung und kaut, gibt lautstarke Geräusche von sich, Mama bereitet die Mahlzeit vor und schimpft. Papa stört das überhaupt nicht, er hat sich an ihre Kommentare gewöhnt und nimmt in aller Seelenruhe sein Frühstück ein.
Inzwischen streicht Paul die Himbeermarmelade auf den Pfannkuchen, die schmeckt süßlich und fruchtig zugleich.
„Lecker, Mama!“
„Das freut mich Paul. Du musst dich beeilen, sonst verpasst du den Schulbus!“
Paul schlingt den Pfannkuchen hinunter, nimmt dazu einen Schluck Kakao und steht hastig auf.
Er holt die Jacke und den Schulranzen aus dem Flur, dann tappt er nochmal zurück in die Küche, um sich zu verabschieden.
Mama gibt ihm einen dicken Kuss auf die Wange. Paul verzieht das Gesicht, so ganz recht ist ihm diese Küsserei nicht, aber Mutti ist da gnadenlos.
Sein Vater umarmt und drückt ihn fest an sich. „Mach´s gut, mein Großer!“
Paul schaut ihn mit einem verwunderten Blick an. „Ich fliege gleich nach Berlin zu einem Kongress, du siehst mich erst nächste Woche Freitag wieder.“
„Okay, alles klar Papa, viel Spaß in Berlin“, Paul grinst, dann springt er auf und macht sich auf den Weg zur Haltestelle.
Die Bushaltestelle ist schräg gegenüber, quasi ein Katzensprung. Trotzdem hat er es schon geschafft, den Bus zu verpassen.
Paul steigt in den Bus und begrüßt den Fahrer mit einem Handschlag.
„Hi Paul.“
„Hi Fredi.“
Meistens trägt Fredi, der Busfahrer, eine rote Baseballmütze und eine gespiegelte Sonnenbrille, Dreitagebart und zerrissene Jeans. Fredi kennt die neuesten Hits, er hat immer einen flotten Spruch drauf und er ist crazy, nicht wie der Spießer von der Nachtmittagstour.
Der Bus hält direkt vor dem Schulgebäude, was für ein Luxus, hat Papa mal zu ihm gesagt. Ihm blieb damals nichts anderes übrig als fast zwanzig Minuten zur Schule zu laufen, da war die Haltestelle noch ganz woanders. Paul überlegt, was er nach der Schule unternehmen wird, er hätte mal richtig Bock zum Fußball kicken.
Paul muss gähnen, die Fahrt macht ihn immer so müde. Er merkt, dass er viel lieber in seinem kuscheligen Bett liegen würde. Mit schlürfenden Schritten betritt...
| Erscheint lt. Verlag | 21.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch |
| ISBN-10 | 3-8192-2194-8 / 3819221948 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-2194-1 / 9783819221941 |
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