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Die Abenteuer des Ritters Heribert -  Wolfgang Ebenhöh

Die Abenteuer des Ritters Heribert (eBook)

Ein Märchen
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
148 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5770-4 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
8,99 inkl. MwSt
(CHF 8,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Heribert wird als junger, armer, völlig unerfahrener Ritter von seiner Mutter von zu Hause wegschickt, damit er die Welt kennen lernt und eventuell eine reiche Prinzessin findet. Auf seinem Weg sammelt er interessante Erfahrungen, muss dabei aber beim Lernen kräftig Rückschläge einstecken. Aber Heribert ist ein Glückskind und versteht die Sprache der Tiere. Außerdem hat er eine besondere Affinität zu mystischen Wesen. Er trifft eine Hexe, einen Drachen und andere interessante Gestalten, wie sie uns normalen Menschen kaum über den Weg laufen. Tatsächlich findet er am Ende eine Prinzessin und rettet sogar die Welt. Mit "Ritter Heribert reist ins Morgenland" wartet eine Fortsetzung seiner Abenteuer auf die Leser, die sich die Freude am Märchen erhalten haben.

Wolfgang E. wurde 1939 im Sudetenland geboren und wuchs nach der Vertreibung am Kriegsende in Thüringen auf. Er studierte zuerst in Leipzig Physik, als 20-Jähriger verließ er die DDR und beendete das Studium in Heidelberg mit Promotion und Habilitation. Als Wissenschaftler erlebte er mehrere längere Auslandsaufenthalte in Israel, Kanada, USA und Schweden. 1975 wurde er Professor für Mathematik an der Universität Oldenburg. Sein Forschungsschwerpunkt war "Mathematische Modellierung biologischer Systeme". Wolfgang heiratete 1968, hat zwei Kinder und vier Enkelkinder, für die er gern Bücher schrieb. Seit seiner Emeritierung unternahm er viele Abenteuer- und Entdeckungsreisen in die ganze Welt.

RITTER


HERIBERT


BRICHT AUF


Burg Braunenfels war keine Ruine, aber niemand konnte behaupten, sie befände sich in einem guten Zustand. Besonders jetzt gegen Ende des Winters wäre ihren Bewohnern eine etwas behaglichere Behausung lieb gewesen. Den Frost hatte ein kalter Dauerregen abgelöst, man konnte sich kaum noch vorstellen, dass er jemals aufhören würde. An allen Ecken und Enden des Burgsaals tropfte es durch das undichte Dach, nur in der Nähe des knisternden Kaminfeuers war es trocken. Dort saß Mutter Zäzilie auf einem Holzstuhl und sah sich um. Der düstere Tag wich einem dunkleren Abend, aber die Öllampe wurde nicht angezündet. Nur das Feuer erhellte flackernd den Raum. Sie ließ den Blick auf ihrem Sohn ruhen, der neben dem Feuer bäuchlings auf einem Schaffell lag und las. Das schlechte Licht hatte ihn gezwungen, dicht ans Feuer heranzurücken, zu dicht, denn gelegentlich musste er einen glühenden Funken erschlagen, der ein Loch in seine Lektüre brennen wollte. Mutter Zäzilie war nicht mehr jung, aber immer noch eine schöne stattliche Frau mit langem schwarzen Haar ohne graue Fäden. Sie lenkte die Geschicke der Burg mit fester Hand, spätestens seit der Ritter vor einem Jahr nach längerem Siechtum starb. Er hatte sich von einer schweren Verwundung nicht erholt und seine Schwäche nur ungeduldig ertragen.

Jobst, der Verwalter, hockte auf einem Holzklotz. Vor Kurzem erst war er von seinem abendlichen Rundgang durch und um die Burg zurück gekehrt, seine Kleidung war noch nass und dampfte. Neben ihm stand Kobi, die Magd. Sie hatte einen Kamm in den Händen und Jobst ließ die Behandlung geduldig über sich ergehen, denn er wusste, dass Kobi gern an ihm herumzupfte. Mutter Zäzilie rückte ihren Stuhl zurecht. Am Kaminfeuer wird immer eine Körperseite zu heiß, während die andere noch friert. Sie würde sich im Sommer von Jobst einen bequemen Drehstuhl für den nächsten Winter basteln lassen. Jobst konnte so etwas. Er konnte fast alles, und das war auch dringend nötig, denn die Erhaltung der Burg verlangte vielfältig sein handwerkliches Geschick. Ohne Jobst wäre Burg Braunenfels längst eine Ruine.

Mutter Zäzilie unterbrach das Schweigen. »Wann reparierst Du das Dach?« »Wenn ich die Westwand abgestützt habe, da hat sich ein Riss aufgetan. Dann muss ich dringend den Überlauf der Zisterne reinigen, die ist nach dem langen Regen randvoll. An der Treppe zum Turm muss ich eine morsche Stufe auswechseln, sonst stürzt Ihr noch auf dem Weg zum Schlafgemach. Das Feuerholz geht zur Neige, aber das kann vielleicht Heribert erledigen. Ach ja, und Kobi kann frisches Stroh für Eure Matratze im Dorf besorgen. Da sind die Mäuse drin. Für das Dach der Burg werde ich die Schindeln vom Pferdestall verwenden müssen. Ich schaffe nicht alles, wir brauchen eine Knecht.« Mutter Zäzilie seufzte. Sie wusste, das Geld war verbraucht, und wo sollte neues herkommen? Der Rest reichte nicht einmal, um Lampenöl zu kaufen. Wieder richtete sie ihren Blick auf Heribert, der in seinen Ritterroman vertieft war. »Heribert, mein Junge! Es lässt sich nicht hinausschieben. Dein Vater ist nun schon seit einem Jahr tot. Du bist jetzt der Ritter, und Du musst nun endlich tun, was jeder Ritter tut. Sattle Dein Ross! Binde Dein Schwert um! Hebe kühn den Blick und reite in die Welt hinaus! Du musst Abenteuer bestehen, Schätze sammeln und dich mit einer reichen Prinzessin verloben. Morgen früh geht es los!«

Heribert hörte nichts. Die Spannung nahm ihn gefangen: Ritter Archibald hatte gerade von einem Zauberer ein Schwert erhalten, mit dem er den feuerspeienden Drachen besiegen wollte, der auf einem Schatz saß und eine geraubte Prinzessin bewachte. Da konnte seine Mutter sagen, was sie wollte. Oh! Etwas war doch an sein Ohr gedrungen: »Was hast Du gerade gesagt, liebe Mama?« »Morgen haust Du ab, oder ich werfe Dich eigenhändig raus!« Heribert kannte den Tonfall und spürte, dass sie es ernst meinte. Schnell löste er sich aus der Traumwelt. Heribert las gern, aber auf der Burg gab es keine Bücher, nur die Bibel und diese fünf Ritterromane, die kürzlich ein fahrender Sänger mitgebracht und hier gelassen hatte. Die Bibel kannte er längst sehr gut, aber diese Ritterromane mit den herrlichen Abenteuern waren doch etwas Neues! Die Stimme seiner Mutter hallte in Heriberts Kopf nach, und sie ließ ihn schauernd erahnen, wie gewaltig der Unterschied ist, ob man die Abenteuer nur lesend im Kopf miterlebt, und dabei noch nahe am warmen Kaminfeuer auf einem weichen Schafsfell liegt, oder ob man sie selbst am eigenen Leib erleiden muss. Dies stand ihm nun unausweichlich bevor. Dennoch unternahm er einen letzten Versuch: »Kann ich nicht wenigstens bis zum Mai warten, oder allerwenigstens, bis dieser schreckliche Dauerregen aufhört?« »Morgen früh und keine Stunde später!« sagte Mutter Zäzilie. »Morgen ist Montag, der erste März, und außerdem Dein achtzehnter Geburtstag. Montag ist der beste Tag, eine Reise zu beginnen. Ab morgen bist Du der Ritter Heribert! Und jetzt gehen wir alle ins Bett.« Er wusste, das war ihr letztes Wort, und bei ihrem Sturkopf hatte es keinen Sinn, weiter Widerrede zu halten.

Heribert war ein armer Ritter. Seine Burg Braunenfels war alt und klein und lag weit im Norden des Kaiserreiches. Zur Burg gehörte neben dem Berg viel Wald und Sumpf, aber nur wenig Ackerland, das von etwa dreißig Bauernfamilien bearbeitet wurde. Nach altem Recht bekamen die Bauern vom Ritter das Land zur Bewirtschaftung und mussten dafür den zehnten Teil ihrer Ernte abliefern. Die Ritterfamilie hatte damit wegen der Ausgaben zur Erhaltung der Burg nicht sehr viel mehr zum Leben, als ihre Bauern. Aber hungern mussten die Burgbewohner nicht, denn die Magd Kobi war eine ungewöhnlich gute Gärtnerin. Sie pflegte den Gemüsegarten, pflanzte Heilkräuter und Blumen und nutzte jede Ecke. Sie hielt Hühner, Kaninchen und ein Schwein. Ein paar Ziegen und Schafe strichen durch den Wald am Hang des Burgberges. Kobi hatte alles von ihrer Großmutter gelernt, von der manche sagten, sie sei eine Hexe gewesen, weil sie allein in einem kleinen Haus im Waldrand wohnte. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern war Kobi bei der Großmutter aufgewachsen und lebte nun auf der Burg. Zu ihren Aufgaben gehörte auch, täglich Heriberts Ritterross zu füttern. Dieses Ross war ein sehr alter Gaul, der seinen Herrn zwar noch den Berg hinunter tragen konnte, aber nicht mehr hinauf. Das Beste an ihm war seine Vergangenheit als treuer Gefährte seines Vaters und sein Name, es hieß nämlich Baldur Bärenstark.

In dieser Nacht dauerte es eine Weile, ehe Heribert einschlafen konnte. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, als er auf seinem Strohsack unter der warmen Decke lag. Wo würde er morgen übernachten? In einer Höhle, in einer Scheune, unter einem Baum, oder als willkommener Gast auf einem reichen Schloss? Wie würde es hier auf der Burg weitergehen, wenn er unterwegs auf der Suche nach Abenteuern war? Jobst benötigte Hilfe, und er könnte nicht mehr helfen. Unbedingt müsste ein Knecht her! Unter den Bauernjungen würde Jobst schon einen finden, der sich eignet. Dann fiel ihm ein: Wer würde den Bauern am Sonntag aus der Bibel vorlesen? Diese Pflicht hatte er von seinem Vater geerbt. Die Leute aus dem kleinen Dorf am Fuß des Burgberges kamen jeden Sonntag herauf, um zuzuhören. Heribert las gern von Moses und dem roten Meer, von Jericho und seinen Mauern, von den heiligen drei Königen, von Jesus und seiner Kunst, Wein herzustellen. Für ihn waren es Märchen, und für die Bauernfamilien war es ein Guckloch, durch das sie etwas unbegreiflich Großes, Fernes und Schönes erahnen konnten. Die Bauern liebten diese Stunde der Ruhe und Besinnung, durch die der Sonntag mehr wurde als nur eine Unterbrechung im eintönigen Arbeitsleben. Die Welt enthielt offenbar weit Größeres als Burg und Dorf Braunenfels. Ja, dachte Heribert, er würde nun losziehen und nach den Wundern der Welt suchen. Es erging ihm doch viel besser als den Bauern, die ihr Heimatdorf kaum jemals verlassen konnten. Plötzlich fühlte er Vorfreude auf seine Abenteuerreise, und beruhigt schlief er ein.

Am nächsten Morgen sattelte Jobst das Pferd Baldur Bärenstark, während Ritter Heribert sein Schwert suchte. Schon lange hatte er nicht mehr geübt, es zu schwingen. In seinen Romanen übten die Ritter auch nie, sie konnten immer schon alles. Sie konnten mit dem Schwert drohen, schlagen, spießen, schneiden. Wenn sie ihr Schwert zogen, fielen den Räubern gleich die Köpfe ab, floss den Drachen das Blut aus dem Hals, spaltete sich der Baum und die goldene Gans kam heraus. Die Prinzessinnen warfen dann bewundernde Blicke auf die Ritter. Aber Heribert konnte sein Schwert nicht finden! Wo hatte er es nur gelassen? Endlich fragte er Jobst, den Problemlöser. »Im letzten Sommer hast Du mit dem Schwert die Brennnesseln im Graben beim Burgtor abgeschlagen, vielleicht liegt es da noch.« Tatsächlich, da lag es noch, ganz verrostet während des langen Winters. Aber wenn es erst mal in einem Drachen steckte, würde es wohl schnell wieder blank sein.

Ritter Heribert brauchte kein...

Erscheint lt. Verlag 10.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
ISBN-10 3-8192-5770-5 / 3819257705
ISBN-13 978-3-8192-5770-4 / 9783819257704
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