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Whisperling - Die Geister-Detektivin (eBook)

Ein schaurig-schönes Kinderbuch ab 10 Jahren voller Spannung, Grusel und Magie

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
284 Seiten
Baumhaus (Verlag)
978-3-7517-8607-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Whisperling - Die Geister-Detektivin - Hayley Hoskins
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England, 1897. Peggy Devona ist kein normales 12-jähriges Mädchen. Sie ist ein Whisperling. Doch dass sie mit den Seelen Verstorbener kommunizieren kann, behält sie lieber für sich. Zwar werden Whisperlinge geduldet, aber die Wahrheit würde den Bewohnern ihres kleinen Dorfs nur Angst machen. Neben ihrer Familie weiß nur Peggys beste Freundin Sally davon. Als ausgerechnet die des Mordes angeklagt und ins Gefängnis gesteckt wird, weiß Peggy, dass sie ihre Gabe nutzen muss. Kurzerhand zieht sie zu ihrem Onkel in die Stadt und sucht in seinem Hellseher-Geschäft nach Geistern, die ihr helfen, Sallys Fall zu lösen. Doch die Zeit rennt, und nicht nur Sallys Leben steht auf dem Spiel ...



<p><strong>Hayley Hoskins</strong>, aufgewachsen im Forest of Dean, schreibt zwischen Familienleben und Arbeit Kinderbücher und wird dabei von ihrer Schreibgruppe unterstützt. Als Mutter eines Teenagers verbringt sie unverhältnismäßig viel Zeit damit zu hoffen, dass das Leben ihres Sohnes weit weniger kompliziert ist als das der Figuren in ihren Büchern. Sie lebt mit ihrer Familie und ihrem haarigen Hund in Cheltenham, Gloucestershire.</p>

1


Meine Eltern treiben Geschäfte mit dem Tod. Genauer gesagt besitzen sie ein bescheidenes Bestattungsunternehmen in Alderley, dort, wo wir wohnen. Mit der Kutsche liegt es eine halbe Tagesreise von Bristol entfernt.

Pa ist Möbeltischler von Beruf und hat begonnen, schlichte Särge zu fertigen. Mama kümmert sich um die Aufbahrung der Leichen. »Die Toten können keinem mehr schaden«, bemerkt sie gern.

Größtenteils hat sie damit recht.

Zwischen unserer Wohnstube und dem kleinen ›Ankleidezimmer‹ ist die Tür nur selten verschlossen, und die praktische Denkweise meiner Mutter hat dazu geführt, dass der Tod nie einen besonderen Schrecken für mich besaß. Die wächserne Bleiche, die in den Stunden nach dem Dahinscheiden einsetzt, würde vielen den Magen umdrehen; und in der Stadt zahlen die Leute viel Geld dafür, mit Dufttränken und Pudern den Geruch der Verwesung zu übertönen. Ich verstehe nicht, was die ganze Aufregung soll. Wenn man wie ich einen Körper nach dem Tod gewaschen, gekämmt und gepflegt hat, weiß man, dass er nur eine Hülle ist und sonst nichts. Ein Fortbewegungsmittel für Geist und Seele, damit wir leben, lieben, Gutes und Schlechtes erfahren können … Und dann sterben wir, und zurück bleibt ein erstarrender, klammer Kadaver.

Wenn du tot bist, bist du tot.

Wenn du fort bist, bist du fort.

Außer natürlich, bei dir verläuft es anders.

Und da komme ich ins Spiel.

»Schmalzkuchen oder Marzipantorte oder Zuckerbrötchen oder Schmalzkuchen oder Rosinenschnecken oder Schmalzkuchen oder –«

»Schon gut, wir nehmen den Schmalzkuchen!«, lenke ich ein. »Schmalz, Schmalz, Schmalzkuchen!« Ich lache und stoße Sally mit meinem Ellenbogen in die Rippen.

»Autsch! Nu schau sie dir doch an, Pegs! Is’n echter Augenschmaus, nich?« Sie presst ihre Nase gegen das Schaufenster der Bäckerei, sodass bei jedem Atemzug das Glas beschlägt. Grinsend wischt sie an dem Schmierfleck herum, doch ohne viel Erfolg. Zumindest hat sie recht: Mr Sweeting und seine Frau haben sich heute selbst übertroffen. Früh am Samstagmorgen ist ihre Auslage immer eine Pracht, wenn das tägliche Brot in Form von warmen, knackigen Laiben und prall gefüllten Pasteten noch zusätzlich durch Torten, Kuchen und süße Teilchen ergänzt wird.

Alderley ist ein beliebtes Ausflugsziel, denn es bietet einen Spazierweg entlang des Flusses, pittoreske Ruinen und die eine oder andere Teestube. Das ganze Dorf ist überhaupt sehr hübsch und zieht sich wie eine Perlenkette aus kleinen Läden und Häusern einen sanft gewundenen Wasserlauf entlang, der zwischen bewaldeten Hügeln und Äckern verschwindet. Wir wohnen oben auf dem Bothwick Hill, und der Weg dorthin ist recht angenehm, wenn man die Zeit dafür hat. Er führt immer weiter hinauf, an der Schule und dem Pfarrhaus vorbei, bis man schließlich atemlos und mit rosigen Wangen den Gipfel erreicht. Dort kann man im Schatten der Marienkirche verschnaufen und den Blick über das ganze Dorf schweifen lassen. Bei klarem Himmel reicht die Sicht meilenweit, und wann immer ich mich einsam fühle, stelle ich mir vor, dass ich über den Horizont hinaus bis zur Clifton Lodge blicken und Sally Hubbard einen Gruß zuwinken kann. Seit Kurzem hat sie eine Stelle als Hausmädchen von Lady Stanton, doch ich kenne die Villa nur von einer Fotografie. Das Gebäude ist sehr vornehm und liegt versteckt am Ende einer Auffahrt, die von Bäumen mit fedrigen Kronen gesäumt wird. Trotzdem kann ich mir Sally dort gut vorstellen, wie sie ihren Pflichten nachgeht und fröhlich, wenn auch tunlichst leise, vor sich hin pfeift.

Sally hat einen Tag im Monat zur freien Verfügung, und wir verbringen ihn heute zusammen, oder jedenfalls zum Teil. Diesen Anlass gilt es zu genießen, und das bedeutet für uns beide Schmalzkuchen mit Rosinen.

Sally trägt die Dienstmädchenuniform sogar an ihren freien Tagen, wenn auch ohne die Schürze, und ich spreche das Thema nicht an. Seit sie die Stellung in der Lodge bekommen hat, wirkt sie immer, als sei sie ein Stück gewachsen. Was für eine Freundin wäre ich, wenn ich ihr das bisschen Glanz nicht gönnen würde? Die Familie Hubbard besitzt nicht viel. Abgesehen von Sallys Sonntagskleid (das sie heute natürlich nicht trägt, schließlich ist Samstag) hat sie nichts weiter Anständiges vorzuweisen außer die hochgeschlossene schwarze Hausmädchentracht.

»Ich hol uns was«, sagt sie, und schon während sie durch die Tür der Bäckerei spaziert, höre ich sie trällern: »Guten Morgen, Mr Sweeting, könnt ich bitte ’nen Schmalzkuchen haben?« Ich sehe von hinten die roten Locken ihres Haarknotens wippen. Durch das beschlagene Glas des Schaufensters beobachte ich, wie ihre Zungenspitze vorwitzig im Mundwinkel erscheint, während sie darüber nachdenkt, welchen der Schmalzkuchen sie am liebsten möchte. Mr Sweeting wartet geduldig mit einer offenen Papiertüte in der Hand. »Der ganz vorn … nee … weiter links … ja! Ooh, wundervoll! Wie geht’s Ihrer Frau Mama? Hoffentlich ein wenig besser?«

»Leider nicht sehr gut, Liebes, aber danke der Nachfrage. Wie steht’s denn bei dir zu Hause? Dein Papa …?« Er zögert kurz, so wie jeder, der nach Sallys Vater fragt.

»Ach, Sie wissen’s doch, ständig besoffen. Aber Mama sagt, wenigstens muss sie sich nich fragen, wo er steckt, weil er ja nich mal die Haustür findet, ohne der Länge nach umzufallen!«

»Oh. Tja, man kann wohl in allem etwas Gutes sehen«, sagt Mr Sweeting und lächelt betreten, während er die Papiertüte sorgfältig um den Schmalzkuchen faltet. Sally lacht übersprudelnd, und ihr scheint nicht bewusst zu sein, dass ein Trunkenbold als Vater wirklich kein Anlass zur Heiterkeit ist.

Im Schaufenster der Bäckerei klebt ein Plakat. Ich kenne die Worte auswendig – genau wie alle Dorfbewohner, denn laut Gesetz muss ein Exemplar in jedem öffentlichen Gebäude, Laden, Schreibbüro, Gasthof und Gotteshaus aushängen. Es soll uns daran erinnern, dass sich die Zeiten geändert haben und wir nun Bürger eines modernen Landes sind.

Verständlich, denn erst kürzlich gab es einen derartigen »Zwischenfall« in einem Dorf weiter nördlich. Einem jungen Mädchen wurde nachgesagt, sie sei ein Whisperling. Also wurde sie vernommen und für schuldig befunden. Sie beteuerte ihre Unschuld, wurde aber trotzdem ertränkt.

»Beeil dich schon, Sal!« Ich werfe noch einen Blick auf das Dekret. Whisperlinge. Menschen, die mit den Toten sprechen können. Eine heiße Röte steigt mir ins Gesicht.

»Jaja, halt die Luft an, Schätzchen. Ich hab uns ’nen ganz fetten besorgt, den größten, den’s gab!« Sie kichert, während sie eine Hand in die Tüte steckt und Puderzucker vom Finger leckt. »Hast du dir wieder so’n Plakat angeguckt, Peg?«

Ich zucke mit den Schultern. »Ich kann einfach nicht aufhören, an das arme Mädchen zu denken. Hätte man doch wenigstens – uff!« Ein Schubser von Sally haut mich buchstäblich von den Füßen.

»Pfft! Hätt’ man wenigstens was? Noch’n paar Poster aufgehängt?« Sie schnaubt. »Zum Henker, Peg, die Hälfte der Hornochsen, die so was anstellen, können nich mal lesen. Wenn sie’s könnten, würden sie nur rumgrummeln, dass irgendwelche Weltverbesserer sie zwingen, die ›guten alten Traditionen‹ aufzugeben. Und überhaupt, ich weiß selbst nich, was das Ganze soll. Schließlich«, fährt Sal fort, zwinkert mir übertrieben zu und winkt gleichzeitig Mr Sweeting zum Abschied, »hat man in der Gegend schon ewig keinen Whisperling – oder so ’ne Teufelsbrut, um’s weniger fein zu sagen – gesehen. Stimmt doch, Darling?«

»Sprich leiser, du dumme Nuss, sonst hört dich noch jemand!«, zische ich, während wir uns auf den Rückweg durchs Dorf machen. Auf Sallys rosigem Gesicht liegt ein breites Grinsen, als wir beide uns unterhaken. Höflich nicken wir allen zu, an denen wir vorbeikommen.

Sal ist vierzehn und damit zwei Jahre älter als ich, aber auf den Gedanken würde man nie kommen. Sie ist so unverstellt und geradeheraus. Tatsächlich wirkt sie viel jünger, weil immer alles gleich aus ihr hervorsprudelt, sei es gut oder schlecht. Mama sagt, sie sei im Herzen noch ein Kind, und das ist wirklich eine perfekte Beschreibung.

Andere im Dorf beschreiben sie weniger schmeichelhaft, zum Beispiel Mrs Dulwich. Sie sagt, Sal sei »genauso weich in der Birne wie der Rest ihrer Sippschaft«. Und da lauert die Alte auch schon, weißhaarig und genauso übellaunig wie ihre dürre schwarze Katze. Sie blickt halb verborgen hinter den Tinkturen und Salben im Schaufenster ihres Apothekerladens hervor. Das Gebäude ist das letzte vor der Ecke, wo wir auf meinem Heimweg hügelaufwärts abbiegen müssen. Drinnen stehen Regale voll sorgsam verkorkter Glasfläschchen in Edelsteinfarben, die allesamt mit handgeschriebenen Etiketten versehen sind.

»Guten Morgen, Mrs Dul-witch«, flöten wir im Chor und lassen absichtlich eine Lücke zwischen den Silben, damit das Wort »Hexe« in ihrem Namen hervorlugt. Unauffällig, aber doch dreist genug, um Sally ein bisschen Befriedigung zu verschaffen. Da wir in einem kleinen Ort leben, weiß meine Freundin natürlich längst, wie dieser fiese Besen über sie redet. Gleich darauf rennen wir Hals über Kopf los, immer schneller, bis unsere Lungen genauso brennen wie unsere Beine. Lachend und kreischend stürmen wir am Ladenfenster vorbei und um die Ecke, wo wir vor ihrem stechenden Blick in Sicherheit sind.

Dort wird Sally langsamer und faucht: »Haste gesehen, wie sie mich angestarrt hat?« Ich werfe ihr einen Seitenblick zu. Sie presst die Lippen zusammen, und ihre...

Erscheint lt. Verlag 29.8.2025
Übersetzer Ulrike Raimer-Nolte
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch Kinderbücher bis 11 Jahre
Schlagworte ab 10 Jahren • England • female empowerment • Forbidden magic • Freundschaft • Geister • historisch • Kinderbücher • Krimi • Kriminalfall • mit geistern kommunizieren • Seance • Spannung • Übernatürliches
ISBN-10 3-7517-8607-4 / 3751786074
ISBN-13 978-3-7517-8607-2 / 9783751786072
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