Ömers Team (eBook)
246 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-8790-2 (ISBN)
Stefan Lehrner, geboren 1975, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er unterrichtet an der HTL Wien 10 und bringt seine vielfältigen beruflichen und wissenschaftlichen Erfahrungen in die Ausbildung der nächsten Generation ein.
I
Der erste Schultag im neuen Jahr begann für die 3AFMB turbulent. Als Professor Lehrner das Klassenzimmer betrat und die Schüler mit einem freundlichen „Willkommen im neuen Schuljahr 3AFMB!“, begrüßte, schien es zunächst, als würde niemand ihn wahrnehmen. Die ausgelassene Stimmung ließ ihn ungeduldig werden. Die Gespräche und das Lachen der Schüler wurden nur lauter, bis der Professor mit genervtem Ton fragte: „Es ist jetzt das dritte Schuljahr, und ihr habt immer noch nicht gelernt, wie man sich benimmt?“
Die Unruhe flaute nur langsam ab. Mit einem resignierten Seufzen setzte sich der Professor an seinen Tisch und wartete. Erst nach einigen Minuten kehrte Ruhe ein, als die Schüler sich allmählich selbst zur Ordnung riefen. „Psst! Seid leise!“, hörte man aus verschiedenen Ecken des Raums. Schließlich stand der Professor auf, räusperte sich und sagte streng: „Meine Dame und alle anwesenden Herren, niemand von euch ist gezwungen, hier zu sein. Ihr habt die Schulpflicht hinter euch. Ihr seid freiwillig hier. Und von Freiwilligen erwarte ich, dass sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Ist das klar?“
Ein betretenes Nicken ging durch die Klasse, die meisten Schüler schauten entweder auf den Boden oder aus dem Fenster. Ömer, der in der hinteren Reihe saß, dachte grimmig: Na super, wenn er schon am ersten Tag so schlecht gelaunt ist, wie wird dann das restliche Schuljahr?
Plötzlich wurde die Tür mit einem Krachen aufgerissen, und Sebastian trat ein, ohne anzuklopfen. „Ah, Sebastian“, sagte Professor Lehrner trocken. „Sozialdienst bei Hausmeister Grummel?“
Sebastian verdrehte die Augen. „Ja. Mistkübel ausleeren und saubermachen.“
„Schön“, erwiderte der Professor kühl. „Das nächste Mal pünktlich, bitte. Ich habe keine Lust, alles doppelt zu erklären, nur weil du wieder zu spät bist.“
Sebastian wollte protestieren. „Aber ich—“
„Keine Ausreden! Setz dich einfach. Da hinten, vorletzte Reihe, am freien Tisch.“
Langsam schlurfte Sebastian zu seinem Platz, warf seine Tasche auf den Tisch und ließ sich auf den Stuhl fallen, der direkt neben dem Fenster stand. Er lehnte sich zurück und begann, mit seinem Kugelschreiber zu spielen.
„Also“, begann der Professor nach einem Moment des Schweigens, „wer mag erzählen, wo er oder sie in den Ferien war?“
Tino meldete sich. „Ich war mit meinen Eltern in Kroatien, in Split.“
Das löste sofort eine hitzige Diskussion aus. „Hajduk Split ist doch viel besser als Dynamo Zagreb!“, rief ein Schüler. „Quatsch, Dynamo ist unschlagbar!“, schoss ein anderer zurück. Die Stimmen wurden lauter, bis Professor Lehrner scharf dazwischenfuhr: „Ruhe! Wir sind hier nicht im Stadion.“
Als es wieder still war, hob Kimberly die Hand. „Professor Lehrner, warum haben wir einen Tisch mehr als letztes Jahr?“
Er sah sie überrascht an. „Das ist dir aufgefallen? Es gibt zwei Gründe: Erstens haben wir einen neuen Schüler, den ihr alle schon kennt: Sebastian.“ Einige Schüler lachten leise. „Zweitens bekommen wir nach den Herbstferien eine Austauschschülerin aus der Türkei, genauer gesagt kommt sie aus Yozgat. Sie heißt Aylin. Sie wird uns im neuen Mixed-Futsal-Team unterstützen.“
Neugierde breitete sich aus. „Wie alt ist sie?“, fragte ein Schüler. „Hat sie einen Freund?“, rief ein anderer. „Spricht sie Deutsch?“, kam es aus der hinteren Reihe.
Der Professor ignorierte die unangemessenen Fragen und wandte sich stattdessen wieder Kimberly zu, die erneut die Hand gehoben hatte. „Spielen wir dieses Jahr kein Street-Soccer 3S mehr?“, wollte sie wissen.
„Nein“, antwortete er. „Das Bildungsministerium hat Professor Lammer gebeten, mit seinem Konzept auf große Tour zu gehen. Das bedeutet, dass er uns dieses Jahr nicht mehr zur Verfügung steht.“
Ein kollektives Raunen ging durch die Klasse. Die Schüler mochten Professor Lammer sehr und waren traurig, ihn nicht mehr zu sehen. Gleichzeitig freuten sie sich für ihn, dass er mit seiner Erfindung Erfolg hatte.
In der hinteren Reihe herrschte eine Mischung aus Stille und Tagträumerei. Ömer saß neben Oliver, der verstohlen auf Kimberly starrte. Während Oliver mit schüchterner Bewunderung Kimberly beobachtete, dachte Ömer an Sara. Die Erinnerung daran, wie sie im Feriencamp gemeinsam gegen die Cyberkriminellen gekämpft hatten, war noch lebendig.
Sebastian hingegen saß unbeeindruckt in der vorletzten Reihe, spielte weiter mit seinem Kugelschreiber und warf hin und wieder einen Blick nach draußen. Futsal? dachte er. Hoffentlich ist das besser als dieses langweilige Street-Soccer 3S vom letzten Jahr.
Die Stunde setzte sich mit einer lebhaften Diskussion über Urlaubsdestinationen fort. Fast die gesamte Klasse hatte während der Sommerferien beeindruckende Reisen unternommen: von den Staaten des Balkans über Osteuropa bis hin zu Asien und den USA. Als die Schüler von ihren Erlebnissen erzählten, war Professor Lehrner beeindruckt und bemerkte schmunzelnd: „Es scheint, als hätten wir hier einige Globetrotter unter uns.“ Sein Ton wurde versöhnlicher, und er fügte hinzu: „Reisen ist eine der besten Möglichkeiten, Vorurteile abzubauen. Ich hoffe, ihr habt viele spannende Begegnungen gemacht.“
Mit diesem positiven Abschluss entließ er die Schüler am Ende der Stunde in die Pause. Vor der Schule warteten Ömer, Oliver und Kimberly auf ihre Freunde aus der 3BHBMT. Die drei standen entspannt in der warmen Herbstsonne, während sie die Schülerströme beobachteten, die das Gebäude verließen. Ömer ließ seinen Blick schweifen und dachte über den vergangenen Sommer nach. Die gemeinsamen Erlebnisse im Feriencamp, als sie die Cyberkriminellen überlistet und der Polizei übergeben hatten, hatten die Gruppe enger zusammengeschweißt. Doch die anschließenden Ferienpläne hatten sie für einige Wochen voneinander getrennt.
Sara und Ömer, Bibi und Dario – diese Beziehungen schienen klarer. Doch wie es zwischen Oliver und Kimberly stand? Das wusste wahrscheinlich nicht einmal die beiden selbst, dachte Ömer schmunzelnd. Er erinnerte sich an den Moment im Lagerfeuerlicht, als Oliver Kimberly geküsst hatte – und die darauf folgende Ohrfeige. Doch trotz dieses Vorfalls lag seitdem eine spürbare Spannung in der Luft, die keiner von beiden zu klären schien.
Endlich kamen Sara, Bibi und Dario aus dem Schulgebäude. Bibi trug eine kurze weiße Shorts, ein dunkelblaues Polohemd und eine weiße Kappe, durch deren hintere Öffnung ihr Pferdeschwanz fiel. Sara hatte sich für einen Minirock und ein luftiges Spaghetti-Träger-Shirt entschieden. Ömer bemerkte, wie sein Atem stockte, als Sara sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich, während sie die Stufen zu ihm hinunterkam. Ihr Lächeln traf ihn mitten ins Herz.
„Hallo, mein Lieber“, sagte Sara sanft, während sie ihm einen Kuss auf die Wange gab. Ömer spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht schoss, und murmelte: „Hallo Sara, ich freue mich so, dich zu sehen.“
Sara lächelte verschmitzt und wandte sich neckend an die Gruppe: „In Notsituationen kann Ömer seinen Mann stehen und alles perfekt meistern, aber sobald er mich sieht, wird er plötzlich ganz einsilbig.“
Ömer wollte etwas Schlagfertiges erwidern, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Stattdessen sagte er: „Gehen wir zu Starbucks?“
Die Idee schlug sofort ein wie ein Blitz. Ein kollektives „Ja, lass uns gehen!“ ging durch die kleine Gruppe, und ohne zu zögern, machten sie sich auf den Weg. Das Lachen und die angeregten Gespräche erfüllten die kühle Abendluft, während sie die belebte Straße entlanggingen. Das neue Schuljahr hatte begonnen, und in diesem Moment schien alles möglich. Der Zusammenhalt zwischen ihnen fühlte sich unerschütterlich an – als könnten sie gemeinsam jede Hürde meistern, egal ob in der Schule, auf dem Spielfeld oder an geheimnisvollen Orten, die nur sie kannten.
Schon beim Betreten des Starbucks wurden sie von einer warmen Wolke aus Düften empfangen. Der bittere Geruch von frisch gemahlenen kolumbianischen Kaffeebohnen mischte sich mit der Würze von Chai Latte und der verführerischen Süße von geschmolzenem Cheddar, der über Paninis lief. Es war wie eine olfaktorische Umarmung, die jeden von ihnen einhüllte. Die moderne Einrichtung, die Mischung aus Holz und Metall, schuf eine Atmosphäre, die gleichzeitig gemütlich und lebendig war.
Die Bestellung ging zügig. Jeder zückte sein Smartphone, um die kontaktlose Bezahlung zu erledigen – eine Bewegung, die so synchron und routiniert wirkte, als hätten sie dafür trainiert. Kurz darauf saßen sie in den tiefen, weichen Polstermöbeln, die strategisch um niedrige Tische arrangiert waren, und nippten an ihren Getränken. Doch...
| Erscheint lt. Verlag | 1.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch |
| ISBN-10 | 3-7693-8790-2 / 3769387902 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-8790-2 / 9783769387902 |
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