Till und die Suche nach der verlorenen Magie (eBook)
366 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7405-6 (ISBN)
Der Autor ist 72 Jahre alt, verheiratet und stolzer Vater von vier Kindern. Er absolvierte eine Ausbildung zum Technischen Zeichner und Tischler. Seit Anfang 2018 genießt er den Ruhestand und kann endlich seinen beiden Leidenschaften nachgehen, dem Schreiben und dem Malen. Er ist Begeisterter Leser von Fantasy- und Science Fiction-Romanen. Seit 2018 sind bereits mehrere Kinder- und Jugendbücher von ihm verlegt worden. Heimliche Herrschaft - Die Welt im Verborgenen Heimliche Herrschaft - Die Gilde Till und die Gefangenen im Nichts Till und die Suche nach der verlorenen Magie
EIN NEUER ANFANG
Draußen war es bereits hell geworden, als der dreizehnjährige Till Becker erwachte. Der Himmel war mit grauen Wolken überzogen und dichtes Schneetreiben hatte in der Nacht eingesetzt.
Er gähnte lautstark, reckte sich ausgiebig und tapste mit nackten Füßen zum Fenster. Der Wind wirbelte große Schneeflocken vorüber. Viele von ihnen hatten sich in sanften Wellen auf die Fensterbank gelegt.
Draußen war es bitterkalt. Das Haus hatte zwar Heizkörper, aber keiner von ihnen war an eine Heizung angeschlossen. Trotzdem waren alle Räume angenehm warm. Zauberei hatte seine Vorteile, dachte Till schmunzelnd.
Wie jeden Morgen fiel sein erster Blick auf den Gipfel des Teufelsberges, der sich nicht weit vom Haus erhob. Gestern noch erstrahlte er in weißer Pracht, doch durch das dichte Schneetreiben war der Berggipfel heute nicht mehr zu sehen.
Tills Zimmer war für einen Jugendlichen nur spärlich eingerichtet. Auf dem Nachtschränkchen neben dem Bett lag ein Buch. Eine Tür des Kleiderschranks an der Rückseite des Zimmers klaffte auf und einige Wäscheteile quollen daraus hervor. In der Mitte des Raumes stand ein Tisch mit drei Stühlen. Es gab keinen Computer und nirgends war ein Handy zu sehen.
Auch das Buch auf seinem Nachtschränkchen war ungewöhnlich. Es hieß „Das große Buch der Zaubersprüche“. Es hatte seinen Namen nicht von ungefähr, denn es war ein altes, in Leder gebundenes Buch, dick, groß und ziemlich schwer.
Der Titel glänzte in goldenen, altdeutschen Lettern auf dem Umschlag. Geschrieben hatte es eine Hexe mit dem Namen „Gwendoly Magykus“. Sie musste vor ungefähr vierhundert Jahren gelebt haben.
Till besaß das Buch erst einige Wochen und fast jeden Abend im Bett versuchte er, sich durch die Seiten zu lesen. Es war ihm wegen der alten Schrift nicht leichtgefallen. Trotzdem las es sich spannender als jeder Krimi.
Doch Till war auch kein normaler Junge. Er war ein Zauberer und außerdem ein Traumläufer. Wie jeder andere auch, kannte er zwar die ganz gewöhnlichen Träume der Nacht bis zu einigen erschreckenden Albträumen. Doch manche von ihnen waren wirklich „besonders“.
Ein Traumläufer ist in der Lage, seinen Geist im Schlaf auf die Reise zu schicken. Er liegt dabei weiterhin in seinem warmen Bett und schläft, während sein Ich an einem anderen Ort weilt und dabei Dinge erlebt, die wirklich geschahen. Da er immer noch in seinem Bett ruht, kann er nur beobachten, aber nicht in das Geschehen eingreifen. Und das Beste daran ist, dass er sich trotzdem am nächsten Tag ausgeschlafen und erholt fühlt.
Aber erst im vergangenen Jahr hatte Till erfahren, wer er war, und was es mit seinen Träumen auf sich hatte. Alles hatte damit begonnen, dass er im Schlaf den Untergang eines Schlosses beobachtete.
Als seine Eltern davon erfuhren, verhielten sie sich äußerst merkwürdig, denn in kurzer Zeit wechselten sie öfter den Wohnort als ein Jahr seine Jahreszeiten. Einmal waren es sogar zwei Umzüge in einem Monat gewesen.
Das war auch der Grund, weshalb er seinen Eltern fortan verschwieg, dass er den Traum vom Untergang des Schlosses weiterhin träumte.
Erst als sie ein hübsches Haus in der Nähe des Städtchens Sonnenbrunn fanden, schienen sie zur Ruhe zu kommen.
Das Häuschen lag am Fuß des besagten Teufelsberges. Es gab auch einen kleinen Fluss, der unter ihm hindurch sprudelte. Auf der anderen Seite des Berges trat er wieder ans Tageslicht, um durch das Städtchen zu fließen.
Dann, in der letzten Nacht vor dem Ende der Sommerferien, tauchte er im Traum unerwartet in dem Schloss auf, dessen düsteren Untergang er so oft beobachtet hatte. Das sollte sich von da an fast jede Nacht wiederholen.
Und als wäre das alles nicht schon verrückt genug, wurde die Geschichte nun gänzlich abstrus. Denn die Schlossbewohner waren die ehemaligen Schüler und Lehrer der altehrwürdigen Mantikor-Schule, so wurde das Schloss vormals genannt.
Bis vor etwa hundert Jahren hatte man hier junge Hexen und Zauberer ausgebildet. Beim Untergang des Schlosses während der Wirren des Ersten Weltkrieges wurden sie von den Feinden der magischen Gemeinschaft, den Mutaren, wie sie sie nannten, mitsamt dem Schloss in den aether horribilis versetzt.
Hier fristeten sie ihr Dasein, gefangen in Bilderrahmen, die verstreut über das Schloss an den Wänden hingen. Sie waren die Gefangenen im Nichts.
Aber im Gegensatz zu seinen sonstigen Träumen, in denen er immer nur Beobachter war, war er körperlich anwesend und konnte sich sogar mit den Schlossbewohnern unterhalten.
Seitdem hatte er sich oft gefragt, wie es möglich war, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Doch immer, wenn er versuchte, es auch nur halbwegs zu verstehen, begann sich sein Gehirn zu verknoten, also gab er es schließlich auf.
Meister Carmen, einer der Lehrer, hatte ihm erklärt, dass wahrscheinlich der Zauber des ehemaligen Schulleiters mit seinem Auftauchen im Schloss zu tun hatte.
Es war dem Schulleiter vor seinem Tod gelungen, in letzter Sekunde einen Traum zu erschaffen, der des Nachts auf Wanderschaft gehen sollte, um den zu finden, der in der Lage war, das Schloss und seine Bewohner zu befreien.
Till hatte sich ständig gefragt, weshalb die Wahl auf ihn gefallen war, ihn, einen ganz normalen Menschen, der bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal geahnt hatte, dass es so etwas wie Magie tatsächlich gab.
Wie er später erfuhr, war es aber letztlich nicht nur der Traum, der ihn in das Schloss geführt hatte, sondern auch seine eigenen Fähigkeiten als Traumläufer. Doch das wusste damals noch niemand.
Die Schule hatte sich ehemals auf einem mysteriösen Berg befunden. Doch niemand wusste mehr, wo der Berg stand. Tills Aufgabe wurde es, diesen Berg und einen Zauberring mitsamt dem Zauberspruchbuch zu finden, damit er in der Lage war, die Bewohner des Schlosses zu retten.
Umso größer war seine Überraschung, als er feststellte, dass der Teufelsberg mit seinen Ruinen vor ihrem Haus der gesuchte Ort war. Selbstverständlich hatte er seinen Eltern davon nichts erzählt.
So gelang ihm, was alle im Schloss zwar sehnlichst erhofft, aber keiner wirklich erwartet hatte. Ein dreizehnjähriger Junge mit nur geringen magischen Kenntnissen erschütterte den aether horribilis derart, dass das Schloss mitsamt den Bewohnern aus dem aether geschleudert wurde.
Seitdem waren diese Träume verschwunden. Mussten sie auch, dachte Till zufrieden, denn das Schloss stand schließlich wieder an seinem ursprünglichen Platz und alle Schlossbewohner waren frei.
Das war erst einige Wochen her. Auch heute noch schwoll seine Brust vor Stolz, wenn er sich daran zurückerinnerte.
Doch nicht nur seine Eltern waren überrascht, als sie von seinen Fähigkeiten erfuhren. Auch für ihn war die Überraschung groß, als sie ihm mitteilten, dass sie und damit auch er Zauberer waren. Seine Eltern, die er zwar liebte, aber auch für langweilige Angestellte in der Stadtverwaltung gehalten hatte. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, dass sie alles andere als langweilig waren.
Nachdem die Mutare das Schloss in den aether versetzt hatten, blieben fortan alle verbliebenen Hexen und Zauberer im Verborgenen zusammen mit den nichtmagischen Menschen und lebten und arbeiteten wie sie. Denn auf keinen Fall durften die Mutare erfahren, dass eine kleine magische Gemeinschaft weiterhin im Verborgenen existierte.
Ihre Kinder erfuhren erst mit dem dreißigsten Lebensjahr, wer sie wirklich waren. Dann bildeten die Eltern sie, so gut sie konnten, als Zauberer und Hexen aus. Das war der Grund, weshalb Till bis dahin nicht gewusst hatte, dass er ein Zauberer war.
Die Mutare waren mächtige, magische Wesen. Es war für sie ein Leichtes, die nichtmagischen Menschen durch verschiedene Arten von Täuschung und Betrug zu kontrollieren.
Das war ihr Ziel, erhofften sie sich davon uneingeschränkte Macht. Hinzu kam, dass ein Mutar fast jede Gestalt annehmen konnte, die er wollte, nur lebendig musste sie sein.
Die Zaubergemeinschaft hatte versucht, ihre Pläne zunichtezumachen und war ihnen deshalb im Weg gewesen. Schließlich war es den Mutaren gelungen, fast die gesamte magische Welt der Menschen auszurotten oder dienstbar zu machen.
Seit dem Jahr neunzehnhundertsiebzehn war deshalb viel von dem Wissen der magischen Gemeinschaft verloren gegangen.
Eigentlich erwarteten alle mit Spannung den allerersten Besuch im Schloss auf dem Teufelsberg. Tatsächlich wäre heute der Tag gewesen, doch vor zwei Wochen hatten sie die enttäuschende Nachricht erhalten, dass der Besuch verschoben werden musste, denn es sei zu unerwarteten Schwierigkeiten gekommen.
Mehrere Lehrer oder Meister, wie sie von den Schülern genannt wurden, waren erschienen, um ihnen das mitzuteilen. Natürlich hofften sie, die Probleme bald beseitigen zu können.
Damit die Besucher des Schlosses nicht den beschwerlichen Fußweg nehmen mussten, versuchten sie am Fuße des Berges ein cursarvi, einen magischen Durchgang zu errichten, der direkt auf den Gipfel führte.
Der Aufstieg wurde damit weit weniger mühselig. Denn...
| Erscheint lt. Verlag | 17.1.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Till und die verschollenen im Nichts |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre |
| Schlagworte | Abenteuer • Fantasy • Freundschaft • Magie • Zauberer |
| ISBN-10 | 3-7693-7405-3 / 3769374053 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-7405-6 / 9783769374056 |
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