Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Jonathan von der Raststätte -  Anna Iben

Jonathan von der Raststätte (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
100 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-4184-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
(CHF 6,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Wie auf einer einsamen Insel im Meer. So kommt sich der zehnjährige Jonathan in seinem Zuhause - einer Raststätte - manchmal vor. Im Takt der Autobahn, die jeden Tag anders rauscht, hält dieser ganz besondere Ort die kleinen Abenteuer und großen Begegnungen des Lebens für Jonathan bereit. Elf augenzwinkernde und ruhige Geschichten voll besonderer Abenteuer in einer überraschend erstaunlichen Umgebung. So habt ihr eine Raststätte noch nie gesehen! Für viele ist die Raststätte ein Ort, an dem man seine Reise unterbricht. Für Jonathan aber ist sie der Ort, an dem die Welt bei ihm vorbeikommt. Triff gemeinsam mit Jonathan auf komische Vögel, Gestrandete, Transportierende, Vergessene, Forschende und Einheimische. Jede Begegnung lässt ein Stück Gepäck mit federleichter Weisheit an der Raststätte zurück. In diesem ganz eigenen Kosmos konzentriert sich die erstaunliche Buntheit der großen weiten Welt. Erlebe, wie aus zufälligen Begegnungen echte Freundschaften werden. Halte doch auch an und inne! Eine Hommage an die Ruhe und den Zauber des Zufalls. Ideal für eine kurze Rast mit Kindern. Wie eine Pause mit Glückskeks.

Anna Iben schreibt Kinder- und Jugendbücher unter dem gleichlautenden Pseudonym. Die Autorin wurde in den 80er Jahren geboren. Bereits in jungen Jahren entdeckte sie das Schreiben für sich und verband es später mit dem Reisen. Wegen ihrer Familie ist sie viel unterwegs. Im Zick-Zack-Kurs durch die verschiedenen Länder gibt es viel zu entdecken. Dabei begegnet der Autorin das Wunderbare im Alltäglichen - das Große im ganz Kleinen. Die Dinge, Geschöpfe und Orte des Alltags erstrahlen in den fantasievollen Geschichten in neuem Licht und erhalten ein faszinierendes Eigenleben.

ORTSNAMEN


Jonathan war zehn Jahre alt und lebte mit seinen Eltern auf einer kleinen Autobahn-Raststätte. Er wohnte natürlich nicht direkt im großen Verkaufsraum mit den Chips-Tüten und den vielen Zeitschriften – auch nicht auf der Toilettenanlage, der Tankstelle, dem Restaurant oder dem Duschraum.

Nein, Jonathan wohnte auf der Raststätte schräg hinter dem Restaurant in einer Wohnung mit einem Wohn- und Schlafzimmer, einem Kinderzimmer, einer Küche und einem Bad. Wie das kam ist ganz einfach zu erklären: Jonathans Eltern arbeiteten auf der Raststätte, weil sie diese gepachtet hatten. Dort zu wohnen war wirklich ungewöhnlich, aber auch sehr praktisch. Morgens mussten sie sich nur anziehen, 50 Meter zur Tür herausgehen und waren auf der Arbeit. Natürlich waren sie auch nicht allein auf der Raststätte. Es gab auch noch andere Menschen dort – außer den Gästen. Menschen, die zum Beispiel in der Tankstelle an der Raststätte arbeiteten oder Köche und Kassiererinnen im Restaurant. Menschen, die Toiletten sauber machten und Menschen, die Zeitschriften, den teuren Kaffee oder Blechtassen mit lustigen Sprüchen sowie andere interessante Dinge verkauften.

Gleich neben der Raststätte war das Gebäude der Autobahnpolizei. Hier arbeiteten immer mal wieder andere Polizisten und Polizistinnen. Die einzige immer gleiche Polizistin, die dort aufzufinden war, war Frau Bodewitz. Frau Bodewitz war erste Polizeihauptkommissarin und die Leiterin der Autobahnwache.

Die Raststätte war von sanften hellgrünen Hügeln mit kurzem Gras umgeben. Wenn Jonathan hier entlang der Autobahn spazieren gehen wollte, musste er Frau Bodewitz vorher Bescheid geben. Ansonsten bestand die Gefahr, dass ihn vorbeifahrende Autos entdeckten und ein Kind auf der Autobahn meldeten. Das würde viele Polizeiautos und noch mehr Aufregung auf der Autobahn verursachen. Mittlerweile reichte schon ein Winken von Jonathan und Frau Bodewitz wusste, dass er auf Entdeckungsreise ging. Direkt hinter der Raststätte erstreckte sich ein großer Eichenwald mit riesigen alten Bäumen. Der Wald bildete eine Art grüne Abgrenzung zur nahegelegenen Werkstatt. Hierhin wurden Autos mit einer Panne oder die einen Unfall hatten, abgeschleppt und repariert.

Manchmal kam Jonathan sich vor, als würde er auf einer Insel mitten im Ozean wohnen. Denn die Raststätte war mit einem Fahrzeug nur von der Autobahn aus zu erreichen. Wanderer kamen nur ganz selten vorbei. Sie mussten sich vom Wald aus über das Gelände der Autowerkstatt auf den Weg machen. Auch heute grüßte Jonathan Frau Bodewitz freundlich und machte sich auf den Weg zu seinen Autobahnhügeln, die etwas grau-schlammig und nieselig-neblig vor ihm lagen. Die Autobahn war ganz ruhig. Es rauschte auf dem nassen Asphalt gleichmäßig. Wenn Jonathan sich auf dem höchsten Hügel auf die Zehenspitzen stellte, konnte er sogar den Namen der Autowerkstatt erkennen, die hinter dem Wald lag.

„Kfz-Zurzel“ las er laut vor, obwohl niemand bei ihm war und er den Namen natürlich schon kannte.

„Zurzel-Furzel!“, tönte es da auf einmal neben ihm. Jonathan erschrak. Er war doch ganz alleine aufgebrochen.

„Frau Bodewitz sind Sie das?“, fragte er vorsichtig.

„Bodewitz die weiß von nix!“, kam es ebenfalls sehr rau und auch ein wenig krächzend zurück.

„Das ist nicht lustig“, antwortete Jonathan etwas ängstlich. „Wer spricht da bitte?“, versuchte er es mutig und vorsichtshalber höflich. Aber es kam keine Antwort. Stattdessen bewegte sich plötzlich der Ast einer der großen Eichen hinter ihm. Vor ihm auf einem Baumstamm landete ein Vogel. Der Vogel war weder groß noch klein. Er hatte braunes Gefieder mit strahlend blauen Flügeln, die am Rand schwarz umrandet waren. Seine sehr runden und witzigen Augen schauten ihn neugierig und auch ein wenig belustigt an. Aber das, was Jonathan am meisten auffiel, war sein kräftiger Schnabel. Jonathan stutzte kurz und sah sich zweifelnd um.

„Hast du gerade mit mir gesprochen?“, fragte Jonathan ganz leise und ein wenig eingeschüchtert.

Der Vogel antwortete nicht, sondern schaute Jonathan nur an. Er begann ganz langsam und gründlich seinen Schnabel am Baumstamm zu wetzen. Jonathan nahm seinen Mut zusammen und versuchte es noch einmal:

„Hey! Ich rede mit dir! Hast du gerade gesprochen?“, sagte er nun sehr deutlich und betont langsam.

Der Vogel ließ sich von seinem Schnabelwetzen nicht abbringen und schaute Jonathan nur ganz kurz an. Nun versuchte Jonathan mit dem Vogel so zu reden als wäre er seine kleine Cousine Marie. Die war erst zwei Jahre alt und verstand Wörter nur im Zeitlupentempo.

„Haaaal-loooo (Pause) meiiiiin (Pause) Naaaaa-meeeee (Pause) iiiiist (Pause) Joooo-naaaaa-thaaan (Pause)“, betonte Jonathan Wort für Wort und Silbe für Silbe.

Der Vogel schaute kurz auf. Jonathan glaubte ein winziges Zucken um die Augen des Vogels zu sehen. Dann flog er einfach davon.

„Wie schade“, seufzte Jonathan leise. Gedankenverloren sah Jonathan sich zwischen den Bäumen um.

Und plötzlich schallte es vor ihm zurück: „Schade – Made – Marmelade.“ Der Vogel war wieder vor ihm aufgetaucht und flog schallend lachend davon. Jonathan rannte ihm hinterher. Immer weiter und tiefer lief er in den Eichenwald hinein. Plötzlich stand er auf einer Lichtung mit einem alten eingefallenen kleinen Haus. Hier war Jonathan noch nie gewesen. Er trieb sich überhaupt nur sehr selten in dem Eichenwald umher. Hier war es ihm zu dunkel und auch zu einsam. Er war schließlich den Trubel der Raststätte gewöhnt und die Geräusche der Autobahn, die ständig neue Menschen, Tiere und sogar LKWs anspülte.

Der Vogel saß nun mitten auf dem eingefallenen Häuschen. „Lies mal vor!“, krächzte er da ganz unvermittelt und immer noch ohne sich vorzustellen. Mit seinem kräftigen Schnabel deutete er auf das Schild, das schief über der eingefallenen Tür hing. Jonathan entzifferte die roten, in Schreibschrift geschriebenen und stark geschwungenen Buchstaben.

„Raststätte Rubbensee!“ las er dem Vogel laut und deutlich vor. Das ergab doch gar keinen Sinn. Die Raststätte war doch bei ihnen vorne an der Autobahn, dachte Jonathan. Doch der Vogel unterbrach ihn bereits wieder. Er krächzte ganz ruhig und nun mit deutlich tieferer Stimme:

„Lesen kannst du ja schon gut. Aber du weißt noch nicht so viel von dem, was um dich herum so ist. Oder was vor deiner Zeit so war. Hm?“

Jonathan schaute verlegen auf den Boden und antwortete ganz leise: „Ja, das kann wohl sein.“ Dann schaute er den Vogel mutig mit seinen Augen direkt an und redete deutlich lauter weiter: „Aber ich weiß, dass es sich gehört, dass man sich erst einmal mit Namen vorstellt!“ Der Vogel zuckte zusammen.

„Also ich bin Jonathan“, sagte Jonathan mit einem Lächeln. Der Vogel schaute einen Moment und putzte seinen linken Flügel.

„Aha“, gab er nach einer Weile zur Antwort. „Na schön“, sprach der Vogel etwas gelangweilt weiter. „Es wird dir zwar nicht viel bringen, aber mein Name ist Krrrrmpffschähhhquaaarrr!“ Und daraufhin gab er einen sehr merkwürdigen und eigenwilligen Vogellaut von sich, der sich wie ein Krähen, Krächzen, Kratzen und Knurren gleichzeitig anhörte. Nachdem er mit dem Geräusch fertig war, verbeugte sich der Vogel und fügte hinzu: „Es freut mich sehr, Jonathan, dich kennenzulernen!“ Dann zwinkerte er ihm freundlich zu. Jonathan war noch ganz erstaunt. Ebenso höflich und elegant verbeugte sich Jonathan und wollte den Vogel beim Namen nennen. Aber dieser kam ihm nicht so recht über die Lippen. Mit hochrotem Gesicht und zusammengekniffenen Augen gab er alles und krächzte drauflos. Der Vogel sah ihn mit großen Augen an, holte tief Luft, legte sich auf die Seite und brach in schallendes Gelächter aus. „Du bist mir ja einer“, lachte er. „Also das hat noch keiner versucht, der kein Eichelhäher ist.“ Weiter lachend, krächzend und am Ende seines Lachanfalls hustend setzte er sich vor Jonathan auf den Boden uns sagte freundlich: „Du darfst mich auch gerne anders nennen. Der Wald und die ganzen Eichenbäume hier stammen übrigens von mir – die habe ich eigenschnäblig angepflanzt. Ich bin älter als ich aussehe“, plapperte der Eichelhäher nun freundlich drauflos.

Jonathan schaute erstaunt. „Ich werde dich einfach Eichelhäher nennen“, sagte er freudestrahlend. „Das ist einfacher – sonst kriege ich noch einen Knoten in der Zunge – und Halsschmerzen.“ Der Eichelhäher hüpfte auf Jonathans Kopf und antwortete: „Nenn mich, wie du willst. Bäume haben keinen speziellen Namen und sie wissen, wer sie sind und wo sie wohnen.“ Und mit einem Satz erhob sich der Eichelhäher in die Luft und rief herunter. „Auch dieser Ort hatte schon viele Namen: Raststätte Rubbensee, Ausfahrt Süd, Ausfahrt Mittelsüdnordost…“ Der Eichelhäher lachte...

Erscheint lt. Verlag 5.11.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
ISBN-10 3-7693-4184-8 / 3769341848
ISBN-13 978-3-7693-4184-3 / 9783769341843
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 2,0 MB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Ein Buch über Migration, Freundschaft und das Verständnis füreinander

von Luise Sophie Meisinger; Josephine Piedel; Paula Reichellt …

eBook Download (2025)
Hogrefe Verlag
CHF 16,60
Wie das Wichtelmädchen Finja ihre Kräfte verlor

von Daniel Marlin

eBook Download (2025)
Buchschmiede von Dataform Media GmbH (Verlag)
CHF 10,25