Ömers Team (eBook)
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-5989-3 (ISBN)
Stefan Lehrner, geboren 1975, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er unterrichtet an der HTL Wien 10 und bringt seine vielfältigen beruflichen und wissenschaftlichen Erfahrungen in die Ausbildung der nächsten Generation ein.
Erster Schultag
Der Wecker klingelte um 6.30 Uhr, es war ein nasser, trüber, kalter Morgen am ersten Montag im September. Die Ferien waren wieder einmal viel zu schnell zu Ende.
„6.30 Uhr, das ist doch mitten in der Nacht“, dachte er sich schlaftrunken. Ömer zog sich die Decke über den Kopf und wollte noch einmal an den Sommer denken. Vielleicht war alles auch nur ein Traum und er war noch in der Türkei und spielte mit „seinen“ Jungs am Strand Beachsoccer.
„Aufstehen!“, rief seine Mutter.
„Doch kein Traum, eigentlich sollte ich aufstehen, aber ich mag noch nicht“, überlegte er und zog sich trotzig noch einmal seine Decke über den Kopf.
„Es ist 6.35 Uhr, Zeit zum Aufstehen“, rief seine Mutter, jetzt schon bedeutend ungeduldiger als noch vor 5 Minuten. Unerbittlich wanderte der Minutenzeiger der Uhr über seinem Bett Richtung „Die Ferien sind zu Ende – die Schule beginnt.“ Plötzlich klopfte es an seiner Türe. Ziemlich ärgerlich und ohne seine Antwort abzuwarten, stürmte seine Mutter in sein Zimmer, das – abgesehen von seinen Pokalen – eher spartanisch eingerichtet war.
„Sonunda ayağa kalk1 – es ist Zeit in die Schule zu gehen!“, rief seine Mutter, zog ihm die Bettdecke weg, öffnete zuerst die Vorhänge und dann das kleine Fenster zum Innenhof und ließ die kühle Septemberluft durchs Zimmer strömen.
„Anne2“, stammelte er müde, „ich stehe schon auf...“ Vor nicht einmal zwei Wochen hatte er sich noch richtig auf die neue Schule gefreut, aber jetzt, am ersten Schultag, hatte Ömer überhaupt keinen Bock auf Schule – und am wenigsten auf eine neue Schule mit neuen Schülern und neuen Lehrern. Er wollte unbedingt in die HTL gehen und hatte seine Mutter überreden müssen, ihn für den Test anzumelden. Den schweren Eignungstest hatte Ömer zwar mit Leichtigkeit bestanden, aber er war sich nicht sicher, ob seine Leistungen für die Sportklasse Maschinenbau gut genug waren. Der Lehrer meinte zwar, dass er über ein hervorragendes Ballgefühl verfüge, aber die Jungs, die schon in einem Verein spielten, hatten Vorrang.
„Wann erfahre ich, ob ich in die Sportklasse Maschinenbau aufgenommen bin?“, hatte Ömer den Lehrer gefragt. Die Antwort, die er bekommen hatte, war nicht sehr zufriedenstellend für ihn: „Du wirst es leider erst am ersten Schultag erfahren. Wir werden Listen aufhängen, auf denen stehen wird, welcher Schüler, welche Schülerin in welche Klasse kommt. Die Sportklasse Maschinenbau ist die 1AFMB.“ Es half nichts, er musste aufstehen, denn ohne Decke war es jetzt empfindlich kalt. Die Uhr zeigte 6.37 und er sprang aus dem Bett. Schnell streifte er sich seine Jeans über, die er schon am Vorabend über den Schreibtischsessel geworfen hatte, schlüpfte in die Sneakersocken von Levis, zog sich das T-Shirt seiner Lieblingsband New Model Army an und warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf seine PS5, mit der er im Sommer so viele schöne Stunden verbracht hatte.
„Mach’s gut“, murmelte er, „wir sehen uns in den Herbstferien wieder.“ Ohne das Bett zu machen, verließ er sein Zimmer, ging ins Bad, um sich zu waschen und die Zähne zu putzen. Auf dem Weg ins Bad kam er bei der Küche vorbei, in der seine Mama bereits mit dem Frühstück wartete, denn sein Vater, der auf dem Flughafen arbeitete, war schon seit zwei Stunden außer Haus.
„Kannst du die Kleine heute in die Schule bringen?“, fragte er seine Mutter. „Tamam3, Ömer“, war ihre Antwort. Ömer nahm seine elektrische Zahnbürste, öffnete auf seinem neuen IPhone die Zahnputz-App, verband sein Handy mittels Bluetooth mit seiner Zahnbürste und sah sich während dem 120 Sekunden Zähneputzcountdown ein Video vom Beachsoccer Turnier in Alanya an. Die zwei Minuten vergingen wie im Flug, er kämmte seine braunen kurzen Haare, warf sich Wasser in sein Gesicht, auf dem durch den Sommer viele Sommersprossen zu sehen waren, trocknete sich ab und grinste jetzt zufrieden in den Spiegel.
„6.40 Uhr, endlich kann ich aufstehen“, dachte sich Kimberly, die schon seit 20 Minuten wach im Bett gelegen war. Sie setzte sich auf und stellte entspannt zuerst den rechten Fuß auf den weißen Teppichboden ihres Zimmers. Nur nicht mit dem linken Fuß zuerst aufstehen. Kimberly hatte es nicht eilig, denn Kimberly war absolut organisiert und hatte ihr Outfit für den ersten Schultag in der HTL bereits am Vorabend hergerichtet: eine kurze Sporthose und ein dunkelgraues T-Shirt ihrer Lieblingsband The Cure.
Kimberly lebte gemeinsam mit ihren zwei Schwestern und ihren Eltern in einer kleinen Wohnung am Stadtrand. Sie hatten nicht viel Platz in der Wohnung, trotzdem hatte jedes der Kinder ein eigenes, wenn auch kleines, Zimmer. Das war auch der Grund, warum Kimberly meist außerhalb der eigenen vier Wände anzutreffen war. Am liebsten verbrachte sie Zeit im Käfig4 in der Wohnhausanlage in der sie wohnte, denn Fußball war ihre große Leidenschaft. Sie trainierte so oft sie konnte und war wirklich gut. So gut, dass auch die Jungs aus der Anlage, die den Käfig für sich in Besitz genommen hatten und die sonst keine Mädchen mitspielen ließen, Kimberly gerne in ihr Team holten.
Besonders viel Spaß machten ihr die Tricks mit dem Ball. Da war sie fast noch besser als beim Tore schießen. Kimberly freute sich sehr auf die neuen Fächer in der Schule: Angewandte Mathematik, GGP, Mechanik und nicht mehr nur „normale“ Mathematik oder Geographie und Wirtschaftliche Bildung. Endlich war auch sie – so wie ihre Schwestern – in der HTL. Sie lernte gerne und machte am liebsten Sport. Wie sie sich schon auf den Sportunterricht freute! Aber jetzt hieß es erst einmal frühstücken.
„Hoffentlich haben mir die anderen etwas übriggelassen“, dachte sich Kimberly. Bei den anderen handelte es sich in erster Linie um ihre älteren Schwestern, die die Wohnung bereits um 6.00 Uhr verlassen hatten. Sie mochte ihre Schwestern Chantal und Naomi wirklich, auch wenn sie ein paar Jahre älter waren. Chantal und Naomi waren eineiige Zwillinge und sie konnte wirklich über alles mit ihnen reden.
Mittlerweile war es 6.45 Uhr und Lucca sprang voller Elan aus seinem Bett. Wie sehr er sich auf die Schule freute! Viele seiner Freunde hassten die Schule, doch Lucca liebte sie: Er lernte gerne, er war gerne mit seinen Freunden zusammen – er mochte einfach den geregelten Tagesablauf. Die Ferien waren für ihn immer etwas mühsam. Seine Familie lebte etwas außerhalb der großen Stadt und in dem kleinen Ort gab es fast keine Jugendlichen in seinem Alter und wenn doch, waren es Mädchen. Nicht, dass er etwas gegen Mädchen hatte, ganz im Gegenteil, aber es waren nun mal keine Jungs. Und die meisten wollten und konnten auch nicht Fußball spielen. Doch Fußball war doch seine größte Leidenschaft! Deshalb wollte er auch unbedingt in die HTL mit der Sportklasse Maschinenbau gehen.
Scherzhaft hatte der Lehrer, Herr Hilti, beim Eignungstest gemeint, dass er noch etwas wachsen müsste, um in die Sportklasse Maschinenbau zu kommen, letztlich hatte er aber gesagt: „Lucca, du bist drin.“
Lucca hatte sich bemüht, doch gewachsen war er seit dem Eignungstest nicht. Und jetzt war es endlich so weit. Schnell zog er sich seine kurzen blauen Shorts und ein hellblaues T-Shirt an, schlüpfte in einen schwarzen Hoodie, huschte ins Bad, das direkt an sein Zimmer grenzte, wusch sich, kämmte seine blonden Haare, die er hinten zu einem kleinen Zopf binden konnte, putzte seine Zähne und ging hinunter in die Wohnküche, wo sein Vater das Frühstück vorbereitet hatte. Es gab wieder Vollkornbrot mit Frischkäse, Porridge5 und dazu ein Glas Karottensaft.
„Das ist doch kein Frühstück für einen Jugendlichen. Warum können mir meine Eltern kein normales Frühstück, wie eine Semmel mit Nutella und einen Eistee herrichten?“, dachte sich Lucca. Wie er es hasste, allein zu frühstücken! Aber seine Eltern waren beide Ärzte und hatten entweder Tag-oder Nachtdienst. Und heute, an seinem ersten Schultag in der neuen Schule, waren beide im Tagdienst, was bedeutete, dass sie bereits um 7.30 Uhr im Krankenhaus sein mussten.
Lucca rief: „Alexa, spiele Radio Ö3.“ Die Antwort der Alexa kam prompt: „Radio Ö3.“ Radio Ö3 spielte „Let’s get loud“ von Jennifer Lopez und Lucca widmete sich seinem Frühstück.
Der Moderator von Radio Wien sprach ins Mikrofon: „Es ist in 5 Sekunden 7.00 Uhr“ und Tino saß schon in der Straßenbahn auf dem Weg zum Kindergarten, um seinen kleinen Bruder dort abzuliefern. Tino war das älteste von drei Kindern. Er hatte kurze, braune, gelockte Haare und trug eine Brille. Bis jetzt hatte seine Mutter den Kleinen in den Kindergarten gebracht, doch da der Kindergarten neben seiner neuen Schule war, musste er, um seine Mutter zu entlasten, diese Aufgabe ab sofort übernehmen. Tino liebte Fußball und freute sich, abgesehen von der neuen Aufgabe, auf die Schule. Er hatte...
| Erscheint lt. Verlag | 22.11.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre |
| Schlagworte | Detektivgeschichte • Freestyle • Freundschaft • Fußball • HTL • Jugendliteratur • Jugendroman • Schulalltag • Schule • Sportroman |
| ISBN-10 | 3-7693-5989-5 / 3769359895 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-5989-3 / 9783769359893 |
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