Schattenthron I (eBook)
288 Seiten
Machandel Verlag
978-3-95959-458-5 (ISBN)
Über die Autorin Angelika Diem: -geboren 1968 im schönen Ländle hinter dem Arlberg -leidenschaftliche Leseratte (Fantasy, Mystery, Mangas, Krimis, historische Romane und vieles mehr...) -verschlingt daneben viele Bücher über Japan -schrieb mehrere Jahre Artikel und Rezensionen für die Zeitschrift 'MangasZene' unter dem Nick 'Lady Raven' -kocht mit Leidenschaft und erfindet gern neue Rezepte -spielt am Wochenende gern World of Warcraft (aktueller Chara: Jägerin Caitlynn (Mensch) auf dem Server 'Der Mithrilorden' -schrieb ihre ersten Geschichten auf einer alten schweizer Schreibmaschine ohne 'ß' -verwöhnt ihren rotgetigerten Stubenkater namens Akira -liebt ihre Arbeit als Lehrerin und Schulbibliothekarin an der Mittelschule Bludenz -hätte gern noch mehr Zeit, sich mit Lesern, Autoren und interessanten Menschen im Web auszutauschen
Über die Autorin Angelika Diem: -geboren 1968 im schönen Ländle hinter dem Arlberg -leidenschaftliche Leseratte (Fantasy, Mystery, Mangas, Krimis, historische Romane und vieles mehr...) -verschlingt daneben viele Bücher über Japan -schrieb mehrere Jahre Artikel und Rezensionen für die Zeitschrift "MangasZene" unter dem Nick "Lady Raven" -kocht mit Leidenschaft und erfindet gern neue Rezepte -spielt am Wochenende gern World of Warcraft (aktueller Chara: Jägerin Caitlynn (Mensch) auf dem Server "Der Mithrilorden" -schrieb ihre ersten Geschichten auf einer alten schweizer Schreibmaschine ohne "ß" -verwöhnt ihren rotgetigerten Stubenkater namens Akira -liebt ihre Arbeit als Lehrerin und Schulbibliothekarin an der Mittelschule Bludenz -hätte gern noch mehr Zeit, sich mit Lesern, Autoren und interessanten Menschen im Web auszutauschen
Das Geheimnis
KÖNIGLICHER ERLASS ZUR
BRAUTSCHAU FÜR PRINZ LEONARD
Seine Majestät, König Gisir I., der Gütige und Gerechte, unumschränkter Herrscher des Reiches und Bewahrer des Friedens, veranstaltet in seiner Großzügigkeit Feste und Spiele aller Art im Vorfelde zur Feier des neunzehnten Jahrestages seines einzigen Sohnes und Erben, Prinz Leonard. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten wird seine Majestät König Gisir die zukünftige Gemahlin unseres Kronprinzen, und somit die zukünftige Königin des Reiches, erwählen. Zu diesem Zwecke mögen sich alle Jungfrauen des Königreichs zwischen sechzehn und achtzehn Jahren zwei Wochen vor dem achten Monde am Königsschloss einfinden, unbesehen ihrer Herkunft und ihres Standes, ob adelig oder bürgerlich. Eine vollständige Teilnahme wird erwartet.
Wenn das ein Scherz ist, dann wird jemand dafür hängen.
Ungläubig lese ich den Text ein zweites Mal. Doch, darunter prangt das offizielle Siegel des Königshauses aus schwarzem Wachs mit der glänzenden Krone in der Mitte. Ich trete ganz nah heran und fahre mit dem Finger über das Blattgold der Krone. Es ist echt. Kein Zweifel. Und so frisch, wie es aussieht, hängt das Plakat noch nicht lange da, auf der Bretterwand vor dem Dorfbrunnen.
Der Prinz … mir wird bewusst, dass ich noch nie ein Bild von ihm gesehen habe. Auf den wenigen Bildern in unseren Schulbüchern war immer nur König Gisir allein zu sehen: breit und kräftig, mit sehr hellen Haaren und einem leicht schiefen Kinn, in seinem goldenen Königsmantel. So habe ich ihn vor Augen.
Moment, ein Bild des Prinzen gibt es. Ich stelle meinen Korb hin, krame in meiner Schürzentasche und fische eine der kleinen Kupfermünzen heraus. Prinz Leonards Porträt ist daraufgeprägt, im Alter von drei Jahren. Weshalb gibt es nirgendwo Bilder der kompletten königlichen Familie? Auch von Königin Eugenia habe ich noch nie eins zu Gesicht bekommen. Solche Fragen stellt man hier am besten nicht laut. Was der König wünscht (oder nicht wünscht), wird nicht infrage gestellt. Das ist oberstes Gesetz. Für Ungehorsame und Tratschmäuler steht der Pranger gleich neben dem Galgen auf dem Hügel nördlich vom Dorf.
Also eine Brautschau. Dunkel erinnere ich mich, dass Mutter mir von einer solchen erzählt hat, damals, als König Enrik, der Befreier, eine Braut für seinen Sohn, unseren heutigen König Gisir, suchte. Zu jener Zeit durften natürlich nur Adelige teilnehmen. Und dieses Mal also alle. Weshalb sollte der König auch nur daran denken, seinen Sohn mit einem einfachen Dorfmädchen zu verheiraten? Da muss etwas anderes dahinterstecken, sicher nichts Gutes.
Dennoch … gedankenverloren blicke ich auf das schwarze Siegel. Vor meinen Augen erscheint das Königsschloss, ich male mir all die vornehm gekleideten Damen aus, wie sie dort stehen, in Samt und Seide gekleidet, kichernd und tuschelnd die Ankunft des Prinzen erwarten. Daneben sehe ich mich. In meinem geflickten Rock und der Bluse mit den zu kurzen Ärmeln und den Holzpantoffeln. Meine langen rotbraunen Haare zu einem schlichten Zopf geflochten, statt zu einem juwelengeschmückten Lockenturm hochgesteckt. Und da kommt er, eine schattenhafte Gestalt, fast so groß wie Vater, die goldene Krone des Siegels ziert sein Haupt. Die Damen halten die Luft an, klimpern mit den Wimpern, doch er geht an all diesen aufgeputzten Schönheiten vorbei, bleibt vor mir stehen, reicht mir die Hand und führt mich zum Tanz.
Ich seufze und schüttele den Kopf. Woher kommt dieser Blödsinn denn auf einmal? So etwas passiert vielleicht im Märchen, aber sicher nicht im wahren Leben. In meinem Leben. Wie auch? Nein, ich bin nicht auf der Suche. Nicht nach einem Mann, geschweige denn nach einem Prinzen. Vor allem nicht nach dem Sohn des Schattenkönigs, wie wir den König im Geheimen zu nennen pflegen. Gütig und gerecht? Von wegen! Und sein Sohn wird kaum besser sein.
In diesem Moment sehe ich Severin und seine Gesellen aus dem Heilerhaus kommen. Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich bin ohnehin schon zu spät dran. Noch haben sie mich nicht entdeckt. Ich halte instinktiv die Luft an, schnappe meinen Korb und laufe über den Platz zum Seiteneingang des Wirtshauses ,Zum Fetten Ochsen‘. Geschafft. Dieses Mal bin ich entkommen. Mein Atem beruhigt sich langsam wieder.
Kaum stoße ich die Türe auf, empfängt mich Meister Herkant.
»Gut, dass du da bist.« Die kurzen grauen Haare um sein rundes Gesicht glänzen vor Schweiß. »An die Arbeit! Alles wie gestern. Die Säcke mit den Karotten stehen beim Bottich, und die Zwiebeln sind in der Kiste.«
Ich stelle meinen Korb in die Ecke neben dem Tisch, binde die Schürze um, kremple die Ärmel hoch und greife nach der ersten Karotte.
Doch bevor ich noch das Messer ansetzen kann, spüre ich den Luftzug einer Bewegung hinter meiner linken Schulter und zucke unwillkürlich zusammen.
»Hallo, meine Schöne«, säuselt eine mir nur zu gut bekannte Stimme. Jerome.
Gleichzeitig knallt ein armlanger, blutiger Kadaver neben meinem Schneidebrett auf den Holztisch. Ein Kitz. Die Beine zusammengeschnürt, ausgeweidet, gehäutet bis auf den Kopf, starrt es mich aus leeren Augen an. Ich lasse das Messer fallen, verschlucke mich und huste. Rasch drehe ich mich weg vom Tisch und blicke geradewegs in Jeromes grinsendes Gesicht. Er steht so nah vor mir, dass ich die gelblichen Flecken auf seinen Zähnen zählen kann. Das helle Leinenhemd unter seiner braunen Weste hat er fast bis zur Mitte aufgeknöpft, sodass die blonden Brusthaare hervorquellen. Seine Augen saugen sich an der Stelle fest, wo die alte Bluse meiner Mutter sich über meinen Brüsten spannt. Mir schießt das Blut in die Wangen, instinktiv verschränke ich die Arme und funkle ihn wütend an, was ihn jedoch kein bisschen aus der Fassung bringt.
»Ich habe noch zwei davon erlegt. Ganz zartes Fleisch. Ich lade dich gern auf einen Bissen ein und auf ein Glas Rotwein dazu. Bei mir zu Hause, heute Abend?«
Es ist nicht das erste Mal, dass er solche Sprüche klopft. Das Angebot ist etwa so verlockend wie das blutige Tier neben meinen Karotten.
»Du bist doch mit Helene zusammen«, erinnere ich ihn.
Jerome macht eine wegwerfende Handbewegung. »Schon seit Tagen nicht mehr. Viel zu anstrengend. Du bist da ganz anders, mit dir könnte ich es glatt ein Leben lang aushalten, meine Schöne.«
Das sind neue Töne, und sie gefallen mir gar nicht. »Das meinst du nicht ernst, oder?«
Jerome reibt sich die kaum sichtbaren Brauen. »Rahel, Rahel … ich weiß, die Vorstellung, dass der beste und schönste Jäger der Grafschaft sich in eine Küchenmagd und Holzfällertochter verliebt, ist schwer zu begreifen.« Er legt eine Hand auf seine Brust. »Ich bin selbst überrascht, wie sehr du mein Herz bewegst.«
Hat er etwa ernsthafte Absichten? Das ist doch lachhaft. Lachhaft und gruselig gleichermaßen. Auf seine Art ist Jerome nicht weniger grausam als Severin. Ich hole tief Luft. Keine gute Idee. Sogleich steigt mir der Geruch von dem toten Kitz in die Nase. Es ist nicht nur das rohe Fleisch, ich rieche darin auch Tod, Verlust und Schmerz. Armes Kleines. Ob seine Mutter noch nach ihm sucht? »Jetzt bist du sprachlos, nicht wahr?«, deutet er mein Schweigen völlig falsch.
Ich kämpfe die Übelkeit nieder und zwinge mich, ihm direkt in die Augen zu schauen. Hatten sie schon immer diesen stumpfen Blick? »Jerome, ich kann dich nicht ausstehen. Such dir eine andere!« Das sollte deutlich genug sein.
Er wird nicht einmal wütend. Ganz nah tritt er an mich heran.
»Die Rosen mit den längsten Stacheln begehren am meisten, von starker Hand gepflückt zu werden.«
Wo hat er das denn her? Seine klobige Hand greift nach mir, an seinen Fingern klebt noch Blut. Entsetzt weiche ich zurück, bis ich mit der Hüfte so heftig gegen die Tischkante stoße, dass die Schüsseln aneinanderschlagen.
Meister Herkant drüben am Herd fährt herum. »Jerome, was machst du schon hier um diese Zeit?«
»Das hier bringen, Meister.« Mit einer lässigen Bewegung schnappt sich Jerome das Kitz vom Tisch und zeigt es ihm.
Der Meister runzelt die Stirn. »Ich hab keines bestellt. Und was hast du bei Rahel zu suchen?«
»Nur ein Pläuschchen mit meiner Zukünftigen.« Jerome legt den Arm um meine Schulter.
Ich reiße mich los, flüchte auf die andere Seite des Tisches. »Das … das stimmt nicht!« Im Stillen verfluche ich mein Gestammel, zwinge mich, Ruhe zu bewahren, und setze ein betont kühles Gesicht auf. Es ist der Ausdruck, den meine Mutter macht, wenn jemand auf dem Markt ihr gegenüber unverschämt wird oder sie übers Ohr hauen will. Zumindest hoffe ich, dass es dem irgendwie nahekommt.
»Jerome, wärst du so freundlich, mich jetzt in Ruhe zu lassen?« Ich greife nach dem Messer. »Ich habe zu tun.«
Meister Herkant verschränkt die Arme vor der Brust. Er reicht Jerome nur bis zu den Ohren, doch seine Stimme lässt keine Zweifel daran, wer hier das Sagen hat. »Du hast sie gehört, Jerome. Das Kitz kannst du in den Keller hängen. Der Wirt soll dir zwölf Silber dafür geben. Aber das nächste Mal nur auf Bestellung, hörst du? Und von Rahel lass gefälligst die Finger. Die ist viel zu gut für dich!«
Die drei jungen Hilfsköche auf der anderen Seite der Küche lachen. Jerome schiebt seinen kantigen Kiefer vor. Ich kann die Ader an seiner Schläfe pochen sehen.
»Das war nicht das letzte Wort, hörst du«, quetscht er drohend zwischen den Zähnen hervor, drückt die Schultern nach unten und stolziert aus der Küche, ohne Meister Herkant oder die anderen eines weiteren Blickes zu würdigen.
Ich lege das Messer...
| Erscheint lt. Verlag | 25.11.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Haselünne |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre |
| Schlagworte | Abenteuer • All-Ager • bärenwandler • Fantasy • Liebe • Märchenroman • Meeresdrache • Rehwandler • Schattenthron • Shifter • Wandler |
| ISBN-10 | 3-95959-458-5 / 3959594585 |
| ISBN-13 | 978-3-95959-458-5 / 9783959594585 |
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