Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Dare It (eBook)

Spiel dein Spiel
eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
440 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-3428-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dare It -  L.B. Tschielly
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
»Manches fällt uns einfacher und manches schwerer. Und manchmal beginnt unser eigenes Spiel erst, nachdem uns jemand heftig in den Hintern getreten hat!« Niemand weiss das so gut wie Jonah. Seit jenem schicksalhaften Tag ist nichts mehr, wie es war. Ziellos und verloren irrt er umher. Er fühlt sich wie ein Gefangener in seinem eigenen Käfig. Dann trifft er auf Dylan. Der beliebte Junge an seiner neuen Schule hat seine Freude daran, ihn aus der Reserve zu locken und zum Duell herauszufordern. Ein Spiel, auf das sich Jonah nicht einlassen will und kann. Erst die Tatsache, dass die beiden unfreiwillig zu Projektpartnern gewählt werden, bringt den Ball ins Rollen. Was dann geschieht, folgt nur einer einzigen Spielregel: Es ist nicht immer alles so, wie es scheint ...

L.B. Tschielly, die in Wirklichkeit Bettina Hauser heisst, wurde 1978 in der Schweiz geboren, wo sie auch heute noch zusammen mit ihrem Mann und den drei gemeinsamen Kindern lebt. Sie arbeitete als Pflegefachfrau, bevor sie sich ganz dem herausfordernden Familienalltag widmete und sich immer mal wieder Schreibinseln schaffte, um ihre Gedanken auf Papier zu bringen. Ihren Wurzeln zufolge lässt sie den rätoromanischen Landesteil ihrer Heimat in ihre Bücher miteinfliessen. »Dare It - Spiel dein Spiel« ist ihr Debütroman, den sie im Selfpublishing und unter Verwendung eines offenen Pseudonyms veröffentlichte.

2


V ollkommene Stille. Eine angenehme Wärme legte sich wie ein Mantel um ihn. Er bot ihm Schutz und Geborgenheit. Seine Atmung war tief und langsam.

Wie im Sog lenkte sich seine Aufmerksamkeit auf ein strukturiertes und gummiartiges Material. Allmählich nahm er wahr, dass es sich um einen Basketball handelte, der nun in seinen Händen ruhte.

Doch im nächsten Moment wurde der Ball in die Luft geworfen. Das niederstrahlende Sonnenlicht blendete, sodass er nur mit zugekniffenen Augen Zeuge des Schauspiels werden konnte. Er beobachtete, wie die orange Kugel sanft im Wasser landete. Der Aufprall bildete Wellenbewegungen, die sich wie Ringe vom aufliegenden Gegenstand entfernten.

Entgegen allen physikalischen Gesetzen wurde der Ball Sekunden später nach unten gezogen. Er versuchte, danach zu greifen, doch stattdessen hielt er jetzt einen tellergroßen, zappelnden Fisch fest. Nach Luft schnappend und nach Leibeskräften windend, gelang es dem Tier, sich aus der Umklammerung zu befreien.

Dann fiel der Fisch. Er fiel und fiel … bis er auf den Tasten eines Klaviers zum Stillstand kam.

Nur Sekunden später lösten sich die Tasten jedoch aus der Erstarrung und katapultierten den Fisch erneut in die Höhe. Immer und immer wieder.

Er versuchte, den Fisch aufzufangen, doch stattdessen berührten seine Fingerspitzen etwas anderes.

Kurz darauf folgte ein sanfter Händedruck. Ein Händedruck, der sich unantastbar, aber auch vertraut anfühlte. Mit aller Kraft klammerte er sich daran fest, als wollte er die Berührung für immer einfrieren lassen.

Plötzlich hörte er eine Stimme. Nicht physisch, denn sie klang wie aus weiter Ferne. Er nahm ein Gesicht vor sich wahr, umgeben von einem nebligen Dunst.

Nur langsam löste sich das rauchige Gebilde auf und ließ ihn einen klareren Blick auf seine Umgebung werfen.

»Dad?« Zittrig und leise rutschte dieses Wort über seine Lippen.

Der Mann mit den graumelierten Haaren und den kastanienbraunen Augen lächelte ihm freundlich zu.

Der Junge zuckte zusammen und blickte ungläubig.

»Aber … wie ist das möglich?«

»Du hast mir nicht richtig zugehört!«, antwortete der Mann ruhig.

Die Worte drangen tief zu ihm durch und er fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, seinen Vater womöglich enttäuscht zu haben.

»Und bei was?«, fragte er unsicher nach.

»Ich wünschte mir, dass du weitermachst«, kam es ihm entgegen.

»Ich kann nicht!«

»Versuch es!«, forderte der Mann ihn auf.

»Ich kann es nicht!«

»Doch, du kannst es!«

»Nein!«, wiederholte sich der Junge zum dritten Mal.

Gleichzeitig spürte er, wie sich sein Herzschlag und seine Atmung beschleunigten. Erneut brach eine Welle von Gefühlen über ihn herein und er glaubte, darin zu ertrinken.

»Versprich mir bitte, dass du es versuchen wirst!«, sprach der Mann beruhigend auf ihn ein.

Der Junge stand wie angewurzelt da, unfähig, sich zu bewegen, unfähig, darauf zu antworten. Er spürte, wie sich der Abstand zwischen ihnen vergrößerte und die Hand des Mannes zunehmend aus seiner glitt.

»Wohin gehst du?«, fragte er mit schwacher Stimme.

»Ich werde immer bei dir sein!«

»Geh nicht! Bitte!«

Doch die Mundwinkel des Mannes verzogen sich zu einem Lächeln und kurz darauf verschwand dieser wieder im Schleier der ihn umgebenden Hülle.

»Nein, Dad! Bitte, komm zurück! Dad!«

»Jonah … Jonah, wach auf!«

Zwei dunkle Augen schauten ihn besorgt an. Nassgeschwitzt und mit schnellem Atem brauchte er einen Augenblick, um zu realisieren, wo er wirklich war.

Das gedämpfte Licht der Nachttischlampe warf das Schattenbild einer Gestalt an die Wand. Es war jenes seiner Mutter, die neben seinem Bett stand. Der Schatten wirkte groß, größer als er, obwohl er sie seit knapp einem Jahr körperlich überragte – jedoch nur äußerlich. Ansonsten fühlte er sich klein. Klein und schutzlos.

Die Welt um ihn drehte sich und er schaute ihr von der Mitte aus zu. Nirgends konnte er sich festhalten. Der Boden unter seinen Füßen wurde ihm weggezogen. Er wirbelte in einer Art schwerelosem Zustand umher. Schwerelos, und irgendwie auch gefühllos.

Er hatte keine Energie mehr, sich diesem Zustand bewusst entziehen zu wollen. Und doch hoffte er insgeheim auf eine starke Hand. Jene Hand, die ihn irgendwann greifen, auffangen und von hier fortbringen würde. Aber sie war nicht da.

Obwohl sich seine Mutter mit all ihren Kräften bemühte, konnte oder wollte er ihre ausgestreckte Hand nicht halten. Vielleicht aus Angst. Angst, nicht zu wissen, was dann mit ihm passieren würde.

Doch nun stand sie da und blickte in seine aufgeschreckten Augen. Ihr zarter Körper war stark und es schmerzte ihn zu sehen, was er ihr zusätzlich zumutete.

Ja, sie trug einen schweren Rucksack, und er machte ihr diesen nicht unbedingt leichter. Doch er konnte nicht anders. Er fühlte sich wie ein Gefangener in seinem eigenen Käfig. Unfähig, ausbrechen zu können – oder überhaupt zu wollen.

»Tut mir leid, Mum. Ich habe nur geträumt«, versuchte er sie zu beruhigen.

»Es ist sechs Uhr, Jonah«, fuhr seine Mutter fort, ohne ihn mit irgendwelchen Nachfragen zu bedrängen. Sie wusste aus Erfahrung, dass diese Art der Anteilnahme genau die gegenteilige Reaktion bei ihm auslöste, als die von ihr erhoffte. Also ließ sie es bleiben und widersetzte sich dem inneren Drang, ihn zu umarmen, um den tiefen Schmerz gemeinsam zu teilen und auszuhalten. »Du solltest aufstehen«, wies sie ihn freundlich an.

*

Es war der fünfzehnte Mai, kurz nach halb acht, als seine Mutter ihren blauen Kleinwagen unmittelbar vor einem imposanten Gebäude im Zentrum der Stadt anhalten ließ.

Die Sonne strahlte an diesem Montagmorgen heiß vom wolkenlosen Himmel und rückte das im vorletzten Jahrhundert erbaute Mauerwerk aus Granit und Sandstein, das dem Betrachter zweifellos etwas Ehrfürchtiges verlieh, ins perfekte Licht.

Auf dem davorliegenden, mit Rasen, Kies und gepflasterten Anteilen gestalteten Platzes war Bewegung im Gange. Aus allen Richtungen strömten Jugendliche zielstrebig zum Haupteingang.

Jonah blickte aus dem Autofenster. Aus sicherer Distanz beobachtete er das Treiben. Ein Gewirr von Stimmen füllte die frische Morgenluft und gestikulierende Hände unterstrichen die undeutlich wahrgenommenen Worte.

»Soll ich nicht doch?«, bot ihm seine Mutter vorsichtig an. Auch wenn sie seine Antwort bereits kannte, und die Frage infolgedessen vollkommen überflüssig war, wollte sie ihm damit lediglich ihre Fürsorge ausdrücken.

»Nein«, antwortete er kurz und knapp. Er wollte ganz bestimmt nicht schon an seinem ersten Schultag peinlich auffallen. Schließlich war er kein Kind mehr.

»Wie du meinst. Dann wünsche ich dir von Herzen einen guten Start und … bis heute Abend.«

Behutsam legte sie ihre Hand auf seine Schulter. Sie spürte, wie er unter ihrer Berührung für einen Augenblick erstarrte. Nicht zu wissen, was im Kopf ihres Sohnes vor sich ging, ließ die ganze Situation beinahe unerträglich werden. Und doch hütete sie sich vehement davor, ihn mit liebgemeinten Ratschlägen zu konfrontieren. Zu groß war ihre Angst, dass er sie missverstehen könnte, und das dünne Band, das sie beide noch verband, reißen würde.

Er regte sich, nickte ihr schwach zu und öffnete schweigend die Autotür. Seine Schuhe berührten den von Rasenflächen gezäumten Kiesweg.

Da stand er also, zwar auf sicherem Terrain, aber gefühlt irgendwo in der Luft. Er musste sich selbst einen Ruck verpassen, seinen Körper langsam der Ungewissheit entgegenzubewegen, was ihn hinter diesen Mauern erwarten würde. Ein leichter Wind blies durch seine braunen Haare und neugierige Blicke musterten ihn.

Nachdem er sich in der Eingangshalle durch mehrere Schüler hindurchgeschlängelt hatte, stand er vor einer spaltbreit offen gelassenen Holztür mit der Aufschrift:

»DIREKTORIN M. MAISSEN«

Er klopfte an.

»Herein!«, sprach eine warme Stimme.

»Guten Morgen, Ms Maissen. Mein Name ist Jonah Venzin«, begrüßte er die mit einer weißen Bluse gekleidete Dame. Das gepflegte Aussehen und die schulterlangen grauen Haaren ließen ihr wirkliches Alter nur schwer erraten.

Sie erhob sich augenblicklich, schritt auf ihn zu und reichte ihm zur Begrüßung die Hand.

»Hallo, Jonah! Ich habe dich bereits erwartet. Herzlich willkommen hier am Granvancy! Hattest du eine gute Anreise?«

»Ja, danke.«

»Das freut mich! Bitte, nimm doch Platz.«

Sie wies ihn an, sich auf einen der beiden aus Massivholz gefertigten und mit dunkelgrünem Leder überzogenen Stühle unmittelbar vor ihrem antiken Schreibtisch zu setzen....

Erscheint lt. Verlag 19.6.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch Jugendbücher ab 12 Jahre
Schlagworte Dare It - Spiel dein Spiel • Freundschaft • Jugendroman • L.B. Tschielly • Schule
ISBN-10 3-7583-3428-4 / 3758334284
ISBN-13 978-3-7583-3428-3 / 9783758334283
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Der rote Nachtfalter

von Kristen Ciccarelli

eBook Download (2025)
Ravensburger (Verlag)
CHF 14,65