Die Goldene Rüstung (eBook)
354 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-0925-7 (ISBN)
2. Kapitel
Es war nichts explodiert und auch zu sonst keiner katastrophalen Nebenwirkung gekommen. Das allein war schon eine gut Nachricht, aber vor allem hatte Fang seine Abwesenheit nicht bemerkt. Er würde es „noch einmal gut gegangen nennen“, wenn Fang ihm den Kopf abriss, sollte er ihn später fragen wo gewesen war. Stolz nahm Cargo sein Notizbuch mit dem dicken Ledereinband aus seiner Tasche und schrieb die verwendete Mischung auf.
Jede Mischung die ihm je gelungen war füllten die vergilbten Seiten des unscheinbaren, kleinen Buches, das er immer in einer kleinen Tasche mit sich herumtrug. Schon sein Vater hatte in seinem Alter mit diesem kleinen Buch gearbeitet und die Mischungen, die er gebraut hatte, auf diese Seiten geschrieben. Vom vergleichsweise leichtem Feuersekret bis zum anspruchsvollen Eistrank stand in den Seiten dieses Buches, ein nützlicher Trank neben dem anderen. „Einer mehr.“, murmelte er stolz zu sich selbst.
Nachdem er die verwendete Mischung notiert hatte, blätterte er noch ein wenig gedankenverloren, die noch leeren Seiten seines Buches durch. Cargo hatte es genauso wenig wie Fang bisher geschafft, die gesamten Möglichkeiten der Kräuter, die im dunklen Land wuchsen zu nutzen. Deswegen war das kleine Notizbuch erst zur Hälfte gefüllt. Aber diese würden sich sicher auch bald füllen. Cargo schloss das Buch und steckte es in seine Umhängetasche, die für diesen Zweck immer bei sich trug. Das kleine Buch war ein Geschenk von Fang. Cargo hatte es von ihm zu seinem zehnten Geburtstag bekommen. Dabei hatte er seinem Vater aber schwören müssen, dass er nur das tat, was in dem Buch stand und nicht von den Angaben abwich, oder sogar eigene Mischungen versuchte.
Er schloss, denn kleinen Verschluss, der die Tasche zuverlässig seit fünf Jahren zusammenhielt und betrachtete die weiß-bläuliche Flüssigkeit, die nach wie vor auf dem kleinen Drahtstativ stand. Während Cargo den Blasen zusahen, wie sie vom Boden der kleinen Flasche zum Hals aufstiegen, wurde ihm auf einmal klar, was er da vor sich stehen hatte. Er hatte einen Trank gebraut der rechtlich verboten war. Außer man hieß Fang Calligis und hatte die Erlaubnis des Königs, alles zu brauen was waffenfähig war.
Plötzlich klang ein ekelhaftes Blubbern über die Wiese. Erstaunt richtete sich Cargo auf und sah verblüfft in die Richtung, aus der das Blubbern zu kommen schien. Was immer es auch war, weder er noch Fang hatten etwas damit zu tun.
Das laute Blubbern schien direkt aus der ausladenden schwarzen Mauer zu kommen. Cargo kniff die Augen zusammen. Er schnappte nach Luft, als er sah, was das Blubbern verursachte. Es sah aus, als würde Lilafarbiger Schleim aus den schmalen Spalten der Wand tropfen. Mit großen Augen sah Cargo zu wie immer mehr Schleim aus der Mauer zu rinnen schien bis es schließlich so aussah, als würde sich eine zwei Meter hohe und zwei Meter breite, lila-schwarze Tür aus Schleim in der Mauer befinden. Es waberte dunkler, dicker Nebel aus der Stelle, wo eben noch die feste unbewegliche Mauer gestanden hatte und nun eine zitternde, unförmige Masse geworden war, die die nicht einmal so stabil aussah, als könnte sie einem Kieselstein standhalten. Gleichzeitig schien der bisher nur leichte Wind von Moment zu Moment stärker zu werden. Bis er zu einer Staub aufwirbelnder Windböe wurde. Cargo konnte noch immer nicht glauben was dort vor sich ging. Welcher Zauber auch immer dafür verantwortlich war, er musste stärker sein als der Schutzzauber den Pentor über die Mauer gelegt hatte, denn dieser verhinderte, dass Zauberei vom dunklen Land nach Aventana gelangen konnte.
Cargo wollte gerade nach Fang rufen, als er einen Umriss in dem Nebel wahrnahm. Ihm blieb der Ruf im Hals stecken. Er sah genauer hin. Etwas schlängelte sich durch den Schleim und den Nebel und erreichte die Wiese. Erschrocken sah Cargo, was gerade aus dem dunklen Schleim an der Mauer gekrochen war.
Ein länglicher Körper lag auf dem saftig grünen Gras. Es hatte blau-grüne Schuppen, die im Sonnenlicht glänzten und sich kaum vom Gras abhoben. Sein Kopf aber ließ Cargo einen Schauer über den Rücken laufen. Ein grauenerregender Schlangenkopf saß am Ende des länglichen Körpers. Lange, gefährlich aussehende Giftzähne schmückten das aufgerissen Maul der Schlange. Alle paar Sekunden schnellte eine rosafarbene, gespaltene Zunge aus dem Maul. Zwischen ihrem Kopf und dem Hals lagen viele nach hingerichtete Stacheln, die fast so spitz aussahen wie die unzähligen Zähne. Aber was Cargo am meisten Angst machte, waren die gierig leuchtenden, gelben Augen mit den starren Pupillen, die genau auf ihn gerichtet waren.
Es war eine Serpentina. Eine Riesenschlange. Fang hatte es für nötig gehalten Cargo alles über die Kreaturen beizubringen, die außerhalb der Mauer lebten, falls Cargo später ebenfalls als königlicher Alchemist tätig war und die schützenden Mauern hinter sich lassen musste. Cargo machte ein paar langsame Schritte zurück. Diese Wesen verfügten über gefährliche Giftzähne, die im ganzen Reich gefürchtet wurden. Wenn man von ihnen gebissen wurde, hatte man keine fünf Minuten mehr zu leben. Aber aufgrund der Größe der Schlange war es sehr unwahrscheinlich überhaupt den Biss an sich zu überleben. Dazu kam, dass diese Kreaturen hoch intelligent waren und logisch denken konnten.
Cargo war sich nicht sicher, ob die Schlange in sah, da sie ihn zwar anstarrte aber keine Anstalten machte ihn anzugreifen. Diese Wesen ernährten sich von allem, was sie in der Lage waren zu fressen und konnten ausgewachsen riesig werden. Kurz gesagt zählten sie zu den tödlichsten bekanntesten Wesen, die außerhalb der Mauer lebten. Cargo gab sich Mühe so still wie möglich stehen zu bleiben und hoffte das die Riesenschlange schlecht sah. Es vergingen vier lange Sekunden in denen Cargo hoffte, die Schlange würde wieder verschwinden. Doch plötzlich setzte sich die Kreatur in Bewegung. Mit einem gierigen Leuchten in den starren Augen schlängelte sich die Serpentina den Hügel in Richtung Haus hinauf. Cargo schrie, drehte dem Monster den Rücken zu und versuchte so schnell wie möglich die rettende Tür des Hauses zu erreichen.
Hinter sich konnte er das Zischen und Fauchen der Serpentina hören, während sie sich den Hügel nach oben schlängelte. Er drehte sich nicht einmal um, als er hörte, wie die Serpentina den oberen Teil des Hanges erreicht hatte, sondern rannte um sein Leben. Obwohl diese Kreaturen keine Beine hatten, waren sie beängstigend schnell. Viel zu schnell. Trotzdem sah es so aus, als könnte Cargo es schaffen das Haus zu erreichen, doch kurz bevor er den Griff Tür, die Wohnzimmer und Terrasse verband, erreichte, wurde er plötzlich nach hinten gestoßen. Der rettende Türgriff schien unendlich weit weg geschleudert zu werden, als er hart auf dem Boden landete. Die Kreatur hatte die Tür vor Cargo erreicht und ihm mit ihrem dicken Körper den Weg versperrt. Nun sah Cargo sie erst aus der Nähe. Sie war das Furchterregendste, was jemals vor ihm gestanden hatte. Die Giftzähne, die den Oberkiefer schmückten, sahen nun noch gefährlicher aus als vorhin schon. Die vielen Stacheln zitterten bei jedem Zischen und waren bis zu einem Meter lang. Sie hatte wunderschöne große Schuppen, die rund um den Kopf verliefen und im Sonnenlicht glänzten. Aber das furchterregendste an ihr waren immer noch die bösartig leuchtenden Augen. Sie fauchte Cargo triumphierend an. Cargos Puls schien formlich zu fliegen, als er nach ein paar Sekunden die Augen zusammen kniff und machte sich darauf gefasst von dem herabschnellenden Kiefer verschlungen zu werden, während er am Rücken liegend genau vor dem Monster lag.
Wieder vergingen grausame Sekunden, in denen nichts passierte. Cargo öffnete die Augen und sah verwundert zu dem Kopf der Schlange hoch. Mit der leisen Hoffnung das die Schlange nicht vorhatte ihn zu fressen. Diese Hoffnung verschwand sofort, als er die Augen des Monsters wieder sah. Ein bösartiges, freudiges Glitzern lag in ihren starren Augen. Es war das gleiche freudige und doch bösartige Glänzen, dass man manchmal in den Augen von Katzen beobachten konnte, wenn sie eine Maus in die Enge getrieben hatten und noch ein wenig mit ihrer Beute spielten, bevor sie sie fraßen.
Cargo schauderte. Es war beängstigend, dass sich diese Kreatur einen Spaß daraus machte ihre Beute zu ängstigen und zu jagen. Auch wenn es eine grausame Angewohnheit war, war es wohl Cargos größte Chance sein Leben doch noch zu retten. Er atmete noch einmal durch, um sich den Kopf freizumachen, dann stand er auf. Er würde sicher keines natürlichen Todes sterben. Wahrscheinlich würde er sich irgendwann in die Luft sprengen, oder auf der Suche nach Zutaten im dunklen Land von irgendeinem Monster gefressen werden, aber der Tag seines Todes war ganz sicher nicht heute!
Kurz tat Cargo so, als wurde er versuchen über den langen Körper der Schlange zu klettern. Als die Schlange ihren Kopf senkte und ihn mit höhnischem Zischeln ansah, drehte Cargo sich blitzschnell um und versuchte so...
| Erscheint lt. Verlag | 11.6.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Goldene Rüstung |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Kinderbücher bis 11 Jahre |
| Schlagworte | Fantasy • Magie • Monster • Ritter • Ungeheuer • Zauberer |
| ISBN-10 | 3-7597-0925-7 / 3759709257 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-0925-7 / 9783759709257 |
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