Rhimmard (eBook)
408 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-5615-5 (ISBN)
Die 33-jährige Autorin ist geboren und aufgewachsen in einem Dorf in den Allgäuer Alpen. Umgeben von Natur hat sie früh den Wert dieser zu Schätzen gelernt. In ihrer entstehenden Buchreihe ist daher der Bezug zur Natur und dem natürlichen Kreislauf ein Muss. In Rhimmard sieht sie die Welt wieder durch ihre Kinderaugen. Magie, Zauber, Harmonie und Einklang halten die Welt im Gleichgewicht.
Lyn
Das blaue Licht der Polizeiautos blitzt in den Pfützen der Straßen der Woodworth Avenue. Ein junges Mädchen wird vermisst. Durch die gesamte Nachbarschaft zieht sich seit Wochen eine trübselige Stille und große Sorge. Das Gras im Vorgarten wächst wild, Pflanzen und Büsche sind in der prallen Mai-Sonne vertrocknet. In der Einfahrt liegen ein Longboard und ein Cityroller, die den Weg vor der Garage versperren. Man könnte kaum glauben, dass hier eine fünfköpfige Familie lebt. Die Trauer bildet förmlich eine dunkle Wolke um das Haus.
Malia Pallice ist ein unscheinbares, vierzehnjähriges Mädchen, das mit ihrer Familie in einem kleinen Häuschen am Stadtrand von Chicago wohnt. Ihr Vater Peter arbeitet als Buchhalter in einer renommierten Anwaltskanzlei. Ihre Mutter Stacy versorgt die Familie und hält den Haushalt in Schuss. Normalerweise. Seit acht Wochen sind ihre Eltern außer Gefecht und verlassen kaum das Wohnzimmer. Den ganzen Tag sehen sie sich Nachrichten an und starren auf das Telefon, in der Hoffnung, die Polizei hätte endlich eine gute Nachricht zum Verschwinden ihrer ältesten Tochter Arie. Sie wollte im Wald neben dem Haus joggen gehen und kam von dort nicht wieder zurück. Arie joggte beinahe jeden Tag im Wald, was Malia einfach nicht verstehen konnte. Die Schwestern waren so unterschiedlich, wie sie nur sein konnten. Malia ist die Lässige in der Familie und liebt es zu skaten. Die Wände ihres Zimmer sind mit vielen Skateboards und Caps dekoriert. Es sieht mehr nach einem Jungszimmer aus, als das eines vierzehnjährigen Mädchens. Vermutlich, weil sie auch nur mit Jungs befreundet ist. Sie teilt nicht dieselben Werte wie andere Mädchen in ihrem Alter. Styling, Mode und Beliebtheit gehören nicht zu ihren Interessen. Malia ist ruhig, nachdenklich und mag es, dass die Jungs in ihrem Freundeskreis sie so annehmen, wie sie ist. Sie hasst es, im Mittelpunkt zu stehen und sieht den Mädchen in der Schule lieber dabei zu, wie sie sich dabei zum Affen machen, anderen aufzufallen und zu imponieren. Arie war eine von ihnen. Sie war beliebt, hübsch, offen und gesellig. Sie und ihre Freundinnen waren immer hübsch gerichtet und teilten sämtliche Bilder auf Onlineplattformen. Am Tag ihres Verschwindens jedoch, trug sie kein Handy bei sich. Beim Joggen genoss sie immer den Moment der Einsamkeit. Die Ruhe, die nicht gestört werden konnte. Die Zeit, ihre Gedanken wegtreten zu können. Sie ließ ihr Telefon in ihrem Zimmer. Es war eine der ersten Fragen, die die Polizei stellte. Es wäre besser gewesen, sie hätte es bei sich getragen, als sie verschwand. Vielleicht hätte sie so die Möglichkeit gehabt, Hilfe zu rufen.
Es ist ein verregneter Donnerstagmorgen im Mai. Seit Aries Verschwinden hat Malia kaum eine Nacht durchgeschlafen und ist jeden Tag müde. Noch mit halb geschlossenen Augen steht Malia auf und weckt ihren kleinen Bruder Chase. Sie hebt ihn aus seinem Bett und trägt den verschlafenen kleinen Mann ins Badezimmer. Sie setzt ihn auf den Rand der Badewanne, schnappt sich einen Waschlappen, wäscht ihm das Gesicht mit kaltem Wasser. Anschließend bestreicht sie eine Zahnbürste mit etwas Paste und drückt sie ihm in die Hand. Malia setzt sich neben ihren Bruder und putzt sich selbst ebenfalls die Zähne. Es ist ein Ritual geworden, das die beiden nun seit einigen Wochen jeden Morgen durchleben. Die ersten Tage, nach Aries verschwinden, waren Malias Eltern zwar besorgt, doch sie hatten große Hoffnung, dass ihre Tochter bald gefunden wird. Je mehr Tage verstrichen, desto mehr zogen sie sich zurück. Der Alltag war schließlich nicht mehr zu bewältigen.
Chase wird langsam immer wacher. Er spült sich den Mund aus und geht zurück in sein Zimmer, um sich anzuziehen. Chase ist in der ersten Klasse und freut sich noch auf jeden Tag, an dem er etwas lernen kann. Seine Lehrer sind begeistert von seinem Interesse und seiner Mitarbeit am Unterricht. Malia ist sich sicher, die Freude an der Schule wird ihm noch schnell genug vergehen. Sie hat oft das Gefühl, dass Chase nicht versteht, was passiert ist. Als wäre Arie einfach in den Urlaub gefahren. Erfragt jeden Tag nach ihr, aber niemand hat es bisher übers Herz gebracht, ihm zu sagen, dass sie vielleicht nicht mehr nach Hause kommen wird. Unbeschwerte Kinderaugen. Wie gern wäre Malia jetzt in seinem Alter. Sie erinnert sich gern zurück. Das erste Mal auf einem Skateboard, den ganzen Tag mit dem Rad durch die Nachbarschaft schlängeln und ihre Großmutter besuchen, bei der sie immer ein Zuckerbrot bekommen hat. Heute müsste sie sich wahrscheinlich dabei übergeben. Ihre Großmutter schmierte ihr eine Scheibe Brot mit viel Butter und schüttete gefühlt ein halbes Kilogramm Zucker darauf. Der Alptraum jedes Zahnarztes. Dass ihre Eltern es nicht verboten haben, wundert Malia bis heute. Als Kind hat sie es geliebt.
Malia steht vom kalten Rand der Badewanne auf, spült ihren Mund aus und kämmt ihre langen braunen Haare. Sie geht in ihr Zimmer um ein weißes T- Shirt aus dem Schrank zu ziehen. Dazu eine kurze Jeanshose. Sie stülpt sich eine ihrer zahlreichen Caps verkehrt herum über den Kopf und verlässt ihr Zimmer, um die Pausenbrote zu streichen. Ihre Eltern sitzen wie jeden Tag auf dem grauen Designersofa im Wohnzimmer und sehen die Morgennachrichten. Die Hoffnung, das Telefon würde klingeln oder Arie würde jeden Moment zur Tür hereinkommen und im Wohnzimmer stehen, fesselt ihre Eltern an die Couch. Malia drückt ihren vertieften Eltern einen Kuss auf die Wangen und wünscht ihnen einen guten Morgen. Ihr Vater blickt sie kurz mit seinen traurigen Augen an. Sie geht in die Küche und richtet für sie und ihren Bruder Cornflakes zum Frühstück und Sandwiches für die Pause. Chase hopst die Treppe hinunter und lächelt Malia an. Malia lächelt zurück. Sie liebt ihren Bruder. Das Familienleben vor dem Verschwinden ihrer Schwester fehlt ihr. Das Haus hat sich seither nicht verändert. Aries Schuhe stehen im Flur und ihr Zimmer ist noch genauso unordentlich wie sie es verlassen hat. Die Sorge um ihre Familie, ist das Einzige, das Malia morgens aufstehen lässt und ihr die Kraft gibt, jeden Tag weiterzumachen. Für Malia ist es okay, die Rolle ihrer Mutter vorübergehend zu übernehmen, trotzdem wäre es ihr lieber, sie könnte weiterhin einfach nur das Kind sein. Malia und Chase schultern ihre Rucksäcke über die Regenjacken, schnappen sich Longboard und Roller und fahren gemeinsam durch die nassen Straßen zu Chases Schule. Malias Schule befindet sich nur einige Straße weiter. Jeden Morgen bringt sie ihren kleinen Bruder bis zur Eingangstür und holt ihn dort wieder ab. Chase stellt einen Haufen Fragen, was Malia immer ein bisschen Ablenkung schenkt. Der Schulweg ist im Moment das Schönste an ihrem Tag. Weil sie ihren Bruder begleitet, kommt sie selbst jeden Morgen zu spät zum Unterricht. Ihre Lehrer kennen ihre Lage und lassen ihr die Verspätungen durchgehen. Am Schulgelände angekommen rennt Chase ohne sich zu verabschieden los und stürmt in das Gebäude. Malia bleibt kurz stehen und wartet, bis sich die Türen hinter ihrem Bruder schließen. Dann geht auch sie weiter.
Der Vormittag vergeht nur langsam. In der Pause sitzt Malia mit ihren Freunden an einem Tisch und starrt ihr Sandwich an. Die Jungs unterhalten sich über die neue hübsche Schülerin aus der Parallelklasse. Philipp, ein großgewachsener, blonder Junge aus ihrem engen Freundeskreis hat ein Auge auf sie geworfen. Sie ist wunderschön, hat langes blondes Haar, doch für Malias Geschmack ist sie viel zu überschminkt.
Mike ~ "Frag sie einfach um ein Date"
Philipp ~ "B...bist du... irre? Was, wenn sie nein sagt? Dann blamiere ich mich ja vollends!"
David ~ "Was, wenn sie ja sagt? Sonst bist du doch auch nicht so schüchtern. Was stellst du dich so an?"
Philipp ~ "Malia, du bist doch auch ein Mädchen."
Malia ~ "Ja, ich bin ein Mädchen. Gut erkannt."
Philipp ~ "Sprich du sie für mich an. Und wenn ihr euch unterhaltet, kannst du sie ja mal an unseren Tisch bitten. Und dann lernt sie uns alle ganz zwanglos kennen."
Malia ~ "Du spinnst."
Mike ~ "Wenn sie uns alle kennenlernt, hast du aber leider keine Chance mehr mein Großer!" Mike ist der Mädchenschwarm der Gruppe und das ist ihm auch bewusst.
Philipp ~ "Auf euch ist einfach kein Verlass."
David ~ "Alter, du stehst ja echt auf sie."
Malia ~ "Ich kauf dir einen Schokodrink, dann gehts dir besser."
Malia hat lange nicht gelacht und fühlt sich fast etwas schuldig, als sie bei Philipps beschämtem Getue schmunzeln muss. Ihre Freunde reiten nicht ständig auf dem Verschwinden ihrer Schwester herum. Sie stellen keine Fragen mehr, so wie es die Lehrer und andere Mitschüler tun. Sie stehen ihr wortlos zur Seite. Wenn ihre Freunde da sind, kann sie den großen Stein, den sie Zuhause herumträgt, abgeben.
Nach dem finalen Gong stürmen alle Schüler sofort aus den Klassenzimmern. Malia geht als Letzte hinaus, um nicht im Trubel auf den Gängen unterzugehen. Sie stapft aus dem Klassenzimmer und wirft sich lässig ihren Rucksack über die Schulter. Wortlos quetscht sie sich im Gang an ihren Mitschülern...
| Erscheint lt. Verlag | 11.12.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Rhimmard | Rhimmard |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre |
| Kinder- / Jugendbuch ► Kinderbücher bis 11 Jahre | |
| Schlagworte | Buchtipp • Fantasie • Fantasy • Freundschaft • Hexerei • Jugendbücher • Magie • Zauberei |
| ISBN-10 | 3-7583-5615-6 / 3758356156 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-5615-5 / 9783758356155 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich