Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Die Talente von Eos -  Mirjam Koller

Die Talente von Eos (eBook)

Geheimnis des Lichts
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
328 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-3183-8 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Licht ist Macht. Es kann die Welt heilen - oder wird einfach alles zerstören. Eos ist der wahr gewordene Traum des fünfzehnjährigen Jan: Auf der geheimen Eliteakademie werden Jugendliche mit PSI-Talenten ausgebildet, um Krieg, Hunger und Klimawandel zu überwinden. Doch hinter der Traumkulisse aus Tropenstrand, Hightech-Labors und Baumhäusern lauern tödliche Gefahren im Dschungel. Um seine zerstörerischen Kräfte zu kontrollieren, muss Jan das Geheimnis des Lichts lüften, doch ihm bleibt nicht viel Zeit: Terroristen dringen in die unterirdischen Labors der Akademie ein, um eine Waffe für einen globalen Anschlag zu stehlen. Eine Jagd durch den Dschungel beginnt, deren Ausgang über Milliarden Menschenleben entscheidet. Wird Jan es rechtzeitig schaffen?

Mirjam Koller studierte Biologie, unterrichtet Jugendliche an einem staatlichen Gymnasium und schreibt seit ihrer Kindheit Fantasiegeschichten. Ihren ersten Roman 'Verborgen' veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Kristin Kox. Im Roman 'Die Talente von Eos' vereint sie all das, was ihr am Herzen liegt: Schreiben, Schule und die Liebe zur Natur. Mirjam unterrichtet auch kreatives Schreiben. Mehr über die Schreibkurse, die Autorin und ihre Bücher erfährst du unter www.fantastisch-schreiben.de

1

GLAS

Schulverweis. Höchststrafe.

Die zwei Worte wiederholen sich in meinem Kopf wie das Anund Abschwellen einer Sirene. Verbissen trete ich in die Pedale und steigere das Tempo, fliege durch den Geruch nach Regen und feuchter Erde, der von allen Seiten auf mich eindrückt.

Wie konnte es nur dazu kommen?

Gerippe kahler Bäume rasen an mir vorbei, während der Fahrtwind an meinem Haar zerrt und mir eiskaltes Wasser ins Gesicht speit. Fluchend beuge ich mich noch tiefer über den Lenker meines blau-schwarzen Mountainbikes.

Schlamm schmatzt unter den Reifen, klatscht auf meine durchweichten Sneaker und die Jeans und hinterlässt große, tränenförmige Tropfen auf meiner hellgrauen Softshelljacke. Doch langsamer fahren ist keine Alternative. Ich muss vor dem Telefonanruf zu Hause sein, wenn ich das Schlimmste noch abwenden will.

»Das Schlimmste« ist nicht einfach nur Hausarrest, nein, es bedeutet, dass alle meine außerschulischen Aktivitäten auf Eis gelegt werden. Das darf nicht passieren. Nicht jetzt, nicht in dieser Phase des Projekts.

Mit vor Kälte tauben Fingern umklammere ich die Griffe. Der Eisregen in meinem Gesicht ist wie Schmirgelpapier. Meine Gedanken rasen wie mein Bike, spielen verschiedene Möglichkeiten durch, wie ich mich doch noch aus diesem Schlamassel herausreden kann, aber es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Die Kopfschmerzen, die am Morgen noch kaum spürbar waren, haben sich zu etwas gesteigert, das ich so nicht kenne. Seit etwa zwei Wochen habe ich immer wieder ein dumpfes Pochen zwischen den Schläfen, direkt hinter den Augen, doch bisher war es nie so stark. Jetzt fühlt es sich an, als ob sich dort etwas spannt und droht, zu zerreißen. Vielleicht war das auch der Grund für meinen Aussetzer?

Selbst wenn, damit werde ich nicht durchkommen. Nicht bei dem, was ich meinem Mathelehrer an den Kopf geworfen habe. Buchstäblich. Warum nur habe ich nicht einfach die Klappe gehalten? Und warum ist dieser Tafelschwamm plötzlich durch die Luft geflogen? Ich habe ihn nicht geworfen, so viel ist sicher. Der Schwamm lag auf dem Pult, ganze drei Meter von mir entfernt.

Wie eine Antwort spuckt mein Gedächtnis die Erinnerung an den beunruhigenden Traum von letzter Nacht aus. An einem Ort voller Nichts und Dunkelheit steht diese Truhe vor mir, ein paar Meter entfernt. Es ist eine Art Schatzkiste aus dunklem Holz und mit einem schweren Messingschloss versehen. Aus jeder Ritze dringt gleißend helles Licht nach außen, als wäre eine Sonne darin eingesperrt.

Immer wieder träume ich von dieser Truhe und diesem Ort, bestimmt schon seit zwei Wochen. Oder besser diesem Nicht-Ort. Ich kann nicht erkennen, wo ich bin, denn es gibt keine andere Lichtquelle und auch kein Geräusch. Einfach nichts, außer dieser Truhe voller Licht.

Der Traum ist immer gleich. Das Licht pulsiert in der Kiste und etwas bewegt sich dadrin. Die Truhe ruckelt, als würde sich von innen etwas dagegen werfen. Holz knackt. Ich spüre Schweiß auf meiner Haut und wie sich meine Muskeln unwillkürlich anspannen. Ich muss unbedingt wissen, was dadrin ist, also gehe ich näher heran, doch kurz bevor ich sie erreiche, wache ich auf, schweißbedeckt, in einem völlig zerwühlten Bett. Jedes Mal.

Aber nicht heute Nacht. Das Pulsieren war kräftiger, das Knacken lauter. Wieder und wieder warf sich das Lichtwesen gegen das Holz, viel stärker diesmal. Das erste Brett splitterte und dann klaffte ein langer Spalt im Deckel. Gleißendes Licht ergoss sich in die Dunkelheit.

Ich wollte wegrennen, doch die Neugier und das absurde, alles überwältigende Gefühl, dass mein Leben davon abhängt, hielten mich auf. Immer mehr Risse durchzogen das Holz. Was auch dadrin war, war mächtig und kurz davor, durchzubrechen. Doch wieder wachte ich auf, bevor ich das Rätsel lösen konnte.

Es macht mich wahnsinnig, nicht zu wissen, was der Traum bedeutet. Was ist in dieser Kiste? Hängt es mit dem zusammen, was heute mit dem Schwamm passiert ist?

Der Weg wird abschüssiger. Glitschiger Schotter bedeckt den Matsch und endlich kommt die Abzweigung in Sicht. Nur noch hundert Meter. Ich schieße um die Kurve und registriere entsetzt den armdicken Ast, den der Regen über den Weg gespült hat. Reflexartig greife ich in die Bremse, habe aber keine Chance. Einen albtraumhaften Moment sehe ich den drohenden Crash voraus, mich selbst durch die Luft segeln und auf den Steinen aufschlagen. Ich wappne mich für den unvermeidlichen Aufprall.

Doch plötzlich wird das Pochen hinter meiner Stirn zu einem stechenden Schmerz und ein Bild blitzt vor meinem inneren Auge auf: Eine Kiste gefüllt mit Licht, das durch Risse nach außen dringt. Das Bild verschwindet sofort wieder und im selben Moment rollt der Ast wie durch ein Wunder zur Seite. Der Weg ist frei.

Was in aller Welt …?

Zwei Meter weiter komme ich schlingernd zum Stehen. Adrenalin schießt durch meine Adern und ich habe einen metallischen Geschmack auf der Zunge. Das Keuchen, das ich höre, ist wohl mein eigener Atem, doch es klingt weit entfernt. Die Welt um mich herum verschwimmt und wird an den Rändern grau. Wie ein Ertrinkender klammere ich mich an den Griffen meines Bikes fest und versuche, tief und gleichmäßig zu atmen. Ich weiß nicht, wie lange ich so stehe, doch schließlich beruhigt sich mein rasendes Herz.

Kaltes Regenwasser tropft mir in den Nacken und läuft meinen Rücken hinab, aber ich merke es kaum. Mein Mathelehrer, der Verweis, meine Strafe, all das scheint plötzlich weit weg. Was ist geschehen?

Ungläubig blicke ich zurück. Der Ast ist zur Seite gerollt, aber nicht durch die Schwerkraft und auch nicht durch das Regenwasser, das tiefe Rinnen in den Schotter gegraben hat. Zur Seite. Als hätte eine unsichtbare Kraft ihn bewegt. Wie bei dem Schwamm. Und dort sind eindeutig Schleifspuren im Kies.

Eine Gänsehaut breitet sich auf meinen Armen aus, aber sie hat nichts mit der Kälte zu tun. Ich ringe mit mir. Es zieht mich zurück zu dem Ast. Irgendetwas stimmt nicht damit, und ich muss herausfinden, was es ist. Aber noch dringender muss ich nach Hause. Sofort. Das Projekt ist zu wichtig. Widerwillig reiße ich das Fahrrad herum.

Wenig später lichten sich die Bäume und weichen kleineren Haselsträuchern. Dahinter taucht das Haus meiner Eltern auf. Die sonnengelbe Fassade bildet einen schreienden Kontrast zu dem öden Grau der Regenwolken. Durchnässt und mit immer noch wild schlagendem Herzen lehne ich das Bike unter der Überdachung zwischen Haus und Garage an die Wand. Ich fische den Schlüssel aus meiner Hosentasche, sperre die Tür auf und ziehe automatisch den Kopf ein. Doch niemand erwartet mich. Ein gutes Zeichen.

Oder?

Alles in mir ist in Aufruhr, doch ich zwinge mich zur Ruhe. Ich triefe, und den Boden zu versauen ist keine gute Idee, wenn man Ärger abwenden will. Also stelle ich den Rucksack auf die saugfähige Matte, die sich der Nässe annehmen wird, trete die verschlammten Schuhe von der Ferse und platziere sie daneben. Die tropfende Jacke hänge ich an einen Haken darüber.

Mit drei Schritten durchquere ich den Flur, vorbei an der Treppe, die von hier aus nach oben zu den Schlaf- und Arbeitszimmern führt. Die drei Türen im Erdgeschoss stehen wie gewohnt offen. Vorsichtig werfe ich einen Blick ins Wohnzimmer.

»Dad? Ich muss …« Ich verstumme abrupt.

Mein Vater steht mit dem Rücken zu mir am Fenster, ein großer, athletischer Mann Anfang vierzig, mit dichtem kohlschwarzen Haar, in dem sich bereits vereinzelte graue Strähnen zeigen. Er ist ein erfolgreicher Architekt mit eigenem Büro und einem guten Ruf, den er sich durch harte Arbeit und eine disziplinierte Lebensweise aufgebaut hat. Immerzu strahlt er eine selbstbewusste Gelassenheit und Autorität aus, sogar jetzt.

Dad hat den Hörer am Ohr und hebt eine Hand. Die Geste gilt mir.

Mein Herz sackt ein Stück tiefer und ich schließe frustriert die Augen. Ein leises Stöhnen dringt aus meiner Kehle.

»Hm. Hat er das, ja?« Dads grollender Tonfall verrät alles.

Zu – spät – zu – spät – zu – spät.

Das Ticken der antiken Standuhr an der gegenüberliegenden Wand verhöhnt mich, während Wasser von meinem Haar und der Jeans auf den Teppichboden tropft.

Das war’s, ist mein erster Gedanke. Vorbei, den Spendenlauf kann ich vergessen. Jetzt fliegt mir alles um die Ohren. Dabei kann ich gar nichts dafür! Wut brodelt in mir. Auf keinen Fall kann ich hier stehen bleiben und das weiter mit anhören. Ich gehe ins Badezimmer, wo ich aus meinen nassen Sachen schlüpfe und mich abtrockne. Mein Blick streift den Spiegel über dem Waschbecken.

In meinem Gesicht ist mein kroatisches Erbe zu erkennen. Eine schmale Nase mit breitem Nasenrücken und ein Teint, der zwei Nuancen dunkler ist als der meiner Mitschüler. Dunkelbraune Augen mit kleinen goldenen Punkten darin, die jetzt vor Zorn blitzen. Nasse Haarsträhnen hängen in meine Stirn, sie sind ebenso kohlschwarz wie die meines Vaters. Ich wische sie zurück und dabei fällt mir der...

Erscheint lt. Verlag 24.8.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
ISBN-10 3-7568-3183-3 / 3756831833
ISBN-13 978-3-7568-3183-8 / 9783756831838
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 1,6 MB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Ein Buch über Migration, Freundschaft und das Verständnis füreinander

von Luise Sophie Meisinger; Josephine Piedel; Paula Reichellt …

eBook Download (2025)
Hogrefe Verlag
CHF 16,60
Wie das Wichtelmädchen Finja ihre Kräfte verlor

von Daniel Marlin

eBook Download (2025)
Buchschmiede von Dataform Media GmbH (Verlag)
CHF 10,25