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Die Silberbarden (eBook)

Eine Propädeutik
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
600 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-00113-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Silberbarden -  Carla Maria Gratz
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Ein Begegnis voller Poesie entspinnt sich vor den Toren der Burg Silbleincastell. Diese birgt das Geheimnis um einen Klan, welcher sich seit alters der Hege der unnahbaren Windhunde verschrieben hat. Dessen jüngstem Abkömmling, dem gemütvollen Ugo, eignet ein besonderes Talent: Wie niemandem sonst gelingt es ihm, eine Anziehung auf die leidenschaftlichen Beutegreifer auszuüben, womit er jeden anderen Reiz in den Schatten stellt. Die Gabe ist Teil des Geheimnisses, das von einem jahrtausendealten Zirkel ebenso gehütet wird wie ihre geliebten Tiere und die überlieferten Flöten. Letztere bergen sagenhafte Schutzgeister in sich, deren ureigene Aufgabe es von jeher ist, die Jagdgefährten des Menschen vor Ausbeutung zu bewahren. Der seit Ewigkeiten geächtete Quemior wird nun versehentlich aus der Flöte befreit und droht damit, Rache zu nehmen. Zusammen mit Verbündeten aus dem antiken Karthago und einer Bande halbwilder Theaterleute wagen es die Hundehüter, dem ränkeschmiedenden Schutzgeist entgegenzutreten. Allen Gefahren zum Trotze halten die Helden der Geschichte dabei immer wieder inne und ergehen sich in Meditationen über das Wesen von Mensch und Tier. Wer sich gemeinsam mit ihnen ins Abenteuer stürzt, wird keinem reißenden Wildgewässer eines Thrills ausgesetzt, wohl aber den Tiefen eines uralten philosophischen Gewässers.

Die 1995 im Saarland geborene Autorin ist mit Hunden und Pferden aufgewachsen, zog für das Studium der Veterinärmedizin nach Berlin und widmet sich gegenwärtig ihrer Promotionsarbeit. Ihr Debütroman verdankt sich dem Lesen von Büchern über Hunde gleichermaßen wie dem Lesen von Hunden wie Büchern.

Die 1995 im Saarland geborene Autorin ist mit Hunden und Pferden aufgewachsen, zog für das Studium der Veterinärmedizin nach Berlin und widmet sich gegenwärtig ihrer Promotionsarbeit. Ihr Debütroman verdankt sich dem Lesen von Büchern über Hunde gleichermaßen wie dem Lesen von Hunden wie Büchern.

Erstes Kapitel

Als wäre dieses Wesen von einer der Erdanziehung entgegengesetzten Kraft gedrängt, schlitterte es, die langen Glieder zu einer maximalen Unterstützungsfläche ausgestreckt, den Rumpf nahe am Untergrund, die Stufen der engen hölzernen Treppe empor. Jede hastig aufgesetzte Pfote trug dabei das Ihre zu dem wie ein Trommelwirbel tosenden Poltern des rauhaarigen Carnivoren bei. Das Podest erreicht, genügte dem dunkelgrauen Riesen ein einziger Sprung, um die schmiedeeiserne Türklinke mit den Vorderläufen zu erreichen und die Tür geräuschvoll aufschwingen zu lassen. Im Bruchteil eines Augenblickes ortete er daraufhin den Menschen, dessen Auffinden ihn überhaupt erst zu dieser übermütigen Kraxelei motiviert hatte. Mit einem letzten Satz stürzte sich der Halbstarke schließlich auf den jungen Ugo, der gerade noch Zeit hatte, die Augen aufzuschlagen und sich pfeilschnell aus seiner liegenden Schlafposition in eine abwehrbereite Haltung in die Hocke zu bringen. Doch gelang es ihm nicht, die Wucht auszubalancieren, mit der sich das von Tollheit ergriffene Tier auf seine Matratze warf. Sein amüsiertes Auflachen wurde denn sogleich von den Tatzen erstickt, die seinen Brustkorb festnagelten und ihm kurz die Luft zum Atmen nahmen. Noch immer heiser glucksend, versuchte er mit halbherziger Gewalt, den Hund abzuwehren, welcher gerade seine Krallen tief in die Haut des jungen Menschen bohrte, sich streckte und gähnend ein krokodilartig langes Maul voll strahlend weißer Zähne präsentierte.

„Du tölpelhafter Narr, Grisu. Man wird uns teeren und federn“, brachte Ugo hervor, ahnend, dass der Hund einen Pfad der Verwüstung hinter sich gelassen hatte.

Kurzerhand katapultierte er den flegelhaften Deerhound gen Dielenboden, wo dieser leichtfüßig und gering beeindruckt landete. Ugo folgte ihm lautlos und trat sogleich zu der sperrangelweit offenstehenden Tür. Das wachsame Gebaren seines Herrn nachahmend, schlich Grisu an seine Seite und blickte ebenso die Treppe hinab.

„Kaum zu glauben, dass du unbemerkt geblieben sein sollst. Es sei denn, sie haben entschieden, im Garten …“

Jegliche Spekulation darauf, im Verborgenen den Turm verlassen und den Deerhound stillschweigend zurück in seinem Zwinger geleiten zu können, wo er sich eigentlich gemeinsam mit dem Rest des Rudels aufhalten sollte, wurde jäh durch einen vertraut spitzen, geradezu hysteriformen Schrei zunichte gemacht.

„Mögen sie fortgewesen sein … Jetzt sind sie zurück“, seufzte Ugo mit gespielt verzweifelter Miene.

Er konnte den vorwurfsvollen Blick aber nur für einen Moment aufrechterhalten. Grisu ließ sich ohnehin nicht täuschen. Darum wandte er sich schulterzuckend ab und überlegte stattdessen, während er sich anzog, welche Trümmer er unten auffinden würde. Die Sitte, gerade die launenhaften Sprösslinge des Nachts im Nebengelass unterzubringen, hatte nach mehrfachen, regelrecht epischen Raubzügen von Grisus älteren Geschwistern, Vettern und Cousinen, Einzug gehalten. Offenbar waren die Verlockungen, die der bewohnte Turm auf dem Burggelände zu versprechen schien, vor allem im Alter weniger Monate für die Deerhounds besonders betörend. So musste auch der nun halbjährige Grisu diesem Bann verfallen sein. Als ausschlaggebend erschien hierbei die Attraktion des Verbotenen, war den Hunden doch tagsüber keine Kammer versperrt und kein Winkel in dem überbordend angelegten Garten untersagt. De facto waren die hünenhaften Windhunde alljährlich in der spätsommerlichen Zeit geneigt, die helllichten Stunden im kühlen Innenhof zu verbringen, wo sie ihr Keuchen und Fleuchen zuweilen im Schatten der Fliederbüsche unterbrechen konnten.

Allseitig umrahmt wurde der natursteingepflasterte Auslauf vom Burggemäuer, einerseits bestehend aus dem Turm mit den beiden, die östliche und südliche Einfriedung bildenden Nebengebäuden und andererseits mit den zu den nördlichen Hanglangen gerichteten Stallungen und der Steinwand als Mauer zum Garten im Westen.

Den Turm bewohnten Ugos Verwandte, die Baldemars, deren jüngstes Mitglied er mit seinem Alter von neunzehn Jahren war. Zu seiner Familie durfte er neben dem Vater auch sein früheres Kindermädchen Amanda, deren Nichte Nidsa und in besonderer Weise seinen Großvater Gaspard zählen. Letzterer verbrachte seine Zeit jedoch gewöhnlich lieber in den eigenen Räumlichkeiten im südlichen Nebengebäude, das mit dem Turm über den Hundezwinger verbunden war. Dort bewahrte der alte Tierarzt auch seine Utensilien und Arzneien auf, die er benötigte, um das Getier in der Umgebung zu versorgen, auch wenn er mittlerweile seltener die Abstiege ins Tal unternahm. Ehe als Ergänzung ein befahrbarer Wanderweg angelegt worden war, hatte Gaspard über eine Viertelstunde den schmalen Pfad inmitten des sich über viele Quadratkilometer erstreckenden Fichtenwaldes herabklettern müssen. Dieser jahrhundertealte Weg nahm sich an einigen Stellen so eng aus, dass ihn keine zwei Menschen nebeneinander begehen konnten und an anderen so steil, dass man bei Regen verleitet war, mit den Händen an dem mächtigen umgebenden Wurzelwerk Halt zu finden. Gerade bei widriger Witterung musste man sich mit Bedacht vortasten, bestanden die Stufen doch mal aus moosbewachsenen Felsen, mal aus lockerem Geröll. Zwar bot sich nun auch die gepflasterte Route als Alternative, doch wurde man auf dieser Strecke annähernd um das gesamte Burgmassiv herumgeleitet, sodass man selbst mit dem Geländewagen ein Vielfaches der Zeit brauchte. Abgesehen davon kannte Gaspard diesen Pfad von Kindesbeinen an und nichts weniger als multiple Trümmerfrakturen hätten ihn davon abhalten können, den herben Duft der Koniferen einzuatmen und dem Rauschen des Gebirgsbaches zuzuhören, der parallel des Weges wie das gemeinsame Fließen sämtlicher Lebensadern des Waldes und der sie noch überragenden Berge ins Tal brauste. Der in den Wintermonaten recht zahme Silabach war nun im August durch geschmolzene Schneemassen von jenen den Südalpen zugehörigen Gipfeln zu einem reißenden Strom angeschwollen. Zu dieser Zeit wie schon einst im sechzehnten Jahrhundert, als die Burg Silbleincastell auf tausendeinhundert Metern über dem Meeresspiegel neu errichtet worden war, versorgte sein Wasser die Bewohner der Festung. Bereits damals, restauriert als Jagdschloss für den Fürsten der Ländereien, waren dort seine hochgeschätzten Windhunde untergebracht gewesen.

Wie man in dieser Epoche allerdings mit derart explorationsfreudigen Repräsentanten der Spezies Hund vom Schlage Grisus umgegangen wäre, ließ sich nur erahnen. Zumindest war es nicht an seinem schmalen Gesicht abzulesen, das er abwechselnd mit erwartungsvollem Blick Ugo und der Treppe mit so etwas wie höflichen Interesse zuwandte. Von dem unteren Ende der Stiege hatte das Kreischen immerhin stammen müssen. Vermittels einer kurzen Kopfbewegung bedeutete Ugo dem Hund, hintanzubleiben und ihm mit Gemach nach unten zu folgen. Die Stufen führten sie zum Kaminzimmer, dem Aufenthaltsraum der Familie. Neben einer ausgedehnten Feuerstelle und einer langen Tafel war in einem Winkel des zugigen Raumes eine Küche eingebaut, die nun die Aufmerksamkeit der beiden auf sich zog. Dies lag nicht nur an den kaum zurückhaltend ausgestoßenen Flüchen, die aus dieser Ecke zu hören waren, sondern auch an dem schwindelerregenden Farbaufkommen. Der gesamte Fußboden war bedeckt von einem wüsten Arrangement aus Kronblättern von Rittersporn, Herbstanemonen, Sonnenbraut, Löwenmäulchen, Gladiolen und Goldruten. Ihre korrespondierenden, noch halbwegs intakten Pflanzenteile füllten ein halbes Dutzend Körbe, die auf dem storchbeinigen Tischlein gefährlich wankend übereinandergestapelt waren. Inmitten dieser floralen Collage bebte eine hochgewachsene, feingesichtige, leicht schielende, trotz ihres südeuropäischen Teints merkwürdig bleich wirkende Frau Ende zwanzig vor Zorn. Als Ugo samt seinem lebendigen Schatten vor sie trat, weiteten sich ihre scheinbar funkensprühenden Augen, wenn überhaupt möglich, noch mehr und mit ihren geblähten Nasenlöchern weckte sie Erinnerungen an eines der Rösser des Thrakerkönigs Diomedes. Ebenso furchtlos wie sich Herakles seinerzeit den menschenfressenden Pferden genährt haben musste, passierte Ugo die wutentbrannte Gestalt so ungerührt, wie es stets seine Art war und füllte munter summend einen Topf mit Wasser, um sich einen Tee zu brauen.

„Ich glaube, als uns von Emanuele die Restaurierung der Lüsterware aufgetragen wurde, galt das Ansinnen eher dem Kleben, Retuschieren und Glasieren der Alhambravasen. Mit einer Neuinterpretation der Bodenfliesen alla Mille fiori könntest du unverblümt in ein Wespennest langen“, sagte Ugo, während er einigen Hautflüglern auswich, die von dem intensiven Duft nach Thymian angezogen worden sein mussten und nun Gefallen an den Hagebutten fanden, die er auf einem Löffel gehäuft, seinem Teewasser zugeben wollte.

Als Nidsa nicht...

Erscheint lt. Verlag 12.8.2023
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Kinder- / Jugendbuch
Schlagworte Burg • Dolomiten • Ethik • Flöten • Geheimnis • Geister • Hunde • Jagd • Karthago • Magie • Natur • Philosophie • Phönizier • Poesie • Schauspieler • Silber • Windhunde
ISBN-10 3-384-00113-3 / 3384001133
ISBN-13 978-3-384-00113-9 / 9783384001139
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