Sommernacht auf Immenhof (eBook)
128 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-5605-2 (ISBN)
Dalli wird krank
Der nächste Tag war ein wunderschöner Sonntag im April. In aller Frühe machte Mans sich auf den Weg zum Immenhof.
„Sei bitte pünktlich zum Mittagessen zurück. Du sollst Vater noch in der Schmiede helfen“, hatte ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben und Mans hatte zurückgerufen: „Ich werde versuchen, pünktlich zu sein!“
Auf dem Weg zum Immenhof genoss Mans die frische Frühlingsluft in vollen Zügen. Jetzt erst merkte er, wie sehr er die in München vermisst hatte! Mans benutzte die alte Abkürzung, ging querfeldein und war schon bald auf dem Immenhof.
Dick und Ethelbert führten gerade die Ponys auf die Weide.
„Hallo, Mans, hast du ausgeschlafen?“ rief Ethelbert.
„Nicht ganz“, entgegnete Mans, „meine Mutter hat mich aus dem Bett geschmissen; doch jetzt bin ich eigentlich recht froh darüber. Wo ist Dalli?“
„Der geht es heute nicht so gut. Sie liegt noch im Bett“, gab Ethelbert Auskunft.
„Ich werd´ mal nach ihr sehen“, sagte Mans während er auf das Haupthaus des Immenhofs zuging.
„Schönen guten Morgen, Mans“, rief Oma Jantzen ihm von der Haustür aus zu, „fein, dass du wieder da bist. Wir haben dich alle sehr vermisst!“
„Guten Morgen, Oma Jantzen. Ich bin auch froh, wieder hier zu sein. Ich habe gehört, Dalli geht es heute nicht so gut, da wollte ich mal nach ihr sehen. Was hat sie denn?“
„Sie hat nur eine leichte Erkältung“, beruhigte Oma Jantzen ihn.
„War der Doktor denn schon da?“ fragte Mans.
„Dafür brauchen wir keinen Doktor. So eine kleine Erkältung behandeln wir selbst, mit warmen Umschlägen und Kräutertee!“ Oma Jantzen hatte es voller Entrüstung gesagt.
„Oh je, womöglich mit durchschlagender Wirkung, wie damals bei Ethelbert“, meinte Mans und lachte leise. „Aber zur Not haben wir ja auch noch Doktor Pudlich!“
„Ne, ne, mein Junge, Pudlich ist für Tiere zuständig, nicht für Menschen“, widersprach Oma Jantzen bestimmt.
„Dann werde ich mal nach Dalli sehen“, sagte Mans.
„Mach das, Mans, und sag Bescheid, wenn sie was braucht!“
„Wird gemacht, Oma Jantzen!“
Mans ging nach oben und klopfte an die Tür, hinter der sich das Zimmer von Dick und Dalli befand. Er hörte ein leises „Herein!“ von Dalli.
„Hallo, Dalli, ich wollte mal nach dir sehen! Wie geht es dir?“ fragte Mans behutsam.
„Das ist ganz lieb von dir, Mans. Mir geht es schon etwas besser. Oma hat mich wieder ins Bett gesteckt. Ihre Behandlungsmethoden sind zwar vorsintflutlich, aber man muss eingestehen, sie wirken meist. Ich hoffe, dass ich morgen wieder aufstehen kann. Ich habe vormittags ja auch Schule!“
„Prima, Dalli. Das freut mich. Dann ruh´ dich noch gut aus bis morgen!“
„Ja, bis morgen nach der Schule“, sagte Dalli zum Abschied und schaute Mans, der leise die Tür hinter sich schloss, mit etwas fiebrigem Blick nach.
Mit dieser Nachricht ging Mans auf die Weide zu Dick und Ethelbert, die sich mit den Ponys beschäftigten. Er erzählte von München und Dick und Ethelbert berichteten ihm, was sich in der Zwischenzeit so alles auf dem Immenhof zugetragen hatte.
„Wie spät ist es eigentlich?“ fragte Mans schließlich.
„Es ist halb zwölf“, antwortete Ethelbert.
„Oh, so spät schon!“ rief Mans. „Dann muss ich sehen, dass ich nach Haus komme. Ich soll meinem Vater nämlich noch in der Schmiede helfen. Wir sehen uns morgen Nachmittag wieder.“ Am nächsten Morgen war Dalli die erste, die am Frühstückstisch saß und auf die anderen wartete.
Fröhlich wünschte sie Oma einen „Guten Morgen“, als sie zur Tür hereinkam.
„Du scheinst ja wieder gesund zu sein, Dalli“, stellte Oma Jantzen erfreut fest.
„Ja, Oma! Deine Medizin ist schrecklich, aber sie hat mal wieder einwandfrei gewirkt! - Du, Oma, heute Mittag nach der Schule möchte ich gerne mit Dick, Ethelbert und Mans ausreiten!“
„Meinst du denn, dass das schon geht? Mute dir nicht gleich wieder zu viel zu. Sei vorsichtig und überanstrenge dich nicht!“ sagte Oma Jantzen besorgt.
„Ich pass schon auf, Oma“, versprach Dalli.
Als Dick und Ethelbert zum Frühstück herunterkamen und von Dalli mit den Worten: „Wir dürfen heute nach Mittag nach der Schule alle zusammen ausreiten“, begrüßt wurden, freuten sie sich natürlich auch, dass Dalli wieder bei bester Gesundheit war.
Die Schule ging für Dalli und Ethelbert an diesem Tag zum Glück rasch vorbei; die letzte Stunde war wegen Krankheit eines Lehrers ausgefallen.
Als Dick, Dalli und Ethelbert gleich nach dem Mittagessen zu den Ponys auf die Weide gingen, kam ihnen Mans bereits entgegen. „Hallo“, grüßte Mans. „Schön, dass es dir wieder besser geht, Dalli. Dann können wir ja alle zusammen etwas unternehmen!“
„Ja, wir wollen zusammen ausreiten“, sagte Dalli.
„Ist das auch wirklich nicht zu anstrengend für dich?“ meldete sich Ethelbert jetzt besorgt. „Gestern hast du noch mit leichtem Fieber im Bett gelegen!“
„Macht euch keine Sorgen, es wird schon nichts passieren“, entgegnete Dalli.
„Wir können ja langsam reiten“, meinte Mans, doch Dalli rief wütend: „Das kommt überhaupt nicht in Frage; entweder wir reiten richtig oder gar nicht!“
„Wohin wollen wir denn reiten?“ fragte Dick in die Runde.
„Ich würde gern zum See“, schlug Mans vor, „ich war schließlich zwei Jahre nicht mehr dort.“ Also ritten die Vier durch den Wald zum See, Dalli natürlich, wie meist, temperamentvoll vorneweg.
Am See angekommen, stiegen sie von ihren Ponys, um eine kleine Pause einzulegen.
„Du bist ja ganz blass im Gesicht!“ stellte Ethelbert erschrocken fest, als er Dalli ansah.
„Mir ist ganz komisch. Und heiß ist mir auch“, sagte Dalli mit weinerlicher Stimme. Dick, die Vernünftigste von allen, entschied nach einem kurzen prüfenden Blick auf Dalli, dass sie alle sofort wieder zurückreiten würden.
Als die Vier auf dem Immenhof ankamen, saßen Oma Jantzen und Dr. Pudlich gerade im Wohn-zimmer und tranken Tee. Dick kam aufgelöst hereingestürzt.
„Um Gottes Willen, Dick, ist was passiert?“ fragte Oma Jantzen erschrocken.
„Ja“, antwortete Dick. „Dalli geht es gar nicht gut. Ich glaube, sie hat starkes Fieber. Sind Jochen und Margot nicht da?“
„Nein, die sind in der Stadt, Einkäufe machen“, sagte Oma Jantzen. Und machte sich Vorwürfe, weil sie Dalli das Ausreiten erlaubt hatte: „Ich hätte es ahnen müssen, dass ihr die Erkältung noch in den Gliedern steckt. Aber sie ist ja immer so wild, da übersieht man so etwas!“
„Bringt Dalli ins Bett. Ich werde sofort nach ihr sehen“, hörte man die ruhige Stimme von Dr. Pudlich sagen und zu Oma Jantzen gewandt: „Machen Sie sich keine Sorgen, liebe Henriette, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird!“
„Ach, lieber Pudlich, wenn wir Sie nicht hätten“, seufzte Oma Jantzen.
Als Pudlich mit Oma Jantzen ins Zimmer kam, lag Dalli schon im Bett. Sie fror und zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub.
„Wir werden erst einmal Fieber messen“, sagte Pudlich bedächtig und wenig später folgte das Ergebnis: „Vierzig Komma fünf!“ Dabei wiegte er bedenklich seinen Kopf. „Wir müssen sofort einen Arzt holen, der kann genau sagen, wie es um Dalli bestellt ist. Ich bin ja nur ein alter Viehdoktor und kenne mich mit Tieren besser aus als mit Menschen.“
„Ja, ja, ja, einen Arzt“, stotterte Oma Jantzen. „Ausgerechnet jetzt sind Jochen und Margot nicht da“.
„Oma, das machen wir schon“, beruhigte Dick und rief beim Hausarzt der Jantzens an. Der versprach auch, sogleich zu kommen, da seine Sprechstunde ohnehin gerade beendet sei.
Nach etwa einer halben Stunde traf der Arzt ein. Er untersuchte Dalli gründlich. Alle mussten währenddessen das Zimmer verlassen.
Gespannt auf das Ergebnis der Untersuchung wartend, saßen sie in der Stube zusammen. Da hörten sie, dass Jochen und Margot zurückkamen.
„Ist was passiert?“, wollte Jochen wissen, als er die Versammlung in der Wohnstube sah.
„Dalli ist jetzt richtig krank. Sie hat über vierzig Grad Fieber“, berichtete Dick, „der Doktor ist ge-rade bei ihr und untersucht sie.“
Nach zwanzig Minuten kam der Doktor die Treppen hinunter.
„Wie krank ist Dalli?“ begrüßte Jochen ihn.
„Sie hat eine beidseitige Lungenentzündung und dazu hohes Fieber. Sie muss sofort ins Krankenhaus! Hier ist die Einweisung“, sagte der Arzt und überreichte Jochen das Formular.
„Oh Gott, oh Gott“, jammerte Oma...
| Erscheint lt. Verlag | 16.6.2023 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch |
| ISBN-10 | 3-7578-5605-8 / 3757856058 |
| ISBN-13 | 978-3-7578-5605-2 / 9783757856052 |
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