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Henrys Laden der lebenden Bücher -  Martha Faith

Henrys Laden der lebenden Bücher (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
235 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-5934-4 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
3,99 inkl. MwSt
(CHF 3,90)
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Was wäre, wenn Bücher atmen könnten? Was wäre, wenn Bücher sterben könnten? Die vierzehnjährige Lena weiß nicht, was auf sie zukommt, als sie sich in »Henrys Laden der lebenden Bücher« auf ein Praktikum bewirbt. Vielleicht hätte sie das Geschnatter in den Regalen stutzig machen sollen oder Henry, der Inhaber, der sie sofort wieder vor die Tür setzen will. Sie hätte spätestens Reißaus nehmen sollen, als ihr gekauftes Buch behauptet eine Journalistin zu sein. - Aber Lena will um jeden Preis wissen, was mit ihren toten Großeltern geschehen ist. Sie gräbt sich immer tiefer in die Geschichte ihrer Heimatstadt, Reading Hill, und stößt auf ein Geheimnis, das lieber unentdeckt geblieben wäre ... Ein Roman über die Liebe zu Büchern und deren Welt - fantasievoll und witzig umgesetzt. Sieh Bücher mit neuen Augen!

Martha Faith ließ sich schon immer gern in den Bann von Büchern, Buchläden und Bibliotheken ziehen. Die vielen Stunden ihrer Kindheit, in denen ihre Eltern ihr vorlasen, trugen sicher ihren Teil dazu bei. Die Vorstellung, dass andere Menschen ihre Leseerfahrungen mit Marthas eigenen Büchern machen, liebt sie. Auch abseits von Büchern ist ihr Leben reich an Freunden, Ballett, abenteuerlichen Reisen durch die ganze Welt und dem, als Kind noch verhassten, Mittagsschlaf. So haben ihre Tage in schöner Regelmäßigkeit, in der sie auch Mittagsschläfchen hält, zu wenig Stunden. Ihren magischen Debütroman »Henrys Laden der lebenden Bücher« veröffentlichte sie 2022 im Selbstverlag, während sie sich mit der Abschlussarbeit ihres Studiums herumschlug.

Der Praktikumsschein


Am nächsten Morgen schien die Sonne friedlich in Lenas Zimmer. Weniger friedlich schlug Lena auf ihren wirklich alten Prinzessinnen-Wecker mit Krone ein, der nach der Gewalteinwirkung kleinlaut verstummte. Knurrend wie ein Bär drehte sie sich auf die andere Seite. Die kuschelige Wärme ihrer Decke hüllte sie ein und Lena drohte wieder wegzudriften, als das Handy ohrenbetäubend laut anfing, ihren Lieblingssong zu brüllen. Lena zog sich mit einem erneuten Knurren die Decke über den Kopf, aber das Handy zeigte kein Erbarmen. Frustriert schmiss Lena die Decke weg, stapfte mit nur halb geöffneten Augen zum Schreibtisch und nahm das Telefonat an. 

»Hhh … «, stieß sie einen nicht genauer definierbaren Ton aus. 

»Guten Morgen, mein lieber Sonnenschein!«, ertönte es vom anderen Ende der Leitung. 

»Hier ist dein persönlicher Weckdienst von Helena. Einen guten Morgen wünscht die Wach-werden-mit-Helena-AG«, tönte es sehr munter aus dem Hörer.

»Helena … ?«, nuschelte Lena verschlafen und verwirrt ins Telefon. 

»Wach werden, Sonnenschein«, betonte Helena erneut im Singsang. 

»Warum?«, brachte Lena nur schwach hervor. 

»Weil es Donnerstag ist und das heißt, wir begeben uns mehr oder weniger freiwillig in den Sumpf der Langeweile - Biologie bei Frau Ehrlich!«, Lena hörte Helena am anderen Ende lachen.

»Du bist zu gut gelaunt für die Uhrzeit«, merkte Lena an und ließ sich zurück auf ihr Bett plumpsen.

»Du bist dein eigener Folterknecht. Du hast mir gestern das Versprechen abgenommen, dich um 6.35 Uhr zu wecken. Damit du nicht zur Schule hetzen musst … so wie sonst immer.«

»Darum habe ich dich gebeten?«, fragte Lena ungläubig, während in ihrem Gedächtnis dunkel eine Erinnerung wieder aufstieg. 

»Jap! In dem Moment, in dem es zur ersten Stunde klingelte und du dich schwer atmend auf den Platz neben mir hast fallen lassen«, kicherte Helena ins Telefon. Jetzt, als Helena die Situation näher beschrieb, stand sie Lena wieder klar vor Augen. 

»Dass du dich das wirklich getraut hast! Danke«, kicherte sie. Helenas sonniges Lachen ertönte erneut. 

»Kein Ding! Bis gleich!«, flötete Helena und legte auf. Für Lena zählte es zu den großen Geheimnissen dieses Universums, wie ihre beste Freundin es schaffte, immer bei so guter Laune zu sein. Lena reckte sich und öffnete ihr Fenster. Ein kühler Morgenwind umwehte sie und ließ ihr Nachthemd flattern. Lena blieb einen kurzen Moment stehen und atmete die frische Luft tief ein. 

»Gar nicht so schlecht, am Morgen einen Moment zum Genießen zu haben«, dachte sie. Nach ein paar Atemzügen erinnerte sie sich daran, dass die Uhr trotzdem tickte. Kaum hatte sie den Flur betreten, roch es auch schon nach warmem Porridge. Das sichere Zeichen, dass ihr Paps Frühstück aß. 

»Guten Morgen«, wünschte Lena, als sie die Küchen-Wohnstuben-Kombi betrat. Ihr Paps saß am Esstisch mit seinem Frühstück einer dampfendem Tasse Tee und las Nachrichten auf seinem Handy wie jeden Tag um diese Zeit. 

»Guten Morgen«, antwortete er und schaute ungläubig auf die Uhr an der Wand. 

»Helena hat mich mit einem Anruf aus dem Bett gejagt«, sagte Lena, während sie sich eine Schüssel für das Frühstück aus dem Schrank holte.

»Porridge ist pupsfrei«, sagte ihr Paps wie jeden Morgen, bevor Lena sich eine Schüssel nahm. 

»Ohne Laktose gibts auch keine Pupse … in Lenas Unterhose!«, ergänzte er seinen eigens komponierten Jingle. Lena verdrehte die Augen. Seit ihrer Geburt vertrug sie keine Milch. Die Sprüche ihres Paps hatte sie als Kind geliebt. Inzwischen fand sie sie eher peinlich, aber sie blieben ein festes Ritual, bevor Lena etwas Gekochtes von ihrem Paps aß und sie garantierten, dass es zu keinen peinlichen Erlebnissen kommen würde.

»Da war Helena aber mutig, den berüchtigten Morgen-Grizzly zu wecken«, sagte ihr Paps schmunzelnd und legte sein Handy beiseite. Lena ließ sich auf den Stuhl fallen und entschied, das Gespräch von gestern Abend aufzunehmen, bevor sie ihr Frühstück mit Apfelmus, Walnüssen und Blaubeeren versehen würde. 

»Wie geht es Mama?«, fragte Lena. Ihr Paps lächelte ihr aufmunternd zu, während seine Augen von Sorge gekennzeichnet waren. 

»Sie konnte lange nicht einschlafen. Heute Morgen hat sie gesagt, sie habe schlecht geträumt«, erzählte Lenas Paps. 

»Hat sie gesagt wovon?«

»Von Schwärze. In ihrem Traum sei alles schwarz gewesen. Wo sie auch hinsah.« Er machte eine Pause, »Glaubst du wirklich, dass die Polizei etwas übersehen hat, bei der Brandursache?« Lena schaute ihrem Paps fest in die Augen und sagte dann mit fester Stimme: 

»Nein. Ich glaube nicht, dass sie etwas übersehen haben. Aber ich glaube, dass sie Hinweisen nicht gefolgt sind oder aus ihnen nicht schlau geworden sind.« 

Ihr Paps nickte nachdenklich und nippte an seinem Tee. 

»Und du glaubst, Henry weiß etwas und du bekommst es aus ihm heraus? Etwas so Schwerwiegendes, dass der Fall neu bearbeitet wird?« Dieses Mal nickte Lena nur bestimmt. Ihr Paps starrte eine Weile schweigend und nachdenklich in seine Tasse.

»Dann verbring dein Praktikum in Henrys Laden«, sagte Lenas Paps. 

»Danke.« An der Erlaubnis ihres Paps für das Praktikum hatte Lena nie gezweifelt, aber es war trotzdem schön sie mündlich zu erhalten. 

»Ich sehe auch, wie sehr es Mama immer noch beschäftigt. Ich wünsche mir, dass sie das alles endlich hinter sich lässt. Aber dafür muss ich sie wohl erst noch einmal belasten.« Lenas Paps legte seine Hand an ihre Wange und sagte: 

»Dann lass uns das in Angriff nehmen.« Einen Moment dauerte es, bis die Information bei Lena durchgesickert war. 

»Du wirst mir helfen?«, fragte Lena nun doch ungläubig. Sie hatte damit gerechnet, den Kampf allein führen zu müssen, aber mit ihrem Paps an ihrer Seite zweifelte sie keinen Moment mehr, erfolgreich zu sein. Er nahm seine Hand von Lenas Wange und trank noch einen Schluck Tee. 

»Ich sehe das wie du: So kann es mit Lola nicht weitergehen. Und wenn wir schon eine angehende Detektivin im Haus haben, möchte ich ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen.« Lena lachte und betonte: 

»Vielleicht werde ich keine Detektivin.« 

»Wer weiß?«, widersprach ihr Paps, überzeugt von seiner Meinung. Sie lächelten gemeinsam, ehe sich das Gesicht ihres Paps‘ wieder verdunkelte. 

»Aber Lena, wenn wir irgendetwas herausfinden, gehen wir damit sofort zur Polizei. Ich werde nicht riskieren, dass du dich in Gefahr bringst.« Zum ersten Mal kam Lena der Gedanke, dass die Befürchtungen ihres Paps‘ berechtigt sein könnten. Sie hatte noch nicht darüber nachgedacht, in was sie sich hineinbegab. Vermutlich auch deshalb, weil sie es nicht genau wissen konnte. Der Gedanke ließ ein flaues Gefühl in ihrem Magen entstehen, schnell schob sie beides beiseite. 

»Das würde ich nicht wagen.« sagte sie und griff nach dem Apfelmusglas, um den Porridge zu verzieren.




Die laut schrillende Klingel kündigte das Ende der letzten Schulstunde an und im gleichen Moment brach ein Gewusel im Klassenraum aus, bei dem an Unterricht nicht mehr zu denken war. 

»Bitte gebt mir noch eure Praktikumsscheine ab, wenn ihr das noch nicht getan habt!«, versuchte sich die Klassenlehrerin Frau Kramer Gehör zu verschaffen. 

»Und? Wirst du morgen wieder entspannt mit dem Fahrrad vorfahren, oder soll ich dich schlafen lassen«, fragte Helena Lena mit einem belustigten Gesichtsausdruck. 

»Superliebes Angebot, aber ich glaube, ich brauche den Stress am Morgen, um wach zu werden. Ich bin den ganzen Tag schon müde und es wird nicht besser«, sagte Lena und versuchte, ein Gähnen zu unterdrücken. 

»Und du bist dir sicher, dass es am gemütlichen Morgen liegt und nicht an Erdkunde?«, wollte sich Helena vergewissern, während sie ihre Hefter in die Rucksäcke steckten. 

»Ich denke, es handelt sich hierbei um ein Zusammenspiel aus der Anreise zur Schule ohne Hektik, binomischen Formeln, den Grundlagen der Genetik, Textanalyse von Im Westen nichts Neues und der Vegetation Nordamerikas.« Lena ordnete sich mit Helena in den Strom Richtung Tür ein. 

»Lena! Ich brauche noch deinen Praktikumsschein!«, rief Frau Kramer quer durch das Klassenzimmer. 

»Wir treffen uns vor der Tür«, sagte Lena schnell zu Helena, ehe sie sich gegen den Schülerstrom stemmte.

Lena mochte Frau Kramer. Die Fächer, die sie unterrichtete, gehörten nicht zu Lenas Lieblingszeitvertreib, aber dazu zählte sowieso nur Sport. Frau Kramer war noch jung und senkte mit ihrem Alter von höchstens 30 Jahren den Altersdurchschnitt der LehrerInnen enorm. Sie trug immer Jeans und ein Basic-Oberteil. Ihre eigensinnigen Haare wurden von einer Klammer zusammengehalten. Regelmäßig lösten sich Haarsträhnen, wenn sie mit einem strammen Schritt von A nach B hastete. Lena fand, dass sie an den meisten Tagen urlaubsreif aussah. 

»Lena, ich brauche noch deinen Zettel«, sagte Frau Kramer mit einem Lächeln im Gesicht und so, als müsste sie sich selbst daran erinnern, warum sie Lena zu sich gerufen hatte. In den Händen hielt sie einen Stapel von Praktikumszetteln, die sie zu ordnen versuchte. Ihr Blick schwankte zwischen dem Stapel und Lena. 

»Ich weiß. Entschuldigen Sie. Ich habe meinen Zettel gestern unterschrieben im Buchladen bei Henry liegen lassen.« 

»Aber du weißt, dass heute Abgabe ist?«, fragte Frau Kramer mit leicht strengem Unterton. 

»Tut mir wirklich leid. Ich hole ihn gleich auf dem Nachhauseweg ab und bringe ihn...

Erscheint lt. Verlag 25.11.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
ISBN-10 3-7568-5934-7 / 3756859347
ISBN-13 978-3-7568-5934-4 / 9783756859344
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