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Briefgeflüster (eBook)

Liebevolle Gedanken in vier Generationen

Ralph Bernhard (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2023 | 3. Auflage
526 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-4078-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Briefgeflüster -
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Der 14-jährige Lukas ist zum ersten Mal verliebt. Da er unter keinen Umständen seine Eltern in den Urlaub begleiten will, muss er in Waldkirch bei seinem Großvater bleiben. Der rät ihm, dem Mädchen seiner Träume einen Brief zu schreiben. Doch so etwas hat Lukas noch nie gemacht. Ob es ihm hilft, wenn der Großvater ihm aus Briefen vorliest, die andere verliebte junge Menschen zu unterschiedlichen Zeiten verfasst haben? Was wussten sich die Großeltern des Großvaters, die sich mitten im ersten Weltkrieg kennengelernt hatten, in ihren Briefen von 1916 und 1917 zu sagen? Wie formulierte sein Vater die Gefühle voller Sehnsucht nach seiner Geliebten aus der Kriegsgefangenschaft des Jahres 1945 im sommerlich heißen Italien? Welche Themen bewegten Jugendliche in Deutschland und Frankreich in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, und wie brachte sie eine junge Französin zu Papier, die beim "Feuer der Freundschaft" während eines Zeltlagers in Waldkirch den Ziehbruder des Großvaters kennen und schätzen gelernt hatte? Während der alte Mann und der Junge die Ferientage auch nutzten, Waldkirch, seine Sehenswürdigkeiten und seine Umgebung näher kennen zu lernen, steht der Großvater seinem Enkel für all die Fragen zur Verfügung, die sich aus den Briefen der drei zurückliegenden Generationen naturgemäß ergeben. Und so vereinen sich seine Erläuterungen zu Politik, Gesellschaftsordnungen, Geschichte und Familiengeschichte, zu Freundschaft, Schwärmerei, Zusammenwachsen und Liebe mit den Erfahrungen der Briefschreibenden zu einem unverwechselbaren Gesamtbild.

Kapitel 3

„Du kannst zum Abendessen kommen“, rief der Großvater, und Lukas klappte die letzte Seite seiner Lektüre zu. Schon beim Vorbeigehen an der offenen Küchentür roch es einladend, und gerade als Lukas das kleine Esszimmer betrat, stellte der Großvater eine Suppenschüssel auf den Tisch, aus der es herrlich dampfte.

„Ich habe eine cremige Kartoffelsuppe gekocht“, meinte der Großvater, „die hast du doch immer gerne gegessen“. Lukas bestätigte, und als er den Brotkorb sah, aus dem einige knusprige Salzbrezeln herausschauten, war er mehr als zufrieden.

„Das sind ja die Brezeln vom „Herrebeck“, von denen es heißt, sie seien die besten in ganz Baden-Württemberg“, rief er erfreut, denn er hatte tatsächlich noch nie woanders bessere gegessen.

Lukas setzte sich auf die Wandseite des Tisches mit Blickrichtung zu den beiden Fenstern. Er hatte keine Lust, die ganze Zeit seine Vorfahren anschauen zu müssen, deren Bilder an der Wand hinter ihm aufgehängt waren.

Zugegebenermaßen fand er es beeindruckend, dass die beiden ältesten Porträts seine Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern zeigten. Mit dicker Fliege am Hals der eine, in Hochzeitstracht die andere. Aber auf Dauer war es ihm doch lieber, auf die zwischen den Fenstern aufgehängte alte Pendeluhr zu blicken. Deren Emaille-Zifferblatt zeigte einen Mann, der einen Vogelkäfig auf dem Schoß hielt und bei jedem Pendelschlag die Augen hin und her bewegte.

Die Suppe schmeckte Lukas so gut wie in seiner Erinnerung, und der frischgepresste Apfelsaft, den der Großvater vom Obst der eigenen Bäume hatte trotten lassen, war zum Zungenschnalzen fein.

Nachdem der Tisch abgeräumt war, wurde das Tipp-Kick-Spiel aus dem alten Barockschrank hervorgeholt und die Beiden lieferten sich einige Partien, die Lukas letztendlich einen knappen Gesamtsieg einbrachten.

„Wollen wir einen Plan machen, was wir gemeinsam in den nächsten Tagen anstellen?“ fragte der Großvater und Lukas war damit einverstanden.

„Drei Vorschläge von dir, drei von mir, das wäre ein guter Anfang“, ergänzte der Großvater, „und der siebte wird uns schon noch gemeinsam einfallen, damit die Woche ausgefüllt ist.“

„Könnten wir wenigstens an einem Tag nach Donaueschingen fahren,“ legte Lukas gleich los, nicht ohne danach etwas von seiner eigentlichen Motivation abzulenken, „zurzeit gibt es dort oben ziemlich viele Wohnungseinbrüche, und es wäre gut, wenn wir mal schauen könnten, ob noch alles in Ordnung ist“. Verstehend lächelte der Großvater und wartete auf die weiteren Wünsche.

„Einmal könnten wir zusammen in das neue Kollnauer Bad gehen, das ist doch eine richtig geile Anlage“.

„Damit rennst du bei mir offene Türen ein,“ war die spontane Reaktion des Großvaters.

Der nämlich erinnerte sich gerne an das alte Bad am Stadtrainsee in Waldkirch, das er in seiner Jugend häufig aufgesucht hatte, schon deshalb, weil es über eine großzügige Liegewiese verfügte.

Die wurde von ihm und den anderen jungen Burschen seiner Zeit den ganzen Sommer über zum Kartenspielen, Lesen, Mädchen beobachten, oder auch schon zum ersten Knutschen eifrig genutzt. Aber auch die Plätze für das Badminton- und das Faustballspiel waren ständig belagert.

Lange Zeit später, als das Bad in die Jahre gekommen war und renovierungsbedürftig wurde, gab es Pläne, am Ort des alten Bades ein Naturbad einzurichten, mit Uferbepflanzung und natürlicher Wasserreinigung ohne chemische Zusätze. Gleichzeitig sollte das Sportbad im benachbarten Ortsteil Kollnau auf den Stand der Technik gebracht werden.

Doch die Bevölkerung hatte mit ihrer Kernstadtmehrheit das Vorhaben in einer Volksabstimmung abgelehnt. Die Folge davon war dann allerdings, dass in Kollnau ein ganz modernes neues Sportbad entstand, das alte Bad in Waldkirch aber aufgelassen wurde, und die Bewohner der Kernstadt über kein eigenes Bad mehr verfügten.

Dem Großvater war das im Gegensatz zu manch anderen alteingesessenen Waldkirchern, die ihr Fremdeln mit den Kollnauer Mitbürgern auch 50 Jahre nach deren Eingemeindung noch immer nicht überwunden hatten, schon deshalb völlig gleichgültig, weil die Entfernung von seinem Haus zum neuen Bad nicht viel weiter war als früher zum alten. Und schöner waren an der Anlage in Kollnau zwar nicht die Liegewiesen, die er inzwischen ohnehin nicht mehr in Anspruch nahm, dafür aber die Schwimmbecken und die gesamten sonstigen Anlagen und Einrichtungen.

„Na, da hast du ja jetzt schon zwei Vorschläge gemacht, was wäre denn dein dritter?“ fragte der Großvater.

„Also schön wäre es natürlich, wenn wir noch mal zusammen ein wenig Fußball spielen könnten“, meinte Lukas vorsichtig, „hast du doch früher auch immer mit mir gemacht.“

Tatsächlich war der Großvater selbst jahrelang gerne dem runden Leder nachgejagt, zu Schulzeiten, während des Studiums und später, nach der aktiven Zeit im Verein, noch manche Jahre in verschiedenen Behördenmannschaften.

Als Lukas noch jünger war, hatte er mit diesem auf Bolzplätzen oder auch nur auf Wiesen herumgekickt. Ein Ball war immer mit dabei. Und der Großvater hatte den Jungen und seine Mitspieler gelegentlich, wenn der Jugendtrainer mal keine Zeit hatte, bei Punktespielen seiner Vereinsmannschaft begleitet.

„Auf dem neuen Kunstrasenplatz beim Elztalstadion ist morgens doch sicher nicht viel los“, fügte Lukas an, „und vielleicht könntest du deinen Freund Walter fragen, ob er nicht mit uns mitkommen will.“

Walter war vor Jahrzehnten ein überaus versierter und erfolgreicher Fußballer gewesen, und ein guter Freund aus Jugendtagen geblieben. Er hatte den Großvater einmal begleitet, um Lukas und seine Mitspieler bei einem F-Jugendspiel zu coachen.

„Der hat uns doch damals ein paar prima Tricks beigebracht“ erinnerte sich Lukas. „Vielleicht hat er noch mehr davon auf Lager. Rennen braucht ihr zwei nicht unbedingt, ein paar Dribblings, einige Kniffe und Schüsse aufs Tor würden mir schon genügen“.

Der Großvater war nicht abgeneigt. „Gut, ich werde Walter fragen, immerhin ist der noch etwas fitter als ich, und technisch habe ich mit ihm noch nie mithalten können. Danach sehen wir dann weiter.“

„Vielleicht willst du den Baumwipfelpfad erkunden“, begann der Großvater nach längerer Überlegung mit seinen Vorschlägen. „Dort kannst du in schwindelerregender Höhe auf einer Art Brücke von Baumkrone zu Baumkrone gehen, dabei weit in die Landschaft hinausschauen, das ganze obere Elztal übersehen. Zum Schluss kannst du in einer geschlossenen Röhre auf Teppichunterlagen ins Tal hinunter rauschen.“

Schon bei seinen eigenen Worten merkte der Großvater, dass dieses Vorhaben für ihn selbst nicht geeignet war. Mit zunehmendem Alter empfand er immer weniger Gefallen an großen Höhen, an dunklen Räumen und auch an hohen Geschwindigkeiten, und versuchte sie zu meiden. “Da muss ich allerdings noch jemanden finden, der mit Dir geht,“ war deshalb sein rasch angefügter Vorbehalt.

„Was wir aber auf jeden Fall machen sollten,“ sagte der Großvater, „wir könnten wieder mal auf die Kastelburg steigen. Die ist in den letzten Jahren so schön hergerichtet worden, dass sich der Besuch immer wieder lohnt.“

Und nach kurzem Nachdenken fuhr er fort: „Am besten wir machen eine historische Stadtführung mit. Da geleitet uns der städtische Torwächter vom Marktplatzbrunnen aus durch die Unterstadt und über die neue Elz-Brücke zum Bahnhof. Unterwegs treffen wir den alten Edelsteinschleifer, der uns durch den Wald bis zur Burg begleitet.

Oben im Innenhof der Burgruine erwartet uns des Torwächters Weib, und serviert ein mittelalterliches Gericht, während eine Liedergruppe, „Lumpengesindel“ genannt, Lauten, Schalmeien und einer Fidel unterhält, gerade so, als wären wir Zeitgenossen des Burgherrn und seine geschätzten Gäste.

Was ich dir dann aber noch vorschlagen will, ist ein Ausflug auf den Kandel und zum Plattensee“, ergänzte der Großvater seine Anregungen. „In dem kleinen Stausee dort oben haben wir früher immer gebadet. Und anschließend könnten wir auf dem daneben liegenden Plattenhof ein zünftiges Vesper zu uns nehmen. Wenn du dann noch Lust dazu hast, können wir über die Zweribach-Fälle nach Simonswald absteigen und mit dem Bus nach Waldkirch zurückfahren.“

Damit lagen von jeder Seite drei Vorschläge auf dem Tisch und der Großvater hatte den Eindruck, beide könnten durchaus auch den Plänen des anderen etwas abgewinnen. Dennoch war er gespannt, mit welchem Ereignis sein Enkel den Anfang machen wollte.

„Am liebsten würde ich erst mal nach Donau fahren“, platzte es aus diesem heraus.

„Aber da bist du doch gerade erst hergekommen. Meinst du wirklich, dass die Einbrecher so schnell...

Erscheint lt. Verlag 6.6.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch Jugendbücher ab 12 Jahre
Schlagworte Briefe • Geschichte 20. Jahrhundert • Geschichte des 20sten Jahrhunderts • Gesellschaft • Gesellschaft und Religion • Liebe • Stadt Waldkirch • Waldkirch
ISBN-10 3-7578-4078-X / 375784078X
ISBN-13 978-3-7578-4078-5 / 9783757840785
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