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Tausend Arten von Regen (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
488 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-37469-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Tausend Arten von Regen -  Johanna Zimmermann
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Seit sie denken kann, betreibt die siebzehnjährige Lorna gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren zwei jüngeren Schwestern die kleine Bed & Breakfast Pension im irischen Doolin. Während die Gäste kommen und gehen, führt Lorna ein regelmäßiges, von der Verantwortung für den Betrieb, geprägtes Leben. Immerhin ist Doolin bloß ein Dorf und das B&B ihre wichtigste Einkommensquelle. Als sie Christopher begegnet, der mit seiner Familie für eine Woche im B&B anreist, sind beide schnell voneinander fasziniert. Doch können die langsam entstehenden Gefühle zwischen ihnen den ganz unterschiedlichen Ansichten trotzen, die sie vom Leben haben? Wird Lorna herausfinden, was sie von ihrer Zukunft wirklich will?

Johanna Zimmermann wurde 1998 in Essen geboren und wuchs in Leverkusen auf. Bereits in der Grundschule entdecke sie das Schreiben für sich und träumt seitdem von einem Dasein als Schriftstellerin. Aktuell absolviert sie den Masterstudiengang Theorien und Praktiken professionellen Schreibens in Köln und arbeitet in einer Buchhandlung in Langenfeld. Tausend Arten von Regen ist ihr erster Roman.

Johanna Zimmermann wurde 1998 in Essen geboren und wuchs in Leverkusen auf. Bereits in der Grundschule entdecke sie das Schreiben für sich und träumt seitdem von einem Dasein als Schriftstellerin. Aktuell absolviert sie den Masterstudiengang Theorien und Praktiken professionellen Schreibens in Köln und arbeitet in einer Buchhandlung in Langenfeld. Tausend Arten von Regen ist ihr erster Roman.

Zwei

Abends schlüpfte ich wieder in die Küche und wusch die Teller. Einen nach dem anderen ließ ich ins heiße Wasser gleiten, um sie anschließend gründlich trocken zu reiben, eine so monotone Aufgabe, dass ich nebenbei den neuesten Roman von Dana Jemerson lesen und gleichzeitig mit Neela über die Gäste reden konnte. Sie saß quer auf der Küchentheke und nahm die fertigen Teller an, um sie ins Regal zu stellen. Neela war die einzige von uns dreien, die das kupferrote Haar unserer Mutter geerbt hatte, genau wie ihr weiches Lächeln und die dunklen, starken Augenbrauen. Beven und ich hatten dunkelbraunes Haar, das, so vermuteten wir insgeheim, von unserem Vater kommen musste. Die Erinnerungen an ihn jedoch waren vor meinen Augen längst nur noch ein verblasstes Bild, das ich nicht mehr von der Realität zu unterscheiden vermochte. Er hatte meine Mutter verlassen, als sie mit Beven schwanger wurde und war, laut der Legende, welche sich um unseren Erzeuger rank, einige Jahre später noch einmal nach Doolin zurückgekehrt. Er versprach meiner Mutter sie nicht mehr allein zu lassen und für einen einzigen Abend in einem schäbigen Hotelzimmer, von dem ich erst erfuhr, als ich älter war, hielt sein Versprechen. Dann war er verschwunden, bevor meine Mutter nur erahnen konnte, dass in ihr ein weiteres neues Wesen heranwuchs, welches einmal zu einem Ebenbild ihrer selbst werden sollte.

„Lorna?“, mit einem unsicheren Lächeln riss Neela mich aus meinen Gedanken. Ich sah sie fragend an und reichte ihr den nächsten Teller. „Kannst du mir noch eine Flasche Cola aus dem oberen Regal geben?“. Mit gerunzelter Stirn trocknete ich meine Hände im Geschirrtuch ab und streckte mich, um ans Regal zu gelangen. „Eigentlich nicht mehr so spät“, sagte ich und gab sie ihr dennoch. „Danke, bitte sag’s nicht Mom“, erwiderte sie und schenkte sich in eine der frisch gewaschenen Tassen ein. „Nein, ist schon in Ordnung, aber trink nur eine Tasse, okay?“, sagte ich. Sie nickte, während ich die Flasche wieder auf das Regal hinaufschob. „Gehst du schlafen?“, fragte ich dann nach einem Blick auf die Uhr. „Hm“, wieder nickte sie stumm und leerte die Tasse mit einem Zug. „Mach ich, gute Nacht“, murmelte sie, dann rutschte sie von der Theke und schlurfte um die Kochinsel herum zur Tür, als es mit einem Mal an der Fensterscheibe klopfte und ein großes Gesicht mit neugierigen Augen hindurch blinzelte. Klirrend ließ ich den letzten Teller zurück ins Spülbecken fallen und lief hinüber zum Fenster, um es zu öffnen.

„Herrje, was machst du denn hier?“, rief ich aufgeregt, als ich endlich Paula erkennen konnte. Wie am Morgen, waren ihre langen Haare nass und klebten an ihren Wangen. Sie rang nach Luft, als sie vorsichtig über die Theke in die Küche kletterte. „Warte…, kann ich was zu Trinken haben?“, fragte sie und ließ sich auf einen hölzernen Hocker vor dem Kühlschrank fallen. Neela, die das Geschehen gebannt beobachtet hatte, sprintete zurück in die Küche und machte ihr ein Glas mit Orangensaft, das Paula dankend entgegennahm. „Alles ok mit dir?“, fragte sie besorgt und verschränkte die Arme. „Ich mach das schon, geh‘ jetzt ins Bett“, sagte ich und warf ihr einen strengen Blick zu. „Okay“, stammelte Neela, dann stellte sie die Packung Orangensaft wieder zurück und lief die Stufen zu ihrem Zimmer hinauf.

„Es ist gleich zehn Uhr nachts, wie bist du hergekommen?“, fragte ich und ließ mich auf den Boden fallen. „Mit dem Fahrrad…, steht irgendwo vor dem Stall“, sie seufzte und nahm einen Schluck Saft. „Und warum?“. „Dad hatte einen Nervenzusammenbruch, ich musste einfach weg von da. Er redet nur noch von Mama, er redet über nichts anderes mehr. Und er schmeißt Sachen herum. Er hätte fast meinen Laptop kaputt gemacht“, sagte sie und deutete auf die Laptop Tasche unter ihrer Jacke. „Der ist hier zumindest in Sicherheit“, murmelte ich und stützte meinen Kopf in beide Hände. „Er weiß, glaube ich, einfach nicht, was er tun soll“, sagte ich dann.

„Das geht jetzt seit über vier Jahren so, es ist einfach so anstrengend. Manchmal denkt er, er wäre der Einzige, der traurig ist. Ich bin doch auch traurig und lasse mich nicht so gehen. Und ich war diejenige, die die letzten Jahre mit ihr verbracht hat. Er war ja nicht mal da“, sie schlug die Hände vors Gesicht und lächelte traurig. „Manchmal ist das echt zu viel für mich“. „Du kannst heute Nacht hier schlafen“, sagte ich und erhob mich, um den letzten Teller fertig abzutrocknen. „Danke“, erwiderte sie seufzend und nickte.

„Aber Lorna, ich möchte noch nicht schlafen. Können wir vielleicht spazieren gehen?“. Zögernd warf ich einen Blick hinaus, in die grauen Nebenschwaden und den nicht enden wollenden Regen, der an die Scheibe trommelte. „Echt jetzt?“, fragte ich mit einem Grinsen, doch ich wusste, sie meinte es ernst. „Ich bin eh schon nass“, meinte sie nur und hob eine ihrer triefenden Haarsträhnen. „Ich aber nicht“, meine Stimme brach, als ich ihr hoffnungsvolles Lächeln sah. Ich ging hinüber in die Garderobe und zog meinen gelben Regenmantel über meinen dünnen Pullover. „Nur eine kleine Runde, Mom wird sonst ausrasten“, sagte ich und warf meinen Hausschlüssel einmal von Hand zu Hand. „Diesmal aber nicht durchs Fenster“.

Wir schlichen an den Ställen vorbei um das Haus herum und der Regenmantel bot mir keinen Schutz. Mehr noch sog er sich mit Wasser voll und ließ mich zittern von Kopf bis Fuß. In der abendlichen Dunkelheit brannten nur die stummen Straßenlaternen den Weg hinaus in den Nebel und der Wind blies kalt um meine Knöchel. Schweigend wanderten wir auf dem Asphalt dahin, um uns herum nur menschenleere Straßen, das Rauschen des Windes und das Knacken der Äste in den himmelhohen Bäumen. Nach einigen Minuten erreichten wir die anderen Häuser, dicht gedrängt standen sie Spalier wie eine Schar geheimnisvoller Hüter in der Dunkelheit. In der Kälte zog ich den Mantel enger um mich, während Paula wie schwerelos neben mir herlief. „Tut mir echt leid“, sagte sie und blickte hinab auf die raue Straße. „Was?“, ich sah zu ihr hinüber. „Das hier, ich fühle mich manchmal einfach danach, als müsste ich solche Dinge tun. Nachts durch die Stadt wandern. Wahrscheinlich habe ich zu viele Filme gesehen. Jung, wild und frei sein…, du weißt schon“, sie lächelte schief und das Glitzern in ihren Augen war wieder da, das wohlbekannte Beben in ihrer Stimme. „Vielleicht sind wir ja anders und müssen gar nicht wild und jung und frei sein“, sagte ich und sah zurück. „Das ist doch nur ein Klischee, wo sind wir schon wild? Wir leben hier und nicht in New York City“. „Wir könnten aber so tun, als würden wir es tun“, sagte sie und lachte. „Das hier ist gar nicht übel“, sagte ich und zwinkerte ihr zu. „Ich tu‘ lieber so, als wäre ich auf einer einsamen Straße in der verregneten Kleinstadt Doolin“. „Wie außergewöhnlich“, erwiderte sie. „Einen Tagtraum wert“, fügte ich hinzu.

Wir kamen zum Meer und es war so betäubend still, dass man nur die Brandung hörte und es für einen Moment fast schien, als würden die Wellen direkt auf den Bürgersteig rollen. Mit meinen Turnschuhen watete ich in den nassen Sand und ließ den Kies unter der Sohle knirschen. Es war Flut und das Wasser stieg gefährlich hoch an die Bäume und Spazierpfade. Die großen Felsen, auf denen man bei Ebbe picknicken konnte, waren schon zur Hälfte verschluckt und ragten nur noch mit ihren glänzenden Oberflächen aus dem Wasser. Weit weg funkelte der Mast eines Schiffes. Kein einziger Stern war am Himmel zu sehen, so viele Wolken hingen träge dort oben und verdeckten die Sicht. „Schön, nicht?“, Paula hüpfte auf einen der Felsen und winkte mir von dort aus zu. Ich sah ihr Gesicht nicht mehr, nur ihre schwarze Silhouette direkt vor dem Meer. „Untertrieben“, stellte ich fest. „In New York gibt’s so einen Strand nicht“, meinte ich dann und stützte mich auf eine der Brüstungen. „In Deutschland auch nicht“, sagte sie und machte aus ihren Fingern ein großes Herz. Ich machte eins zurück.

Wir brauchten eine halbe Stunde, bis wir verfroren zum B&B zurückkehrten und ich erschrak, als ich sah, dass gerade Leute ihr Gepäck aus einem Wagen auf der Einfahrt holten und damit ins Haus gingen. „Wir sollten nicht mehr hier rumlaufen“, flüsterte ich und deutete auf den Hintereingang. „Okay“, murmelte Paula und wir verharrten einen Moment, bis die Leute im Haus verschwunden waren. „Normalerweise kommen die Gäste nicht so spät...

Erscheint lt. Verlag 13.9.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch Jugendbücher ab 12 Jahre
Schlagworte Amsterdam • Erwachsenwerden • Familie • Freundschaft • Identität • Irland • Jugendbuch • Liebe • Liebesgeschichte
ISBN-10 3-347-37469-X / 334737469X
ISBN-13 978-3-347-37469-0 / 9783347374690
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