Lena Down Under (eBook)
280 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-7482-9083-4 (ISBN)
Judith Spörl, geb. Binder, wird von Kollegen und Freunden oft einfach liebevoll Tante JU genannt, wie das berühmte Flugzeug. Sie wohnt mit ihrer Familie im Berchtesgadener Land und ist Fluglotsin auf dem Salzburger Tower bei der Austrocontrol. Seit 2016 veröffentlicht sie Kinderbücher zum Thema Segelfliegen und erobert damit regelmäßig die Herzen von kleinen oder großen Piloten und Pilotinnen - und solchen, die es noch werden wollen!
Judith Spörl, geb. Binder, wird von Kollegen und Freunden oft einfach liebevoll Tante JU genannt, wie das berühmte Flugzeug. Sie wohnt mit ihrer Familie im Berchtesgadener Land und ist Fluglotsin auf dem Salzburger Tower bei der Austrocontrol. Seit 2016 veröffentlicht sie Kinderbücher zum Thema Segelfliegen und erobert damit regelmäßig die Herzen von kleinen oder großen Piloten und Pilotinnen - und solchen, die es noch werden wollen!
Große Pläne
Eigentlich war Lena ein mutiges Mädchen. Wenigstens hielt sie sich dafür. Allerdings war es im Moment gut, dass sie nicht wusste, was in den nächsten Wochen und Monaten auf sie zukommen sollte. Vielleicht wäre sie sonst weniger überzeugt ihren Weg gegangen, als ihre Mutter sie eines Abends nach einer endlosen Diskussion völlig entnervt über den Küchentisch hinweg böse anfunkelte.
»Ich will aber!« Trotzig starrte Lena ihrer Mutter mit erhobenem Kinn in die Augen und schmiss die geballte Autorität ihrer siebzehn Jahre Lebenserfahrung in die Waagschale.
»NEIN habe ich gesagt und das ist mein letztes Wort!«, zischte Barbara Reisenberg erbost, drehte sich empört auf dem Absatz um und verließ wutschnaubend die Küche.
»Barbara, Liebling, jetzt beruhige dich, lass uns noch eine Nacht darüber schlafen, komm, wir …« Lenas Stiefvater Johannes beeilte sich, seiner Frau zu folgen, und verschwand ebenfalls im Flur. Lena blieb frustriert alleine in der Küche zurück.
Erst jetzt merkte sie, dass sie sich an der Tischplatte festgekrallt hatte. Ihr standen die Tränen in den Augen. Enttäuscht zog sie die Nase hoch und versuchte zu schlucken. Ihre Kehle war staubtrocken. Dann streckte sie vorsichtig die steifen Finger aus und angelte sich die halbvolle Wasserflasche vom Küchentisch. Sie benutzte absichtlich kein Glas und trank direkt aus der Flasche. Schade, dass Mom das nicht sieht, dachte sie bockig. Lena wusste genau, wie sich ihre Mutter davor ekelte und über solche Details aufregen konnte. Sie trank die Flasche in einem Zug leer und knallte sie dann wütend in den Leergutkorb. Das Glas ging zu Lenas größtem Ärger nicht kaputt. Welch Akt der Rebellion, dachte sie sarkastisch, das bringt mich echt weiter. Ihr jüngerer Halbbruder Jakob steckte den Kopf zur Tür herein.
»Mama und Papa streiten im Wohnzimmer – es geht um dich. Was hast du ausgefressen?«, fragte er neugierig.
»Ich darf nicht nach Australien«, erwiderte Lena knapp.
»Waaas? Australien? Was willste denn da? Wann? Cool!« Jakob riss staunend die Augen auf und war mächtig beeindruckt.
»Ach, vergiss es, ich darf ja sowieso nicht«, motzte Lena ungnädig und verließ fluchtartig die Küche. Ihrem Bruder alles haarklein zu erklären, hätte ihr jetzt gerade noch gefehlt.
Im Flur verharrte sie einen Moment und lauschte den hitzigen Stimmen aus dem Wohnzimmer.
»Du wirst sie nicht ewig beschützen können, immerhin wird sie nächstes Jahr schon achtzehn«, redete Johannes auf Barbara ein.
»Na und? Deswegen muss man es ja nicht gleich übertreiben! Schüleraustausch nach Frankreich oder so – DAS wäre angemessen! Aber Weihnachten, Neujahr weg UND dann noch zwei Wochen Schule verpassen bei IHREN Noten? Und dann gleich ans Ende der Welt, wo es die allergiftigsten Spinnen und Schlangen gibt? Und die ganzen Buschfeuer! Muss das sein? Sie hat erst letztes Jahr so lange flach gelegen nach diesem fürchterlichen Unfall1, das brauche ich nicht schon wieder … LASS MICH AUSREDEN …«
Lena hatte sich auf Zehenspitzen näher an die Wohnzimmertür herangepirscht, um alles noch besser zu hören. Leise hockte sie sich in der Nähe der Tür unter die Treppe. Jakob war ihr still gefolgt und quetschte sich schnell neben sie.
»… kann sie nicht einfach mal zur Ruhe kommen, dann würden auch ihre Schulnoten nicht IMMER so Achterbahn fahren. Aber NEIN. Flugplatz, Wettbewerb, Flugplatz, immer unterwegs, Kopf in den Wolken. Das kann doch nicht so weitergehen! Wie konnte Piet sie da einfach anmelden? Das hätte er doch vorher mit uns besprechen müsssen! Was glaubt dieser Fluglehrer eigentlich, wer er ist? Und DU unterstützt sie auch noch …«
Ohoh, jetzt geht sie Johannes auch noch an den Kragen, das wollte ich nicht. Lena schämte sich.
»… Ich fasse es nicht! Bei ihrem Vater wundert mich das ja nicht, der ist ja selbst Pilot und besessen von der Fliegerei. Aber DU! Du könntest mir ruhig mal den Rücken stärken«, zeterte Barbara weiter. Johannes murmelte irgendwas, das sie nicht verstehen konnten. Lena blickte ihren Bruder schuldbewusst an.
»Bin ich wirklich so schlimm?«, fragte sie leise. Sie verstand das nicht. Sonst hatte Barbara sie doch immer unterstützt, wenn es ums Fliegen ging. Aber Lena alleine nach Australien zu schicken, das war ihrer Mutter wohl eine Nummer zu groß.
Jakob richtete sich kerzengerade auf, so gut das eben unter der Treppe ging. Es kam nicht oft vor, dass seine große Schwester ihn um seine Meinung bat. Er überlegte einen Moment gewichtig. Schließlich teilte er ihr ernsthaft mit: »Ich würde das auch so machen wie du. Mama hat einfach Angst, weil sie sich das niemals trauen würde mit der Fliegerei und so. Wenn du bessere Noten schreiben würdest, dann hätte sie nichts gegen dich in der Hand.«
Lena schnitt eine Grimasse. Obwohl ihr kleiner Bruder erst zehn Jahre alt war, hatte er manchmal verblüffend gute Erklärungen. Und im Gegensatz zu ihr immer gute Schulnoten, ohne sich jemals dafür groß anstrengen zu müssen. Sowas von ungerecht!
Wenn ER in vier Jahren mit dem Segelfliegen anfangen würde – und das war sein fester Plan, wenn man dürfte, würde er noch früher anfangen, aber das ging erst mit 14 Jahren–, würde Mom sicher nicht ansatzweise so einen Aufstand machen.
Aus dem Wohnzimmer drang nur noch Gemurmel, aber die Geschwister konnten nichts mehr verstehen. Lena deutete nach oben und Jakob nickte. Leise zogen sie sich zurück und schlichen die Treppe nach oben.
»Erzählst du mir, was du in Australien willst?«, bettelte Jakob, bevor Lena ihre Zimmertür vor seiner Nase zuziehen konnte.
»Später«, versprach Lena, »ich will Bella anrufen.«
»Versprochen?«, vergewisserte sich Jakob misstrauisch.
»Hoch und heilig«, versprach Lena und zerzauste Jakob liebevoll die sowieso schon strubbeligen Haare. Sie schloss die Tür, ließ sich seufzend auf ihr Bett fallen und zog ihr Handy aus der Hosentasche. Ihre beste Freundin Isabella hob beim ersten Klingeln ab: »Und?«
Lena atmete vielsagend. »Meine Mutter flippt voll aus.«
»Was echt? Wieso das denn auf einmal? Mist!«, stöhnte Isabella mitfühlend. »Meinst du, sie beruhigt sich wieder?«
»Keine Ahnung. Johannes ist auf meiner Seite, vielleicht kann er sie ja noch umstimmen«, erwiderte Lena matt. Obwohl sie sich das kaum vorstellen konnte, nach dem, was sie vorhin belauscht hatte.
»Du MUSST nach Australien, das ist ja wohl sowas von klar! Ich wünschte, ich dürfte auch! Aber meine hysterische Flugangstmutter würde das NIEMALS erlauben. Die ist ja noch viel schlimmer als deine Mutter!«
»Ich verstehe das gar nicht, sonst war meine Mom doch immer ganz cool, was das Fliegen anging, oder? Was soll auf einmal diese Panikmache? Giftschlangen, Spinnen, na und? Die Leute, die da wohnen, kommen ja auch ganz gut damit klar!«, schimpfte Lena. Das Problem mit den Schulnoten erwähnte sie lieber nicht. Es war ihr peinlich. Isabella war nämlich wie ihr Bruder. Sie konnte es überhaupt nicht verstehen, dass man auch etwas anderes als Einser und Zweier mit nach Hause brachte. Lena kam sich neben Isabella manchmal vor wie der Depp vom Dienst.
»Pass auf, bei Martin gibt’s garantiert NULL Probleme. Seine Mutter sagt doch zu allem Ja und Amen«, lenkte sie verlegen von sich ab. Martin ging in dieselbe Klasse wie Isabella und Lena und war der Erste aus der Clique gewesen, der in Moorbach angefangen hatte, Segelfliegen zu lernen.
Außerdem war er lange mit Isabella zusammen gewesen.
Isabella stieg voll darauf ein: »Das glaube ich sofort. Seine Mutter ist echt ’ne Nummer. Total blind, was ihren Schatzi betrifft. Dabei ist ER doch der große Schussel, dem alle Missgeschicke dieser Welt passieren. Ich kann dir Geschichten erzähen! Bei ihm würde ich mir eher Sorgen machen, ob er nicht irgendwo auf dem Weg nach Australien verloren geht oder dort gleich in ein Schlangennest tritt!«
»Machst du dir jetzt echt noch Sorgen um ihn?«, hakte Lena nach.
»Was? Ach Quatsch. Nein«, wand sich Isabella ein bisschen. »Na ja, vielleicht doch. Ach, ich weiß auch nicht. Er ist ja jetzt mit Lala glücklich, oder?«
Lena stöhnte: »Das sind ja ganz neue Töne! Du warst doch immer so cool? Und was ist mit Maxl? Für mich habt ihr in den letzten Wochen in der Schule und am Flugplatz total glücklich ausgesehen. DAS Traumpaar! Was habe ich denn da verpasst?«
Sie rollte mit den Augen. Ging das schon wieder los? Lena hatte gedacht, das alles läge weit hinter ihnen. Im letzten Jahr hatte Bella mit Martin Schluss gemacht, weil der heimlich in sie, Lena, verknallt gewesen war. Bella hatte...
| Erscheint lt. Verlag | 11.11.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Lena fliegt sich frei | Lena fliegt sich frei |
| Illustrationen | Doreen Goedhart, Kim Turlach |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre |
| Schlagworte | Abenteuer • Australien • Fliegen • Frauenpower • Freundschaft • Liebe • Luftfahrt • Mädchen • Mädchenbuch • MINT • Mut • Pilot • Pilotin • Schüleraustausch • Segelfliegen • Starke Mädchen • Technik • Verantwortung • Vertrauen • Zusammenhalten |
| ISBN-10 | 3-7482-9083-7 / 3748290837 |
| ISBN-13 | 978-3-7482-9083-4 / 9783748290834 |
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