Reisestipendien: Abenteuerroman (eBook)
320 Seiten
Musaicum Books (Verlag)
978-80-272-3922-1 (ISBN)
Zweites Capitel.
Die Gedanken der Mrs. Kathlen Seymour.
Eine Reise nach verschiedenen Inseln Westindiens hatte also die Freigebigkeit der Mrs. Kathlen Seymour den Preisträgern beschert, und diese konnten davon wohl vollkommen befriedigt sein.
Freilich hieß es nun verzichten auf weit ausgedehnte Fahrten, wie durch Afrika, Asien, Ozeanien, nach den wenig bekannten Teilen der Neuen Welt oder auf einen »Ausflug« nach dem Nord- oder Südpole.
Wenn das auch anfänglich eine leichte Enttäuschung hervorrief, wenn die jungen Leute jetzt fast noch schneller aus den Ländern ihrer Träume zurückkehren mußten, als sie sich dahin versetzt hatten, und es sich also nur um eine Fahrt nach den Antillen handelte, so war das nichtsdestoweniger eine verlockende Verwendung der bevorstehenden Ferien, und der Direktor führte den Auserwählten vom Wettbewerbe ohne Schwierigkeit vor Augen, wie viel sie damit eigentlich gewonnen hätten.
Die Antillen... das war ja aller Preisträger Vaterland. Die meisten davon hatten es als Kinder verlassen, um in Europa ausgebildet und erzogen zu werden. Kaum mochten sie den Boden der Inseln betreten haben, wo ihreWiege gestanden hatte, und vielleicht bewahrten sie in ihrem Gedächtnis daran kaum noch eine klare Erinnerung. Obwohl ihre Familien – mit Ausnahme einer einzigen – den Archipel ohne den Gedanken an eine Rückkehr dahin verlassen hatten, waren doch viele unter ihnen, die dort Verwandte oder Freunde wiederfinden mußten... kurz, alles in allem eröffnete die Reise den jungen Antilianern höchst verlockende Aussichten.
Der Leser wird das aus den persönlichen Verhältnissen der neun Preisträger selbst erkennen, denen die Reisestipendien zugefallen waren.
Nennen wir zuerst die von englischer Abkunft, die in der Antilian School überhaupt die Mehrheit bildeten.
Roger Hinsdale aus Sankta-Lucia, zwanzig Jahre alt, dessen Familie, nachdem sie sich von den Geschäften zurückgezogen hatte, in London lebte.
John Howard aus Sankt-Domingo, achtzehn Jahre, dessen Vater sich nebst seinen Angehörigen als Fabrikant in Manchester niedergelassen hatte.
Hubert Perkins aus Antigoa, siebzehn Jahre, dessen Familie, Vater, Mutter und zwei jüngere Schwestern, seine Geburtsinsel niemals verlassen haben und der nach Vollendung seiner Ausbildung dahin zurückkehren soll, um in das väterliche Handelshaus einzutreten.
Es folgen die Franzosen, die zu einem Dutzend die Antilian School besuchten:
Louis Clodion aus Guadeloupe, zwanzig Jahre alt, der Sohn einer Reederfamilie, die seit einigen Jahren in Nantes ansässig war.
Tony Renault aus Martinique, siebzehn Jahre, der älteste von den vier Kindern einer Beamtenfamilie, die in Paris wohnte.
Ferner die Dänen:
Niels Harboe aus Sankt-Thomas, neunzehn Jahre alt, der keinen Vater und keine Mutter mehr hatte und dessen um sechs Jahre älterer Bruder sich nach wie vor auf den Antillen befand.
Axel Wickborn aus Sankta-Cruz, neunzehn Jahre, dessen Familie, nach Dänemark verzogen, in Kopenhagen Holzhandel betrieb.
Die Holländer waren durch Albertus Leuwen aus Sankt-Martin vertreten, der zwanzig Jahre zählte und der einzige Sohn einer in der Nähe von Rotterdam wohnenden Familie war.
Was Magnus Anders, einen neunzehnjährigen, auf Sankt-Barthelemy gebornen Schweden betraf, so hatte sich dessen Familie neuerdings nach Gothenburg in Schweden gewendet, ohne – nach Erwerbung eines hinreichenden Vermögens – auf die Rückkehr nach den Antillen zu verzichten.
Man wird zugeben, daß die Reise, die sie für einige Wochen nach ihrem Heimatlande führen sollte, den jungen Antilianern willkommen sein mußte, denn wer weiß, ob es den meisten von ihnen sonst vergönnt sein sollte, die Stätte ihrer Geburt je wiederzusehen. Nur Louis Clodion hatte einen Onkel, einen Bruder seiner Mutter, auf Guadeloupe, Niels Harboe einen Bruder auf Sankt Thomas und Hubert Perkins seine ganze Familie auf der Insel Antigoa. Ihre Kameraden waren aber durch keine Verwandtschaftsbande mehr mit den Antillen verknüpft; deren Angehörige hatten diese Inseln endgültig verlassen.
Die ältesten der Stipendiaten waren: Roger Hinsdale, ein etwas hochmütiger junger Mann; Louis Clodion, ein ernster, fleißiger, allgemein beliebter Jüngling, ferner Albertus Leuwen, dessen holländisches Blut auch die Sonne der Antillen nicht zu erwärmen vermocht hatte. Hierauf folgten: Niels Harboe, über dessen Zukunft man noch im Unklaren war, Magnus Anders, ein großer Freund von allem, was das Meer betraf, und der in die Handelsmarine einzutreten beabsichtigte, Axel Wickborn, dessen Wunsch dahin ging, im dänischen Heer zu dienen. Dem Alter nach folgte dann John Howard, der etwas weniger »englisiert« auftrat als sein Landsmann Roger Hinsdale; endlich die zwei Jüngsten: der für den Handelsstand bestimmte Hubert Perkins, und Tony Renault, dem seine Vorliebe für das Bootfahren später wohl eine gleiche für die große Schiffahrt einflößen würde.
Zunächst bestand nun noch die wichtige Frage, ob die bevorstehende Reise sich nach allen Antillen, den Großen und den Kleinen, denen Im Winde und Unter dem Winde, erstrecken sollte. Ein eingehender Besuch des gesamten Archipels hätte freilich mehr als die wenigen Wochen beansprucht, über die die Preisträger verfügen konnten. Es gibt ja tatsächlich nicht weniger als dreihundertfünfzig Inseln und Eilande in den Archipeln Westindiens, und selbst wenn es möglich gewesen wäre, davon täglich eine oder eins zu besuchen, so wäre diese höchst oberflächliche Besichtigung doch erst im Verlaufe eines Jahres auszuführen gewesen.
Nein, dahin ging die Absicht der Mrs. Kathlen Seymour nicht. Die Pensionäre der Antilian School sollten vielmehr jeder einige Tage auf seiner Heimatinsel zubringen, die Verwandten und Freunde, die sich da befanden, einmal wiedersehen und noch einmal den Fuß setzen auf den Boden ihres Vaterlandes.
Nach dieser Anordnung blieb, wie man sieht, von Anfang an eine Rundfahrt über die Großen Antillen, über Cuba, Haïti, Sankt-Domingo und Portorico ausgeschaltet, da die spanischen Zöglinge der Anstalt keinen Preis errungen hatten, ebenso Jamaika, da keiner der Sieger aus dieser britischen Kolonie stammte, und die holländische, Curaçao, war aus demselben Grunde ausgeschlossen. Ferner sollten auch die unter venezolanischer Herrschaft stehenden Kleinen Antillen nicht besucht werden, weder Tortigos und Marguerite, noch Tortega und Blanquilla oder Ordeilla und Havas. Die einzigen, für einen Besuch der Stipendiaten in Aussicht genommenen Inseln Mikro-Antiliens waren also Sankta-Lucia, Domingo, Antigoa (lauter englische), Guadeloupe und Martinique (französische), Sankt-Thomas und Santa-Cruz (dänische Inseln) Sankt Barthelemy (eine schwedische) und Saint Martin (eine zur Hälfte holländische und zur Hälfte französische Insel).
Diese neun Inseln, alle zu denen Im Winde gehörig, sollten also die neun Zöglinge der Antilian School eine nach der andern gemeinschaftlich besuchen.
Es wird nicht wundernehmen, daß auch noch eine zehnte Insel ins Auge gefaßt war, die ohne Zweifel den längsten und bestbegründeten Besuch verdiente.
Das war die ebenfalls zur Gruppe derer Im Winde gehörige Insel Barbados, eine der wichtigsten von dem Kolonialgebiete, die das Vereinigte Königreich in jener Gegend besitzt.
Dort wohnte ja Mrs. Kathlen Seymour, und es verstand sich wohl allein, daß die von ihr beschenkten jungen Leute sich der Dame vorstellten, um dieser ihren Dank abzustatten.
Ebenso kann man sich leicht vorstellen, daß die Zöglinge der Antilian School, wenn es die freigebige Engländerin danach verlangte, die neun Preisgekrönten zu empfangen, daß diese nicht minder den Wunsch hegten, die reiche Eingeborne von Barbados kennen zu lernen und ihr für das, was diese für sie getan hatte, herzlich zu danken.
Sie würden das auch nicht zu bereuen haben, denn eine Nachschrift in dem Briefe an den Direktor zeigte, wie weit die Opferfreudigkeit der Mrs Kathlen Seymour reichte.
Außer den Kosten, die die Fahrt selbst verursachte und die sie vollständig auf sich nahm, sollte jedem der jungen Leute bei der Abreise von Barbados noch die Summe von siebenhundert Pfund (14.000 Mark) eingehändigt werden.
Nun bestand noch die weitere Frage, ob die Zeit der Ferien ausreichen würde. Ja, unter der Bedingung, daß man für die Sieger im Wettbewerbe die Ferienzeit einen Monat eher als regelmäßig beginnen ließ, was dann noch den Vorteil bot, daß Hin- und Rückfahrt über den Atlantischen Ozean in die schöne Jahreszeit fielen.
Diese Bedingung konnte man ja mit Freuden annehmen, ja das geschah sogar mit reiner Begeisterung. Es war dann auch nicht zu befürchten, daß die Angehörigen der Schüler Einspruch gegen eine so angenehme und in jeder Hinsicht vorteilhafte Reise erhöben. Sieben bis acht Wochen, das war der Zeitraum, auf den man unter Berücksichtigung gelegentlicher Verzögerungen rechnen mußte, und dann trafen die jungen Stipendiaten in Europa wieder ein, voller unvergeßlicher Erinnerungen an die ihnen so teuern Inseln der Neuen Welt.
Endlich war noch eine Angelegenheit zu ordnen, über die die Familien der jungen Leute aber bald beruhigende Aufklärung erhalten sollten.
Es betraf die Frage, ob man die Preisträger, von denen auch der älteste...
| Erscheint lt. Verlag | 14.12.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | Prague |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch ► Spielen / Lernen ► Abenteuer / Spielgeschichten |
| Kinder- / Jugendbuch ► Vorlesebücher / Märchen | |
| Schlagworte | 100 Dinge • 3 Lilien • Abenteuerroman • Animox • Antillen-Rundreise • Antillian-School • Aquila • Artemis • Atlantik-Überquerung • die ein Junge wissen muss • Federleicht • französischer Schriftsteller • Harry Potter • herman hesse • internationale Schülergruppe • Jugendliche Abenteuerlust • Science-Fiction-Literatur • Segelyacht-Reise • Thomas Mann • Wohltäterin Mistress Seymour • Wolkenschloss |
| ISBN-10 | 80-272-3922-2 / 8027239222 |
| ISBN-13 | 978-80-272-3922-1 / 9788027239221 |
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