Der Himmel über den Menschen (eBook)
304 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7494-9166-7 (ISBN)
Thomas Imre, geboren 1983 in Neunkirchen, ist unterrichtender Lehrer in den Fächern Geographie und Wirtschaftskunde sowie Bewegung und Sport. Das Interesse am Schreiben und die Freude beim Erfinden von Geschichten begleiten den Autor bereits seit frühen Kindheitstagen und verleihen diesem Roman Spannung, Inspiration und Tiefgründigkeit. Die Leserschaft wird Teil einer Welt ungeahnter Möglichkeiten und taucht in die Mysterien des Sternenhimmels ein.
2. Meine Wegbereiter
Mein Blick wendet sich vom Himmel ab.
Ich richte meine Augen von dem großen Fenster neben meinem Sitzplatz in der ersten Reihe weg und hin zum Rednerpult. Der alte Dekan hat seine Rede beendet, um den Weg frei zu machen für den scheidenden Astrophysiker David Gallehan, der mit berührenden Worten seinen Abschied bekannt gibt.
Er ist ein sehr überzeugend wirkender, in vielen Kreisen bekannter und ernstzunehmender Astrophysiker. Dies beschränkt sich nicht bloß auf die Universität. Er übte auch lange Zeit eine Beraterfunktion in der Politik aus und war auch meines Wissens bei der NASA beschäftigt. Jeder schätzt ihn, denn er ist überaus gelehrt.
David Gallehan sieht jünger aus als er ist. Man würde nicht darauf kommen, dass er bereits über sechzig Jahre zählt. Er hat leicht grau meliertes Haar und ist schon ziemlich übergewichtig. Seine zusätzlichen Kilos bewirken, dass sich alle Augen auf ihn richten, sobald er erscheint, und sie unterstreichen seine gewichtige Ausstrahlung. Wie er zugibt, isst er einfach leidenschaftlich gern. Sein wuchtiger Körper macht ihm nichts aus, er fühlt sich gut damit und vertritt die Meinung, dass er nur wohlgenährt sei. Wie oft sind wir schon beide gemeinsam beim Mittagessen gesessen und haben uns unterhalten! Nicht nur seine Worte haben mir dann immer imponiert, nein, es waren auch die Unmengen an Kalorien, die er verschlingen konnte.
Ich muss sagen, ich kenne Professor David Gallehan ziemlich gut. Auch privat ist er ein ganz feiner Mensch, verlässlich, hilfsbereit und ein guter Zuhörer.
Es ist schade, dass er geht.
Ich schaue zu Kate, die neben mir sitzt und sich mit mir freut, dann schweift mein Blick weiter zu meinen beiden befreundeten Kollegen, die mich die Jahre hindurch begleitet haben. Einer der beiden, Matthew, sieht auch kurz zu mir und deutet auf seine Brille. Mir ist klar, wie das gemeint ist, und ich habe Mühe, ein lautes Auflachen zu unterdrücken.
Ich erinnere mich, wie wichtig es für mich war, Andrew und Matthew als Freunde gewonnen zu haben. Gegenseitig motivierten und halfen wir uns bei den zu lernenden Stoffgebieten. Ohne die beiden Kumpels wäre es viel schwerer gewesen, bei manchen Prüfungen zu bestehen, aber genauso auch umgekehrt schwerer für sie.
Seit ich Matthew und Andrew kenne, sind die beiden ein beherztes Team. Sie lernten sich bereits vor ihrem Studium über Onlinespiele kennen und wurden beste Freunde. Ich traf sie dann immer wieder während meiner Studienzeit, und wir erkannten gleiche Interessen. Ein Glück für mich. Nicht nur, dass ich Freunde gefunden hatte, durch sie verdiente ich auch gutes Geld.
Wir arbeiten seither an der Programmierung virtueller Spiele für Virtual-Reality-Brillen.
Unserer Freundschaft geht ein raffiniertes Schummelmanöver voraus. Es handelte sich um eine von vielen Studenten gefürchtete Prüfung, die hauptsächlich mit mathematischen Berechnungen zu tun hatte. Ich war bestens vorbereitet. Einem offensichtlichen Schlitzohr und einem vergleichbar noch größeren Schlitzohr im Hintergrund verhalf ich damals zu einer Eins. Ich erinnere mich noch genau daran.
Im Prüfungsraum - vollgestopft mit Studenten - höre ich hinter mir ein Flüstern. Ein Student nuschelt mir etwas zu. Er spricht zu leise, ich verstehe nicht, was er will. Als ich meinen Kopf schräg zur Seite drehe, als Andeutung, ich würde bloß meinen Hals lockern wollen, deutet der Student mir zu, ich solle meine Antworten zur Seite schieben.
Kurz mustere ich ihn. Er ist leger gekleidet, mit einem lustig bedruckten T-Shirt, hat einen Dreitagebart, brünettes, leicht lockiges, mittellanges Haar und trägt eine Brille. Ein fauler Nichtsnutz, so denke ich mir.
Seiner Bitte folge ich aber, obwohl ich mir nicht denken kann, wie er von hinten mein Gekritzel ablesen will. Ich überlege nicht weiter. Jedes Mal, wenn ich ein Blatt vollgeschrieben habe, lege ich es zur Seite. Es macht mir nichts aus, wenn ich damit diesem Kerl zu einem guten Ergebnis verhelfen kann.
Nach einigen Wochen standen die Prüfungsergebnisse fest.
Nur drei Studenten hatten die Bestnote erreicht.
Ich war einer davon. Die anderen beiden hießen Andrew Morgnensen und Matthew Colbery. Diese jungen Männer suchten mich nach einer gemeinsamen Vorlesung auf und berichteten mir, wie sie die Arbeit von mir kopiert hatten.
Matthew hatte ich auch wieder erkannt. Er war der Student, der bei der Prüfung hinter mir saß. Andrew war aber ebenso im Prüfungsraum und schrieb dort eine Eins, auch mit meinen Prüfungsantworten. Er bekam das Material, das Matthew von mir fotografiert hatte. Matthew hatte die Daten über seine digitale Brille an Andrews digitale Brille weitergeschickt.
Die geniale Erfindung solch einer digitalen Brille, die aussieht wie eine gewöhnliche Lesebrille, stammt von Andrew.
Computer und technische Raffinessen sind das Wichtigste in Andrews Welt. Andrew ist der typische Computerfachmann. Ihm ist anzumerken, dass er stets vor dem Computer sitzt. Er wirkt weniger athletisch als Matthew, hat kurzes blondes Haar, ist tatsächlich Brillenträger, leicht übergewichtig, redet nicht viel, und wenn, dann hat es mit technischem Firlefanz zu tun.
Streng genommen dürfte ich meinen neuen Titel gar nicht annehmen! Denn nicht nur durch Lernen alleine gelang es uns, bei Prüfungen mit Bestnoten bestehen und abschließen zu können. Wir vollbrachten nach diesem ersten erfolgreichen Unternehmen zu dritt auch bei kommenden schwierigen Prüfungen immer wieder neue ausgeklügelte Schummelaktionen. Mit einer anderen virtuellen Brille, die Andrew entworfen und weiter perfektioniert hatte, konnten wir per Augensteuerung Texte verfassen und diese untereinander versenden. Auch waren wir dabei mit dem Internet verlinkt.
Unser Einkommen sicherten wir uns mit der Programmierung virtueller Spiele für VR-Brillen.
Mit dem gewinnbringenden Erfolg durch die Entwicklung moderner Spielkonsolen machten wir auf uns aufmerksam. Wir bekamen schon nach zwei Jahren ein Angebot über ein finanzielles Förderprojekt zur Umsetzung und Gestaltung virtueller Welten in Hologrammen, also im Computer simulierte Wirklichkeiten, welche mittels Quantencomputern in den Raum projiziert werden. Enorme Rechnerkapazitäten von Computern, die für diese Entwicklung notwendig sind, stellen kein Problem mehr dar. Denn das Leistungsvolumen von Quantencomputern hat enorm zugenommen. Die Technik der neuen Quantencomputer basiert auf der Quantenmechanik. Wie rasend schnell hier die Entwicklung vorangeschritten ist!
Unser finanzielles Budget ist gestiegen, wir müssen aber einen Teil des Gewinns an unsere Investoren wieder abgeben, inklusive unseres Know Hows zur Programmierung virtueller Hologrammwelten.
Wir arbeiten seitdem online mit einer Gruppe von IT-Programmierern, Computeringenieuren und Softwareentwicklern zusammen. Es handelt sich um ein riesiges Projekt, welches die Technik der Virtual Reality Brillen für virtuelle Spielsimulationen in Hologrammen weiterentwickelt.
Es ist erst ein paar Jahre her, dass wir Virtual-Reality-Spielkonsolen auf den Markt brachten. Damals ziemlich revolutionär, ist dies heute noch nach wie vor ein florierender und gewinnbringender Markt.
Andrew, unser großes Genie, wie er sich auch selbst öfters nennt, ist das große Arbeitstier am Computer. Er gehörte zu den Ersten, der Spiele für die bereits weiterentwickelten Virtual-Reality-Brillen, die auch ortsungebunden, also drahtlos, arbeiteten, programmierte.
Überall kann man diese VR-Brillen benutzen. Äußerlich ähneln die neuen VR-Brillen einer gewöhnlichen, coolen Sonnenbrille. Sie sind kaum größer und haben dickere, dunkelgraue Gläser. Der User soll sich damit wohler fühlen als mit den altbekannten globigen VR-Brillen.
Nicht nur die Hardware hat sich verändert. Digitale Daten können nun per Laser direkt auf die Netzhaut des Users übertragen werden. Die erlebte virtuelle Welt wirkt somit viel realistischer!
Mit der Software für die virtuellen Hologrammsysteme verdienten wir also gutes Geld. Damit war ein wesentliches Grundeinkommen gesichert und die Finanzierung für das Doktorat überhaupt kein Problem mehr.
Ich frage mich: Ist es ein weiterer Glücksfall, dass ich bereits einen Lehrstuhl von meinem hochgeschätzten Wegbegleiter, dem scheidenden Astrophysiker David Gallehan, der gerade am Rednerpult seine Rede beginnt, angeboten bekam?
Ich erinnere mich an seine Lehrveranstaltungen, die ich so gerne besuchte. Er konnte uns Studenten, und vor allem mich, richtig begeistern. In jedem seiner Seminare beteiligte ich mich eifrig am Diskurs.
Da ihm meine Expertisen neugierig machten, kamen wir oft länger ins Gespräch. Bei einem anschließenden Mittagessen übten wir nicht selten einen wissenschaftlichen Schlagabtausch, der aber oft genug nicht wirklich ernst zu nehmen war. Ob wir nun gleicher oder entgegengesetzter Meinung waren, hitzige Diskussionen führten oder ausschweifend die Gedankengänge des anderen weiterführten, von unseren Zusammenkünften profitierten wir beide.
So entstand mit der Zeit eine kollegiale Freundschaft.
Ich wusste damals noch...
| Erscheint lt. Verlag | 2.7.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre | |
| Schlagworte | Aliens • Esoterik • Gott • Himmel • Himmel Menschen Thomas Imre • Intelligenz • K:I: • KI • Klima • Krise • Krise Künstliche Intelligenz Zukunft • Künstliche • Natur • Natur Umwelt Liebe Freunde Familie • Science Fiction • Sterne • UFO • Universum • Universum Leben Weltall • Videospiel • virtuell • Virtuelle Realität • Virtuelle Welten K.I. Sterne • Weltall |
| ISBN-10 | 3-7494-9166-6 / 3749491666 |
| ISBN-13 | 978-3-7494-9166-7 / 9783749491667 |
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