Ultimus Ultimorum (eBook)
176 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99084-502-8 (ISBN)
Gudrun S. Wieser unterrichtet am Akademischen Gymnasium in Graz Deutsch und Latein. Im Rahmen des Deutschunterrichts erarbeitet sie mit Schülerinnen und Schülern Geschichten, die als Romane veröffentlicht werden. Dies gibt den Jugendlichen Einblick in den spannenden Literaturbetrieb und macht Lust auf Lesen und Schreiben gleichermaßen.
Unruhe in Argonien
Wer bin ich?
Sebastian Maierhofer/ Casper v. Hochlob
Meine Mutter und ich gingen zum ersten Mal zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Bis wir dort ankamen, verfloss für mich gefühlt eine Ewigkeit, aber es gab so viel Neues zu entdecken. Die Blätter, die am Boden lagen, waren so schön bunt, die Bäume bereits kahl. Ich fragte meine Mutter, wieso das so ist, aber sie wusste keine Antwort darauf. Niemand wusste es, jeder Mensch, den ich fragte, hatte keine Ahnung, wieso das so war.
Mit der Zeit wurde es meiner Mutter peinlich, dass ich darauf bestand, jeden einzelnen Menschen danach zu fragen. Am Ende zog sie mich nur noch hinter sich her, weil ich immer wieder stehen blieb und alles bewundern musste. Sogar die kleinen Insekten, die meine Mutter Marienkäfer nannte, hob ich auf und setzte sie auf meinen Finger, um ihnen die Stadt zu zeigen.
Als wir endlich ankamen, standen wir vor einem riesigen Gebäude mit vier Türmen. Als uns ein strenger Mann herumführte, sah ich auf einmal ein kleines Mädchen am Boden sitzen und mit Steinen spielen. Ich lief zu dem Mädchen hinüber und setzte mich zu ihr. Ohne zu zögern sagte ich: „Hallo, ich bin Casper, wollen wir Freunde sein?“ So schloss man als Kind Freundschaften.
Nach kurzer Zeit hatten wir schon richtig Spaß miteinander. Nur ihr Name klang für mich merkwürdig. Wer nennt sein Kind denn Aileen? Um es mir einfacher zu machen, nannte ich sie Lee.
Leider war die Zeit zu rasch vergangen und ich musste mit meiner Mutter nach Hause gehen. Ich hoffte, dass das Mädchen auch das nächste Mal wieder da wäre. Also ging ich immer öfter freiwillig mit meiner Mutter mit zu ihrer Arbeit. Nach kurzer Zeit entstand eine tiefe Freundschaft zwischen Lee und mir. Wir waren unzertrennlich und wuchsen über die Jahre hin gemeinsam auf. Wir waren wie Bruder und Schwester.
Wenn ich meine Mutter an einem Tag einmal nicht zur Arbeit begleiten konnte, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Der Tag verging dann so langsam, dass ich dachte, dass schon mindestens drei Tage vergangen sein mussten und ich es nur nicht gemerkt hatte.
Doch irgendwann kam der Tag, an dem wir zum ersten Mal bemerkten, dass wir langsam erwachsen geworden waren. Ich sah Aileen nicht mehr an unserem Platz, wo wir immer mit unseren Steinen gespielt hatten. Meine Mutter wusste auch nicht, was geschehen war. Ich fragte den mittlerweile alt gewordenen Mann, der uns am ersten Tag herumgeführt hatte, wo Lee denn stecke.
Er antwortete nur: „Sie muss ihren Verpflichtungen nachkommen, sie hat keine Zeit mehr, um mit dir mit Steinen zu spielen!“
* * *
Als ich endlich fertig war, in meinen Erinnerungen herumzuwühlen, stieg ich aus dem Badezuber, in dem ich schon viel zu lange gesessen hatte. Das merkte ich an meinen aufgeweichten Fingern. Ich ging meinem üblichen Tagesplan nach und machte mir etwas zu essen. Als nach kurzer Zeit wie üblich der Königsbote vorbei kam, konnte ich endlich mit jemandem reden.
Er erzählte mir von den wichtigsten Geschehnissen der letzten Tage und dabei erwähnte er Folgendes: „Das erstgeborene Kind des Königs aus Neunbürgen wurde entführt und König Florestan ist schrecklich verzweifelt und meint, dass es für denjenigen, der ihm sein Kind zurückbringen könne, eine große Belohnung gibt!“
Mir stellten sich die Haare auf, als ich das erfuhr. Ich wusste nicht genau, was das zu bedeuten hatte, aber es musste verdammt schlimm sein. Wer sollte denn das Königskind entführen? Wozu?! Nach so einer Tat wäre man doch vogelfrei?
Ich war immer noch komplett verwirrt und schockiert. Der Bote sah mich irritiert an und wartete vergeblich auf eine Antwort.
„Wer macht so etwas? Und wieso?“, brachte ich endlich über die Lippen. Ich sah, dass er keine Ahnung hatte. Er zuckte nur mit seinen Schultern. Das war mir auch Antwort genug.
Als der Bote dann verschwand, um seine Neuigkeiten zur nächsten Familie zu tragen, die eine Arbeit am Hof des Königs versah, wusste ich nicht so recht, was ich mit dieser schlimmen Nachricht anfangen sollte. In solchen Situationen hätte ich gerne meinen Vater an meiner Seite, aber leider war das ja nicht mehr möglich, seit er in jener Schlacht vor fünf Jahren gefallen war. Die große Schlacht um Eldau.
Ich hatte ihn zwar nie wirklich gesehen, aber ich stellte mir vor, er wäre eine toller Vater gewesen, immerhin war er ein Adeliger. Falls er noch mehr Kinder hatte, lebten diese bestimmt unter besseren Umständen als ich. Aber ich war zufrieden, so wie es war. Bis auf das wenige Geld, das wir zur Verfügung hatten, lebte es sich ganz gut. Meine Mutter arbeitete viel, um uns über Wasser zu halten. Von früh am Morgen bis spät in die Nacht, ich sah sie kaum und wenn doch, dann nur sehr kurz.
Das machte mich oft traurig. Ich hatte ja nur mehr meine Mutter und selbst mit ihr hatte ich kaum etwas gemein. Wir waren eigentlich nur gute Bekannte, die im selben Haus wohnten und einander nur selten über den Weg liefen. Doch bei all der Arbeit gab es kaum eine Möglichkeit, das zu ändern.
Ich sehnte mich nach Abwechslung in meinem Leben, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Vielleicht ein Held zu werden, wie mein Vater es gewesen war. So beschloss ich, mich auf den Weg zu machen und das Kind zu suchen. Ich würde nicht sofort aufbrechen, aber so bald wie möglich.
Vielleicht, fiel mir auf einmal ein, würde ich ja unterwegs zufällig auf Lee treffen. Immerhin war es schon eine Ewigkeit her, dass ich sie gesehen hatte. Aber wieso sollte sie für jemanden wie mich Zeit haben … Sie ist eine Prinzessin und ich, ja was bin ich eigentlich?
Als ich mir diese Frage stellte, wusste ich, dass ich aus meinem Leben etwas machen musste .
Neuigkeiten
Anastasia Demian/ Aileen Erron
Das dröhnende Geschrei schien nicht mehr aufzuhören und langsam reizte es ihre Nerven. Verzweifelt versuchte sie es mit einem Wiegenlied, doch das lästige kleine Biest wollte keine Ruhe geben. Was war nur zu tun?
Natürlich dachte sie nicht daran, es zu füttern, warum hätte sie auch? Sie hatte noch nie auf ein so kleines Kind aufgepasst. Ihre Geduld hing an einem seidenen Faden, welcher kurz vor dem Zerreißen war. Erzürnt holte sie ihren heiligsten Besitz hervor. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als das magische Orakel zu fragen. Der Bengel saß auf seinem Hintern und schrie umso lauter.
Sie konnte sich nicht mehr konzentrieren, so laut war das Geschrei inzwischen geworden. Sie versuchte, ihre Ruhe zu bewahren, atmete tief ein und aus. Sie dachte an den Grund, weshalb es sich lohnte, dem elenden kleinen Bengel nicht den letzten Atemzug zu rauben. Im ruhigen Zustand, aber im Inneren aufgebracht, befragte sie ihre Kugel. Es war zu einfach! Sie verfluchte sich, warum sie nicht selbst darauf gekommen war, dem Kleinen einfach zu essen zu geben.
* * *
„Schon wieder einer dieser Träume. In letzter Zeit kommen sie häufiger vor als üblich. Diese Träume, in denen alles so real scheint, in denen es scheint, als sei ich dort. Es ist schwer zu erklären, Hartwin. Ich bin mir selbst nicht sicher … “, seufzte ich.
Ich schaute Win an. An ihm schien alles vorbei zu gehen.
Unbekümmert lag er auf meinem Schoß und ließ sich von mir streicheln. Manchmal beneidete ich ihn wirklich für seine Sorglosigkeit und fragte mich, wie er an meiner Stelle gehandelt hätte. Blöd, ich weiß. Keiner fragt sich ernsthaft, was sein Kater gemacht hätte, schließlich sind wir hier nicht im falschen Märchen gelandet.
„Ich muss jetzt leider gehen. Ich komme aber bald zurück. Bis später, Win!“
Ich setzte Hartwin an der gepolsterten Fensterbank ab und er schnurrte. Mir wurde weich ums Herz und am liebsten hätte ich ihn ganz fest an mich gedrückt. Hartwin war mein ältester Freund und das einzige Geschenk von meinen Eltern. An meinem vierzehnten Geburtstag hatte ich ihn von meiner Mutter erhalten. Bald würde es genau vier Jahre her sein. Meine Eltern waren auf einer Geschäftsreise gewesen und hatten das Katzenjunge an einer Straßenecke gefunden. Das arme Ding war noch ein Säugling, als man ihn zurückgelassen hatte. Meine Mutter war schon immer sehr mitleidig gewesen und als sie ihn sah, war sie gerührt und nahm ihn mit.
Win war das Letzte, das ich als Erinnerung an sie besaß. Als meine Mutter getötet wurde, kam mein Vater um den Verstand. Seine Gedanken trübten sich immer mehr, bis nichts mehr von ihm selbst, von seinem Wesen und seinen Gedanken, übrig war. Mein Vater konnte sich an nichts mehr erinnern. Auch nicht an den Tod meiner Mutter. Sie waren auf dem Weg nach Hause gewesen und waren plötzlich überfallen worden. Meine Mutter kam ums Leben, während mein Vater sich vor Ort rächte. Es war furchtbar für ihn, sie verloren zu haben. Also verlor er nach und nach den Verstand.
Zwei Jahre später war er des Teufels. Selbst auf seinem Sterbebett, als er meinen Bruder zu sich rief, redete er ihm bloß ein, sich zu rächen....
| Erscheint lt. Verlag | 26.3.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kinder- / Jugendbuch |
| ISBN-10 | 3-99084-502-0 / 3990845020 |
| ISBN-13 | 978-3-99084-502-8 / 9783990845028 |
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