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Drachenglut (eBook)

Klassische Drachen-Fantasy

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018
cbt (Verlag)
978-3-641-22921-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Drachenglut - Jonathan Stroud
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Zwei Brüder im Kampf gegen das Böse

Als der 12-jährige Michael sich an einem heißen Sommernachmittag in den Hügeln herumtreibt, ahnt er nicht, dass tief darunter seit Jahrhunderten ein gewaltiger Drache ruht. Gebannt dorthin durch ein keltisches Steinkreuz. Doch nun regt sich der Drache – er ergreift von Michael Besitz und nicht nur von ihm! Die Drachenjünger drohen, in dem kleinen Dorf die Macht zu übernehmen. Michael zur Seite steht allein sein Bruder, der ihn retten möchte. Ein atemberaubender Kampf zwischen Gut und Böse beginnt ...

Jonathan Stroud wurde in Bedford geboren. Er arbeitete zunächst als Lektor. Nachdem er seine ersten eigenen Kinderbücher veröffentlicht hatte, beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er wohnt mit seiner Frau Gina und den gemeinsamen Kindern Isabelle, Arthur und Louis in der Nähe von London.

Berühmt wurde er durch seine weltweite Bestseller-Tetralogie um den scharfzüngigen Dschinn Bartimäus, dessen Abenteuer in »Das Amulett von Samarkand«, »Das Auge des Golem«, »Die Pforte des Magiers« und »Der Ring des Salomo« erzählt werden.

2

Pfarrer Tom Aubrey war ein vielbeschäftigter Mann. Noch vor Anbruch des Abends musste er eine Sitzung des Kirchengemeinderats leiten, am Kaffeekränzchen des Frauenvereins teilnehmen und die undichten Rohre in der Jungentoilette der Sonntagsschule inspizieren. Weil er so schwitzte, freute er sich auf keine dieser Aufgaben. Das lag ganz schlicht daran, dass heiße Sommer und steife Pfarrerkragen nicht zusammenpassen. Der enge weiße Kragen schnürte ihm die Kehle zu und wirkte in doppelter Hinsicht wie eine Schlinge: Der Schweiß tropfte von oben darauf und die aufsteigende Körperhitze fand keinen Ausgang. Der Kragen kniff und juckte und wurde zum Ärger von Pfarrer Aubrey zudem immer viel zu schnell schmutzig.

Er saß auf dem Sessel in seinem kleinen weißen Büro hinter der Sakristei und kratzte sich äußerst sorgfältig im Nacken. Vor ihm auf dem Schreibtisch starrte ihn ein hoher Stapel von kirchlichen Rundbriefen anklagend an und wollte gelesen werden. Sein Blick glitt zur obersten Seite und wurde dabei glasig. Durch die Spalten der Jalousie hinter ihm drangen zusammen mit den Sonnenstrahlen die Stimmen der Arbeiter auf dem Kirchhof, der Lärm ihrer Radios und das Geräusch ihrer Spaten.

Pfarrer Aubrey seufzte und aus dem Seufzer wurde ein Gähnen.

Es blieb lediglich eine halbe Stunde bis zum Beginn der Sitzung mit dem Finanzausschuss der Kirchengemeinde, und er musste noch die Anmerkungen des Küsters dazu lesen. Widerstrebend blätterte er in den Papieren und suchte nach dem Bericht. Dabei hob er zufällig seine Augen ein wenig höher und erhaschte einen Blick auf sein Spiegelbild im Bürospiegel, eingerahmt von den Garderobenhaken mit den Soutanen und Talaren, die er nur selten trug. Er betrachtete sein Spiegelbild und fragte sich, was Sarah wohl denken würde, wenn sie ihn jetzt sehen könnte.

Sah er gut aus? Vielleicht.

Verstrubbelt? Bestimmt.

Brauchte er dringend eine Dusche und frische Klamotten? Aber klar.

Es klopfte an der Tür.

Pfarrer Aubrey senkte den Kopf und beschäftigte sich mit dem zuoberst liegenden Papier.

»Herein!«, rief er, als wäre er gerade sehr beschäftigt.

»Tom …« Elizabeth Price, die Kirchenvorsteherin, streckte ihren Kopf durch den Türspalt. »Der Vorarbeiter möchte dich sprechen – wenn du nicht zu sehr beschäftigt bist. Bist du zu beschäftigt, Tom?«

»Viel zu beschäftigt«, sagte Pfarrer Aubrey. »Aber ich komme gleich. Was ist es denn diesmal?«

»Weiß ich nicht genau. Sie haben was gefunden. Sie wollen mir nicht sagen, was es ist, aber sie arbeiten nicht weiter, deshalb solltest du lieber kommen und dich drum kümmern.«

»Zweifellos nur der Vorwand für eine Teepause. Na gut, dann wollen wir uns mal ansehen, um was es geht.«

Sie nahmen den längeren Weg durch das Hauptschiff, weil der Seiteneingang durch die Geräte der Arbeiter blockiert war. In der Kirche von St. Wyndham war es nie warm, dennoch fühlte Tom die nachmittägliche Hitze immer noch gnadenlos von außen drücken. Alle zehn Schritte schossen Sonnenlichtkegel durch die Buntglasfenster herunter, angefüllt mit lautlosen Spiralen aus tanzendem Staub. Seltsamerweise erinnerte sich Tom plötzlich an ein Gedicht.

Er sagte: »Liebe hieß mich willkommen: doch meine Seele zog sich zurück, schmutzig von Staub und Sünde … Na ja, und heute handelt es sich bloß um Staub und Hitze. Es ist ein Wunder, dass wir nicht ersticken.«

Eine alte Frau saß in der letzten Bankreihe vor der Tür. Tom beäugte sie im Näherkommen misstrauisch. Er war erst seit drei Monaten in St. Wyndham, und er hatte nur drei Tage gebraucht, um Mrs Gabriel kennenzulernen und sie unsympathisch zu finden. Wie immer trug sie ihren dicken roten Schal und einen missbilligenden Gesichtsausdruck. Tom zwang sich zu einem freundlichen Lächeln und versuchte erfolglos, ungeschoren an ihr vorbeizukommen.

»Schämen Sie sich denn nicht, Herr Pfarrer?« Sie sah stur geradeaus in Richtung des weit entfernten Altars.

Tom und Elizabeth blieben stehen.

»Schämen, Mrs Gabriel? Warum denn?«, fragte Tom, obwohl er genau Bescheid wusste.

»Wegen des Sakrilegs, das Sie begehen, indem Sie den Kirchhof aufgraben!« Sie wandte sich ihm nicht zu. »Das wäre bei Pfarrer Staples nie passiert, und auch nicht bei Pfarrer Morrison.«

»Mrs Gabriel, wir haben doch schon darüber gesprochen«, holte Tom aus, aber Elizabeth unterbrach ihn.

»Ich geh schon mal vor und sage Mr Purdew, dass du gleich kommst«, sagte sie und verschwand eilig durch das Westportal.

Tom sah ihr neidisch nach.

»Der Kirchhof ist heiliger Boden«, fuhr Mrs Gabriel fort und starrte immer noch zum Altar hin. »Wobei ich wohl kaum erwarten kann, dass so ein Begriff Ihnen etwas bedeutet, junger Mann. Diese Leute, die hier begraben sind, hatten bestimmte Wünsche, was ihre letzte Ruhe angeht – ganz egal, wie lang das her ist. Und jetzt graben Sie sie aus.«

»Mrs Gabriel«, sagte Tom und trat von einem Fuß auf den andern. »Sie müssen sich deshalb wirklich keine Sorgen machen. Das habe ich Ihnen doch schon erklärt. Die Grundmauern der Kirche geben an der Nordseite etwas nach. Das ist nicht gefährlich, aber wir müssen sie abstützen. Deshalb graben die Männer da draußen. Und weil nie jemand auf dieser Seite der Kirche begraben wurde, besteht wohl kaum eine Möglichkeit, dass wir die letzte Ruhe von irgendjemandem stören.«

Er holte tief Luft und fragte sich, ob er gewonnen hatte. Zum ersten Mal wandte ihm Mrs Gabriel jetzt das Gesicht zu.

»Und trotzdem meine ich …«, fing sie an. Doch Tom reichte es jetzt. »Es tut mir leid, Mrs Gabriel, aber ich muss mich beeilen. Ich habe gleich eine Sitzung. Wir sehen uns dann hoffentlich am Sonntag.«

Tom nickte ihr lächelnd zu, eilte weiter und ließ die alte Frau allein in der Kirche sitzen. Als er das Portal öffnete, hörte er ihre letzte Unverschämtheit.

»Wie ich Sie kenne, Herr Pfarrer, finden Sie bestimmt auch einen Grund, um mich nach meinem Tod auszugraben.«

Das werde ich mir ganz bestimmt verkneifen, dachte Tom im Hinausgehen.

Der Kirchhof der Gemeinde Fordrace zog sich in einem geschlossenen Ring um die Kirche, umgeben von einer alten Steinmauer. Auf drei Seiten der Kirche erstreckte sich ein weites, sonniges Grundstück, durchzogen von wild durcheinanderstehenden, gepflegten Grabsteinen. Doch im Norden von St. Wyndham lag ein schmaler Grasstreifen fast immer im Schatten. Entlang der Kirche führte ein Weg vorbei und vier alte Eiben standen gekrümmt an der Mauer. Hier gab es keine Grabsteine und keinerlei Anzeichen, dass die Wiese jemals in der langen, stillen Geschichte von Fordrace für Gräber genutzt worden war. Es war ein etwas düsterer Fleck, und wären die absackenden Grundmauern der Kirche nicht gewesen, hätte Tom ihn nur zu gern unberührt gelassen.

Er bog um die Ecke und entkam damit der brütenden Hitze, die rundherum die Farbe der ziegelroten Dächer des Dorfes und auch den blaugrünen massigen Umriss des Wirrim-Hügels verblassen ließ. Die schattige Seite des Kirchhofs war übersät mit Erdhaufen und herumliegenden Werkzeugen, und die sonnengebräunten Arbeiter saßen auf der Steinmauer in den Ausläufern des Schattens, streckten ihre Beine in den Sonnenschein und tranken in großen Schlucken ihre Cola oder Fanta.

Elizabeth und der Vorarbeiter standen neben dem Graben. Wo zuvor der Weg verlaufen war, zog er sich nun fast an der gesamten Kirchenmauer entlang und endete unter den schwarzgrünen Blättern der Eibe.

Tom ging zu den Arbeitern auf der Mauer und lächelte ihnen zu. Einer von ihnen grinste zurück.

»Hallo, Herr Pfarrer. Diesmal haben wir für Sie eine echte Überraschung!«

»Habt ihr ein Gerippe gefunden, Jack?«

»Viel besser, Herr Pfarrer. Sie machen sich gleich in die Hose, bestimmt!«

»Das werd ich schön bleiben lassen. Haben Sie was Gutes gefunden, Mr Purdew?«

Der Vorarbeiter war ein dünner Mann, dessen Gesichtshaut durch viele Jahre in den verschiedensten Klimazonen ledrig geworden war. Er erinnerte Tom an die Moorleiche, die er vor seinem Umzug nach Fordrace im Britischen Museum gesehen hatte. Die gleiche traurige Resignation umgab Mr Purdew, wie er in diesem Augenblick misstrauisch in den Graben glotzte, während eine Zigarette fast vertikal von seinen Lippen hing.

Elizabeth sah Tom an, ihre Augen funkelten.

»Kommt drauf an, was Sie mit gut meinen«, sagte Mr Purdew. »Es wird höllisch schwer mit dem Rausholen, das ist schon mal sicher.«

»Sehen Sie sich das bloß an, Tom!« Elizabeth grinste aufgeregt. »Morgen stehen wir alle in der Zeitung!«

Tom stieg auf die ausgehobene Erde an der Grabenkante und schaute hinein.

»Gütiger Himmel!«, sagte er.

Auf dem Grund des Grabens lag ein großes Steinkreuz. Es war mit gelbem Lehm verschmiert und lag rechtwinklig zu den Grabenwänden, sein Schaft zeigte von der Eibe weg und der linke Querbalken steckte noch in der Erde.

»Ich glaube, es ist sehr alt«, sagte Elizabeth atemlos.

Tom nickte.

Es war uralt, das erkannte man an der Form. Es glich zwar einem einfachen römischen Kreuz mit drei kurzen Balken und einem längeren, doch es hatte außerdem noch einen Kreis, der die Mitte umschloss und die vier Balken durch Steinbögen miteinander verband, die wie Henkel von Riesentassen geformt waren.

Tom vermutete, es wäre vielleicht ein Keltenkreuz, obwohl er irgendwo mal gehört hatte, dass nicht nur die Kelten solche Kreuze gehabt hatten.

Doch die...

Erscheint lt. Verlag 12.11.2018
Übersetzer Nina Schindler
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Buried Fire
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch Jugendbücher ab 12 Jahre
Schlagworte ab 12 • Abenteuer • action • Bartimäus • Brüder • Christopher Paolini • Drachenfantasy • eBooks • Eragon • Fantasy • Fantasy für Jungs • Grusel • Jugendbuch • Jugendbücher • Jungen • Kinderkrimi • Lockwood & Co. • Märchenbuch • Young Adult
ISBN-10 3-641-22921-9 / 3641229219
ISBN-13 978-3-641-22921-4 / 9783641229214
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