Die Eule (eBook)
86 Seiten
Saga Egmont (Verlag)
978-87-11-50350-8 (ISBN)
Robert Heymann (1879-1946) war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg, Redakteur, Drehbuchautor und Filmregisseur. Der in München geborene Autor veröffentlichte seit 1901 Dramen und Romane (u. a. 'Istar, das ist die Liebe', 'Tod', 'Herrenrecht', 'Das Bild von Sais' und 'Gefallene Frauen'). Seit 1902 arbeitete er zudem als Dramaturg für das Kabarett Überbrettl, für das Zentraltheater in Zürich sowie für das Intime Theater in München. Zeitweise war er als Journalist für die 'Basler Zeitung' tätig. Während des Ersten Weltkrieges gab ihm die Berliner 'Luna Film' einen Vertrag als Drehbuchautor und Regisseur. Heymann blieb auch in seinen Filmen der dramatischen Akzentuierung treu und drehte mit Schauspielern wie Theodor Loos, Joseph Schildkraut, Ernst Hofmann und Friedrich Kühne. Ab 1918 beschränkte er sich auf das Schreiben von Drehbüchern, und bereits Mitte der zwanziger Jahre zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück und konzentrierte sich auf das Verfassen von Romanen. Er veröffentlichte auch unter den Pseudonymen Robert Heymann-Dvorák, Max Ladenburg, Annemarie Land, Fred Roberts und Sir John Retcliffe der Jüngere.
Robert Heymann (1879–1946) war ein deutscher Schriftsteller, Dramaturg, Redakteur, Drehbuchautor und Filmregisseur. Der in München geborene Autor veröffentlichte seit 1901 Dramen und Romane (u. a. "Istar, das ist die Liebe", "Tod", "Herrenrecht", "Das Bild von Sais" und "Gefallene Frauen"). Seit 1902 arbeitete er zudem als Dramaturg für das Kabarett Überbrettl, für das Zentraltheater in Zürich sowie für das Intime Theater in München. Zeitweise war er als Journalist für die "Basler Zeitung" tätig. Während des Ersten Weltkrieges gab ihm die Berliner "Luna Film" einen Vertrag als Drehbuchautor und Regisseur. Heymann blieb auch in seinen Filmen der dramatischen Akzentuierung treu und drehte mit Schauspielern wie Theodor Loos, Joseph Schildkraut, Ernst Hofmann und Friedrich Kühne. Ab 1918 beschränkte er sich auf das Schreiben von Drehbüchern, und bereits Mitte der zwanziger Jahre zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück und konzentrierte sich auf das Verfassen von Romanen. Er veröffentlichte auch unter den Pseudonymen Robert Heymann-Dvorák, Max Ladenburg, Annemarie Land, Fred Roberts und Sir John Retcliffe der Jüngere.
2. Kapitel.
Die Sonne stand hoch, in dem weichen Gras lagen die Strahlen gleich geschliffenen Diamanten. Die Bäume warfen dichte, schwere Schatten. Fritz Rowaldt trat in den Garten, um Kühlung zu suchen. Er erging sich eine Weile unter den alten Nussbäumen, als ein leichter Schritt, das Klappern einer Giesskanne seine Aufmerksamkeit nach den Blumenbeeten lenkte.
Hedwig stand zwischen den Blumen und begoss sie. Sie trug einen grossen, breitrandigen, weichen Strohhut, der bei jeder Bewegung über ihrem Kopf zitterte; wie sie so halb über die Rosen geneigt stand, ohne ihn zu bemerken, klopfte sein Herz höher im Anblick ihrer liebreizenden Gestalt, um die der Duft der Jugend gewoben war.
Er verharrte eine Weile schweigend, in Nachdenken und Betrachtung, bis er ihr plötzlich nähertrat. Sie hob den Kopf und sah ihm entgegen. Der Schatten, den der Florentiner über ihre Züge warf, hinderte ihn, die brennende Röte zu bemerken, die ihre Wangen überflutete.
„Sie sind schon hier, Herr Rowaldt?“ fragte sie lächelnd und fuhr fort, die Blumen zu begiessen. „Ich hatte Sie gar nicht bemerkt.“
„Ich sehe Ihnen schon eine Weile zu, Fräulein Hinrichsen,“ entgegnete er. Ein warmer Ton von Zärtlichkeit klang durch seine Stimme.
Sie beugte sich wieder tiefer über die Giesskanne.
„Warum nennen Sie mich Fräulein Hinrichsen? Sagen Sie doch einfach Fräulein Hedwig!“
„Das wagte ich nicht ...“
„Warum nicht? Man nennt mich hier allgemein so.“
„Das mag sein. Aber für mich hat die Anrede doch besondere Bedeutung, Ihr Name besonderen Klang. Ich danke Ihnen, dass Sie mir gestatten, ihn immer auszusprechen ... denn fürwahr, ich möchte ihn immer klingen hören, an nichts anderes denken ...“
Sie schwieg eine Weile verwirrt, dann schlug sie die Augen zu ihm auf, in denen ein Flimmern war:
„Was Sie da nun so reden, Herr Rowaldt!“ Sie schnitt ihm die Antwort ab, indem sie rasch dem Hause zuging. Er folgte ihr:
„Würden Sie nun sich nicht auch gewöhnen können, mich einfach Herr Fritz zu nennen?“
„Aber mein Vater ...“
„Der Herr Pastor wird doch gewiss nichts dagegen haben ...“
„Nein. Dazu lässt er mir viel zu viel Freiheit in allem, was ich tun und für gut finde. Aber ich weiss nicht ...“
Sie blieb wieder stehen und sah ihn schelmisch von der Seite an.
„Ich weiss nicht, ob sich das schickt.“
„Dann kann ich auch nicht Fräulein Hedwig zu Ihnen sagen! Soll ich Ihnen denn durchaus nur ein Fremder bleiben, den zufällig das Geschick in das Pfarrhaus von F. verschlagen hat?“
Sie schüttelte hastig den Kopf, nahm die Giesskanne vom Boden auf und ging ins Haus zurück, ohne ihm zu antworten.
Von nun an traf er sie fast täglich im Garten. Es war stillschweigendes Übereinkommen zwischen ihnen, und alsbald wurde aus den ersten, scheu geführten Gesprächen eine vertrauliche Unterhaltung; sie merkten beide, dass sie sich liebten, doch wagte Fritz Rowaldt nicht, dies zu gestehen, noch weniger Hedwig, es sich anmerken zu lassen.
An einem Abend blieb Rowaldt viel länger als sonst. Die Dunkelheit war bereits eingebrochen; Hedwig brachte die Lampe ins Zimmer. Der Pastor befand sich in so angeregtem Gespräch mit seinem Schüler, dass er erst, als die Kuckucksuhr zehnmal anschlug, aufmerksam wurde, dass er seinen Gast über alle Gebühr zurückgehalten.
„Nun müssen Sie aber gleich nach Hause,“ sagte er. „Nein, ich mache mir Vorwürfe, Sie so lange aufgehalten zu haben! Werden Sie denn jetzt den Weg zurückfinden?“
„Warum denn nicht?“ gab Fritz Rowaldt lächelnd zurück.
„Es ist kein Stern am Himmel und die Landstrasse ist nicht beleuchtet. Wenn man nicht bestimmte Anhaltspunkte hat, geht man irre und gerät in die Felder oder in einen Graben.“
Da war nun allerdings guter Rat teuer. Fritz Rowaldt kannte aber den Weg gleichwohl, hätte ihn wohl auch gefunden, griff aber in diesem Augenblick zu einer List, die er um so mehr sür berechtigt hielt, als Hedwig, scheuer denn je, ihm in den letzten paar Tagen auswich.
„Ich fürchte allerdings, Herr Pastor, ich verfehle das Feldkreuz, wo die Landstrasse abbiegt. Ich kenne die Gegend doch zu wenig.“
„Nun, wenn Sie denken, kann Sie ja meine Tochter bis zum Kreuz begleiten.... Hedi,“ rief er in den Gang hinaus.
„Ja, Väterchen!“
„Begleite den Herrn Studiosus bis zu dem Kreuze, wo der Feldweg beginnt, damit er den Weg ins Dorf nicht verliert!“
Sie antwortete nicht.
„Hedichen!“
Keine Antwort.
„Hedi! Kind!“
Alles blieb still.
„Sie ist etwas schüchtern,“ meinte lächelnd der Alte. „Sie müssen sie schon entschuldigen.“
„Oh,“ antwortete Rowaldt gekränkt, „ich werde den Weg wohl allein finden; so schlimm ist das nicht, und schliesslich habe ich doch gute Augen.“
Er sagte das möglichst laut, damit Hedwig, die sich sicherlich im dunklen Nebenzimmer aufhielt, ihn hörte.
„Na, dann gute Nacht, Herr Rowaldt.“
„Gute Nacht, Herr Pastor ...“
Draussen war alles still. Die Berge standen wie eiserne Recken, still und stumm.
Er ging langsam durchs Dorf und liess den kühlen Nachtwind seine Stirn fächeln.
Das tat gut.
Sein Blut kochte, und zeitweise überfiel ihn eine quälende Mutlosigkeit.
„Habe ich sie verletzt?“ dachte er, „oder treibt sie Spott mit mir? Doch nein, das letztere war unmöglich.“
Als er um die Ecke bog, wo als letztes das weisse Häuschen des Krämers lag und die Felder begannen, löste sich aus der Nacht eine helle Gestalt.
Ohne ein Wort schritt sie neben ihm her.
„Fräulein Hedwig! Sie begleiten mich?“
„Muss ich nicht?“ entgegnete sie mit verschleierter Stimme. „Sie werden ja sonst den Weg verfehlen.“
„Den Weg verfehlen ... ja, so ist es! Ich fürchte, irre zu gehen ... wir sind hier ganz allein, Fräulein Hedwig, weit und breit ist niemand, solche Einsamkeit, solche Stille! Die Heiligkeit, die in der Nacht liegt, gibt mir den Mut, Ihnen zu sagen ...“
„Still, still,“ wehrte sie ab. „Sprechen Sie nicht ...“
„Doch! Ich muss sprechen! Sie haben eben recht gehabt. Ich fürchte, den Weg zu verlieren ohne Sie ... bisher bin ich ihn allein gegangen, immer gerade aus, ohne links und rechts zu sehen, aber nun, seit ich Sie kennen gelernt habe, Fräulein Hedwig, scheint es mir unmöglich, das Ziel, das ich mir gesteckt, allein zu erreichen, ohne die beseligende Kraft des Glaubens und der Liebe ... und die, Hedwig, können nur Sie mir verleihen.“
Er sprach noch lange in diesem Ton weiter, während sie die dunkle Strasse dahinschritten. Die Nacht war lind, die Stille nur unterbrochen von dem eintönigen Zirpen der Grillen.
„Nun, Hedwig, wollen Sie mir nichts sagen, nichts antworten?“
Sie standen mitten auf der finsteren Strasse still. Weit und breit Stille, Einsamkeit. Er näherte sich ihr; er fühlte ihre zarte, schmiegsame Gestalt, er atmete den Duft ihres Haares, ihr ganzes Wesen ein. Er griff nach ihrer Hand; sie war kalt, wie leblos; aber ihre Finger schlossen sich fest um die seinen und plötzlich sah er in der Finsternis ihre Augen brennen, sah den Purpur ihrer Lippen im Leuchten, zog sie an sich, die es wortlos geschehen liess, und bedeckte ihr Haar, ihre Augen mit den scheuen Küssen erster Liebe.
Nun lag sie ganz in seinem Arm; er fragte sie, trunken vor Glück, ungestüm, weltverloren:
„Hedwig, nur das eine: Du liebst mich?“
Sie liess ihren Kopf sinken, schlang plötzlich beide Arme um seinen Hals und stammelte, während im Übermass des Glückes sich ihre Augen mit Tränen füllten:
„Ich liebe Dich.“
Sie setzten ihren Weg fort, scheuer fast als vorher. Dabei sprachen sie kaum von ihrer Liebe. Das war ihnen etwas so Grosses, Schönes, dass sie vielleicht beide fürchteten, durch Worte die Empfindungen ihrer Herzen zu stören.
Fritz sprach von der kurzen Spanne Zeit, die ihn noch von dem Maturum trennte.
„Wenn ich das Examen gemacht habe, Hedwig, werde ich Dich heiraten.“
Sie schmiegte sich eng an ihn und meinte, schelmisch lächelnd:
„Dann bist Du ja erst Student ... dann dauert es noch einmal Jahre. Du wirst in ein Korps eintreten und Schmisse bekommen — Gott, das wäre ja zu komisch: ein verheirateter Fuchs!“ Sie lachte silberhell.
„So werden wir eben so lange warten, bis ich mir eine Lebensstellung errungen habe,“ entgegnete er. „Was tut das, ein paar Jahre früher oder später? Doch, weisst Du, ich habe jetzt einen gewaltigen Antrieb. Keine Stunde werde ich in Zukunft verlieren — nur arbeiten, streben, um dieses köstliche Gut, das Du mir bist, sobald als möglich zu gewinnen!“
Sie schritten den Weg zurück, den sie schon einmal gegangen. Hand in Hand gingen sie die Dorfstrasse entlang.
„Fällt es Dir schwer, Fritz, das alles in Dich aufzunehmen? Ich denke mir das schrecklich, tote Bücher zu studieren, all diese lederne Gelehrsamkeit behalten zu müssen!“
Fritz schüttelte den Kopf.
„So ist das nicht, Hedwig. Es kommt nur darauf an, wie man die Dinge ansieht. Sie sind sich ja nie gleich, und allem im Leben, sagt die Eule, muss man erst aus seinem inneren Reichtum geben, um es schön zu machen.“
Hedwig lachte.
„Wer ist das: die Eule?“
Fritz erzählte ihr von seinem Ordinarius. „Er ist unvergleichlich! Er lebt eigentlich immer in einer anderen Welt, aber er gibt uns so viel von diesem seinem Leben, dass wir gar nicht wie die anderen merken, wie schwer eigentlich diese...
| Erscheint lt. Verlag | 5.5.2016 |
|---|---|
| Verlagsort | Copenhagen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch ► Bilderbücher ► Erzählerische Bilderbücher | |
| Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre | |
| Schlagworte | Abitur • Beziehung • Humor • Leher-Schüler-Verhältnis • Liebe • Unterhaltungsroman |
| ISBN-10 | 87-11-50350-5 / 8711503505 |
| ISBN-13 | 978-87-11-50350-8 / 9788711503508 |
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