Ultimus Ultimorum (eBook)
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99057-403-4 (ISBN)
Gudrun S. Wieser unterrichtet am Akademischen Gymnasium in Graz Deutsch und Latein. Im Rahmen des Deutschunterrichts erarbeitet sie mit Schülerinnen und Schülern Geschichten, die als Romane veröffentlicht werden. Dies gibt den Jugendlichen Einblick in den spannenden Literaturbetrieb und macht Lust auf Lesen und Schreiben gleichermaßen.
Die Gebrüder Rübner
Ein Loch im Dach
Hagen Braun
Ich wachte auf und mir war kalt. Ich fröstelte. Mein Bruder Oskar schlief noch. Ich sah zur Decke und bemerkte, dass ein großes Loch in unserem Dach klaffte. Leise stand ich auf und zog mich an. Ich nahm etwas Geld aus unserem Geldbeutel. Damit wollte ich zum Marktplatz im nächsten Dorf gehen und Holz kaufen, damit wir unser Dach reparieren konnten.
Nach einer halben Stunde Fußmarsch war ich da. Als ich gerade bei einem Händler Holz erstanden hatte, kam ein Bote des Königs heran geritten und verkündete, dass König Florestan schwer erkrankt sei. Das war schrecklich, auch weil der lange, harte Winter unser Land verwüstet hatte. Viele litten Hunger, und die Schneestürme hatten die meisten Häuser der Ärmeren zerstört. Unruhen wegen eines kranken Königs konnte sich dieses Land nicht leisten. Außerdem würde nach dem Ableben des jetzigen Königs vielleicht ein Nachfolger an die Macht kommen, der genauso schrecklich war wie Florestans Vater, König Berengar. Dann müssten ich und mein Bruder sicher wieder ins Heer. Dort waren wir zwar gute Kämpfer gewesen, aber gefallen hatte es uns nicht.
Sofort rannte ich zu meinem Bruder nach Hause und erzählte ihm die schreckliche Neuigkeit. Wir beschlossen loszuziehen, um den König zu retten. Oskar holte unsere wertvollen Zaubergegenstände aus dem Versteck im Haus. Das waren die letzten Dinge, die wir von unserem Vater noch hatten. Er starb, als wir ihn und den Hof allein lassen mussten, weil König Berengar uns in den Krieg befohlen hatte. Der Hof war zu viel Arbeit für ihn allein gewesen und er starb, weil er nicht mehr konnte. Das war ein Grund, warum wir hofften, König Florestan bliebe an der Macht.
Ohne genauen Plan zogen wir los in den Wald …
Die Rettung liegt den Wolken am nächsten
Max Weller
Nein! Der Drache packte mich am rechten Arm und sauste mit mir über den brennenden Wald. Mein Arm schmerzte und ich hatte keinen Schimmer, wo ich war.
Plötzlich ließ der Drache mich fallen, mitten in die lodernden Flammen. Ich rannte um mein Leben! Da hörte ich wie aus dem Nichts eine geheimnisvolle Stimme, die immer wieder rief: „Die Rettung liegt den Wolken am nächsten!“
Was war das? Wer hatte da gesprochen und was wollte man mir damit sagen? Musste ich jetzt sterben oder gab es noch Hoffnung?
Plötzlich fiel ich aus meinem Bett und war völlig verschwitzt. „Hilfe!“, schrie ich und war vollkommen verzweifelt, doch jetzt erst merkte ich: alles war nur ein böser Traum gewesen.
Die Rettung liegt den Wolken am nächsten. Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf... Und wo war überhaupt mein Bruder? Ich sah nur ein leeres, verschneites Bett. Doch keinen Paul Rübner... In der morschen Holzdecke unserer Behausung war nämlich ein großes Loch und zwischen den Holzbrettern drang überall der Schnee hindurch. Alles war verschneit, und auch sonst war es nicht das ordentlichste Haus. Doch der Frühling kam immer näher, das freute alle Menschen im Dorf.
Ich ging nach draußen, um unsere Tiere zu füttern und die alltäglichen Arbeiten zu erledigen. Plötzlich ging die Gartentür auf und mein Bruder Paul kam rein. Er war blass im Gesicht und wirkte unglaublich aufgeregt. Er schleppte Holzbretter herbei und berichtete, dass er auf dem Marktplatz gewesen war, um Holz für unser Dach zu kaufen, doch dort habe er den Dorfboten getroffen, der die schreckliche Nachricht verkündete, dass König Florestan in Gefahr sei. Der lange Winter hatte ihn wohl krank gemacht. Deshalb müsse jemand ein Heilmittel finden, das unserem König die Kraft zurückgäbe, das Reich zu schützen. „Da rannte ich schon los, um dir alles zu erzählen“, beendete Paul seine Rede. „Der König kauft immer wieder bei uns ein, er ist der beste Kunde von diesem Bauernhof!“
Das stimmt, dachte ich mir. Außerdem müssen wir ihm helfen, damit nicht wieder ein bösartiger König wie Berengar II. an die Macht kommt. Denn der hatte uns damals ins Heer geschickt und wir mussten den Bauernhof zurücklassen, auch unseren Vater. Dieser starb damals...
Ich sagte: „Paul, gehen wir sofort los, retten wir den König! Ich hole das Schwert und den Bogen aus dem Haus. Ach ja, unser Zaubermesser, das jedes Material zerschneiden kann, hole ich auch.“
Die Brüder gingen los, Paul als bewährter Bogenschütze, Oskar als ausgebildeter Schwertkämpfer. Oskar hatte sein Zaubermesser bei sich, das er von seinem Vater geerbt hatte, und Paul einen Pfeil, der sich beim Schießen in Flammen auflöst. Er hatte ihn einst von unserem Vater bekommen, und er war seine gefährlichste Waffe.
Sie versorgten ihre Tiere mit reichlich Futter und machten sich, ohne Ahnung, wohin sie gehen sollten, auf einen gefährlichen Weg, um ihren König zu retten.
* * *
Wir gingen einfach los, ohne irgendeinen Plan, wohin und in welche Richtung. Doch wir wollten den Königretten... Nach einer Zeit gelangten wir in einen Wald, nur wenig Licht fiel durch die Blätter der Bäume. Ich ging und ging, dabei überlegte ich, was dieser Satz, den ich geträumt hatte, bedeuten könnte... Ist es möglich, dass das Heilmittel am höchsten Berg des Königreichs zu finden ist?
Ich beschloss, meinen Traum morgen Paul zu erzählen. Ich drehte mich um... Wo war Paul geblieben!? War ich etwa zu schnell gegangen? Ich bekam eine Gänsehaut, inzwischen war es schon ziemlich dunkel. Ich war allein, mitten im tiefen Wald... Jetzt hörte ich Schritte und ein leises Atmen. Mein Herz pochte immer schneller und ich zitterte am ganzen Körper, ich sah fast nichts mehr... „Paul?“
Keine Antwort...
Plötzlich hörte ich ein tiefes Knurren hinter einer großen Tanne
Nein, das war definitiv nicht Paul...
Stille...
Da erblickte ich einen riesigen Bären, der auf mich zusprang. Ich entwich ihm, doch er öffnete sein Maul und biss mir fast in den Oberschenkel. Ich schlug ihm auf die Schnauze, doch es war sinnlos. Der Bär würde mich mit einem Happen verschlingen. Ich rannte einfach los, der Bär aber auch... Hinter mir her...
Plötzlich zischte ein brennender Pfeil knapp neben meinem Gesicht vorbei und traf den Bären. Dieser jaulte laut auf und aus seiner rechten Pfote strömte Blut... Er leckte an seiner Wunde, dann rannte er davon. Irgendwie tat er mir leid.
„Oskar“, hörte ich Paul rufen. „Geht´s dir gut?“
„Alles in Ordnung, nur ein paar Schrammen...“, erwiderte ich.
An diesem Abend sagten wir kaum noch ein Wort, wir waren beide geschockt. Wir machten uns ein Lagerfeuer, was gar nicht so leicht war, und schliefen sofort ein...
Doch was ich in dieser Nacht träumte, hätte ich vielleicht lieber nicht träumen sollen...
Der Bär
Hagen Braun
Wir gingen gedankenversunken den Weg entlang, Oskar mit seinem Schwert am Gürtel und ich mit meinem Bogen auf dem Rücken. Ich wollte Oskar fragen, wohin wir jetzt gehen sollten. Doch er war nicht mehr da. War ich etwa zu langsam gegangen? Es war schon dunkel. Da hörte ich ein bedrohliches Knurren... Ich wollte weg von hier.
Das Knurren wurde immer beängstigender. Als ich mich herumdrehte, hörte ich meinen Bruder. Er schrie. Ich rannte in Richtung der Stimme und sah, wie mein Bruder von einem großen, braunen Bären angegriffen wurde. Er boxte den Bären gegen die Schnauze, doch ich sah, dass es keinen Sinn hatte. Ich dachte an den magischen Pfeil von meinem Vater. Es war zwar mein letztes Erinnerungsstück an ihn, aber es musste sein. Ich zielte und schoss.
Der Pfeil flog leider sehr tief, ich hatte zu schnell abgeschossen, weil ich so nervös war. Er steckte im Boden. Gleichzeitig hörte ich ein Aufjaulen. Ich hatte ihn also doch in die Pfote getroffen. Der Bär streifte sich den Pfeil ab, leckte sich die Pfote und humpelte brummend davon. Schnell lief ich zu meinem Bruder und rief ihm zu, ob er verletzt war. Er erwiderte, dass er nur einen leichten Kratzer habe. Ich war sehr erleichtert und versuchte so gut wie möglich seine Wunde zu verbinden.
Dann suchte ich trockenes Feuerholz und machte ein Lagerfeuer. Ich hoffte, dass es andere unerwünschte Besucher abschrecken würde. Wir legten uns hin und jeder hing seinen Gedanken nach. Oskar war sehr müde und schlief schnell ein. Ich hingegen lag die ganze Nacht wach und hörte ihn im Schlaf reden...
Das Tal
Max Weller
Heute Morgen wachte ich sehr früh auf und konnte den Sonnenaufgang beobachten. Als auch Paul erwachte, erzählte ich ihm, was ich in der Nacht geträumt hatte: Was dir am teuersten ist, muss mit Herzblut erkauft werden... Gestern hatte ich ja auch schon so einen komischen Traum gehabt.
„Welchen denn?“, fragte Paul.
„Naja... Ich hörte eine Stimme, die...
| Erscheint lt. Verlag | 23.12.2016 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch | |
| ISBN-10 | 3-99057-403-5 / 3990574035 |
| ISBN-13 | 978-3-99057-403-4 / 9783990574034 |
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Größe: 471 KB
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