Verschollen am Mount McKinley / Die Wölfe vom Rock Creek - Alaska Wilderness 1 & 2 (Bundle) (eBook)
464 Seiten
Verlag Carl Ueberreuter
978-3-7641-9149-8 (ISBN)
Christopher Ross schreibt romantische Abenteuer mit Spannung und Gefühl. Durch Bestseller wie 'Das Geheimnis der Wölfe' und 'Mein Freund, der Husky' wurde er einem großen Publikum bekannt.
Christopher Ross schreibt romantische Abenteuer mit Spannung und Gefühl. Durch Bestseller wie "Das Geheimnis der Wölfe" und "Mein Freund, der Husky" wurde er einem großen Publikum bekannt.
1
Julie fütterte gerade ihre Huskys, als ein junger Ranger vom Verwaltungsgebäude herunterkam und rief: »Der Super will dich sprechen, Julie! Sofort!«
Wenn Superintendent John W. Green nach einem verlangte, konnte man sicher sein, dass es um etwas Wichtiges ging. Der Chef des Denali National Park in Alaska rief einen nur persönlich ins Büro, wenn er Lob oder Tadel zu verteilen hatte oder einen besonders wichtigen Auftrag bereithielt. Julie war Praktikantin und erst seit ein paar Monaten im Park, hatte bisher aber gute Arbeit geleistet und hoffte, dass er sie auf Erkundungsfahrt schicken würde.
»Mach keine Dummheiten, solange ich weg bin«, verabschiedete sie sich von Chuck, ihrem Leithund, einem erfahrenen Husky mit einem weißen Fleck auf der schwarzen Stirn. »Und streite dich nicht mit Skipper, das gibt nur Ärger!« Skipper war der Leithund des Denali-Teams, ebenso erfahren wie Chuck und wenn es darauf ankam, sogar ein wenig ehrgeiziger. Sie drehte sich noch mal zu den Hundezwingern um und lief zum Verwaltungsgebäude.
Der Superintendent saß hinter seinem Schreibtisch und deutete auf den Besucherstuhl, als sie an die offene Tür klopfte und eintrat. Er war ein hochgewachsener Mann mit sorgfältig gescheiteltem Haar und buschigen Brauen über stahlblauen Augen. Seine maßgeschneiderte Uniform saß makellos. Ein vorbildlicher Ranger, der schon seit einigen Jahren im Denali National Park seinen Dienst tat. »Was wissen Sie über Wölfe, Julie?«, fragte er.
Julie war seine überraschenden Fragen schon gewöhnt und wunderte sich nicht. »Wölfe werden zu Unrecht verteufelt«, antwortete sie, »daran sind die Märchen und Legenden schuld. Bei den Indianern hatten Wölfe ein großes Ansehen, und das vollkommen zu Recht. Sie greifen Menschen nur in den Zeiten höchster Not an, in besonders strengen Wintern, wenn sie nichts anderes mehr zu fressen haben. Sie leben in Rudeln zusammen, sind wesentlich straffer organisiert als die Menschen und gehorchen ihrem Anführer, dem Alphawolf, bedingungslos. Sie sind aber auch rührend um ihre Jungen besorgt, die meist im Mai geboren werden und schon früh lernen, sich in der Wildnis zu behaupten. Wölfe jagen vor allem Karibus und Elche und verständigen sich durch eine ausgeprägte Körpersprache. Bei uns in Denali gibt es ungefähr sechzig Wölfe, die sich auf neun Rudel verteilen … nein, es sind acht Rudel.«
»Sehr gut!«, lobte der Superintendent. »Ich merke schon, Sie haben Ihre Hausaufgaben gemacht. Würden Sie gern mal Wölfe aus der Nähe sehen?«
»Natürlich, Sir. Wenn es sich mit meiner Arbeit vereinbaren lässt?«
»Das tut es, Julie. Wie Sie wissen, haben wir vor einigen Wochen mit unserem neuen Wolf Monitoring Program begonnen. Biologen der University of Alaska in Fairbanks legen ausgesuchten Wölfen ein Funkhalsband an, das uns täglich übermittelt, wo sich die Tiere gerade aufhalten. Dazu müssen die Wölfe mit Betäubungspfeilen sediert und gründlich untersucht werden. Heute wird ein Mitarbeiter der Universität ein weiteres Tier mit einem Sender versehen. Gewöhnlich begleiten eine Rangerin oder ein Ranger den Biologen auf seinem Flug. Heute werden Sie diese Begleitung sein. Melden Sie sich bei Dr. John Blake am Hubschrauberlandeplatz. Nehmen Sie ein Lunchpaket mit.«
»Jetzt gleich?«
»Start in …« Er blickte auf die Uhr. »… zehn Minuten, Julie.«
Julie bedankte sich und rannte in die kleine Blockhütte zurück, die sie mit Carol Schneider teilte. Die Rangerin war sieben Jahre älter als sie und für ihre Ausbildung verantwortlich, eine sportliche Frau mit dunklen Haaren, die sie wie immer während der Dienstzeit zu einem Knoten gebunden hatte. Vor einigen Jahren war sie Fünfte beim Iditarod gewesen, dem legendären Hundeschlittenrennen zwischen Anchorage und Nome, das über tausend Meilen durch die Wildnis führte. Nur einer von vielen Gründen für Julie, um zu ihr aufzublicken.
Carol war gerade dabei, ihre Schmutzwäsche zu sortieren, nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung. »Du hast großes Glück, weißt du das?«, empfing sie ihre Mitbewohnerin und warf eine Bluse auf den Haufen mit der weißen Wäsche. »Normalerweise können Praktikantinnen froh sein, wenn sie mal einen Wolf aus der Ferne sehen dürfen. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Super einem Grünschnabel jemals erlaubt hat, mit einem der Biologen mitzufliegen.« Sie stopfte ihre Wäsche in einen Plastikbeutel. »Ich hoffe, dir wird nicht schlecht vom Fliegen. Kenny war Kampfpilot und ist ein echter Draufgänger.«
»Ich werd’s überleben«, erwiderte Julie. Sie schlüpfte in ihren Anorak, schnappte sich ihren Feldstecher und ließ sich in der Küche ein Chicken Salad Sandwich in Zellophan packen und ihre Thermosflasche mit heißem Tee füllen. Fünf Minuten später meldete sie sich bei Dr. John Blake, dem Biologen der University of Alaska, Fairbanks. »UAF« stand auf seinem Anorak.
Aus irgendeinem Grund hatte sie einen bärtigen Professor erwartet, ungefähr zwanzig Jahre älter und mit einem mitleidigen Lächeln, weil er sie für ein unbedarftes Greenhorn hielt. Doch Blake war höchstens vier oder fünf Jahre älter als sie und die Stoppeln auf seinem Kinn konnte man kaum als Bart bezeichnen. Sein Lächeln erinnerte sie an einen Schauspieler, den sie in einer Wiederholung von »Sex and the City« gesehen hatte. »Doktor Blake?«
»Nennen Sie mich John«, sagte er. Sein Lächeln war wirklich sehr sexy. »Und Sie müssen Ranger Wilson sein. Der Super hält große Stücke auf Sie.«
»Julie«, verbesserte sie.
»Und dieser Teufelskerl«, er zeigte auf den Hubschrauberpiloten, »ist Kenny Longmire.« Sie winkte dem rothaarigen Mann am Steuerknüppel zu. »Er hat etliche Kampfeinsätze in Afghanistan geflogen, und ich muss ihn öfter daran erinnern, dass wir hier nicht am Hindukusch sind. Aber keine Angst, wenn es einen Piloten gibt, der sein Metier beherrscht, dann ist es Kenny.«
»Das will ich doch hoffen, John.«
John wurde ernst und nahm sein Gewehr von der Schulter. »Also, die Sache läuft folgendermaßen ab: Eine Super Cub ist bereits in der Luft und sucht nach den Wölfen am Rock Creek. Das Rudel interessiert uns und Ihre Vorgesetzten im Nationalpark am meisten. Sobald der Pilot der Super Cub die Wölfe entdeckt hat, starten wir mit dem Chopper. Sie sitzen neben Kenny. Ich sitze auf der Rückbank, damit ich besser auf die Wölfe zielen kann.« Er hielt das Gewehr hoch. »Damit schieße ich den Betäubungspfeil ab. Wenn der Wolf zusammenbricht, gehen wir runter und untersuchen ihn. Lassen Sie uns einsteigen, Julie. Wenn uns die Super Cub ruft, muss es sehr schnell gehen.«
Kaum waren sie eingestiegen und hatten sich angeschnallt, als die Meldung kam. »Ich hab das Rudel«, meldete sich der andere Pilot, »direkt am Flussufer.« Er gab die Koordinaten durch. »Beeilt euch, bevor sie in das Wäldchen abhauen!«
Das brauchte man Kenny nicht zweimal zu sagen. Er hatte den Hubschrauber, eine Bell 206 JetRanger, längst gestartet und hob vom Boden ab. Noch während des Steigflugs ließ er die Nase nach vorn kippen und ging auf Kurs. »So ein Baby hätte ich gern am Hindukusch gehabt«, rief der Pilot begeistert, »damit hätte ich die Taliban im Alleingang vertrieben. Gegen die schwerfälligen Armeehubschrauber ist das Ding ein wahres Schmuckstück!«
Julie war schon öfter in einem Hubschrauber mitgeflogen, aber noch nie mit einem Piloten wie Kenny Longmire. Er flog schnell und wagemutig und freute sich wie ein Junge, wenn er in einen tiefen Einschnitt zwischen den Bergen hinabstechen und dicht über die Ufer des vereisten Rock Creek hinweggleiten konnte. Gleichzeitig flog er so sicher, dass sie keine Angst empfand.
Wie Kenny und John hatte auch Julie die Kopfhörer aufgesetzt. Sie hörte den Funkverkehr zwischen »Chopper 1« und »Super Cub 1« mit, konnte sich aber auch mit den Männern über das Mikrofon des Headsets austauschen. Vor der Glaskuppel des Hubschraubers flog ihr die Landschaft wie auf einer Kinoleinwand entgegen: ausgedehnte Wälder, die sich dunkel von den verschneiten Bergen und Tälern abhoben, das schimmernde Eis des Flusses, scharfkantige Felsen. Es war eine scheinbar unberührte Wildnis, die sie immer wieder staunen ließ, obwohl sie fast die Hälfte ihres Lebens in Alaska verbracht hatte und es kaum einen Tag gab, an dem sie nicht in der Natur unterwegs war.
Jetzt im Januar ging die Sonne ungefähr um zehn auf und um drei wieder unter, ihnen blieben also fünf Stunden, um ihre Arbeit zu erledigen, mehr als genug, wenn man glauben konnte, was Kenny erzählte: »Letztes Mal haben wir keine zwei Stunden für die Affäre gebraucht. Sie hätten John sehen sollen … gleich mit dem ersten Pfeil hat er den Wolf getroffen. Der rannte noch fünf Minuten weiter und brach am Waldrand zusammen, ich sofort runter, und eine knappe Stunde später waren wir schon wieder in der Luft. Das machen wir heute genauso. Stimmt’s, John?« Er drehte sich zu dem Biologen um. »Es sei denn, die University of Alaska will ein Vermögen für den Hubschrauber ausgeben.«
»Wenn du mich nahe genug an den Wolf ranbringst, kann gar nichts passieren«, sagte John. »Oder willst du wegen des bisschen Nebels umkehren?«
Kenny blickte nach unten, wo sich dünne Nebelschwaden gebildet hatten und die Sicht erschwerten. »Das nennst du Nebel? Du hättest am Hindukusch dabei sein müssen, da war Nebel, und zu allem Unglück ballerten noch die Taliban mit ihren Raketen auf mich.« Es klang beinahe so, als sehnte er sich nach den...
| Erscheint lt. Verlag | 30.6.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Alaska Wilderness | Alaska Wilderness |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre | |
| Schlagworte | Bergwanderung • Bundle • Dengali Nationalpark • Geheimnis • Huskys • Ranger • Rudel • Schneesturm • Thomas Jeier • Tierschützer • Trapper • TRIP • Wildnis |
| ISBN-10 | 3-7641-9149-X / 376419149X |
| ISBN-13 | 978-3-7641-9149-8 / 9783764191498 |
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