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Ellen und die lustige Ursel (eBook)

Schöner Jugendroman
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
130 Seiten
e-artnow (Verlag)
978-80-268-5300-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Ellen und die lustige Ursel -  Josephine Siebe
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Dieses eBook: 'Ellen und die lustige Ursel' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Josephine Siebe (1870-1941) war eine deutsche Redakteurin und Kinderbuchautorin. Sie verfasste zwischen 1900 und 1940 fast 70 Bücher für Kinder und heranwachsende Mädchen, daneben eine Vielzahl von Beiträgen in Jahres- und Sammelbänden. Aus dem Buch: 'In dem lieben jungen Gesicht hellte ein Lächeln auf. Rasch kuschelte sich Ellen neben die dicke Frau und enthüllte derselben ihren ganzen Plan. Ihr Bruder Friedrich sollte mitreisen nach Wolkenburg, in die Heimat der Tante Hofrat Schilling. Dort sollte er in irgendeinem kleinen Gasthaus wohnen, und sie wollte der Tante und dem Onkel, der auch in Wolkenburg wohnte, allmählich erklären, wie ungerecht Friedrich behandelt würde. 'Das wird er nu wirklich,' sagte Frau Bienert. 'Ist das 'ne Art, einen jungen Mann, weil er nicht werden mag, was der Herr Vormund will, einfach - nu sagen wir mal, vor die Türe zu setzen.' Ellen nickte traurig. Ja, so war es. Vor ein paar Jahren hatten weder sie noch ihr Bruder gedacht, daß sie einst beide einmal das Gnadenbrot der Verwandten würden essen müssen. Da lebten ihre Eltern noch. Der Vater, der schon jung einen großen Ruf als Gelehrter hatte, und die heitere, tätige Mutter. Und dann starben beide kurz hintereinander, der Vater nach langem Siechtum, die Mutter erschöpft von der unermüdlichen Pflege und dem tiefen Gram. Es fand sich, daß für die Kinder nichts geblieben war...'

2. Kapitel.
Alte Geschichten.


Frau Bienert mußte an diesem Nachmittag samt ihrer großen Schere sich in Geduld fassen, denn Ellen Leander, die sonst in allen Dingen flink wie ein Wiesel war, kam und kam nicht wieder. »Wenn se den Stoff mit hätte, dächte ich, sie machte gleich das Kleid,« brummte Frau Bienert, als sie zum fünften Male aus dem Fenster blickte und Umschau nach der Ausbleibenden hielt. »Na, und nu mach' ich das Abendbrot, dann wird se schon kommen.«

Vielleicht war es gerade in dem Augenblick, als Friedrich Leander zu seiner Schwester sagte: »Jetzt wollen wir umkehren, sonst wartet Mutter Bienert mit dem Abendessen auf uns.«

Sie liefen beide einen grünen, etwas vom Großstadtlärm entfernten Weg entlang und hielten sich dabei wie die verlaufenen Kinder im Märchen an den Händen. Ellen hatte dem Bruder ihren Plan enthüllt, und der hatte erst nein gesagt, er wollte sich den Verwandten nicht aufdrängen. Doch der Schwester sanftes Zureden hatte das Nein in ein Ja verwandelt. Ellen hatte recht, der Vormund selbst kannte ihn ja gar nicht, und vielleicht gelang es doch, Anerkennung bei ihm für sein Studium zu finden. Auch fiel er ja den Verwandten nicht zur Last, wenn er irgendwo wohnte. Es war ein freudiges Rechnen, das beide anstellten, Ellen kletterte mit ihren Ansprüchen für den Bruder ein bißchen in die Höhe, behauptete, sie brauche selbst gar nichts, er aber redete von einem Bauernhaus in Wolkenburgs Nähe, in dem er vielleicht Aufnahme finden würde. »Billig, billig, billig muß es sein,« rief er lachend.

Doch Ellen klagte: »Dann bist du doch nicht in meiner Nähe, wenn du irgendwo auf dem Dorfe wohnen willst.«

»Holde Schwester, vertrau auf diese hier,« erwiderte Friedrich und schlug auf seine langen schlanken Beine. »Die überbrücken jede Entfernung, sie sind meine Elektrische und mein Auto zugleich.«

»Und die meinen kommen den deinen entgegen, und wir treffen uns unterwegs,« rief Ellen froh. »Nun aber komm flink. Lieber Himmel, Mutter Bienert und ihre Schere, was werden die sagen, wenn ich so spät komme!«

Dann eilten sie heimwärts, und sie kamen gerade, als Frau Bienert mit einem befriedigten »So« den letzten Teller auf den Tisch stellte. Die Flurtüre, etwas altersschwach, wie alles im Hause, knarrte und rasselte, und die fröhlichen Stimmen der Geschwister wurden laut. »Nu schimpfe ich,« dachte Frau Bienert, aber sie schimpfte nicht. Ellen hing ihr auf einmal wieder am Halse, Friedrich drehte die beiden rundum, die dicke Frau pustete, lachte, schrie, und dabei erfuhr sie, daß Friedrich mitfahren wolle, den Plan der Schwester guthieße und daß Ellen den Schnitt nicht besorgt hätte, weil, ja weil sie eben mit dem Bruder spazieren gegangen war.

»Nä so was!« Frau Bienert schüttelte den Kopf, und dann ließ sie sich von den beiden fröhlichen jungen Menschen in ihre Stube ziehen, atemlos sank sie auf ihr Sofa nieder, vor dem der gedeckte Tisch stand, und als sie sagen wollte: »Nu eßt,« reichte ihr Friedrich schon die Kartoffelschüssel hin und bat: »Essen Sie, verehrte Mutter Bienert, ich geb's Ihnen gerne! Dies ist eine ganz seltene Frucht.« Es war ein vergnügtes Mahl, das die drei zusammen hielten. Sehr reich war der Tisch freilich nicht bestellt, außer den Kartoffeln, die Friedrich bald Lukullusfrüchte, bald Hesperidenäpfel nannte, gab es nicht viel. Aber eine munterere Laune konnte an der glänzendsten Tafel nicht herrschen. Friedrich war unerschöpflich in lustigen Einfällen, und da Frau Bienert all die schönen Namen, die er den Gerichten gab, wunderlich verdrehte, kamen die drei aus dem Lachen nicht heraus.

Von der Reise redeten sie dann auch, als die Kartoffelschüssel leergegessen war. Friedrich rief: »Mutter Bienert, wenn die Tante Hofrätin halb so nett ist wie Sie, dann wird's gut. Himmel, was ist Ihnen, haben Sie Essig getrunken?«

Nein, Essig hatte Frau Bienert nicht getrunken, aber sie schnitt wirklich ein sehr säuerliches Gesicht. Und Ellen kam es in den Sinn, daß sie dieses Gesicht schon ein paarmal aufgesetzt hatte, wenn von der Tante Hofrat die Rede war. Sie fragte darum in jäh erwachter Angst: »Mutter Bienert, Sie kennen wohl die Tante?«

»Nu kennen, was man so richtig kennen nennt niche, aber kennen tu ich sie freilich,« orakelte Frau Bienert. Und als sie in die etwas verdutzten Gesichter der Geschwister sah, die aus dieser geheimnisvollen Kenngeschichte nicht so recht klug wurden, erzählte sie flink, wo sie einst die Tante Hofrätin kennen gelernt hätte. Im großelterlichen Hause von der Mutter her war diese mit der Schwester zu Gaste gewesen. »Bei Leanders, euren Großeltern, waren sie, na, und wer da war, der kam allemal in eurer Mutter Elternhaus, das war mal so,« sagte Frau Bienert. »Und das Linchen, die jetzige Frau Hofrätin, ist oft gekommen, obgleich eure Mutter ein paar Jahre jünger, fast noch ein Kind war. Ich habe immer gemeint, sie ist wegen der vielen Himbeeren gekommen, die im Garten wuchsen, die aß sie so gerne. Ein Leckermaul war sie, und eine Zimpersuse dazu. Na, es kann sich ja geändert haben. Ihre Schwester Regine war freilich anders, ganz anders. Hm, ja die!« Frau Bienert schwieg, und die Geschwister fragten wie aus einem Munde: »Wie war diese denn?«

»Aparte war sie,« brummelte Frau Bienert. »Klug und alleweile trug sie ihre Nase so hoch wie eine Prinzessin. In die Himbeeren ist sie nie gegangen, aber in eures Großvaters Bücherstube hat sie gesteckt. Ja, ja, und dann hat sie sich mit 'nem schönen feinen Herrn verlobt, und das Glück wäre wohl groß gewesen, wenn sie sich geheiratet hätten. Ja, ja!«

»Aber warum haben sie sich denn nicht geheiratet?« fragte Ellen hastig. Sie war voll drängender Neugier, diese Tante Regine fesselte sie viel mehr als die Frau Hofrat, auch ihr Bruder sagte: »Sie müssen uns den Schluß der Geschichte nicht vorenthalten, Mutter Bienert. Wie ist's mit der Prinzessin geworden, die keine Himbeeren aß, das läßt auf eine Geschmacklosigkeit schließen, ich wäre himmelgern in die Himbeeren gegangen.«

Frau Bienert lachte ein wenig, aber gleich darauf zeigten sich auf ihrem Gesicht wieder Sorgenfalten und sie murmelte bedrückt: »Lieber Himmel, er ist doch gestorben. Sie haben gesagt, er hätte sich die Krankheit geholt, als er ein Kind aus dem Wasser gezogen hat. Ganz kurz vor der Hochzeit war es. Na ja, und weiter weiß ich nichts, aber ich denke alleweile, das Fräulein Regine wird später einen anderen geheiratet haben. An Freiern hat's ihr nicht gefehlt.« Mit dieser erfreulichen Aussicht schloß Frau Bienert ihre Erzählung, und Ellen, die schon das allertiefste Mitleid mit der ihr fremden Anverwandten bekommen wollte, atmete wieder erleichtert auf. Es gefiel ihr nur nicht, daß Frau Bienert so gar nichts von der schönen Regine weiter wußte.

»Denken Sie doch einmal nach, Mutter Bienert,« bat sie, »vielleicht fällt es Ihnen doch ein, was aus dieser Regine geworden ist.«

»Nä doch, wie kann mir denn was einfallen, was ich nicht weiß,« rief diese etwas unwirsch. »Nachher ist mein Bienert wieder gekommen, und dann hat's bei mir Hochzeit gegeben, und ich bin fortgezogen, gerade fünfzehn Jahre war eure Mutter damals. Die hat mir aber versprochen: Bertchen, wenn ich mich verlobe, kriegst du 'ne Anzeige! Na, und sie hat Wort gehalten, ich kriegte 'ne Anzeige, und dann war's alle, bis wir uns mal hier wieder getroffen haben, aber das wißt ihr ja.«

Ja, wie das gewesen war, wußten die beiden wohl. Da war eines Tages Frau Bienert angekommen, sie hatte die Nachricht vom Tode des Professors in der Zeitung gelesen. Breit, stattlich, freundlich hatte sie vor der müden blassen Frau gestanden und gleich gesehen, es gab allerlei zu helfen und zu pflegen. Und von dem Tage an war Frau Bienert immer dagewesen, wenn sie gebraucht wurde, zuletzt war sie von der Kranken überhaupt nicht mehr weggegangen. Sie ahnte vielleicht, welch ein Trost ihre gute warme Stimme der armen Mutter war, die so schweren Herzens ihre Kinder allein ließ.

»Ach, Mutter Bienert, ich graule mich ein bißchen vor dieser Frau Hofrat,« sagte Ellen seufzend.

»Ih lieber gar, wer wird denn so was tun! Vor dem Linchen hab ich mich nie gegrault, das war mir zu klein und zimperlich. Aber gut ist's am Ende schon, daß der Herr Friedrich mitfährt. Ojemine, nun müssen wir doch auch noch dem seine Sachen richten.«

Frau Bienert sprang auf und raffte hurtig das Geschirr zusammen. Sie war plötzlich in solcher Eile, als wollten die Geschwister morgen schon reisen. Ellen half ihr dabei, Friedrichs Hilfe aber wurde von beiden abgelehnt, er solle nur an seine Arbeit gehen, riet ihm die dicke Frau fürsorglich. »Dabei kann er nämlich keine Teller zerschmeißen,« sagte sie hörbar genug zu Ellen. Friedrich, der es gut vernahm, rief lachend hinaus: »Mutter Bienertchen, Sie verleumden mich und meine wirtschaftliche Tätigkeit. Lassen Sie mich einen Tag den Haushalt führen, dann sollen Sie sehen, daß –"

»Alles drunter und drüber geht. Nä, nä, Herr Friedrich, mit Ihren Büchern, da wissen Sie Bescheid, aber nicht mit meiner Wirtschaft. Ei du heiliger Strohsack, ich denk' immer noch an das Kaffeegekoche, die ganzen Bohnen haben Sie ins Wasser getan und –"

»Genug, genug, ich flüchte in meinen Tempel,« schrie Friedrich. Die Türe klappte, und in der Küche sagte Frau Bienert mit breitem behaglichem Lachen: »Ein engelsguter Mensch ist Ihr Friedrich, Fräulein Ellen, aber als Dienstmädchen möcht' ich 'n doch nicht haben.«

Ellen lachte hell auf bei dem Gedanken, der liebe unpraktische Bruder sollte in einem Haushalt helfen. O, wie viele verkehrte törichte lustige Taten hatte er schon...

Erscheint lt. Verlag 11.4.2016
Verlagsort Prague
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
Kinder- / Jugendbuch Kinderbücher bis 11 Jahre
Kinder- / Jugendbuch Spielen / Lernen Abenteuer / Spielgeschichten
Schlagworte 20. Jahrhundert • Colleen Hoover • Deutschland • die kleine Prinzessin" • Emotionale Atmosphäre • Enid Blyton • erzählerisch • Familientragödie • Gefallene Mädchen • Geschwister • Harry Potter • Hoffnung • Jeff Kinney • John Green • Kinderbuch • Little Women • Percy Jackson • Pippi Langstrumpf • "Sara • Waisen • Wolkenburg
ISBN-10 80-268-5300-8 / 8026853008
ISBN-13 978-80-268-5300-8 / 9788026853008
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