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Die Schloßkinder auf Rabenburg (eBook)

Kinder- und Jugendroman
eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
180 Seiten
e-artnow (Verlag)
978-80-268-5296-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Schloßkinder auf Rabenburg -  Josephine Siebe
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Dieses eBook: 'Die Schloßkinder auf Rabenburg' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'Irgendwo im deutschen Land, lieblich von den Wellen eines Flusses umspült, liegt eine kleine Insel, die Rabeninsel genannt. Sie trägt ihren Namen nach den vielen, vielen Rabenkrähen, die auf ihren Bäumen horsten. So viele sind es, daß Baum an Baum mit Nestern besetzt ist und wenn die Vögel abends heimkehren, ist es, als zögen dunkle Wetterwolken daher. Die Luft is4 dann erfüllt von einem lauten Geschrei, die Menschen, die in der Nähe wohnen, beklagen sich wohl und meinen, es wären der Vögel zu viele auf der Insel. Sie wissen nichts davon, wie sehr den Krähen ihre Insel gefällt, denen ist sie ihr Königreich und den Ruhm dieser kleinen, grünen Insel verkünden die Vögel im Süden und Norden, in Ost und West. Voll Sehnsucht erzählen sie sich von dem schönen Eiland und preisen jene glücklich, denen die Insel Heimat ist. - Es war an einem Sommermorgen zu der Stunde, da Tag und Nacht sich scheiden. Im Osten schimmerte erst ein schwaches Rot am Himmel, denn die Sonne ruhte noch. Aber die Vögel waren schon wach. Da und dort grüßte ein helles Zwitschern den anbrechenden Tag, im nahen Dorf krähten zwei Hähne um die Wette und am Flußufer schwätzten lustig ein paar Wasservögel. Dazwischen lauschten die Vögel aber immer wieder hinüber nach der Rabeninsel und einer rief es dem andern wieder und wieder zu: 'Heute ziehen sie, heute ziehen sie!' Josephine Siebe (1870 - 1941) war eine deutsche Redakteurin und Kinderbuchautorin. Sie verfasste zwischen 1900 und 1940 fast 70 Bücher für Kinder und heranwachsende Mädchen, daneben eine Vielzahl von Beiträgen in Jahres- und Sammelbänden.

2. Kapitel. In der neuen Heimat.


Zwei Kinder, Bruder und Schwester, saßen unter vielen fremden Menschen in dem Zuge, den die Krähen überflogen. Das Mädel hatte silberblondes Haar, und sein Gesicht sah blaß und zart aus; es glich einer weißen, feinen Gartenblume. Der Knabe war kräftiger, blühender, er hatte dunklere Haare, doch seine Augen waren gerade so blau und strahlend wie die der Schwester. Die Kinder saßen still nebeneinander und blickten zum Fenster hinaus, manchmal sah die blasse Schwester den Bruder an, dann nickte der und sagte: »Hab' keine Angst, Gundel, ich bin ja bei dir!«

Darauf lächelte die Kleine zuversichtlich und schmiegte sich noch ein wenig fester an den Bruder an. Dann und wann versuchte jemand von den Mitreisenden mit den Kindern ein Gespräch anzufangen. Woher sie kämen, wohin sie wollten, warum sie so allein reisten? Doch die beiden gaben nicht viel Antwort und die Fremden gaben das Fragen immer bald wieder auf. Bei jeder Station sah der Knabe emsig in sein Taschenbüchlein und die Schwester fragte: »Sind wir bald da?«

»Noch nicht, noch nicht,« erwiderte der Bruder, bis er endlich rief: »Auf der nächsten Station steigen wir aus!« Ganz eilfertig holte der Knabe ein bescheidenes Handköfferlein aus dem Gepäcknetz, suchte Mäntel und Schirme zusammen und sagte immer wieder: »Gleich sind wir da!«

»Na, so schnell geht's noch nicht,« brummte ein dicker Herr, der den beiden gegenüber saß, »der Zug hält erst in P., bis dahin fahren wir noch gut eine halbe Stunde.«

»Wir steigen in Friedebach aus,« sagte der Knabe sehr höflich und bescheiden.

»Dort hält der Zug nicht.«

»Doch, hier steht's,« rief der Knabe nun eifrig und hielt sein Taschenbüchlein dem dicken Herrn hin. Der sah hinein, schüttelte mit dem Kopf und sagte trocken: »Da steht's schon, aber es stimmt nicht. Ich fahre oft hier, der Zug hält in Friedebach nicht, es ist ein Schnellzug.«

Die Kinder sahen sich erschrocken an, Gundel wurde noch blässer vor Schreck, aber der Bruder meinte rasch: »Er wird schon halten der Herr Rat hat es doch gesagt.«

»Er hält nicht,« rief der dicke Herr nun ärgerlich und bat den Schaffner herbei, der eben durch den Wagen ging. Der kam, betrachtete die Fahrkarten der Kinder und sagte: »Ja, ihr hättet in L. umsteigen müssen, der Zug geht weiter, er hält wirklich nicht in Friedebach.«

Gundel brach in Tränen aus, aber der Bruder hielt sich tapfer und fragte wie ein alter erfahrener Reisender, wie er wohl nach Friedebach käme? »Mit dem nächsten Zug, nach drei Stunden geht einer von P. zurück,« gab der Schaffner Auskunft. »Aber freilich nachzahlen müßt ihr in P., was das Billet mehr kostet, auch ein neues nach Friedebach lösen.«

In die schmalen seinen Gesichter stieg dunkle Glut. Die beiden sahen sich verlegen an und endlich sagte der Knabe leise, beschämt: »Wir haben kein Geld.«

»Ja, das ist sehr schlimm,« meinte der Schaffner. Und dann redeten alle im Wagen hin und her, die Kinder wurden darüber immer verlegener, bis schließlich der dicke Herr sagte: »Ich steige auch in P. aus, ich will schon sehen, wie es wird.« Dann wandte er sich an die Geschwister mit der Frage: »Wohin wollt ihr denn? Ich kenne die Gegend gut.«

»Nach der Rabenburg,« erwiderte der Knabe und seine Stimme klang nun ganz hell vor Freude.

»So, so,« brummte der Frager, »kenne ich. Da könntet ihr aber gut von P. aus gehen und euer Gepäck könnte der Botenkarl tragen. Zwei Stunden, weiter ist's nicht, freilich dem Mädel mag's zuviel sein. Wollt ihr zum Herrn von Tracht?«

Die Kinder nickten beide und das Mädel rief froh: »Zwei Stunden geh' ich schon, Dieter.« Sie sah hinaus, sah draußen den Wald an den Schienen entlang stehen und flüsterte halb sehnsüchtig halb bang: »Geht der Weg wohl durch den Wald?«

»Ein Stücklein schon, aber seht einmal rasch hinaus, da drüben, das ist die Rabenburg,« rief der dicke Herr.

Ein schmales Tal tat sich auf, von Wald und Hügel umschlossen. Ein Dörfchen lag im Grunde und ferne stand über dem Wald auf einem runden Berg ein Schlößchen. Es war nur wenige Minuten sichtbar, dann lief der Zug mit viel Getöse durch einen langen schwarzen Tunnel. »Er fürchtet sich, darum brüllt er so,« dachte Gundula von dem Zug, aber der war schnell wieder draußen im Licht, und es gab ein anderes Bild. Doch den Kindern lag das Schloß auf dem Berge im Sinn und sie redeten leise davon, sie hofften dort eine Heimat zu finden.

»Nun müßt ihr aussteigen, jetzt kommt P.,« sagte in ihr Flüstern hinein ihr dicker Nachbar. Er sagte das zwar brummig, aber seine hellen guten Augen schauten die Kinder dabei so freundlich an, daß die ihm ohne Zureden folgten. Hinaus auf den Bahnsteig, durch die Sperre hindurch, es ging ganz leicht, alle Beamten schienen den Beschützer der Kinder zu kennen. Sie nickten als er ihnen etwas sagte. Und zu Gundels großer Erleichterung hielt niemand sie fest, es verlangte auch niemand Geld von ihnen. Vor dem Bahnhof stand ein Kutschwägelchen. »Steigt mit ein,« sagte der dicke Herr. »Ein Stück könnt ihr mit mir fahren, dann zeige ich euch den Weg!« »Hoppla!« da saß er drinnen im Wagen, er füllte beinahe den ganzen Vordersitz aus und es war gut, daß die Kinder so schlank und schmal waren, da hatten sie bequem auf dem Rücksitz Platz, auch das Köfferlein konnte untergestellt werden.

»Werdet ihr den nachher auch tragen können?«

»O ja,« rief Dieter auf diese Frage des Fremden. »Er ist ja nicht schwer, das andere Gepäck wird uns nachgeschickt.«

»Aber der Weg ist lang und heiß ist's auch, gar so kräftig seht ihr mir nicht aus. Wollt wohl zu den Ferien auf die Rabenburg?«

»Nein – – für immer.« Halb scheu sagte es Dieter und halb stolz.

»Für immer?« Der dicke Herr musterte die beiden aufmerksam. »Heißt ihr auch von Tracht?«

Dieter sagte »ja« und Gundel nickte ernsthaft.

»Schau, schau. Vor langen Jahren, ich war damals noch ein junger Bursch, hatte ich einen lieben kleinen Kameraden, Hans Dieter von Tracht. Ein lustiger Kerl, ist nachher Marineoffizier geworden und soll irgendwo auf fernen Meeren untergegangen sein. War das euer Vater?«

Die Augen der Kinder leuchteten, sie nickten stolz. »Ja, unser Vater. Mutter sagte, er hat sechs Menschen gerettet, dabei ist er ums Leben gekommen.«

»Sieht ihm ähnlich. Ja, so was glaub' ich von ihm.« Der Fremde fuhr sich über die Augen und sagte dann weiter: »Und eure Mutter?«

Da schluchzte Gundel auf und Dieter senkte den Kopf. »Mutter ist auch tot.«

»Also Waisen, arme Kinder,« dachte der dicke Herr und dann fragte er herzlich und gut nach allerlei, daß der beiden Vertrauen noch wuchs, sie erzählten dies und das, erzählten, daß sie eine Zeitlang bei einer Freundin der Mutter gewesen wären, dann in Erziehungsanstalten, zuletzt bei ihrem Vormund; das sagten sie bedrückt, und ihr Beschützer merkte rasch, dort war es nicht gut gewesen. Er fragte aber nicht und die Kinder erzählten ihm auch nicht, wie einsam sie sich in dem reichen Hause gefühlt hatten, in dem die Hausfrau nur ihr Vergnügen, ihre Gesellschaften, ihre Kleider und dergleichen im Sinn hatte und der Mann nur darauf bedacht war, viel Geld, immer, immer mehr Geld zu erwerben.

Aber Dieter berichtete und seine Stimme klang wieder hell und froh: »Auf einmal hat der Großonkel geschrieben, wir sollten zu ihm kommen und dort bleiben.«

Der Fremde nickte. »Mag's euch auf der Rabenburg so gut gefallen wie einst eurem Vater. Aber, holla! hier müßt ihr aussteigen!«

Am Waldrand hielt der Wagen und der Weg verlor sich in den Wald in eine grüne, geheimnisvolle Dämmerung hinein. Bunte Blumen standen da, so wie Pagen um eines Königs Thron stehen.

»Hier müßt ihr durchgehen, fürchtet ihr euch?«

»Nein,« riefen beide, denn der Weg schien ihnen lockend und lieblich.

»Ist auch nichts zu fürchten, bei uns hier nicht, geht nur immer gerade aus, dann links, da kommt ein Wegweiser nach Untersberg, den Weg müßt ihr gehen.«

Gundel hatte kaum auf des freundlichen Herren Rat gehört. Sie schaute in den Wald hinein. Auf dem Weg lagen goldene Lichtflecke und ein feines Summen und Sausen war hörbar, das vereinte sich mit dem Rauschen der Bäume und klang wie ein Lied. »Dieter,« flüsterte die Kleine tief atmend: »Der Wald ist aber arg schön.«

»Ja,« sagte Dieter froh und sein Blick lief bewundernd die hohen Bäume entlang, »so einen schönen Wald hab' ich noch nie gesehen.«

»Hohohoho!« lachte da aus einmal der dicke Herr, »das ist kurios, sehr kurios. Ihr seid mir ein paar echte Trachts. Na, grüßt mir euren Großoheim und Gott befohlen! Hohoho, kurios, sehr kurios!«

Das Wäglein rollte davon, sein Insasse nickte und winkte noch und verdutzt schauten ihm die Kinder nach. Was kurios an ihrer Waldfreude war, begriffen sie nicht, aber schwer fiel es ihnen aufs Herz, daß sie sich nicht bedankt hatten und eilig rannte Dieter dem Wagen nach und schrie höflich: »Schönen Dank!«

Über das gute breite Gesicht des Herrn ging ein Lachen, er nickte und winkte, rief auf Wiedersehen und dann bog der Wagen um eine Waldecke und die Kinder waren allein, sie hörten nur noch das ferner und ferner klingende Rollen. Noch nie waren sie in ihrem Leben so allein im Walde gewesen und unwillkürlich faßte Gundel des Bruders Hand. »Du, es ist so arg still,« flüsterte sie.

Der nickte und schaute sich um, »aber schön ist's.« Sein Blick fiel auf ein paar große blaue Glockenblumen und rasch bückte er sich, pflückte sie ab...

Erscheint lt. Verlag 11.4.2016
Verlagsort Prague
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
Kinder- / Jugendbuch Sachbücher Tiere / Pflanzen / Natur
Kinder- / Jugendbuch Spielen / Lernen Abenteuer / Spielgeschichten
Schlagworte 1920er Jahre • Colleen Hoover • David Levithan • Deutschland • Enid Blyton • Gefallene Mädchen • Harry Potter • Idylle • Jay Asher • Jeff Kinney • John Green • Kinderbuch • Kinderbuchautorin • Little Women • Natur • Percy Jackson • rabeninsel • Redakteurin • Sommermorgen • Vögel
ISBN-10 80-268-5296-6 / 8026852966
ISBN-13 978-80-268-5296-4 / 9788026852964
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