Ange im Turnier - Band 1 (eBook)
231 Seiten
Saga Egmont (Verlag)
978-87-11-50823-7 (ISBN)
Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch 'Tapfere junge Susanne'. Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.
Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch "Tapfere junge Susanne". Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.
»Verbot! Ich bin alt genug, um selbst zu wissen –«
»Ange!« rief Margot dazwischen. Aber es war schon zu spät. Ange ließ sich hinreißen, sie war zu aufgeregt, es ging mit ihr durch.
»Kein vernünftiger Mensch verbietet einem anderen, der sich unsicher fühlt, noch mal eine Aufgabe zu lösen. Wenn ich es nicht versucht hätte –«
»Dann hättest du morgen reiten können. So kannst du es nicht«, sagte Kornelius.
Ange sprang auf. Sie packte ihn bei den Schultern.
»Aber es kann doch noch – wenn es nicht gebrochen ist, kann es doch noch gut werden bis morgen vormittag! Wenn wir es kühlen – und ich habe auch Alfreds Wundersalbe da. Gerade für Prellungen ist die so gut –«
»Trotzdem wirst du nicht reiten. Wenn ich etwas ganz genau weiß, dann das. Disziplin ist das erste, was ein Reiter haben muß«, sagte Kornelius Reuter. »Was du getan hast, ist disziplinlos. Ich werde Brokats Meldung sofort zurückziehen.«
Er wandte sich zur Tür. Jetzt aber griff Margot doch ein. Sie faßte ihn am Arm.
»Ist es nicht besser, wir warten damit?« fragte sie flehend. »Wenn wir das Bein mit der Salbe behandeln! Es ist doch noch Zeit bis morgen, eine ganze Nacht und ein halber Tag! Versuchen können wir es doch. Die Meldung zurücknehmen eilt doch nicht. Das genügt morgen kurz vor dem Ritt!«
»Brokat wird morgen nicht gehen«, sagte Kornelius Reuter, es klang unerbittlich und unerschütterlich. Margot schwieg. Ange schwieg auch. Reuter verließ den Stall.
»Ange!« sagte Margot schwach und schleppte sich zu Brokats Boxe. Ange stand darin, an das Pferd gelehnt, die Stirn in Brokats Mähne. Sie antwortete nicht. Plötzlich warf sie den Kopf zurück, sah Margot an, fragte:
»Glaubst du, daß er es ernst meint?«
»Natürlich!« Wenn Margot von etwas überzeugt war, dann davon. Ange packte sie an den Blusenaufschlägen.
»Auch, wenn das Bein abgeschwollen ist?«
»Aber Ange, du kennst deinen Mann doch!«
Ange überlegte noch eine Sekunde, dann schob sie Margot beiseite und lief aus der Boxe, aus dem Stall. Sie rannte wie eine Rasende, Margot wollte ihr eigentlich folgen, stand dann aber davon ab. Zu dieser Auseinandersetzung gehörten nur zwei.
Es dauerte nicht sehr lange, da kam Ange zurück. Sie war sehr blaß, aber sie weinte nicht. Margot hatte einen Ausbruch befürchtet und erhofft. Besser alles heraus aus dem Herzen, sich leerheulen, und dann wieder von vorn anfangen. Nur nichts verkrampfen! Sie betrachtete die Freundin mit Sorge.
Ange sagte nichts, sondern ging in die Ecke des Stalles, in der ihr Schlafsack auf dem Stroh lag, und begann, verschiedene Sachen in ihren Seesack zu stopfen. Margot kam zögernd heran.
»Was machst du denn?«
»Ich fahre weg. Ich fahre nach Hause. Hier bleib ich nicht«, fauchte Ange. »Ich hab es ihm gesagt. Wenn er mich morgen nicht reiten läßt, auch nicht, wenn Brokats Bein morgen wieder abgeschwollen ist und sie nicht mehr lahmt – dann fahr ich weg. Soll er doch sehen, wie er ohne mich auskommt!«
»Aber Ange! Das kannst du doch nicht!«
»Warum denn nicht? Wenn das A-Springen sowieso für mich ausfällt?«
Aber alles andere! Die Pflege der Pferde, das Voltigieren, die ganze Verantwortung – Margot sagte es nicht. Sie dachte es, aber sie sprach es nicht aus. Ange wußte das selbst genau genug ...
Oh ja. Ange wußte es.
»Mag er nur merken, wieviel ich ihm abnehme! Er tut, als sei ich ein dummes Kind, eine Schülerin, die hier nur Lorbeeren ernten will, die nur kommt, sich das Pferd zurechtmachen läßt, abreiten und alles, und die zwei Minuten vorher aufsitzt und das abgerittene Pferd reitet und springt. So was wie Lucie oder Fräulein von Wendt. Oder wie Sibylle es später machen wird, wenn sie je so weit kommt, daß man sie über ein Hindernis gehen lassen kann. So tut er, als sei ich so –«
Sie schrie jetzt. Dann zog sie die Schnur ihres Matchsackes über die Schulter und lief aus der Tür. Margot rannte hinterher.
»Wie willst du denn fort?« stammelte sie.
»Hach, ich komme schon nach Hause! Die Strecke fahren lauter Teilnehmer, da wird mich wohl einer mitnehmen!«
Gerade drehte vor dem Seiteneingang der große, blaue Transporter, mit dem sie hergefahren waren. Vorsichtig setzte er zurück und wandte seine Kühlernase in Richtung Ausgang.
»Hallo, Schallemann? Fahren Sie über Lauterbach?«
»Na klar, Frau Reuter. Wollen Sie mit?«
»Wenn Sie Platz für mich haben? Ich bleibe heute nacht nicht hier.«
Ange hatte sich schon ins Fahrerhäuschen geschwungen und klappte die Tür zu. Margot stand und sah ihr nach.
Ich ruf sie an. Sobald sie zu Hause ist, ruf ich sie an, dachte sie unausgesetzt. Dann ist sie zur Vernunft gekommen und hört auf mich. Das geht doch nicht – das ist doch unmöglich. Kornelius darf nie erfahren, daß sie wirklich losgefahren ist. Morgen in aller Frühe muß sie wieder hier sein, komme was wolle –
Ehe der Wagen richtig anzog, sprang sie ihm doch noch nach, schwang sich auf das ziemlich hohe Trittbrett und guckte durch die Scheibe. Sie machte wilde Zeichen, Ange solle das Fenster herunterkurbeln, dann aber hielt sie inne. Ange saß neben dem Fahrer, in sich zusammengekrochen und ohne zu ihr herzusehen. Sie starrte vor sich hin, dann legte sie beide Hände vor das Gesicht und beugte den Kopf nach vorn. Diese stumme, resignierte Bewegung sah Ange so wenig ähnlich, sie war so fremd und erschreckend, daß Margot alle Energie in sich erlahmen fühlte. Sie hielt in ihrem Winken inne, ließ sich vom Trittbrett fallen und sah dem Wagen nach, wie er auf der Autostraße kleiner und kleiner wurde, bis er verschwand. Dann drehte sie um und ging langsam zum Stall zurück.
»Na?« fragte Lena König, die auf der Tribüne saß und merkte, daß ihr Bruder sich neben sie setzte. Sie sah ihn nicht an, weil sie den Umlauf eines ihr bekannten Pferdes beobachtete. »Sauber, sauber! Hat viel dazu gelernt, findest du nicht?«
Schweigen. Der Reiter schlug an. Lena machte eine ärgerliche Bewegung mit der Hand.
»Na, ein Klötzchen mußte wohl fallen, sonst wäre er in den Himmel gewachsen. Hat’s aber wacker gemacht –«
»Du, Ange ist nach Hause«, sagte Kornelius ohne Übergang. Er sagte es mit einer Stimme, die Lena herumriß. Sie starrte ihn mit aufgerissenen Augen an.
»Bist du wahnsinnig? Warum denn?«
»Weil ich sie angeschnauzt habe.«
»Und warum hast du –?«
»Weil sie gesprungen ist. Drüben, auf dem Abreiteplatz, ich hatte es ihr ausdrücklich verboten.«
»Und?«
»Brokat lahmt.«
Frau König schwieg. Sie fühlte am Tonfall ihres Bruders, wie nahe ihm das Ganze ging. Es ging auch ihr sehr nahe. Jetzt darf ich nichts Falsches sagen, dachte sie, jetzt muß ich es richtig machen –
»Du sagst, du hättest es ihr ausdrücklich verboten.« setzte sie an, vorsichtig, beinah nebenher, während sie mit den Augen den Ritt des nächsten Teilnehmers verfolgte, »bist du nicht manchmal ein wenig scharf mit ihr? Wenn sie nicht mit dir verheiratet und allein mit ihrem Pferd hier wäre, würde ihr auch niemand verbieten zu springen.«
Er schwieg.
»Natürlich nicht«, sagte er nach einer Weile leise und erbittert, »so aber – sie sollte froh sein, wenn jemand für sie denkt!«
»Ach, Kornelius!« Lena sah ihn an. »Wie alt ist Ange? Dreizehn? Oder zwanzig? Hast du denn ganz vergessen, wie du mit zwanzig warst?«
»Auf keinen Fall disziplinlos«, sagte er heftig. Lena lächelte traurig.
»Vielleicht nicht. Weil keiner dir etwas verbot. Aber ich hätte nicht erleben mögen, wie du reagiert hättest, wenn dir jemand etwas zu verbieten gewagt hätte.«
Kornelius schwieg. Er saß und sah gedankenlos zu, wie das Hindernis vor ihnen, das soeben gerissen worden war, wieder aufgebaut wurde. Lena blickte aus den Augenwinkeln zu ihm hin. Dann vertiefte sie sich in ihr Programm, in das sie Zeit und Fehler des letzten Reiters einschrieb. Der Angelhaken schien zu sitzen.
Margot hockte im Stall. Sie hatte Brokat einen kühlenden Umschlag gemacht und saß nun auf deren Krippe. Von Zeit zu Zeit sah sie auf die Uhr. Die Zeiger schlichen.
Schließlich war es soweit, daß man annehmen konnte, Ange sei jetzt zu Hause. Margot stand auf, putzte an ihrer Hose herum, steckte ihr Geldtäschchen ein und verließ den Stall.
Die fliegende Postagentur befand sich im selben Gebäude wie ihre Ställe, nur am andern Ende. Man konnte hier Briefe einstecken, Briefmarken kaufen, Telegramme aufgeben und telefonieren. Margot schob sich vor den kleinen Schalter und verlangte die Lauterbacher Nummer. Ein freundlicher Herr blickte durchs Fensterchen und antwortete in einem bezaubernden Sächsisch, das sie in jedem andern Fall zu prustendem Gelächter gebracht hätte:
»Gleich, Frollein, mit Vagniechen. Bloß jetzt quasselt grade eener. Se wem lachen, ooch dahin.«
»Wohin?« fragte Margot aufhorchend.
»Na, nach Lauderbach. Uff eemal is das große Mode. Aber Se griechen Ihre Verbindung, glar wie Gloßbriehe.«
»In welcher Zelle denn?« fragte Margot.
»In der Eens. Da, der Härre. Aber steernse nicht.«
»Bewahre!« Margot machte zwei Schritte, spähte durch das viereckige Fensterchen der Zellentür und erkannte Kornelius. Rasch lief sie wieder zurück.
»Gut, daß Sie mich drauf aufmerksam machten«, sagte sie zu dem Postbeamten, »mein Gespräch erledigt sich dadurch. Tausend Dank!« und entsprang. Etwas leichter war ihr nun doch ums Herz.
In der Nacht aber konnte sie nicht schlafen. Nachts sieht immer alles so bedrohlich aus, nachts ist man seinen...
| Erscheint lt. Verlag | 8.1.2016 |
|---|---|
| Verlagsort | Copenhagen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch ► Bilderbücher ► Erzählerische Bilderbücher | |
| Schlagworte | Ange • Band • Familie • Landleben • Lebensweg • Pferde • Tiere • Turnier |
| ISBN-10 | 87-11-50823-X / 871150823X |
| ISBN-13 | 978-87-11-50823-7 / 9788711508237 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich