Josi und die anderen (eBook)
126 Seiten
Saga Egmont (Verlag)
978-87-11-50963-0 (ISBN)
Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch 'Tapfere junge Susanne'. Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.
Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch "Tapfere junge Susanne". Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.
»Die Sorge überlaß mir«, sagte Frau Gieseking und strahlte ihn an, »aber Vater ist ja genauso verliebt in Josi wie du und ich. Wahrhaftig, Leo, du bist ein Glückskind! Und so nahe bei uns werdet ihr wohnen? Ach, Männe, Männe, eine größere Freude konntest du mir nicht machen!«
Der alte Kostewitz saß mit seiner Nachtisch-Zigarre im Schatten der alten Blutbuche und war gerade dabei, einzunicken, da sah er drüben am Zaun zwei Radfahrer vorbeikommen. Er erkannte seinen künftigen Bereiter und blinzelte ein wenig, während er nach der Lücke im Gebüsch blickte, die gleich die Aussicht freigeben würde. Ja, ein Mädchen war dabei, vermutlich das Fräulein Braut. Heut früh waren die Möbel gekommen, wahrscheinlich wollten die beiden jetzt einräumen. Lange würde das nicht dauern, bei den paar Stücken ...
Der Baron ließ sich Zeit, obwohl er jetzt ganz munter war und eigentlich große Lust hatte, gleich einmal hinüberzugehen und sich das kleine Fräulein anzusehen. Na, aber verliebte junge Leute, die ihr ›Nestchen‹ bauen — er krauste die Nase und schüttelte sich, als habe er Essig getrunken —, die ließ man wohl am besten zunächst allein. Er entzündete seine Zigarre neu, ärgerte sich, daß sie nicht gleich wieder in Gang kam, und legte sie weg. Daß ihn die junge Frauensperson bei ihrem ersten Auftreten hier schon um die Mittagsruhe gebracht hatte, gefiel ihm gar nicht und verhieß sicher nichts Gutes für die Zukunft. Pferdepfleger sollten eigentlich ledig sein, sie kümmerten sich dann besser um die Tiere. Eine Frau lenkt immer ab ... »Opa ist sauer«, verkündete der jüngste Kostewitz, der eben mit Pfeil und Bogen durch das Gebüsch des großväterlichen Gartens kroch und den Sippenältesten, statt friedlich schlummernd, mißgelaunt und kopfschüttelnd lesend vorfand. Schnell robbte er rückwärts und verlegte seinen Kriegspfad in eine ungefährlichere Gegend. Wenn Opa sauer war, begegnete man ihm besser nicht.
Eine Stunde später stakte der alte Herr, den Stock in der Hand, die hellen, durchdringenden Augen in die Ferne gerichtet, hinaus zu den Stallungen, die etwas abseits des Hofes lagen. Eine richtige alte Landstraße führte hin, unbeleckt vom Autoverkehr, holprig und ausgefahren, mit knorrigen Apfelbäumen rechts und links. Hinter dem breiten, niedrigen Stallgebäude begannen sofort die Koppeln.
Vor der Tür der Kutscherwohnung stand noch der Möbelwagen. Er sollte wohl erst am andern Tag abgeholt werden. Kostewitz warf einen Blick auf die Fenster der beiden Räume, die nach vorn hinaus, nach Süden, lagen; es hingen noch keine Vorhänge daran. Dann ging er in den Stall.
Es war Futterzeit. Otto, der bisherige Pfleger, der seines Alters wegen aufhören wollte zu arbeiten, gab gerade den Hafer aus, peinlich genau wie stets. Er hatte ihn noch nicht gesehen. Gerade trat er an eine der holzverschalten Boxen heran und fragte etwas. ›Wahrscheinlich sieht Gieseking sich den Betrieb gleich an‹, dachte Kostewitz und trat neben seinen alten Burschen.
In der Boxe stand Josi. Sie hatte sich eine Stallschürze gegriffen, die ihr viel zu groß war, grün mit lederharten Bändern. Gerade hielt sie einen Eimer Wasser mit beiden Händen vor sich. Daraus trank die Stute, die in diese Box gehörte, langsam, hingegeben und dankbar, wie Pferde trinken, und Josi sah ihr dabei zu. Sie schüttelte das dunkle Haar aus der Stirn und machte eine abwehrende Bewegung nach der Boxentür zu.
»Still doch. Beim Trinken brauchen sie Ruhe. Jaja, trink du nur weiter, du brauchst es, wovon soll denn sonst dein Baby satt werden.«
Kostewitz stand still. Er sah das Persönchen an, das vor dem ungezäumten Pferd noch kleiner wirkte, kindlich klein, mit Heu und Stroh an den Sachen und der so komischen Himmelfahrtsnase, die aber gut zu ihrem Gesicht paßte.
»Guten Tag. Kostewitz. Wenn ich nicht irre —«
»Nein, Sie irren nicht, ich bin die zukünftige Frau Gieseking, in acht Tagen heiß ich wirklich so«, lachte sie und kam an die Tür. Die Stute war eben fertig mit Trinken. Der alte Herr fühlte eine heiße, harte kleine Hand in der seinen.
»Ich wollte einmal hereinsehen.«
Jetzt kam auch Leo. Er begrüßte seinen Arbeitgeber erhitzt und aufgeräumt.
»Wir sind gleich an die Arbeit gegangen, Ihr Bursche war so freundlich, mir alles zu zeigen. Er ist, glaub ich, ein hervorragender Pferdemann. Und die Pferde — ich freu mich so auf den Betrieb hier.«
»Das ist recht.« Sie standen im Gang, Josi noch mit dem leeren Eimer in der Hand, ganz unbefangen. Der alte Herr konnte nicht gleich den richtigen Ton finden.
»Es tut mir aufrichtig leid, daß Sie — ja, ich meine, wegen der Wohnung. Ich hatte keine Ahnung, daß Sie — daß Ihr Verlobter die Absicht hat, zu heiraten.«
»Ach ja, die Wohnung. Ich hab vorhin mal reingeguckt, ganz prima, genau wie Leo sagte. Und ich denke, die Sachen, die wir haben, bringen wir glatt unter.«
»Haben Sie noch nicht —«
»Eingeräumt? Ach nein. Ich wollte doch gern erst mal hier alles sehen. Die Pferde. Das andere hat ja Zeit bis abends, oder bis morgen. Ich mußte hier Bekanntschaft schließen. Am besten gefällt mir —«
»Aber Josi. Herr von Kostewitz —«
»Lassen Sie doch. Wer gefällt Ihnen denn am besten?«
»Der Holdi. Ich glaub, der wär was für mich. Ich meine ...«
»Sie reiten auch?«
»Na, Leo, kann man es so nennen? Sagen wir, ich bemühe mich. Die allerersten Anfangsgründe hab ich vielleicht begriffen —«
»Du reitest ganz ordentlich für die Zeit, die du gelernt hast, Josi. Das kann ich mit gutem Gewissen bestätigen. Ich habe ja selbst den Reitwart und kann es beurteilen«, sagte Leo.
»Ja? Fabelhaft!« rief Josi. »Das hat er mir nämlich noch nie zugegeben, müssen Sie wissen. Ich mach mir wirklich keine Illusionen über meine Künste im Sattel, und so wie Helga, Helga Martens, wissen Sie, lern ich es nie. Aber ich hab Pferde eben so furchtbar gern.«
»Und Sie haben wirklich noch nichts von der Wohnung eingerichtet? Sie sind gleich hergekommen?« Der alte Herr schien das nicht fassen zu können. Eine junge Frau, die ihre Möbel über fremden Pferden vergißt, gab es denn das? Er war starr.
»Wenn wir hier fertig sind, fangen wir schon an«, sagte Josi, etwas schuldbewußt, aber schon wieder ganz aufgeregt vor Gespanntheit, «jetzt kommt der Bolko, den wollte ich schon immer sehen, ich kenn ihn aus dem Landwirtschaftsblatt. Sohn vom Baron, nicht wahr —« sie stellte den Eimer krachend auf den Ziegelboden und lief zur Tür. Leo sah ihr etwas verlegen nach.
»Bitte wundern Sie sich nicht. Meine — also Josi ist noch sehr — ich meine, sie sagt alles, was sie denkt.«
»Doch, ich wundere mich. Ich wundere mich sogar sehr. Der Teufel mag wissen, ob ich mich schon jemals im Leben so gewundert habe«, sagte der Alte. »Läuft hier im Stall herum, füttert und tränkt —«
»Sie macht es bestimmt richtig«, entschuldigte sich Leo. Ihm wurde immer unbehaglicher zumute. »Ich sehe ihr auch sehr auf die Finger.« »Mann, ich glaube, Sie wissen gar nicht, was Sie sich da ausgesucht haben! Mit so einer Frau — tatsächlich, ich habe es Ihnen damals nicht geglaubt, aber jetzt glaub ich es Ihnen — mit so einer Frau können Sie es wagen. Ohne Bedenken! Mit so einem Menschen neben sich kann man, glaub ich, alles wagen.«
Jetzt erst verstand Leo. Er strahlte auf. Ihm war zumute, als habe ihm jemand das Paradies bescheinigt. Sein ganzes breites Gesicht war ein einziger Glanz.
»Wir waren schon gute Kameraden, als sie noch so klein war« — er maß vom Boden eine geradezu unwahrscheinlich geringe menschliche Größe ab — »Josi ist mit uns aufgewachsen, mit meinem Bruder und mir. Einmal hatte meine Mutter sie sogar ein ganzes halbes Jahr bei sich. Immer wünschte sie sich eine Tochter. Und so wurde Josi einfach ein Bestandteil unseres Lebens. Sie ist der beste Kamerad, den man sich denken kann.«
»Das glaub ich. Ein Kamerad fürs Leben. Gieseking, Sie müssen ein Sonntagskind sein. Stimmts? Na also. Sowas widerfährt nicht jedem Sterblichen.«
— — — »Du hast eine Eroberung gemacht, Josi«, sagte Leo lachend, als sie spät abends heimradelten.
»So? Wen denn? Bist du auf Otto eifersüchtig? Ich finde ihn übrigens prima. Die Pferde, die der in der Hand hat, sind gut dran, bestimmt.«
»Nein, nicht Otto. Höher hinauf. Rat mal weiter, Josi!«
»Den Bolko? Meinst du, daß der mich mag?«
»Noch höher.«
»Noch höher? Gibts ja gar nicht. Nun rück schon raus!«
»Du rätst es nie: der alte Herr. Ja, unser verehrter Herr Brötchengeber Kostewitz hat sich in dich verliebt, Josi!«
Leo sprang vom Rad und ließ es gegen einen Straßenbaum fallen. Dann rannte er hinter Josi her und hielt sie am Sattel fest. Sie strampelte und mußte schließlich herunterhopsen. »Was hast du denn auf einmal?«
»Was ich hab? Josi, dich hab ich! Dich! Er fragte, ob ich mir darüber klar wäre, was das bedeutet!«
Leo hatte das Gefühl, als bräche das Glück wie ein breiter Strom aus seinem Herzen, ein Strom, der Dämme und Deiche sprengt.
Sie stand ganz still an ihn gelehnt. Auch über sie flutete es hin, warm und wunderbar. Wenn sie aufblickte, sah sie über sich Leos Gesicht und, zwischen den Kronen der alten Bäume, den weiten, sommerlichen Sternenhimmel ihrer Kinderheimat.
»Jetzt ist sie gekommen«, sagte sie auf einmal.
»Wer?« fragte Leo leise.
»Die Sternschnuppe. Eben dort! Ganz golden. Weißt du noch, wie ich auf sie wartete, damals nach dem Fasching? Als du so traurig warst?« »Ich weiß es noch, Josi. Du wolltest dir etwas wünschen, für mich.«
»Aber damals kam...
| Erscheint lt. Verlag | 8.1.2016 |
|---|---|
| Verlagsort | Copenhagen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch ► Bilderbücher ► Erzählerische Bilderbücher | |
| Kinder- / Jugendbuch ► Jugendbücher ab 12 Jahre | |
| Schlagworte | Erwachsenwerden • josi • Lebensfreude • Lebensweg • Pferde • Studium • Tiere • Umzug |
| ISBN-10 | 87-11-50963-5 / 8711509635 |
| ISBN-13 | 978-87-11-50963-0 / 9788711509630 |
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